Außersprachliche Kommunikation

Die Menschen verständigen sich miteinander auf vielfältige Weise, nicht nur durch Sprechen – verbal – und Schreiben. Schon bei Tieren können nichtverbale Verständigungssysteme die Grundlage für komplizierte Formen des Zusammenlebens bilden. Menschen teilen sich erstaunlich viel durch Gesten, Körperhaltungen, Mimik und andere Verhaltensweisen mit, in kürzester Zeit tauschen sie mannigfache nichtverbale Informationen aus. Formen des Gefühlsausdrucks
Neben der Mimik und der sogenannten Körpersprache (zu der auch Kleidung und Schmuck gehören) bildet die Art und Weise, wie man im mitmenschlichen Umgang Zeit und Raum bemisst, eine weitere Kommunikationsmöglichkeit. Pünktlichkeit kann z. B. Ungeduld zum Ausdruck bringen. Wer jemanden warten lässt, möchte vielleicht den Eindruck erwecken, dass er besonders stark beschäftigt sei. Gegenseitige Berührung bzw. das Einhalten von Distanz bei einer Begegnung sagen viel über die Beziehungen zwischen zwei Menschen aus. Stammesgeschichtlich geht die nichtverbale Kommunikation der Sprache voraus. Offenbar war das Vorhandensein eines Systems von Formen des Gefühlsausdrucks für die Entwicklung des Menschen besonders wichtig. Charles Darwin (1809-82) nahm an, dass die Affekte -etwa Angst öder Wut – einen hohen Überlebenswert haben und dass Gefühle wie Freude, Trauer, Furcht, Überraschung oder Abneigung sich jeweils auf besondere Weise manifestieren. Tatsächlich ist der natürliche Gefühlsausdruck bei allen Menschen ähnlich, allerdings gibt es große kulturelle Unterschiede, in welchem Ausmaß der Mensch seine Gefühle auch öffentlich zeigen darf. In den westlichen Ländern wird z. B. Weinen bei Männern als unpassend angesehen, und Frauen dürfen hohe Aggressionsneigung nicht zeigen. Schwierigkeiten beim Erkennen von Gefühlen aus dem Gesicht eines Menschen entstehen dadurch, dass der andere seinen Ausdruck kontrollieren, seine Gefühle maskieren oder sich verstellen kann. Außerdem treten viele mimische Gefühlsäußerungen. kurzfristig, manchmal auch nur auf einem Teil des Gesichts auf. Schließlich gibt es Mischungen von zwei oder mehr Gefühlen zu einem einzigen Gefühlsausdruck. Selbstverständlich unterscheiden sich die Menschen in der Fähigkeit, den Gefühlsausdruck anderer richtig zu deuten. Einige Gefühle lassen sich, wenn auch nicht ohne weiteres, aus der Körperhaltung erschließen. Bei allgemeinen (positiven oder negativen) Grundeinstellungen ist dies relativ einfach. Aktuelles Interesse oder Stimmungslage zeigen sich z. B. schon darin, ob der Körper aufgerichtet oder gebeugt ist. Die Bedeutung von Gesten
Unsere Gesten lassen sich in verschiedenste Gruppen einteilen. Verlegenheitsgesten helfen vielen Menschen, sich in einer neuen Situation zurechtzufinden. Zu ihnen gehören Kratzen, Naseputzen oder Streicheln. Hinweisgesten sind Bewegungen, die das Gespräch oder die Beziehung zwischen zwei Menschen in eine bestimmte Richtung lenken, Nicken und Augenbewegungen werden z. B. eingesetzt, um den Sprecher zum Fortfahren zu ermuntern oder den Wunsch nach Unterbrechung anzudeuten. Ein Gespräch ohne alle Hinweisgesten, also etwa ohne irgendeine Reaktion des Zuhörers auf das, was der Sprecher sagt, wird als unbefriedigend empfunden. Unterstützungsgesten sind Bewegungen, die das Gesprochene akzentuieren sollen. Embleme haben besondere, sprachähnliche Bedeutungen, sie können Wörter und Ausdrücke ersetzen. Verlegenheitsgesten treten oft unbewusst und ohne Mitteilungsabsicht auf, obwohl sie auch dann für den Beobachter aufschlussreich sein können. So erkennt der Psychotherapeut etwa daran, dass der Patient mit seinen Händen zu spielen beginnt, dass er einen schwierigen Punkt angesprochen hat. Hinweisgesten treten ebenfalls häufig unabsichtlich auf. Ein Beispiel ist das Grüßen: Wenn auch in vielen Kulturen Grußbewegungen bewusst gemacht werden, so haben sich doch wahrscheinlich Verbeugung, Händedruck, Umarmung und Küssen schon lange vor der Sprache entwickelt. Unterstützungsgesten werden eingeteilt in Richtungsgesten, die auf den bezeichneten Gegenstand zeigen, Raumgesten, die Größe oder Beziehungen andeuten, Unterstreichungsgesten, die etwas hervorheben sollen, piktographische (darstellende) Gesten, die einen Gegenstand nach Form oder Wesen verdeutlichen sollen, ideographische (gedankliche) Gesten, die eine Vorstellung verdeutlichen, und schließlich in kinetographische Gesten, die eine Bewegung andeuten sollen. – Früher wurde manchmal behauptet, dass bestimmte Arten von Gesten angeboren seien. Inzwischen hat man nachgewiesen, daß sie ebenso erlernt werden müssen wie die Sprache. Sinnbildliche Gesten
Sinnbildliche Gesten werden normalerweise bewusst angewandt. Beispiele sind der Daumen des Trampers am Straßenrand, der in die gewünschte Fahrtrichtung zeigt, oder das V-Zeichen (»victory«) des Siegers: Die Bedeutung sinnbildlicher Gesten ist in den verschiedenen Sprachgebieten sehr unterschiedlich. Der technische Fortschritt hat zu einer ständig wachsenden Zahl nichtverbaler Mitteilungen geführt, besonders durch Einführung der visuellen Medien Film und Fernsehen. Entsprechend hat auch die Erforschung der Entwicklung und der Formen nichtverbaler Kommunikation an Bedeutung gewonnen. Inzwischen versucht man, die Körperbewegungen als eine regelrechte Sprache – mit Grammatik und Syntax – aufzufassen.

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Info 26.09.2017 - 00:08
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