Die Kelten (500 v. Chr. bis 450 n. Chr.)

Über die Zeit seit Beginn der zweiten Phase der keltischen Kultur, in der Archäologie La-Tène-Zeit genannt, wissen wir wesentlich mehr als über die früheren Epochen, denn aus dieser Zeit gibt es auch schriftliche Zeugnisse. Sie vermitteln ein viel deutlicheres Bild über die damals lebenden Völkerstämme als die kunsthandwerklichen Kultobjekte, Gebrauchsgegenstände und Waffen, die aus älterer Zeit erhalten geblieben sind. Die ersten 500 Jahre dieses Kapitels europäischer Geschichte zeigen Wachstum und Entwicklung der keltischen Welt sowie ihren allmählichen Niedergang beim Aufstieg Roms. Die Entwicklung der keltischen Kultur
Mit La Tène bezeichnet man den Abschnitt der keltischen Kultur, der um 500 v. Chr. beginnt und aus dem die großartigsten Zeugnisse überliefert sind. Wie im Falle der Hallstattkultur (700-500 v. Chr.) stammt der Name La Tène von einer größeren archäologischen Fundstätte. Im 19. Jahrhundert wurden zahlreiche religiöse Opfergaben in La Tène, einer Untiefe am Nordende des Neuenburger Sees in der Schweiz, entdeckt, sie belegen deutlich Veränderungen in den Lebensgewohnheiten dieser Stämme und in dem technischen Entwicklungsstand. Wie schon bei den Kelten der Hallstattzeit verbreitete sich auch ihre Technik und ihr Lebensstil ziemlich schnell über einen Großteil Europas. Die keltische Gesellschaft war aristokratisch gegliedert. Die verschiedenen Stämme hatten in der Regel einen König, unter ihm standen die adligen Krieger und die freien Bauern. Die Kelten hatten eine hoch entwickelte Religion mit einer einflussreichen Priesterschaft – den Druiden -, die eine Klasse für sich bildete. Außerdem gab es Sklaven. Die Kelten verwendeten einen leichten, zweirädrigen Streitwagen, der von zwei kleinen Ponys gezogen wurde, und erreichten eine beachtliche Kunstfertigkeit in der Metallbearbeitung. Ungefähr zur gleichen Zeit änderte sich auch ihr Kunststil. Die Elemente der Urnenfelder-Kultur aus der Hallstattzeit, die Tierkunst der Skythen, griechische Blattmotive und Stilelemente aus noch weiter im Osten liegenden Ländern verschmolzen zu einer Kunst von großer Ursprünglichkeit, Feinheit und oft magischer Bedeutung. Nach 500 v. Chr. verbreitete sich diese neue Form rasch, um 300 v. Chr. war sie maßgebend in einem Raum, der von der Ostsee bis zum Mittelmeer, vom Schwarzen Meer bis zum Atlantik reichte. Der Alltag der Kelten
Bei den frühen Kelten beruhte das Geschichtsbewusstsein auf mündlicher Überlieferung. Die La-Tène-Zeit ist jedoch, anders als die frühe Hallstattkultur, auch literarisch belegt. Unser Wissen über das tägliche Leben der Kelten beruht zum größten Teil auf Darstellungen im griechischen und römischen Schrifttum (Polybios, vor 200-um 120 v. Chr., Gajus Julius Cäsar, 100-44 v. Chr. und andere). Sie werden als große, kräftige und hellhäutige Menschen geschildert. Dies galt besonders für die Kriegerkaste. Das Ideal eines Kriegers wiederum waren die gaestatae (Speerträger), eine hoch spezialisierte Klasse keltischer Krieger. Mit wirkungsvollen Eisenwaffen ausgerüstet, überrannten die Kelten im 4. und 3. Jahrhundert v. Chr. Mitteleuropa, besiegten ihre etruskischen Nachbarn um 400 v. Chr., eroberten Rom 390 v. Chr. und plünderten den Schrein von Delphi im Jahr 279 v. Chr. Aber sie waren nicht nur Krieger. Durch ihre meisterhafte Eisenbearbeitung erreichten sie eine hohe Zivilisationsstufe, sie erschlossen neues Land und entwickelten die Landwirtschaft weiter. Ihre Wirtschaft beruhte auf dem Anbau von Getreide und Gemüse, der Viehzucht und auf dem Handel. Die beiden Merkmale ihrer Kultur – Eroberungszüge und Sesshaftwerden – lassen sich am besten in ihren Bergfestungen (Oppida) erkennen, deren Überreste in ganz Europa erhalten sind. Diese ursprünglich als Fluchtburgen angelegten Forts entwickelten sich zuweilen auch zu Frühformen echter Städte und zu Zentren wirtschaftlichen und politischen Lebens, wie z. B. Bibracte nahe Autun in Frankreich. Dieser Ort bedeckte mit seinen Gebäuden, Straßen und Läden eine Fläche von über 130 ha. Die Römer ließen die Ansiedlung bei der Gründung Autuns (Augustodunum, 1. Jh. v. Chr.) räumen. Der Aufstieg des Römischen Reiches
Durch ihren Sieg bei Telamon in Italien führten die Römer den ersten entscheidenden Schlag gegen die Kelten. Aber auch, als die Kelten schon endgültig unterworfen waren, pflegten sie ihre Tradition und ihre Sprache weiter, wenn auch in Formen, die den Erfordernissen der römischen Institutionen entsprachen. Auf den britischen Inseln gerieten nur Irland und ein großer Teil von Schottland nicht unter römische Herrschaft. Hier überlebten die keltischen Traditionen und Gebräuche weitgehend, ohne fremden Einflüssen erlegen zu sein, hier wurden sie im 5. Jh. n. Chr. von Schriftkundigen einer keltischen Kirche, die das Erbe ihres Volkes hochhielt, niedergeschrieben. Das Römische Reich bestand bis ins 5. Jahrhundert n. Chr. Aber vom 3. Jahrhundert an war es zunehmend mehr durch mächtige »Barbaren« gefährdet. Diese Barbaren aus dem Norden – aus Gebieten östlich des Rheins und aus den Steppenregionen des Ostens – zerstörten das Reich dann, gleichzeitig schufen sie die Grundlagen für ein feudales Europa. Diese heidnischen Völkerschaften machten der jungen christlichen Kirche in Europa zunächst erheblich zu schaffen. Vornehmlich keltische Missionare brachten diese Barbarenstämme dann unter den Einfluss der Kirche, die die Kontinuität der römischen Tradition bewahrte.

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Info 22.11.2017 17:23
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