Literatur und Theater der Griechen

Lediglich ein Bruchteil der alten griechischen Literatur ist noch erhalten, aber das, was existiert, ist unübertroffen an Vielfalt, Geist und Feinheit. Die griechische Literatur hat die europäische Geisteswelt direkt oder indirekt über die römische Literatur nachhaltig beeinflusst. Ilias und Odyssee
Homer, einer der größten Namen in der Weltliteratur, ist nach wie vor umstritten. Wir wissen nicht, ob es sich bei den Dichtungen, die ihm zugeschrieben werden, um Meisterwerke eines einzelnen handelt oder aber um die Zusammenstellung verschiedener Werke zur gleichen Thematik. »Ilias« und »Odyssee« gelten als die größten Werke der Literatur. Sie entstanden in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts v. Chr. Es werden Geschehnisse einer vergangenen, legendären Heroenwelt berichtet. Die Ilias vermittelt ein Gesamtbild vom Trojanischen Krieg. Obwohl dieses Epos auf historischen Fakten basiert, ist es gleichzeitig ein poetisches Meisterwerk. Die Odyssee beschreibt Erlebnisse des Odysseus bei seiner Rückkehr aus dem Kriege. Etwas später als Homer schrieb Hesiod zwei epische Gedichte mit streng didaktischen Elementen, »Werke und Tage« und »Theogonie«. Nur noch ein anderer Epiker von Rang ist uns bekannt, Apollonios von Rhodos (geb. 3. Jh. v. Chr.). Im Allgemeinen bevorzugten die griechischen Dichter ein hohes Maß an Freiheit in Metrik und Ausdruck. Die lyrische Form lag ihnen deshalb besonders. Diese hatte ihren Ursprung in den zur Leier gesungenen Liedern und erreichte ihre Blütezeit während des 8. und 7. Jahrhunderts v. Chr. Es existieren nur Fragmente, die die Leidenschaft, den Charme und die Lebenskraft solcher Dichter wie Terpander, Sappho und Alkaios von Lesbos, Alkman aus Sparta, Anakreon aus Teos und Simonides von Keos bezeugen. Stesichoros, dessen Dichtung heroisch-epischen Charakter hat, gehörte schon im 5. Jahrhundert zu den Klassikern der Lyrik und hatte starken Einfluss auf Pindar (522-446 v.Chr.). Die griechischen Tragödien
Vor allem im Bereich des Dramas haben wir den Griechen viel zu verdanken. Die 32 Tragödien, die noch vorhanden sind, haben seit mehr als 2000 Jahren das Publikum beeindruckt und andere Schriftsteller inspiriert. Die bedeutendsten Vertreter waren Aischylos (525-456 v. Chr.), Sophokles (496-406 v. Chr.) und Euripides (um 480-406 v. Chr.). Aischylos besticht durch seine Erhabenheit, Sophokles durch seine Fähigkeit, moralische Konflikte darzustellen, und Euripides durch sein Wissen um die menschliche Natur. Griechische Tragödien wurden bei Festspielen aufgeführt: Man brachte jeweils drei Tragödien sowie eine Satire, eine Parodie alter Legenden. Nicht geklärt ist nach wie vor, wie die Tragödie sich zu dieser intellektuellen Form entwickelt hat, in der sie überliefert ist. Wahrscheinlich liegt ihr Ursprung in den Chorliedern, die bei religiösen Festspielen dargeboten wurden. Ein halblegendärer Dichter namens Thespis ergänzte die Chorlieder 534 v. Chr. durch erklärende Verse. Das eigentliche Drama mit einem Konflikt verschiedener Charaktere geht auf Aischylos zurück, der einen zweiten Schauspieler einführte. Das gesprochene Wort wurde so zur Hauptsache. Sophokles erhöhte die Zahl der Schauspieler auf drei und ließ den Chor zum Sprachrohr des Dichters werden. Bei Euripides ist der Chor nur noch Mitleidender, der Held seines Dramas ist das Individuum, dem ein tragisches Schicksal widerfährt. Die griechische Komödie, deren Ursprung in Spottliedern (auch erotischen) liegt, ist oft eine bissige Satire auf führende Personen der Zeit, meist in derber, karikierender Weise, wie z. B. bei Aristophanes (vor 445 um 385 v. Chr.). Menander (342-291 v.Chr.) schrieb urbane und bürgerliche Komödien, denen jedoch die Schärfe des Aristophanes fehlte. Imitiert und ins Lateinische übersetzt von Plautus und Terenz, haben sie William Shakespeare und Moliere beeinflusst. Die Geschichtsschreiber
Die beiden größten Geschichtsschreiber des alten Griechenland unterschieden sich deutlich. Herodot (um 484 um 425 v. Chr.), ein leidenschaftlicher Reisender und Erzähler, berichtete vornehmlich über den Kampf zwischen Persien und Griechenland. Der erste wissenschaftliche Geschichtsschreiber war Thukydides (um 460 nach 399 v. Chr.), der die in seinem Bericht über den Peloponnesischen Krieg geschilderten Ereignisse durchlebt hat. Offenbar hat er Teilnehmer und Augenzeugen beider Seiten befragt und so Ursache und Wirkung miteinander verknüpfen können. Sein Stil besticht durch Knappheit. Weitere Geschichtsschreiber waren Xenophon (430 um 354 v. Chr.), dessen Anabasis den Rückzug von 10 000 Griechen über Kleinasien beschreibt, und Polybios (200 um 120 v. Chr.), der in seiner Universalgeschichte ausführlich über den Aufstieg Roms berichtet. Die beiden übrigen Zweige griechischer Literatur sind Redekunst und Philosophie. Unter den führenden Rednern wie Lysias, Isokrates und Aischines war Demosthenes (384-322 v. Chr.) der bedeutendste. Als aktiver Politiker wurde er bekannt durch seine Reden gegen Philipp II. von Makedonien und seine Verteidigungsrede Über den Kranz. Aristoteles (384-322 v. Chr.) glanzvollstes literarisches Werk ist verloren gegangen, wenn auch die in seiner Ethik, seiner Politik und Poetik dargelegten Theorien von nachhaltigem Einfluss waren. Platons (427-347 v.Chr.) Dialoge sind Meisterwerke griechischer Prosa.

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Info 18.01.2018 05:04
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