Der Dritte Kreuzzug (1189-1192)

Bei aller Sympathie für die Kreuzfahrerstaaten hatte Europa bislang Hilfe nur immer dann aufgeboten, wenn, wie bei Edessa, wichtige Vorposten an den Islam gefallen waren. Aber jetzt war das Zentrum selbst, das Herzstück Palästinas für alle Christen verloren gegangen. Ungeheure Bestürzung packte das Abendland, mit einem Schlag vergaß man alle Vorbehalte und früheren Enttäuschungen, statt ständiger Rivalität herrschte plötzlich Einmütigkeit. Nach einem Aufruf Gregors VIII. 1187 zur Tilgung der Schmach normalisierte der inzwischen König und Kaiser gewordene Barbarossa sein spannungsreiches Verhältnis mit dem Nachfolgepapst Clemens III. Die Könige von Frankreich und England, Philipp II. August und Heinrich II. beschlossen, ihre Fehde ruhen zu lassen und nahmen das Kreuz. Als Heinrich II. 1189 gestorben war, übernahm sein Sohn Richard von Poitou, wegen seiner Kühnheit »Löwenherz« genannt, die Verpflichtung des Vaters. Zusammen mit dem französischen König brach er im Juni 1190 von Vézelay in Burgund auf, von Messina aus fuhr man nach Palästina. Nach der Vereinigung mit Barbarossas Heer wollte man in diesem Riesenunternehmen Saladin zeigen, auf wessen Seite die besseren Truppen und der richtigere Gott stünden. Aber was beide nicht ahnen konnten, Barbarossa war bei ihrem Abmarsch nicht mehr am Leben. Mit deutscher Gründlichkeit, gespeist aus den eigenen Erfahrungen während des Zweiten Kreuzzuges, hatte er das Unternehmen vorbereitet gehabt und seit dem Aufbruch in Regensburg am Georgstag 1189 die Truppen unter üblichen Schwierigkeiten durch die Byzantiner einigermaßen vollzählig bis nach Kleinasien geführt. Ein eindrucksvoller Sieg bei Ikonion öffnete den ungestörten Weg bis nach Antiocheia. Saladin wich respektvoll über den Euphrat zurück, doch das Schicksal wurde sein bester Verbündeter. In den reißenden Fluten des Saleph ertrank der 65jährige Kaiser vor den Augen der Seinen am 10. Juni 1190. Ohne den führenden Kopf war der Zug zum Scheitern verurteilt. Ein Teil des Heeres trat sofort den Heimweg an, mit dem Rest zog Barbarossas Sohn Friedrich V., Herzog von Schwaben, weiter nach Antiocheia, dann über Tyrus, wo der Verstorbene beigesetzt wurde, nach Akkon. Nur mehr 5000 Mann konnte er dort den Kreuzfahrern, die diese wichtige Seefestung belagerten, zuführen. Als Friedrich V. schon im Januar 1191 starb, war das allzu schnelle Ende der deutschen Bemühungen gekommen. Hilfe konnten nur noch der französische und der englische König anbieten. Während Philipp II. von Frankreich von Messina aus auf dem direkten Weg nach Akkon gesegelt war und im April 1191 das Belagerungsheer verstärkte, ließ sich »Löwenherz« mehr Zeit und entriss im frühen Sommer erst die Insel Zypern dem Byzantinischen Reich, ehe er am 5. Juni ebenfalls vor Akkon anlangte. Knapp einen Monat später gelang die Eroberung der Stadt nach fast zweijähriger Belagerung. Es sollte der einzige militärische Erfolg bleiben. Das hochfahrende Wesen des englischen Königs und die ständigen Reibereien zwischen Engländern und Franzosen spalteten die Kreuzritter völlig. König Philipp II. setzte sich daher schon Ende Juli enttäuscht und ärgerlich ebenso in die Heimat ab wie Herzog Leopold von Österreich, der von »Löwenherz« durch das Herabreißen seiner gehissten Flagge schwer gekränkt worden war. Auf eigene Faust versuchte jetzt Richard »Löwenherz«, das Unternehmen mit der Rückeroberung Jerusalems abzuschließen. Zweimal stand er dicht vor dem Ziel, zweimal vertat er die Chance. Ein dreijähriger Waffenstillstand, der Besitz der Küstenstädte von Jaffa bis Tyrus und der ungehinderte Zugang der Christen zum Heiligen Grab waren, gemessen an der vereinigten Heeresmacht der drei mächtigsten Könige Europas, eine magere Ausbeute des letzten ›gesamteuropäischem‹ Kreuzzuges. Der Schiffbruch von Richard »Löwenherz« auf seiner Heimfahrt vom Heiligen Land 1192 zwischen Venedig und Aquileja und seine Gefangennahme durch Leopold V. von Österreich (der ihn an Kaiser Heinrich VI. weitergab: mit der Folge der Lehnsabhängigkeit des englischen Königs vom deutschen Kaiser) mutet wie ein symbolischer Abschluss des ersten Abschnittes der Kreuzzugsbewegung an. Die Kreuzzüge des 11. und 12. Jahrhunderts: Eine Zwischenbilanz
Hält man an dieser Stelle einmal inne für ein vorläufiges Fazit aus der Perspektive des Papsttums, dann war die Kreuzzugsbewegung des 11. und 12. Jahrhunderts von den offenen und heimlichen Zielen her ein Fehlschlag. Der dem Rausch religiöser Begeisterung folgende Massenaufbruch konnte weder politisch noch organisatorisch kanalisiert werden und entglitt den Päpsten immer mehr. Das Heilige Land wurde nicht endgültig für das Christentum gesichert, geschweige denn als Lehen des Papstes vergeben, wie es dem päpstlichen Legaten Dagobert von Pisa beim ersten Kreuzzug vorgeschwebt hatte. Die erhoffte Wiederangliederung der Ostkirche blieb auch weiterhin ein Wunschtraum. Die Begeisterung hatte schon nach dem Zweiten Kreuzzug einen gewaltigen Dämpfer erlitten, doch immer wieder verstanden es die Päpste, den glimmenden Funken neu zu entfachen. Aber den Kreuzfahrten des 13. Jahrhunderts fehlte der mitreißende Schwung und die spontane Ehrlichkeit der ersten Stunde. Die Solidarität der christlichen Staaten Europas war auf der Strecke geblieben, profanere Ziele verdeckten immer mehr die Lauterkeit der ursprünglichen Idee. Der Vierte Kreuzzug mag ein Beispiel dafür sein.

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Info 18.01.2018 05:00
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