China (618 bis 1368)

Kaiser Li Jüan begründete die Tang-Dynastie (618-906). Ihm folgte sein Sohn als Kaiser Tai-dsung (Regierungszeit 627-649), unter dessen Herrschaft sich China zum mächtigsten und größten Reich der Erde entwickelte. Die Sicherheit, deren sich das Land in dieser Zeit erfreute, förderte den Handel mit anderen Ländern. China exportierte neben Seide nun auch Porzellan, es führte eine Fülle von Waren aus Japan und den Ländern des südlichen und westlichen Asien ein. Diese Kontakte brachten auch einen Austausch von Ideen und Erkenntnissen anderer Kulturen mit sich. Kunst, Handel und Religion
Unter der Tang-Dynastie bildete sich ein reiches kulturelles Leben aus. In dieser Zeit schrieben die größten Lyriker Chinas: Wang Wei, Li Bo und Du Fu. Literatur und Wissen verbreiteten sich durch die Erfindung des Buchdrucks viel leichter und schneller. Parallel zu der Entwicklung von Ackerbau und Gewerbe setzte sich mit der Ausgabe von Papiergeld die Geldwirtschaft im ganzen Lande durch. Ein florierendes Kreditgewerbe begünstigte die Ausbildung zahlreicher Märkte. Kaiser Tai-dsung duldete die ausländischen Kaufleute im Lande, auch ihre Sitten und Religionen. Zwar selbst ein Anhänger des Daoismus, unterstützte er jedoch den Konfuzianismus von Staats wegen, die Buddhisten behandelte er mit großer Achtung. Wu Tse-tien – eine befähigte Kaiserin
Friede und Wohlstand, dessen sich das Kaiserreich unter Tai-dsung erfreute, blieben auch unter seiner Konkubine Wu Tse-tien erhalten, die ihm 683 auf den Thron folgte. Sie regierte China mit skrupelloser Geschicklichkeit, bis sie 705 im Alter von 82 Jahren zur Abdankung gezwungen wurde. Sie war (und blieb) der erste und einzige weibliche »Sohn des Himmels«. Fortschritt und Stabilität verdankte China zu einem großen Teil der Beamtenschaft, die sich öffentlichen Prüfungen unterziehen musste. Unter der Kaiserin konnten auch Frauen an Beamtenprüfungen teilnehmen. Um den Regierungs- und Verwaltungsapparat in Gang zu halten, wurde die öffentliche Finanzwirtschaft ausgebaut und reformiert, die Landwirtschaft, immer noch wirtschaftliche Grundlage des Staates, durch Bodenreform und neue Agrartechniken gefördert. Durch eine Verwaltungsreform ergab sich eine Neuordnung des Landes, die effektiver als die vorausgegangene war. Im Westen traf China auf den Islam. Die muslimischen Araber blockierten eine weitere Expansion Chinas, schließlich unterbrachen sie die Landroute zwischen China und dem Westen. Der Handel verlief nun über die Seerouten. Chinas Macht war an eine Grenze gestoßen. Diese außenpolitischen Schwierigkeiten hatten innenpolitische Folgen: Die Toleranz gegenüber Ausländern und ihren Religionen schwand, 845 wurden alle fremden Glaubensbekenntnisse verboten und der reiche Besitz von Kirchen und Klöstern konfisziert. Dadurch konnte man die staatliche Finanzmisere aber nur vorübergehend beheben. Aufstände der Bauern und Invasionen tungusischer und mongolischer Stämme an den nordwestlichen Grenzen führten zum Zerfall des Reiches, 906 brach die Tang-Dynastie zusammen. Die Fünf Dynastien und die Mongolen
Der Tang-Dynastie folgte von 906-960 die Periode der »Fünf Dynastien«. »Staaten kamen und gingen wie flackernde Kerzen im Wind«, so beschrieb ein chinesischer Dichter diese Zeit. Dschao Kuang-yin begründete 960 die Sung-Dynastie. Das kriegsmüde Land brauchte dringend wieder eine stabile Regierung. Noch immer war China vom Norden bedroht. Deshalb wurde 1044 mit den Hsia, einem früher tributpflichtigen Königreich, ein Vertrag geschlossen – der Frieden also mit Tributzahlungen an dieser Grenze erkauft. Nach dem Verlust der nördlichen Landesteile verlagerte sich der Schwerpunkt chinesischen Lebens nach Süden in die zentrale Ebene – in das Gebiet der beiden großen Flüsse also, der eigentlichen wirtschaftlichen Basis. Neu entstehende gewerbliche Produktionszentren, die neue Produktionsform der Großmanufaktur und ein erhöhter Warenverkehr brachten wieder Wirtschaftsblüte und Wohlstand. Die Erfindung des Kompasses förderte Schifffahrt und Außenhandel. Hochseetüchtige Dschunken beförderten Tee, Seide, Porzellan und Kunstwerke in die Länder am Indischen Ozean. Das schon lange bekannte Schießpulver wurde nun auch militärisch verwendet, eine weitere bedeutende Erfindung war der Abakus. Allgemein galt jedoch der Techniker und Fachmann in China nicht viel. Das hatte zur Folge, dass manche bedeutende Entdeckung ohne praktische Konsequenz blieb. Korruption am Hof, Unzufriedenheit und soziale Spannungen unter der Bevölkerung schwächten das Reich der Sung. Das kulturelle Leben blieb jedoch voller Vielfalt. Diese ganze Entwicklung wurde durch den Einbruch der Mongolen unter Dschingis-Chan (1155 oder 1167-1227) in China jäh beendet, 1284 verlegte Kubilai (1215-94), der Enkel Dschingis-Chans, seine Hauptstadt von Karakorum in der Mongolei nach Peking. Die mongolische Jüan-Dynastie (1280 bis 1368), so der offizielle Name, vereinigte das chinesische Reich mit dem mongolischen. Unter Kubilai erreichte die Macht der Mongolen ihren Höhepunkt. Die Mongolen waren in Religionsdingen tolerant und begünstigten den Handel. Sie betrieben jedoch eine rücksichtslose Steuerpolitik, die einer Ausbeutung der jetzt politisch rechtlosen Chinesen gleichkam. Inflation, Hungersnöte und Steuerdruck führten zu Volksaufständen (u. a. unter Dschu Yüan-dschang), vor denen sich der letzte Jüan-Kaiser in die Mongolei zurückzog.