Unser wichtigster Sinn: Das Sehen

Besonders mit Hilfe der Augen, die sich beim Embryo fühlerförmig vom Gehirn aus entwickeln, kann der Mensch seine Umwelt wahrnehmen. Die visuellen Impulse werden dem Gehirn zugeleitet, dort zu sinnvollen Bildern zusammengesetzt und interpretiert. Die Anatomie des Auges
Bestimmte Anteile des Auges dienen der Sinneswahrnehmung, andere dem Schutz vor Verletzung. Zu letzteren gehören die Lider mit den Wimpern, die Staub und andere schädliche Partikel fernhalten sollen. In den Augenbrauen bleiben z. B. von der Stirne rinnende Schweißperlen hängen. Die Lider sind unterfuttert mit der durchsichtigen Bindehaut, die auch das Vordere des Augapfels überzieht. Ihre geschmeidige Oberfläche erleichtert das Öffnen und Schließen des Auges und gewährt einen zusätzlichen Schutz. Unter den Lidern liegen die Tränendrüsen. Die Tränenflüssigkeit wäscht Fremdkörper fort und vernichtet Bakterien. Über 12 winzige Tränengänge gelangt sie auf die Bindehaut, benetzt diese kontinuierlich und fließt durch den Tränennasengang im inneren Augenwinkel wieder ab. Die feste bindegewebige Außenhülle des Augapfels ist von weißer Farbe und heißt Sklera. Hier setzen die sechs Muskeln für die Augenbewegungen an. Die Sklera gibt dem Augapfel seine Form und schützt die empfindlichen Innenschichten. Damit Licht ins Auge fallen kann, ist sie vorne durchsichtig. Dieser für das scharfe Sehen äußerst wichtige Abschnitt wird als Cornea oder Hornhaut bezeichnet. Der Zentralkanal, der das Auge vor der Geburt mit Blut versorgt, verbindet die Linse mit dem blinden Fleck. Unter der Sklera liegt die Aderhaut, die auch den Ziliarkörper bildet. Die Muskeln des Ziliarkörpers regulieren die Form der bikonvexen Linse, die aus einer elastischen Kapsel mit bindegewebigem Kern besteht und für die Anpassung des Auges an verschiedene Entfernungen (Akkommodation) zuständig ist. Durch Muskelkontraktion wird die Linse stärker gewölbt und die Brechkraft für das Nahsehen erhöht. Beim Betrachten weit entfernter Objekte dagegen wird die Linsenwölbung möglichst verringert. Vor der Linse liegt die Iris, eine farbige muskulöse Fortsetzung der Aderhaut, die dem Auge die genetisch festgelegte Farbe verleiht. Die Pupille, eine kreisförmige Öffnung in der Iris, reguliert den Lichteinfall. Ihr Durchmesser schwankt reflektorisch zwischen 1 und 8 mm. Bei hellem Licht ist sie eng-, bei Dämmerlicht weitgestellt. Auch beim Betrachten naher Gegenstände verengt sich die Pupille unwillkürlich und verbessert damit die Sehschärfe. Die fotosensiblen Zellen
Nach der Linse passiert das Licht den durchsichtigen, geleeartigen Glaskörper, der den Augapfel füllt. Dann fällt es auf die lichtempfindlichen Zellen der Netzhaut, die Zapfen und Stäbchen. Die 125 Millionen Stäbchen sind für das Hell-Dunkel-Sehen verantwortlich, die 7 Millionen Zapfen für das Farbensehen. In der Netzhautperipherie sind die Stäbchen besonders zahlreich, während die Zapfen sich mehr in der Mitte konzentrieren. Besonders viele Zapfen liegen in der sogenannten Fovea centralis, dem Bereich des schärfsten Sehens. Die Stäbchen und Zapfen enthalten Sehpigmente, deren chemische Zusammensetzung durch Lichteinwirkung verändert wird. Dabei entstehen nervöse Impulse, die dem Gehirn zugeleitet und dort interpretiert werden. Der Farbstoff der Stäbchen heißt Sehpurpur oder Rhodopsin und wird durch Licht in Retinin und Opsin gespalten. Unter den Zapfen gibt es »rote«, »grüne« und »blaue«, die jeweils auf Licht dieser Wellenlänge ansprechen. Die vielen verschiedenen Schattierungen, die wir wahrnehmen können, entstehen durch Mischen der drei Grundfarben. Die Zapfen sorgen für scharfes Sehen bei Tageslicht, bei Nacht oder Dämmerung sind sie nur von geringem Nutzen. Stäbchen und Zapfen sind über Ganglienzellen mit den Nervenfasern verbunden, die das Auge als Sehnerv verlassen. Am Austrittspunkt dieser Nerven liegt der sogenannte blinde Fleck. Über mehrere Schaltstellen führt die Sehbahn dann zur Hirnrinde des Hinterhauptslappens. Die optischen Nervenfasern sind so angeordnet, dass Impulse von der linken Gesichtsfeldhälfte eines jeden Auges der rechten Hemisphäre zugeleitet werden und umgekehrt. Die Fasern kreuzen im Chiasma opticum an der Schädelbasis. Informationen vom rechten und linken Auge werden durch das Gehirn zu räumlichem Sehen verknüpft. Wahrnehmung der Umwelt setzt Augenbewegungen voraus. Geschmeidig folgen die Augen beweglichen Gegenständen, mit Hilfe abrupter Bewegungen fixieren sie dann zwischendurch Punkte besonderen Interesses. Durch diesen Wechsel wird ein Abstumpfen der Rezeptoren vermieden. Der Vorgang der Wahrnehmung
Bilder entstehen durch Erregung der Netzhautrezeptoren, die Impulsmuster über Lichtintensität und Farbe aussenden. Das Gehirn hat die erstaunliche Fähigkeit, diese relativ gleichförmigen elektrischen Signale aufzuschlüsseln und in Bilder verschiedenster Gegenstände und Ereignisse zurückzuverwandeln. Beim Erkennen der Umwelt spielen Umrisse eine besondere Rolle. Auch für Ortung, Lage im Raum und Bewegungsmuster von Objekten gibt es spezielle »Detektoren« im Gehirn. Die einzelnen Charakteristika werden miteinander verknüpft und ergeben schließlich ein getreues Abbild des wahrgenommenen Gegenstandes, der nun erkannt und entsprechend eingeordnet werden kann. Dies erfordert ein gewisses Maß an Erfahrung und eine beachtliche Gedächtnisleistung. Die Pupillenweite wechselt mit dem Lichteinfall. Bei großer Helligkeit [A] ruft das auf die Netzhaut [1] treffende Licht Impulse hervor, die an spezielle Zentren [3] des Hirnstammes [2] weitergeleitet werden und bewirken, dass die Ringmuskeln [4] sich kontrahieren und die Pupille verengen. Gleichzeitig entspannen sich radiär verlaufende Muskelfasern [5]. Im Dämmerlicht [B] erschlafft die Ringmuskulatur, und es kann mehr Licht durch die Pupille einfallen. Das Gesichtsfeld [1] ist hier in vier farbige Quadranten unterteilt. Die Gesichtsfelder beider Augen [gestrichelt] überschneiden sich teilweise [2,3]. Strahlen, die auf den Netzhautrand [4] fallen, ergeben unscharfe Bilder. Die Stelle des schärfsten Sehens ist die Fovea [5]. Signale von der Netzhaut werden über die Sehnervenfasern [6] zum Chiasma [7] weitergeleitet, wo sie teilweise kreuzen. Die Fasern, die das Chiasma verlassen, bilden die Sehbahn [8] und führen zum sogenannten Corpus geniculatum laterale [9]. Die Sehrinde der rechten Hemisphäre [10] empfängt Informationen von der rechten Hälfte eines jeden Auges (d. h., von der linken Gesichtsfeldhälfte), die linke Hemisphäre [11] von der linken Augen- bzw. der rechten Gesichtsfeldhälfte. Die Farbe der Iris – und damit die Augenfarbe – ist erblich. Beim Menschen dominiert die Erbanlage für braune Augen über die für blaue. Ein Mann [1] mit zwei Genen für braune und eine Frau [2] mit zwei Genen für blaue Augen haben braunäugige Kinder [3]. Braun-Äugige Eltern [4] mit rezessiven Erbanlagen für blaue Augen bekommen ein blauäugiges Kind auf drei braunäugige. Kinder zweier blauäugiger Eltern sind ebenfalls blauäugig.

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Info 22.11.2017 17:39
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