Sprachliche Kommunikation 2

Über 4000 Sprachen – lebende oder tote – sind bekannt. Die Wanderungen prähistorischer Nomaden schufen einen erstaunlichen Reichtum an Sprachen, denn jede Kultur, jeder Stamm experimentierte mit seiner Sprache, entdeckte neue Dinge, die bezeichnet werden mussten, entlehnte Wörter bei anderen Stämmen, und damit änderten sich allmählich Klangbild und grammatische Strukturen. Die Einteilung der Sprachen
Fast die Hälfte der Erdbevölkerung spricht eine indogermanische Sprache. Alle indogermanischen Sprachen leiten sich von einer gemeinsamen Urform ab, die vor etwa 5000 Jahren im östlichen Europa gesprochen wurde. Innerhalb des indogermanischen Sprachstammes lassen sich acht Hauptgruppen unterscheiden, von denen fünf sich noch mehrfach aufteilen, je nachdem welche charakteristischen Kürzungen, Längungen, Lautwechsel, Neuprägungen, Zufügungen oder Wegfall von Lauten und Silben sie aufweisen. Da z. B. die östlichen Völker den arischen Laut »k« nicht aussprechen konnten, änderten sie ihn in »s« oder »seh«, als Einwanderer aus dem Westen sich unter ihnen ansiedelten. Durch zusätzliche grammatische Veränderungen wurden die ursprünglichen Sprachzusammenhänge fast völlig verdeckt. Einige Sprachen in Europa scheinen keine Verbindung zum Indogermanischen zu haben, dazu gehört z. B. das Baskische. Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, Sprachen zu differenzieren: genetisch und typologisch. Die genetische Klassifikation richtet sich nach der Wortgeschichte, der allgemeinen Geschichte, der literarischen Tradition und anderen soziokulturellen Faktoren. Innerhalb des indogermanischen Sprachstammes führt die genetische Klassifikation zu Einzelsprachen wie dem Deutschen, Englischen, Holländischen, Schwedischen, Norwegischen und Dänischen. Die typologische Klassifikation ordnet die Sprachen nach ihrer Struktur in isolierende, agglutinierende und flektierende Sprachen. Isolierend nennt man eine Sprache, in der die Gestalt der Worte fast keine Veränderung (z. B. keine Fälle) aufgrund der jeweiligen Funktion im Satz erfährt, die Wortfolge ist deshalb von besonders großer Bedeutung. Ein Beispiel hierfür ist das Polynesische. Agglutinierend nennt man Sprachen, in denen ableitende Elemente bei der Formen- oder Wortbildung nicht mit dem Wortstamm verschmelzen, sondern diesem nur lose angefügt sind. Ein Beispiel dafür ist das Türkische. Flektierende Sprachen sind solche, die eine Abwandlung des Nomens (Substantiv, Adjektiv) nach Geschlecht, Zahl und Fall sowie eine Abwandlung des Verbums nach Person, Zeit, Aktionsart usw. aufweisen, wobei im Einzelnen zwischen stammflektierenden und wurzelflektierenden Sprachen unterschieden wird. Zum flektierenden Sprachtyp gehören fast alle modernen europäischen Sprachen. Unterschiede innerhalb der Sprachen
Der große Reichtum der Sprache wird durch die Feinheiten von Tonfall und Akzent des Sprechers noch vergrößert. Innerhalb jeder einzelnen Sprache gibt es Unterformen, die Dialekte, die auf geographischen, sozialen oder beruflichen Unterschieden beruhen. Bayrisch, Alemannisch (Schwyzerdütsch) und Niedersächsisch sind z. B. deutsche Dialekte. Das Merkmal, durch das ein Dialekt zu einer besonderen Sprache wird, ist nicht eindeutig. Die Sprachfamilie des Deutschen etwa reicht von Flandern und den Niederlanden bis zur Steiermark. Die Übergänge sind jeweils fließend. Einzelne gesellschaftliche Gruppen verwenden oft sprachliche Besonderheiten, um ihre Gruppenidentität zu erhöhen, um andere Menschen vom gleichen Sprachgebrauch auszuschließen oder um soziale Unterschiede hervorzuheben. Solche Sprachdifferenzierungen bezeichnet man als Soziolekte. Schon die Römer hatten die Bedeutung der Sprache als Einigungsfaktor erkannt, sie verwendeten die lateinische Sprache im Westen, die griechische im Osten ihres Weltreiches jeweils als Einheitssprache, um die Völker, die sie beherrschten, zusammenzuhalten. Während des gesamten Mittelalters war das Lateinische für alle europäischen Gelehrten die gemeinsame Sprache, noch heute sind Reste davon in verschiedenen wissenschaftlichen Fachsprachen erhalten geblieben, etwa in der juristischen oder der medizinischen. Das politische Gewicht Frankreichs und die Klarheit seiner Sprache machten das Französische für lange Zeit zur Sprache der europäischen Diplomatie. Im 20. Jahrhundert führte die Überlegenheit der USA in technologischer und wirtschaftlicher Hinsicht dazu, dass Englisch für viele Völker zur wichtigsten Zweitsprache wurde. Lesen Sie auch: Sprachliche Kommunikation 1

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Info 18.11.2017 12:56
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