Rom: Die Soldatenkaiser bis Konstantin

Nach der Ermordung des römischen Kaisers Commodus im Jahr 192 n. Chr. begann unter vier Bewerbern der Kampf um die Nachfolge. Septimius Severus (Regierungszeit 193-211) konnte sich nur in einem blutigen Bürgerkrieg durchsetzen. Politische Anarchie
Auf Septimius folgte eine Familiendynastie. Eine eindeutige Regelung der Nachfolge fehlte aber. Die Legionen erkannten bald, dass sie nicht nur die Macht hatten, Kaiser zu wählen, sondern auch sie zu beseitigen – daher die beständigen Unruhen im Reich. In den 73 Jahren nach dem Tod des Septimius bis zur Machtübernahme durch Diokletian (Regierungszeit 284-305) gab es 27 Kaiser und viele Usurpatoren. Diese inneren Krisen des Reiches fielen mit neuen Bedrohungen von außen zusammen, »Barbaren« bedrängten wieder einmal die Grenzen des Imperiums. Alemannen und Franken drangen 236 in Gallien ein, 247 überquerten die Goten die Donau und töteten den Kaiser Decius (Regierungszeit 249-251) im Jahr 251. Im Osten drang eine neue persische Dynastie, die Sasaniden, in Syrien und Kleinasien ein und nahm 260 Kaiser Valerian (Regierungszeit 253-260) gefangen. Sein Sohn Gallienus (Regierungszeit 260-268) kämpfte erst fünf Rivalen nieder, bevor er die verlorenen östlichen Provinzen wieder erobern konnte. Aurelian (Regierungszeit 270-275) musste schließlich Dakien aufgeben, er begann jedoch, die Grenzen an Donau und Rhein wiederherzustellen. Probus (Regierungszeit 276-282) führte dieses Unternehmen erfolgreich zu Ende. Innere und äußere Unruhen machten Rom ständig zu schaffen. Gleichzeitig brachen staatliche Ordnung und Wirtschaft nach und nach zusammen. Es war unausweichlich, dass die Menschen für die misslichen Umstände Schuldige suchten, sie fanden sie in den Christen. Diese als Einzige weigerten sich, dem Kaiser wie einem Gott zu huldigen. Deshalb wurden sie unter Decius grausam verfolgt Noch schlimmer erging es ihnen unter Valerian. Das kulturelle Leben war davon jedoch wenig betroffen. Im 3. Jahrhundert wirkten nicht nur einige der bedeutendsten Vertreter des römischen Rechts – Papinianus, Paulus und Ulpianus -, sondern auch die Literatur erlebte eine neue Blütezeit. Die Teilung des Reiches
Eine Neuordnung des Imperiums wurde dringend erforderlich. Diese schuf Diokletian 293 mit seiner Reichsreform. Das Reich wurde in eine östliche und in eine westliche Hälfte geteilt, die von je einem »Augustus« und je einem »Cäsar« als dessen Stellvertreter regiert wurden. Die Provinzen gliederte man neu auf und vergrößerte die Grenztruppen. Eine Münzreform sollte den Wert des Geldes und die Preise stabilisieren, eine Steuerreform die Mittel für das Heer und den stark vergrößerten Beamtenapparat erbringen. Die Kaiser wurden nun zu absoluten Herrschern. Die Reformen des Diokletian lösten die Frage der Nachfolger nicht, als er und sein Mitregent Augustus Maximian 305 abdankten, folgte ein Chaos. 312 machte sich Konstantin (Regierungszeit 306-337) nach dem Sieg an der Milvischen Brücke zum Herrn über den Westen des Reiches. Sein Heer hatte unter dem Kreuz Christi gekämpft, deshalb beendete er mit einem Toleranzedikt 311 die Christenverfolgung. Seit 312 trat er für die christliche Lehre ein. Nach dem Tod des Ostkaisers Licinius (Regierungszeit 308-324) wurde Konstantin 324 Alleinherrscher. Er verlegte seine Residenz nach Byzanz, das nunmehr als Konstantinopel zu einer christlichen Stadt wurde. Nach Konstantins Tod im Jahr 337 kam es zu einem Machtkampf zwischen seinen drei Söhnen. Die Trennung der beiden Reichshälften in selbstständige Imperien war seit 363 endgültig. Die Aufgabe, das an allen Grenzen bedrohte Reich zu schützen und im Innern das absolute Herrschaftssystem aufrechtzuerhalten, konnten nur tatkräftige Herrscher meistern wie Valentinian I. (Regierungszeit 364-375) und Theodosius der Große (Regierungszeit 379-395). Er erhob das Christentum zur Staatsreligion. Staatsrechtlich bestand das Gesamtreich zwar weiter, aber politisch entwickelten sich die beiden Teilreiche vom Ende des 4. Jahrhunderts an immer mehr auseinander. Das Ostreich wurde ein vom Christentum bestimmtes Imperium. Im Westreich sank die Bevölkerungszahl laufend, Barbaren siedelten sich auf diesem Territorium an und konnten zunächst politisch integriert werden. Gegen Ende des 4. Jahrhunderts wurde der Druck der Barbarenstämme stärker. 375 stießen die Hunnen aus Südrussland nach Westen vor. Sie verdrängten die Goten, die in römisches Gebiet auswichen. Nach einem Sieg der Goten 378 bei Adrianopel (heute Edirne, Türkei) wurden mit ihnen zum ersten Mal Germanen als »Föderati« in das Römische Reich aufgenommen. Weitere Barbarenstämme überquerten die Grenzen: Wandalen wanderten durch das heutige Staatsgebiet Frankreichs und Spaniens und gründeten ein unabhängiges Königreich im Norden Afrikas. Jüten, Angeln und Sachsen besetzten die britische Insel. Franken und Burgunder siedelten im Norden des heutigen Frankreich, Ostgoten in Italien. Um die Mitte des 5. Jahrhunderts war das Weströmische Reich fast vollständig von Germanen besetzt, Kultur und Verwaltung blieben jedoch römisch. Das Westreich hörte tatsächlich erst auf zu bestehen, als im Jahre 476 der ostgotische Föderatenführer Odowakar (um 430-493) den letzten Kaiser Romulus Augustinus abgesetzt und das germanische Königtum in Italien begründet hatte.