Sprachliche Kommunikation 1

Jedes Zeichensystem, das von einer Gruppe oder Gesellschaft zur Übermittlung von Nachrichten benutzt wird, kann Sprache genannt werden, z. B. Rauchsignale, Trommelzeichen oder Fingerbewegungen. Von allen diesen Zeichensystemen ist die Lautsprache das bei weitem anpassungsfähigste und ausdrucksstärkste. Vom Ursprung der Sprache
Sprache und Denken sind eng ineinander verwoben, man vergisst zuweilen, dass der Mensch – um sprechen zu lernen — ursprünglich zunächst einmal willkürliche Sprachzeichen für die ganze Fülle der Dinge, Handlungen und Gefühle erfinden musste. Die Benennung der Dinge hat sich vermutlich aus einfacheren Formen der Mitteilung entwickelt, aus Gesten, mimischen Bewegungen, Rufen, Grunz lauten und anderen Lautäußerungen, wie sie auch bei den Tieren vorkommen. Experimente mit Tieren ergaben, dass einige Arten, vor allem Affen und Delphine, die menschliche Sprache nachahmen oder auf eine begrenzte Anzahl von Lauten entsprechend reagieren können. Der entscheidende Unterschied zwischen menschlichem Sprechen und tierischer Verständigung besteht darin, dass der Mensch mit Vorstellungen umgehen kann, die sich auf zeitlich und räumlich entfernte Dinge oder auf unanschauliche Sachverhalte beziehen. Es kann als sicher gelten, dass Sprache und Denken sich nicht nur gemeinsam entwickelten, sondern sich auch gegenseitig bedingen. Die Fähigkeit des Menschen, sein Wissen weiterzugeben und dadurch ständig auszudehnen, ließ die kulturelle Entwicklung rasch voranschreiten und den Abstand zu den übrigen Lebewesen immer größer werden. Dies war den Menschen schon früh bewusst. Daher taucht in vielen Mythen die Vorstellung auf, die Sprache sei den Menschen von Gott unmittelbar eingegeben. Der Bau der Sprechorgane erlaubt dem Menschen eine wesentlich größere Lautvariation als den Primaten, gleichwohl ist die sprachliche Überlegenheit des Menschen gegenüber den Affen vor allem geistig bedingt. Jedes normale Kind hat offenbar die Fähigkeit, durch Nachahmung die Sprache seiner Umgebung zu erwerben. Die Sprachfähigkeit gehört also zur natürlichen Ausstattung des Menschen. Unentscheidbar ist die Frage, ob alle heute bekannten sprachen von einer einzigen Ursprache abstammen. Immerhin konnte die Sprachwissenschaft nachweisen, dass fast alle europäischen und viele asiatische sprachen von einer einzigen (nicht dokumentierten, sondern rekonstruierten) Sprache abstammen. Durch eingehende Untersuchungen weniger Wörter, die Pflanzen und Tiere bezeichnen und auf eine gemeinsame Wurzel zurückgehen, ließ sich die Herkunft dieser Ursprache auch geographisch eingrenzen. Begrenzung und Möglichkeiten
Jede einzelne Sprache bestimmt auf eine ihr eigentümliche Weise, wie der Sprecher die Welt sieht, wie er in ihr fühlt und handelt. Diese Begrenzung durch die Sprache hat viele Denker und Sprachforscher des 20. Jahrhunderts beschäftigt. Gleichzeitig hat heute das bewegte Bild in Film und Fernsehen die Funktion einer wichtigen Ergänzung der Sprache als eines kulturellen Werkzeugs übernommen. Trotz der modernen Medien ist der Einfluss der gesprochenen Sprache auf die Entwicklung des Menschen entscheidend. Nur durch die Sprache können die Menschen Bedeutungen und Bedeutungsunterschiede mit ausreichender Genauigkeit mitteilen und so Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur erhalten. Der Wortschatz ist nur ein Teil der Sprache. Durch unterschiedliche Wortauswahl und Satzstruktur, durch Satzmelodie und Betonung lassen sich unbegrenzt viele Bedeutungsnuancen vermitteln. Hinzu kommen mimischer Ausdruck und Gestik, die die Sprache noch einmal bereichern, der russische Regisseur Konstantin Stanislawskij (1863-1938) pflegte seine Schüler aufzufordern, die Worte »heute Abend« auf 50 verschiedene Arten auszusprechen. Beim Sprechen geben wir meist nicht einzelne Worte von uns, sondern »Atemeinheiten«, d. h. Sprechzusammenhänge, die durch das Atmen bedingt sind und nicht notwendig mit Sätzen identisch sind. Der Hörer versteht dabei dreierlei: den logischen Sinn, der durch Wortwahl, Satzbau und Betonung vermittelt wird, die Intonation, also die Lautgestalt des Gesprochenen, und das, was hinter dem Gesprochenen zum Ausdruck kommt. Die Untersuchung der Bedeutungen der Wörter einschließlich ihres Neben- und Hintersinns gehört zu den schwierigsten Aufgaben der Sprachforschung, nicht nur wegen der Verschiedenheit der Gedanken und Erfahrungen, die beim einzelnen Menschen dahinter stehen, sondern auch, weil sich jede lebende Sprache ständig und oft rasch ändert. Sprachanalyse
Die Sprachanalyse beschreibt die Strukturelemente der Sprache. Sie hat zwei Gegenstände: die (bedeutungshaltigen) Laute und die bedeutungshaltige Verbindung von Lauten. Die Erforschung der sprachlichen Laute als solche ist Aufgabe der Phonetik, die Beschreibung der bedeutungshaltigen Laute Aufgabe der Morphologie. Die kleinste bedeutungshaltige Einheit nennt man Morphem, »Mann« ist z. B. ein Morphem, von dem »männlich« und »Männlichkeit« abgeleitet sind. Ein Morphem oder mehrere miteinander verbundene Morpheme bilden ein Wort. Die Untersuchung von Ursprung und Geschichte der Wörter ist Aufgabe der Etymologie. Die Semantik untersucht die Bedeutungen der Wörter. Aufgabe der Grammatik ist die Analyse der Regeln für die Abwandlung von Wörtern zur Gewinnung besonderer Bedeutungen in Sätzen. Mit der richtigen Bildung von Sätzen befasst sich die Syntax. Lesen Sie auch: Sprachliche Kommunikation 2

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Info 14.12.2017 16:05
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