Mönche in Not und Wohlstand

Wurden Frauenklöster wegen der vielfältigen Gefahren fast durchweg im Schutz von Städten angesiedelt, so wählten die Mönche für ihre Niederlassungen gerne die Abgeschiedenheit noch unerschlossener Gebiete. Mit dem Bau solcher Klöster ging deshalb meist eine ungeheuere kolonisatorische Leistung einher. Die Lebensbeschreibung des heiligen Sturmius berichtet, wie er von Bonifatius ausgeschickt wurde, um einen Platz für das Kloster Fulda zu suchen: »So war Sturm ganz allein, durchforschte nach einer geeigneten Klosterstätte allüberall mit scharfem Blick gebirgiges und ebenes Gebiet, besah sich Berge, Hügel und Täler, betrachtete Quellen, Bäche und Flüsse. So zog der Mann Gottes allein durch das Ödland, außer den wilden Tieren, die es dort in einer Unzahl gab, fliegenden Vögeln, ungeheueren Bäumen und den vereinsamten Gegenden sah er nichts. Endlich, am vierten Tag, kam er an dem Ort vorbei, wo jetzt das Kloster liegt.« Mit der Errichtung des Klosters in solcher Einöde musste zugleich die Landschaft urbar gemacht werden: Wälder wurden gerodet, Sümpfe trockengelegt, Wege befestigt, die Mönche schufen aus Wüste und Wald eine »Kulturlandschaft«. Im Umkreis des Klosters siedelten dann meist Menschen, die dort als Handwerker und Kaufleute Arbeit, aber auch Schutz fanden. Viele Städte und unzählige Dörfer in Deutschland können so ihre Entstehung auf klösterliche Gründungen zurückführen. Trotz des opfervollen Einsatzes ihrer Mönche blieben die Klöster bei ihren vielfältigen Aufgaben letztlich doch auf die materielle Unterstützung weltlicher Spender angewiesen. Durch Landschenkungen vor allem wollten sich die Großen des Reiches das »Kapital« eines ewigen Fürbittgebetes in den Klostergemeinschaften schaffen, sich zugleich aber in ihren Herrschaftsgebieten der zivilisatorischen Tätigkeit der Mönche und schließlich ihrer politischen Hilfe versichern. Auch die Zuwendungen frommer einfacher Leute und die Opfergaben, die Mönche bei ihrem Klostereintritt zu entrichten hatten, vermehrten den Besitz, der die notwendige wirtschaftliche Grundlage des klösterlichen Gemeinwesens mit nicht selten über 200 Bewohnern bildete. Zwischen 800 und 840 erhielt das Kloster Fulda 345 Schenkungen. Sein Güterbesitz war bald über das ganze Reich verstreut und umfasste allein in Thüringen 3000 Hufen (über 500 Hektar). Als sich die Mönche über die stinkenden Talglichter beim Chorgebet beklagten, vermachte ihnen der Kaiser kurzerhand einen Ölgarten in Italien. Die Besitzurkunden des Klosters füllten zur Zeit des Abtes Hraban acht dicke Folianten! Das Land wurde größtenteils von Pächtern bewirtschaftet, die dem Kloster Abgaben in Form von Geld und Naturalien entrichteten. So fielen allein aus friesischen Dörfern jährlich 600 Mäntel als Pachtzins an. Durch Missernten und Untreue der Pächter konnte jedoch auch ein so begütertes Kloster wie die Reichsabtei Fulda in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Als die Stofflieferungen ausblieben, ließ der Abt 836 mit der Genehmigung des Kaisers eine Sammlung im ganzen Reich durchführen! Nur ganz wenige Klöster konnten sich mit dem Reichtum Fuldas messen. Nicht selten waren Abteien, die sich nicht der Fürsorge des kaiserlichen oder eines adeligen Schutzherrn erfreuen konnten, so arm, dass die Mönche außerhalb des Klosters ihren Unterhalt verdienen mussten, ein geistliches Leben nach den Regeln war so nicht mehr möglich, und die Klosterzucht verfiel. Karl der Große und sein Sohn Ludwig der Fromme haben versucht, durch innere und äußere Reformen solche Missstände zu beseitigen, durch Gesetze haben sie die Regel Benedikts zur alleinverbindlichen Klosterordnung im Reich gemacht: das abendländische Mönchtum wurde jetzt ausschließlich vom benediktinischen Geist geprägt. Aus den Weisungen Benedikts und aus den vielfältigen Zeugnissen ihrer Kultur erschließt sich uns ein anschauliches Bild vom Leben und Wirken der Mönche im frühmittelalterlichen Kloster.

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Info 23.11.2017 19:25
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