Das römische Kaiserreich

Oktavian wurde der unumstrittene Herrscher der römischen Republik und des Kaiserreiches, nachdem er 31 v. Chr. Mark Anton in der Schlacht von Aktium besiegt hatte. Zweifellos hatte er die Absicht, eine eigene Dynastie zu gründen, aber er war ein zu kluger Politiker, als dass er den starken republikanischen Gedanken in Rom unterschätzt hätte. Als er 29 v. Chr. aus dem Osten zurückkehrte, führte er nach außen hin die Republik wieder ein, riss aber im Innern nach und nach die absolute Macht an sich. Kaiser Augustus
Der Senat verlieh Oktavian die Ehrentitel Princeps (Erster Bürger) und Augustus. Unter diesem Namen ist er seither bekannt. Außerdem erhielt er den Status eines Konsuls und eines Tribunen mit dem Recht, den Senat einberufen, ein Veto gegen dessen Beschlüsse einlegen und Edikte erlassen zu können. Auf diese Weise konnte Augustus seinen Einfluss über Rom und über ganz Italien ausdehnen und große Programme durchführen. Das Reich war eingeteilt in die älteren, von Prokonsuln regierten Provinzen und in die neueren Militärprovinzen, die durch Legaten regiert wurden. Diese ernannte Augustus in seiner Eigenschaft als Prokonsul mit Sondervollmacht. Das Heer wurde vom Kaiser in 28 Legionen neu gegliedert, diese bestanden aus Berufssoldaten mit einer Dienstzeit von 20 bis 25 Jahren. Sie rekrutierten sich aus römischen Bürgern und einer ebenso großen Zahl von Hilfstruppen aus den Provinzen. Dieses System, nach dem der Kaiser mit dem Senat regierte, blieb über 200 Jahre bestehen. Es kam zunächst darauf an, Ruhe und Ordnung wiederherzustellen und die Grenzen des Reiches zu sichern. Augustus führte Expeditionen nach Gallien und auf die Iberische Halbinsel durch und gliederte beide Gebiete in je drei Provinzen. Die Donaulinie wurde durch eine Reihe von Militärprovinzen mit starken Garnisonen gesichert. Ab 12 v. Chr. versuchte er immer wieder, die Grenze über den Rhein bis an die Elbe vorzuschieben. Als die Germanen aber drei Legionen unter Varus im Jahr 9 vernichteten, wurde Augustus faktisch gezwungen, es bei dem Rhein als Grenze zu belassen. Im Osten schloss er Frieden mit den Parthern, die Provinz Armenia wurde ein Pufferstaat. Im Innern beseitigte er das Räuberunwesen und vereinheitlichte die Besteuerung. Die Gesetze wurden im ganzen Reich in Übereinstimmung gebracht. Augustus starb 14 n. Chr. Sein Nachfolger Tiberius (Regierungszeit 14-37) setzte die Befriedung im Innern erfolgreich fort, so dass auch die Unfähigkeit eines Caligula (Regierungszeit 37-41) keinen größeren Schaden anrichten konnte. Unter Claudius (Regierungszeit 41-54) begann die Eroberung der Landesteile, die die Römer als Provinz Britannia bezeichneten. Das Gebiet in Nordafrika, Mauretania (heute Marokko und Algerien), wurde besetzt. Probleme der Nachfolgeschaft
Ein großer Nachteil des von Augustus geschaffenen Systems lag darin, dass die Thronfolge nicht eindeutig festgelegt war. Als im Jahr 48 sein letzter, direkter Nachkomme Nero getötet wurde, stellten verschiedene Teile des Heeres vier rivalisierende Kandidaten auf. Nach einem blutigen Bürgerkrieg führte Vespasian (Regierungszeit 69-79) eine Regelung ein, derzufolge jeder Kaiser seinen Nachfolger »adoptieren« und dem Reich dadurch Stabilität verleihen sollte. Trajan (Regierungszeit 98-117) schob die Reichsgrenzen erneut vor und verleibte die Gebiete Dakiens, Armeniens und Mesopotamiens dem Reich ein. Die beiden letztgenannten Länder gab Hadrian (Regierungszeit 117-138) jedoch wieder auf. Er verstärkte die bestehenden Reichsgrenzen und baute einen Wall quer durch Nordengland und eine befestigte Linie zwischen Donau und Rhein. Um Verwaltung und Rechtsprechung zu kontrollieren, unternahm er viele Reisen. Frieden und Wohlstand
Unter den Antoninen (so genannt nach dem Familiennamen von Hadrians Nachfolger Antoninus) herrschte länger Frieden. Man konnte zu Lande und zu Wasser sicher von der Provinz Britannia bis in die Provinz Arabia reisen. Der Handel blühte. Eine Kultur, zwei Sprachen – Latein und Griechisch – sowie ein einheitliches Rechts- und Verwaltungssystem hatten überall Gültigkeit. Große Städte mit prachtvollen öffentlichen Gebäuden entstanden in den Provinzen. Jedermann bemühte sich, das römische Bürgerrecht zu erhalten. Das System hatte jedoch auch seine Schwächen. Rom war durch Abgaben und Steuern der Provinzen reich geworden. Dadurch wuchs der Neid in den Provinzen, die wirtschaftliche Aktivität in Italien ließ nach. Die Lage verschlechterte sich noch, weil nur die Sklaven produktive Arbeit leisteten und die Bevölkerung stetig abnahm. Für die vielen Verwaltungs- und Militärposten, von denen die Regierung des Reiches abhing, gab es nicht mehr genügend römische Bürger. Infolgedessen bekleideten immer häufiger Angehörige fremder Völker hohe Stellungen im Staat. Unter Mark Aurel (Regierungszeit 161-180) ging die Friedenszeit zu Ende. Im Osten wehrten die Römer einen Angriff der Parther ab, aber die heimkehrenden Truppen brachten die Pest mit, die das ganze Imperium verheerte. An Rhein und Donau wurden die Barbaren infolge starker Bewegungen der Goten in Zentraleuropa vorwärtsgetrieben. Im Jahr 167 überschritten mehrere Stämme die Donau und die Alpen und drangen in Italien ein. Auch die Provinz Dacia wurde überrannt, und Mark Aurel verbrachte den Rest seiner Regierungszeit vor allem damit, die Grenzen zu verteidigen.

Forum (Kommentare)

Tamara Knopf 10.02.2017 um 10:57:09 Uhr.
danke