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Wilde Vorläufer des Ersten Kreuzzugs

Nicht lange, nachdem Peter von Amiens ausgezogen war, begeisterte ein gewisser Priester namens Gottschalk, ein Deutscher aus der Rheingegend, der sich durch Peter zu diesem selben Zug nach Jerusalem hatte hinreißen lassen, durch seine Predigt eine große Anzahl von Leuten aus aller Herren Länder zu einem gleichen Pilgerzug. Aus verschiedenen Gegenden Lothringens, des östlichen Frankreich, Baierns und Schwabens brachte er mehr als 15 000 Pilger zusammen, Ritter und gewöhnliches Fußvolk. Er sammelte auch eine ganz unglaubliche Menge Geld und alles, was sonst zur Reise notwendig war, und die Schar soll ganz friedlich ihres Weges gezogen sein bis ins Königreich Ungarn. Und als sie mit des Königs Kolmany gnädiger Erlaubnis nach Wieselburg gekommen waren, wurden sie dort und im nahegelegenen Schloss ehrenvoll aufgenommen, und man gab ihnen die Erlaubnis, für sich die nötigen Lebensmittel einzukaufen. Und auf Befehl des Königs ward überall Friede angesagt, damit nicht bei einem so großen Heer Zwistigkeiten irgendwelcher Art entstehen könnten. Aber während sie nun dort einige Tage blieben und anfingen, sich in der Gegend umherzutreiben, da ließen sich Baiern und Schwaben, lauter hitzige Leute, und andere nicht minder törichte Pilger, zu großer Trunkenheit hinreißen, verletzten den angesagten Frieden und raubten den Ungarn Wein, Gerste und andere Lebensmittel. Und schließlich raubten und erschlugen sie auf den Feldern Rinder und Schafe, töteten die Ungarn, die Widerstand leisteten und das Vieh retten wollten, und begingen noch eine Menge anderer Frevel, die wir nicht alle wiedergeben können, und benahmen sich eben ganz wie ungehobeltes und ungebildetes Landvolk, frech und schamlos.
Aus: Geschichte des ersten Kreuzzugs von Albert von Aachen (oder Aix um 1130). Kreuzzugsstimmung bei Franzosen und Deutschen im Jahre 1096
Die westlichen Franken konnten sich leicht überreden lassen, ihre Gefilde zu verlassen, denn Gallien hatte einige Jahre hindurch bald Bürgerkrieg, bald Hungersnot, bald Sterblichkeit schwer heimgesucht. Von den übrigen Nationen erzählten die einen Gemeinden oder Personen, außer dem apostolischen Aufruf seien sie durch gewisse unter ihnen aufgetretene Propheten oder durch himmlische Zeichen oder Offenbarungen in das Land der Verheißung gerufen, andere, sie seien durch irgendwelche Bedrängnisse zu solchen Gelübden bewogen worden, ein großer Teil derselben zog nämlich mit Weib und Kind und mit dem ganzen Hausrat beladen aus. Zu den Ostfranken aber, den Sachsen und Thüringern, den Baiern und den Alemannen erscholl dieser Ruf gar nicht zumeist wegen jener Spaltung, die zwischen Staat und Priestertum von der Zeit des Papstes Alexander bis auf den heutigen Tag ebenso sehr uns den Römern als die Römer uns verhasst gemacht und schon, ach, verfeindet hat. Daher kam es, dass fast das ganze deutsche Volk beim Beginn des Auszuges mit der Ursache desselben unbekannt die so vielen Legionen Reiter, die durch sein Land zogen, die so vielen Scharen Fußgänger und die so vielen Haufen von Landleuten, Frauen und Kindern als in unerhörter Torheit Rasende verhöhnten, weil sie für Gewisses nach Ungewissem greifend das Land ihrer Geburt eitel verließen, nach dem unsicheren Land der Verheißung mit sicherer Gefahr eilten, auf ihr eigenes Gut verzichteten, nach fremdem gierig trachteten. Aber obgleich unser Volk viel trotziger ist als die übrigen, so neigte sich dennoch angesichts des göttlichen Erbarmens die Teutonenwut endlich dem Worte derselben Verkündigung zu, nachdem sie sich von den Scharen der Durchziehenden über die Sache von Grund aus hatten belehren lassen.
Aus: Chronik des Ekkehard von Aura (1096).

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