Geburt Stadien Geburtsschmerzen und Komplikationen

Bei der Geburt »erblickt das Kind das Licht der Welt«. Nach einer etwa neunmonatigen Schwangerschaft kündigt sich das unmittelbar bevorstehende Ereignis durch Einsetzen der Wehen an. Wehen werden durch rhythmische Zusammenziehungen (Kontraktionen) der Gebärmutter- und Beckenmuskulatur hervorgerufen. Diese Kontraktionen verursachen Unbehagen und unterscheiden sich ganz wesentlich von anderen Uterusbewegungen, die normalerweise während der Schwangerschaft auftreten und das kindliche Wachstum angeblich unterstützen sollen. Die werdende Mutter erkennt die Situation meist sofort. Die Stadien der Geburt
Den Vorgang der Geburt kann man in drei Stadien unterteilen. Während des ersten Stadiums beginnt sich die Gebärmutter kräftig zusammenzuziehen, der Muttermund öffnet sich, und die Scheide wird gedehnt. Diese Periode kann zwischen zwei und zwanzig Stunden andauern. Gegen ihr Ende zu reißt die den Fetus umgebende Eihaut ein, und das Fruchtwasser fließt ab (sogenannter Blasensprung). Dabei kann es zu Übelkeit, Brechreiz und Erbrechen kommen. Das zweite Stadium kann sich über wenige Minuten bis zu zwei Stunden erstrecken. Die Wehen treten jetzt alle ein bis zwei Minuten auf und dauern etwa 60 Sekunden. Während dieser Zeit wird der Kopf des Kindes durch den Muttermund gepresst und erreicht die erheblich erweiterte Scheide. Die Mutter hilft durch willkürliche Bewegungen der Bauchwandmuskulatur nach. Bei einer komplikationslosen Geburt erscheint der Kopf des Kindes als erstes. Er dreht sich so, dass die Schultern ohne Schwierigkeit nachfolgen können. Der übrige Körper passiert den Geburtskanal dann unbehindert. Der Geburtshelfer nimmt das Kind bei den Füßen und hält es kurz mit dem Kopf nach unten, so dass Schleim oder Fruchtwasser aus Mund und oberen Atemwegen abfließen können. Es folgen der erste Atemzug und der erste Schrei. Die Lunge entfaltet sich, und das Kind kann sich von jetzt ab selbst mit Sauerstoff versorgen. Inzwischen wird die Nabelschnur abgeklemmt und schmerzlos durchtrennt. Sobald Mund und Nase gereinigt sind, sollte das Kind tief und regelmäßig zu atmen beginnen und eine rosige Farbe bekommen. Das dritte und letzte Stadium beginnt etwa 15 Minuten später und besteht in der schmerzlosen Ausstoßung der Plazenta (Nachgeburt). Sie muss sorgfältig auf Vollständigkeit untersucht werden. Bleiben Reste im mütterlichen Organismus zurück, so kann es zu Blutungen kommen. Mit Hilfe einer intramuskulären Injektion können die Gebärmutterkontraktionen unterstützt und eine übermäßige Nachblutung verhindert werden. Die 6-8 Wochen nach der Geburt werden als Puerperium (Wochenbett) bezeichnet. In dieser Zeit bilden sich Bauch und innere Organe zurück. Direkt nach der Geburt fühlt sich die junge Mutter gewöhnlich erleichtert, ein bis zwei Tage später jedoch wird sie möglicherweise in eine tiefe Depression verfallen, die hauptsächlich auf Stoffwechselunausgeglichenheit zurückzuführen ist und bald vorübergeht. Während des Puerperiums schrumpft der Uterus, bis er nur mehr wenig größer ist als vor der Schwangerschaft. Der Ovulationszyklus setzt wieder ein. Die Milchsekretion beginnt etwa zwei Tage nach der Geburt, das Stillen stimuliert zugleich die Kontraktionen der Gebärmutter, die dadurch umso schneller ihre ursprüngliche Form zurückgewinnt. Geburtsschmerzen
Die meisten Frauen leiden bei der Geburt bis zu einem gewissen Grade an Schmerzen, aber bei der gesunden und glücklichen Mutter überwiegen Aufregung und freudige Erwartung. Um den Geburtsschmerzen zu begegnen, hat man erst kürzlich die Technik der Epiduralanästhesie entwickelt. Ein Lokalanästhetikum betäubt den Nervus pudendus, der die Beckenorgane innerviert, während die Mutter bei vollem Bewusstsein die Geburt miterlebt und durch ihre Mitarbeit unterstützt. Während des ersten und zweiten Geburtsstadiums werden bei Bedarf auch Maskennarkosen angewandt. Schmerzmittel, z. B. Dolantin, werden meist intramuskulär verabreicht. Bei der Gabe von Analgetika muss man beachten, dass sie die kindliche Atmung hemmen können. Eine Alternative zu Medikamenten und Narkose stellen Hypnose und »natürliche Geburt« dar. Sofern sich die Mutter vollkommen entspannt, empfindet sie kaum Schmerzen. Die Hypnose erreicht dieses Ziel durch Suggestion. Der Weg zur natürlichen Geburt besteht darin, dass die Schwangere lernt, ihre Angst zu verlieren und sich mit besonderen Atemübungen zu beruhigen. Beide Methoden sind gebräuchlich und auch erfolgreich. Komplikationen bei der Geburt
Schwierige Geburten sind an sich selten. Wenn das Kind jedoch mit Füßen oder Steiß zuerst geboren wird, wenn das Becken der Mutter zu eng ist oder wenn die Zeit drängt, weil das Kind zu ersticken droht, müssen bestimmte ärztliche Kunstgriffe angewandt werden. Mit einer Zange oder Saugglocke und (oder) einem Dammschnitt (Episiotomie) lässt sich die Geburt beschleunigen. Ist eine normale Geburt unmöglich, wird ein Kaiserschnitt durchgeführt. Dabei werden unter Narkose die Gebärmutter durch Bauchschnitt geöffnet, das Kind herausgeholt, Plazenta und Eihäute beseitigt. In besonderen Fällen kann der Arzt die Wehen medikamentös auslösen, z. B. bei Übertragung (Überschreitung der normalen Schwangerschaftsdauer um mehr als 14 Tage).