Leben im Kloster

Die mönchische Gemeinschaft wurde von Benedikt als eine Familie verstanden. Wie ein altrömischer Vater sollte ihr der Abt, der von den Mönchen auf Lebenszeit gewählt wurde, mit Strenge, aber auch mit menschlicher Fürsorge vorstehen. Er sollte dabei vor allem durch sein Beispiel – »mehr durch Werke als durch Worte« – wirken und verstehen, den einzelnen Mönch entsprechend seiner Eigenart zu führen. Als äußere Zeichen seiner Würde trug der Abt bei den Gottesdiensten Krummstab und Mitra und wohnte in einem eigenen Haus, in seiner Lebensführung sollte er sich jedoch nicht von seinen Mitbrüdern unterscheiden. Die Mönche waren ihrem Abt zu absolutem Gehorsam verpflichtet. Von der Mitbestimmung waren sie dadurch jedoch nicht ausgeschlossen. »Sooft im Kloster eine wichtige Angelegenheit zu entscheiden ist«, verfügte Benedikt, »rufe der Abt die ganze Klostergemeinde zusammen … weil der Herr oft einem Jüngeren offenbart, was das Beste ist.« Wollte ein junger Mensch in ein Kloster eintreten, musste er zunächst eine einjährige Vorbereitungszeit, das Noviziat, durchlaufen. Von einem Novizenmeister wurde er hier in die Regeln und die Praxis des mönchischen Lebens eingeführt und musste sich in karitativen Aufgaben bewähren. Am Ende der Novizenzeit legte er die Gelübde ab und wurde in die Gemeinschaft der Mönche aufgenommen. Vielfach wurden schon Kinder im zartesten Alter in regelrechten Übereignungsverträgen, die eine Rückkehr nicht mehr zuließen, von ihren Eltern dem Kloster übergeben. Mit der Forderung Benedikts nach absoluter Freiwilligkeit des Eintritts war solcher Brauch sicher nicht zu vereinbaren. Wenngleich die Regel bestimmte, dass der »Freigeborene« dem aus dem »Sklavenstande« nicht vorgezogen werden durfte, setzten einzelne Klöster wie etwa Fulda das übliche »Eintrittsopfer« so hoch an, dass sie praktisch exklusiv dem Adel vorbehalten blieben. Auf der anderen Seite wurden häufig Säuglinge an Klöstern ausgesetzt, um dem Kind damit das Schicksal bäuerlicher Fron zu ersparen, den meisten Abteien war ein Findlingshaus angeschlossen! Der eigentliche Lebensinhalt der Benediktinermönche war der Gottesdienst. Die Gebetsordnug bestimmte Einteilung und Ablauf ihres Tagewerks. Eine Stunde nach Mitternacht und dann in regelmäßigen Abständen noch sechsmal rief die Glocke die Gemeinschaft zu den verschiedenen Stundengebeten wie Mette oder Vigil, Vesper und Komplet in die Kirche, wo die Psalmen gesungen und Schriftlesungen gehalten wurden. Die Mönche waren zu untadeliger christlicher Lebensführung verpflichtet. »Sie dürfen sich niemand zu Gevattern und Gevatterinnen machen, Frauen dürfen sie nicht küssen«, hieß es unmissverständlich im Mönchsgesetz Ludwigs des Frommen von 817. Zweimal am Tag versammelte sich die Klostergemeinde im Speisesaal, dem Refektorium, zu einfachen Mahlzeiten, Fleisch und Geflügel blieben den Kranken vorbehalten. War im Kloster kein Wein vorhanden, so durfte das doppelte Quantum »guten Bieres« ausgeschenkt werden. Während des Essens wurde aus erbaulichen Schriften vorgelesen. In den alten Klöstern schliefen die Mönche in einem gemeinsamen Raum, zum Zeichen ihrer ständigen Bereitschaft behielten sie dabei ihre grob gewirkten Kutten an. Später, als sich die Aufgaben im Kloster differenzierten, wurden ihnen Zellen zugeteilt.

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Info 22.11.2017 17:39
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