Haut und Haare

Die Haut ist eines unserer größten Organe. Beim Erwachsenen misst ihre Oberfläche etwa 1,75 Quadratmeter, macht rd. 7 Prozent des Körpergewichts aus und wird von einem Drittel des gesamten Blutes durchströmt. Beim Menschen hat die Haut viele verschiedene Funktionen zu erfüllen. Sie ist wasserundurchlässig, dient zur Abwehr von Infektionen und zum Schutz vor Verletzungen. Mit ihrer Hilfe können wir sensorische Reize wahrnehmen. Ferner enthält sie zahlreiche Drüsen und wirkt bei der Regulierung der Körpertemperatur mit. Der Aufbau der Haut
Betrachtet man die Oberhaut oder Epidermis unter dem Mikroskop, so sieht man fünf verschiedene Schichten. Zellen aus den unteren Schichten wandern nach oben um die von der Oberfläche abgestoßenen toten Zellen zu ersetzen. In der tiefsten Schicht, dem Stratum basale, teilen sich die Zellen fortwährend und versorgen die darüber liegende Schicht, das Stratum spinosum, mit Nachschub. Bei ihrer Wanderung zur Oberfläche hin entfernen sie sich zunehmend von den ernährenden Blutgefäßen der Dermis (Lederhaut), degenerieren dabei, füllen sich mit Körnchen aus Eiweißabfallstoffen und sterben schließlich ab. Auf das Stratum spinosum folgt das Stratum granulosum und dann das glänzende, fast durchsichtige Stratum lucidum. Abgeflacht und mit Keratin dem widerstandsfähigen Protein der Haare, Nägel und (bei Tieren) Hörner beladen, bilden diese Zellen die sichtbare Haut: eine dicke, undurchlässige Hornschicht (Stratum corneum). Tote Haut wird andauernd von der Oberfläche abgestoßen. Schätzungsweise erneuert sich die Epidermis innerhalb von 3 Wochen vollständig, d. h., während unseres Lebens gehen 18-22 kg abgestorbener Hautzellen verloren. Die unter der Epidermis gelegene Lederhaut enthält viele Proteinfasern und verleiht der Haut ihre Elastizität und Widerstandsfähigkeit. Mit zunehmendem Alter geht diese Elastizität verloren – es bilden sich Falten. Die Lederhaut ist etwa 3 mm dick und wird von Blut- und Lymphgefäßen durchzogen. Hier finden sich auch zahlreiche Nervenendigungen, Drüsen und Haarbälge. Noch tiefer – also zwischen Haut und Muskulatur – liegt die Subcutis (Unterhaut). Sie ist aus lockerem Bindegewebe aufgebaut und reich an Wasser und Fettzellen, die das darunterliegende Gewebe abschirmen, Muskeln und Nerven schützen und als Energiespeicher dienen. Dieses Unterhautfettgewebe, das bei Frauen dicker ist als bei Männern, verleiht dem Körper Substanz und äußere Form. Haare, Nägel und Hautfarbe
Sowohl die Haare als. auch die Finger- und Zehennägel sind Abkömmlinge der Haut. Sie bestehen aus abgewandelten Epidermiszellen. Es handelt sich um tote Zellen, weshalb Haare und Nägel schmerzlos abgeschnitten werden können. Die Haut selbst dagegen reagiert auf Berührung, Druck, Wärme oder Schmerz äußerst empfindlich. Epidermiszellen wachsen in die Dermis hinein und bilden einen Haarbalg im spitzen Winkel zur Hautoberfläche. Von diesem Haarbalg aus entwickelt sich das – vorwiegend aus Keratin aufgebaute – Haar. Mit Hilfe eines winzigen Muskels kann sich jedes Haar selbständig bewegen und als Reaktion auf Kälte oder Schreck aufrichten. Die sogenannte »Gänsehaut« entspricht dem Aufplustern der Vögel. Auch bei anderen Tieren sträuben sich die Haare, wenn sie Angst haben oder angegriffen werden. Beim Erwachsenen sind nur Handflächen und Fußsohlen sowie ein Teil der äußeren Geschlechtsorgane frei von Haaren. Haut- und Haarfarbe hängen eng zusammen, sie sind genetisch festgelegt und durch die individuelle Menge an Pigmentstoffen, besonders Melanin, bestimmt. Bei Rothaarigen findet sich ein weiterer Farbstoff. Die Melaninproduktion in den Haarbälgen nimmt mit dem Alter ab, und winzige Luftblasen im Haarschaft lassen die Haare grau erscheinen. Bei unzureichender Pigmentsynthese kommt es zum Albinismus. Wegen eines genetisch bedingten Enzymdefektes können Albinos kein Melanin produzieren. Haut und Haare sind weiß. Die farblose Iris lässt die Augen rosa wirken und macht sie besonders lichtempfindlich. Die Drüsen der Haut
Mit den Haaren in enger Verbindung stehen die Talgdrüsen, die ein öliges Sekret an die Haarbälge abgeben. Dieses Sekret hält die Haare geschmeidig, schützt die Haut und verhindert eine übermäßige Schweißproduktion durch die 3 Millionen Schweißdrüsen, die innerhalb der Haut aufgerollt liegen. Über den ganzen Körper verteilt findet man die sogenannten ekkrinen Schweißdrüsen, die ein stark salzhaltiges Sekret produzieren, das bei Hitze kühlend wirkt und außerdem Abfallstoffe wie Harn- und Milchsäure abtransportiert. Apokrine Schweißdrüsen sind größer und sondern wesentlich dickflüssigeren Schweiß ab. Sie konzentrieren sich in Achselhöhlen sowie im Anal- und Genitalbereich. Die Sekrete halten die Haut glatt und schützen sie vor Sonnenbrand, indem sie ein gewisses Maß an Strahlen absorbieren. Sie schaffen auch den Nährboden für die unterschiedlichsten – im Allgemeinen harmlosen – Bakterienarten. An den Körperöffnungen wie Mund und After geht die Haut in Schleimhaut über, die Mund, Nase, Darm und Harntrakt auskleidet. Hier fehlt die verhornte Außenschicht. Es finden sich viele Schleimdrüsen, die mit ihrem Sekret die empfindlichen Organoberflächen befeuchten und schützen. Ferner ist die Schleimhaut mit zahlreichen Berührungs-, Wärme- und Kälterezeptoren ausgestattet.