Die ersten Nonnen- und Frauenklöster

Schon in den frühen asketischen Bewegungen der Kirche hatten Frauen eine führende Rolle gespielt und sich zu klösterlichen Lebensgemeinschaften zusammengeschlossen. Scholastika, die Schwester Benedikts, hatte nach dem Vorbild und der Regel ihres Bruders bei Monte Cassino ein Kloster für Frauen gegründet. Einen ersten Höhepunkt erreichte dieses klösterliche Ideal im England des 7. und 8. Jahrhunderts. Hochgebildete Äbtissinnen wie Brigitte und Hilde genossen allgemeine Verehrung und nahmen Einfluss auf die Geschicke der englischen Kirche. Als Bonifatius aus seinem Freundes- und Verwandtenkreis angelsächsische Nonnen für seine Missionsarbeit im fränkischen Reich gewinnen konnte, wurden Frauenklöster auch in Deutschland verbreitet. Lioba gründete Tauberbischofsheim, Thekla die Klöster in Kitzingen und Ochsenfurt. Walburga errichtete mit ihrem Bruder Wunibald das Doppelkloster Heidenheim, das von einer Mönchs- und einer Nonnengemeinschaft gebildet wurde. Es war dabei durchaus nicht unüblich, dass eine Frau als Äbtissin einem solchen Doppelkloster vorstand! Die meisten Nonnenklöster unterwarfen sich der Regel des heiligen Cäsarius von Arles, die – in strenger Abgeschiedenheit – neben dem Gebet die Handarbeit, meist an Webstuhl und Stickrahmen, forderte. So wurden hier die kunstvollen Gewänder für die liturgischen Feiern der Kirche geschaffen. In ihrer Bildung unterschieden sich die Nonnen nicht von den Mönchen, verlangte die Regel doch auch von ihnen täglich mehrstündiges Studium. Das äußere Tätigkeitsfeld der Frauenklöster umfasste bevorzugt den karitativen Bereich. Sie widmeten sich dem Dienst an den Armen und Kranken und der Fürsorge für die Waisen, später nahmen sie sich besonders der Mädchenerziehung an. Als Nonne hatte sich die Frau so in dem oft als »finster« verschrienen Mittelalter einen Rang erworben, der sie nach ihrem Ansehen und ihrer Leistung ebenbürtig neben den Mann stellte! Wenn sich auch das Wachstum der Frauenklöster nicht so rasch vollzog, erlangten in Deutschland doch viele – wie etwa die Abtei Frauenchiemsee unter der Königstochter Irmingard – eine religiöse und kulturelle Bedeutung, die der der Mönchsklöster in nichts nachstand.