Die römische Kunst (118 bis 550 n. Chr.)

Zur Zeit Trajans wurde die klassisch-griechische Tradition wieder stärker betont. Neue Baugedanken setzten sich unter seinem Nachfolger Hadrian (Regierungszeit 117-138) durch. Der wirtschaftliche Wohlstand des Imperiums führte zusammen mit der persönlichen Förderung durch den Kaiser zu einer Neubewertung griechischer Kultur. Diese prägte nun die römische Kunst des 2. Jahrhunderts n. Chr. entscheidend. Die neue Architektur
Hadrians Villa in Tivoli ist wahrscheinlich eine der schönsten in Italien gewesen. Die Ruinen zeugen von der Großartigkeit der Anlage. Gleichzeitig ist sie Symbol der neuen Architektur: Der komplizierte symmetrische Grundriss, die vielfältige Gestaltung der Räume, ein ausgeklügeltes System der Lichtzuführung und vieles andere mehr verraten das Streben nach Verselbstständigung der künstlerischen Absichten. Obwohl man diese Bauten frei in die Landschaft setzte und dadurch den Raum großzügig nutzte, stellt jeder einzelne Bau in sich eine Einheit von Form und Funktion dar. Unter Hadrian wird in Rom auch das Pantheon – der größte Kuppelbau der Antike – erbaut. In den Kaiserthermen entstehen übergroße, überladen ausgestattete Raumfolgen. Daneben wachsen rational konstruierte Mietskasernen in die Höhe. Bei den Thermen des Diokletian und bei der Maxentiusbasilika verbinden sich dann schon traditionelle Monumentalität mit der schlichten Form eines groß konzipierten Raumkörpers, den die christlichen Basiliken (4. Jahrhundert) als zeitgemäß übernehmen. Klare räumliche Baukörper sind überhaupt typisch für die frühchristlich-byzantinischen Kirchen des 5. und 6. Jahrhunderts (San Vitale in Ravenna, Hagia Sophia in Istanbul). Im oströmischen Imperium baut man zunächst ebenso wie im Westen, daneben sind jedoch neue Elemente wie alleinstehende und funktionslose Säulen, Skulpturnischen und eine Bauornamentik erkennbar, bei der die dekorative Ausstattung einem flächigen Schmuck bedeutungsloser Mosaiken weichen musste. Im 3. Jahrhundert waren die Kaiser fast ausschließlich mit der Verteidigung des Imperiums beschäftigt, sie konnten, abgesehen von militärischen Bauten, keine größeren öffentlichen Programme mehr verwirklichen. Der Palast des Diokletian (Regierungszeit 284-305) in Split ist eines der bedeutendsten militärischen Bauwerke der späten Zeit und symbolisiert die Wende von einem repräsentativ-dekorativen Baustil zum reinen Funktionalismus. Die Plastik
Die realistische Darstellungsweise, die die Kaiserbildnisse und die anderer hochgestellter Personen auszeichnete, weicht unter Trajan und Hadrian einer mehr klassischen Form, dieser wiederum folgt im Laufe des 2. Jahrhunderts eine malerisch-realistische Richtung, die mit virtuoser Bohrtechnik arbeitet und durch eine weit über die Realität hinaus getriebene Verfeinerung des Ausdrucks und der Körperlichkeit bestimmt ist. Körperhaftigkeit, Proportionen, übergreifende Raumverhältnisse und Sachlichkeit schwinden, werden in sachferne ornamentale Formen umgesetzt. Im Bronzeguss hielten sich Züge der klassisch-heroischen Einfachheit am längsten, wie es das kraftvolle Reiterstandbild des Mark Aurel (Regierungszeit 161-180) belegt. In der Reliefdarstellung beobachtet man im 2. Jahrhundert mehr und mehr Situationsschilderungen, die ins Allgemeine übersetzt werden: Größenordnung, Auswahl und Gruppierung der Bildgegenstände und die Gestik der Gestalten fügen sich ein. Beispiele sind die Trajanssäule und der Septimius-Severus-Bogen in Rom, eine gewisse Steigerung dieser Entwicklung zeigt die Mark-Aurel-Säule. Etwa ab 100 n. Chr. beginnt man aus nicht ganz verständlichen Gründen das Begräbnis der bis dahin im Römischen Reich üblichen Feuerbestattung vorzuziehen. Von dieser Zeit an werden die Gräber sorgfältiger gearbeitet, die Sarkophage reich geschmückt, deren Reliefs zeigen in dichtgedrängter Fülle Figuren und Gegenstände. Die Relieffläche offenbart sich in ihren Hell-dunkel-Kontrasten als wirklichkeitsferne, eigengesetzliche Bildwelt. Unter den Kaisern des 2. und 3. Jahrhunderts waren Statuen und Reliefs der Architekturdekoration oft so monumental und aufwendig, dass die dahinterliegenden Fassaden praktisch verschwanden. Aus dem 4. und 5. Jahrhundert sind vor allem Kaiserstatuen und -köpfe erhalten, die ein hohes Maß an Formalität, eine fast manirierte Starrheit und Strenge sowie eindringliche Gestik kennzeichnen. Zu dieser Wirkung mag auch beigetragen haben, dass der Meißel den Bohrer als Werkzeug des Bildhauers verdrängt hatte. Die Malerei und das Kunstgewerbe
Offenbar gab es in der Malerei nach dem sogenannten IV. Stil, erkennbar in Pompeji, keine Weiterentwicklung mehr. Das Mosaik, ursprünglich ein Fußbodenbelag, entwickelt sich im 2. und 3. Jahrhundert rasch zur führenden Technik der Wanddekoration und verdrängt damit eigentlich die Malerei. Trotz kaiserlicher Erlasse gegen privaten Prunk waren auffälliger Schmuck, prächtige Möbel mit Elfenbeineinlegearbeiten, Stücke aus Edelmetall, kostbare Gläser und künstlerische Keramik sehr beliebt. In der Spätzeit versuchte man, die Reize des Materials durch großflächige Modellierung zu steigern, die Keramik wird zusehends schlechter. Die Glasindustrie entwickelt sich hingegen zur höchsten Blüte, besonders im Rheinland und in Syrien.

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Info 18.12.2017 00:19
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