China (1000 v. Chr. bis 618 n. Chr.)

Die Dynastie der Schang (16. bis Mitte des 11. Jahrhunderts v. Chr.) war das erste Herrschergeschlecht in der Geschichte Chinas, das historisch fassbar ist. Die Dynastie wurde jedoch um 1050 v. Chr. von Turkstämmen, den Dschou, die zunächst ihre tributpflichtigen Vasallen waren, gestürzt, indem diese aus dem Westen in das Gebiet der Schang einfielen. Diese Dynastie bestand länger als alle anderen Dynastien in China, während ihrer Herrschaft wurde die konfuzianische Philosophie formuliert, die zu einer Art »Ziviltheologie« des chinesischen Reiches ausgebaut wurde und bis in die neueste Zeit maßgebend blieb. Die Dschou- und die Tjin-Dynastien
In die Dschou-Zeit (um 1050-256 v. Chr.) fielen wichtige Ereignisse. Das Reich wurde im Osten bis ans Meer, im Süden bis zum Jangtsekiang und im Südwesten bis zu den Grenzen Szetschuans erweitert. Mit der fortschreitenden Expansion entstanden abhängige Lehensstaaten. Sie waren zwar dem Kaiser und seinem Hof tributpflichtig, widmeten sich aber vor allem der Verwaltung und Organisation ihres Lehensgebietes. Das Gleichgewicht zwischen den Vasallenstaaten brach schließlich zusammen, es begann die Zeit der »Streitenden Reiche« (475-221 v. Chr.). In dieser Periode heftiger Kämpfe blühten Philosophie und Ethik auf, die neue Klasse der Gebildeten entstand. Haupt der Philosophen war Konfuzius (um 551 – um 479 v. Chr.). Seine Lehre beruht auf den im Einklang mit der Natur stehenden Tugenden als Grundbedingungen eines vernunftgemäßen Zusammenlebens der Menschen. In diese Zeit fallen auch große technologische Entwicklungen. Eisen verdrängte die Bronze, besonders in der Waffenherstellung. Eine künstliche Bewässerung sorgte für höhere Erträge in der Landwirtschaft, das Sielengeschirr für Pferde gab es bereits. Nach und nach wurden die kleineren und schwächeren Staaten von den militärisch und wirtschaftlich stärkeren geschluckt, bis die Tjin im Westen den Dschou als Hauptkonkurrent gegenüberstanden, die Tjin setzten sich durch und wurden im späten 3. Jahrhundert v. Chr. die Beherrscher Chinas. Schi Huangdi (259 bis 210 v. Chr.) wurde der »Erste Kaiser« des zum ersten Mal unter einer starken Zentralgewalt geeinten Chinas. Er beseitigte den Feudalismus, doch blieben seine antikonfuzianischen Ideen kurzlebig. Das Land wurde in 36 Provinzen eingeteilt, an deren Spitze standen Beamte, die dem Kaiser direkt verantwortlich waren. Er vollendete die Chinesische Mauer, die sich vom Süden der Provinz Kansu über fast 2500 km bis zur Küste erstreckt. Die Schrift wurde vereinheitlicht und vereinfacht, Maße und Gewichte sowie Münzen wurden standardisiert. Schi Huangdi gilt in der Geschichte als Despot, der, mit Ausnahme von Büchern praktischen Inhaltes, das gesamte Schrifttum verbrennen ließ. Nach dem Tod des Kaisers war es mit der inneren Stabilität vorbei. Sein schwächlicher Nachfolger wurde 206 v. Chr. ermordet, damit war die Tjin-Dynastie zu Ende. Die Han-Dynastie
Im Jahr 202 v. Chr. begründete Kao Tsu (ursprünglich Liu Pang, 247-195 v. Chr.) die Han-Dynastie. Nach anfänglichen Versuchen, wieder mit dem System der Lehensstaaten zu regieren, wurde diese Form nach der Niederwerfung einiger Revolten im 1. Jahrhundert auf ein bloßes Titular-Lehenswesen reduziert. Kandidaten für die Provinzregierungen mussten sich von nun an öffentlichen Prüfungen unterziehen. 124 v. Chr. wurde eine kaiserliche Universität für das Studium der konfuzianischen Klassiker gegründet. Die Erfindung des Papiers wirkte sich vorteilhaft auf die allgemeine Bildung aus, aber auch die Staatsbürokratie profitierte von dieser Erfindung. Tusche und Pinsel entwickelten sich zu gebräuchlichen Schreibwerkzeugen. Der Wohlstand der Han-Dynastie ist an ihren reich ausgestatteten Gräbern zu erkennen. Die meisten Neuerungen dieser Zeit stehen im Zusammenhang mit dem Ausbau der staatlichen, von einer gebildeten Beamtenschaft getragenen Verwaltung, Ingenieure entwickelten Bewässerungsmethoden und Wasserzähler, Sonnenuhren und Seismografen. Bis zu dieser Zeit hatte es zwischen China und der übrigen Welt nur wenig Berührung gegeben. Aber unter der Han-Herrschaft vergrößerte sich das Reich. Die Karawanenstraßen wurden ausgebaut. China schickte Gesandte ins Ausland, chinesische Seide wurde in fernen Ländern gern gekauft. Chinesische Produkte gab es sogar in den Gebieten, die unter griechischem Einfluss standen – also weit im Westen. Andererseits brachte der Handel auch neue Ideen und Lehren nach China, die bedeutendste war der Buddhismus, der aus Indien eingeführt worden war und bis zum 7. Jahrhundert in China große Bedeutung erlangte. Unter den Tjin und Han wurde China zum ersten Mal ein Staat mit einer vorher nicht gekannten Machtfülle. Aber soziale Spannungen führten zu Aufständen, die im Jahr 220 n. Chr. der Han-Dynastie ein Ende machten. Der Zerfall des Reiches
Die folgenden dreieinhalb Jahrhunderte sind durch innenpolitischen Zerfall gekennzeichnet, es gab eine Reihe kurzlebiger Dynastien. Erst 581 n. Chr. wurde China unter der Sui-Dynastie wieder geeint. Diese Dynastie nahm einige Projekte in Angriff, mit denen sie die neu gewonnene politische Einheit auch wirtschaftlich festigen wollte. Dazu gehörte die Verteilung von Staatsland an Bauern und der Ausbau der Binnenschifffahrtswege, wie z. B. des Kaiserkanals. Die Sui legten die Grundlagen für die Blütezeit Chinas unter der nachfolgenden Tang-Dynastie (618-906).