Die Mongolen

Das Mongolenreich war im 13. Jahrhundert, auf der Höhe seiner Macht, das größte Kontinentalreich der Geschichte. Es erstreckte sich vom Gelben Meer im Osten bis zur Donau im Westen und umfasste Teile von Russland, China und dem Iran.
Die Herkunft der Mongolen ist nicht geklärt. Sie waren in Stämme gegliederte Nomaden, die in Filzzelten lebten und mit den Herden ihrer Pferde, Rinder, Kamele und Schafe in den Weidegründen wanderten, die im Gebiet der heutigen Mandschurei, Mongolei und Sibiriens lagen. Die zahlreichen, sich häufig befehdenden Mongolenstämme wurden zum ersten Mal durch Dschingis-Chan (1155 oder 1167 bis 1227) geeint. Er wurde im Jahre 1206 Herrscher über alle Mongolen. Dschingis-Chan und sein Reich
Dschingis-Chan ging zunächst daran, die größeren Stammesgruppen in der Mongolei und an den Grenzen nach Sibirien zu reorganisieren. Dann wandte er seine Aufmerksamkeit China zu. Im Jahre 1211 begann er einen Angriff auf das Reich der Kin in Nordchina, seine Nachfolger setzten diese Angriffe so lange fort, bis ganz China im Jahr 1279 unter die Herrschaft der Mongolen geraten war. Aber China war nicht das einzige Ziel, die bislang unbekannten Mongolen stießen auch nach Westen vor. 1219/20 besiegte Dschingis-Chan Mohammed Schah von Choresmien und gewann damit Transoxanien (im heutigen Gebiet um Buchara und Samarkand) und Persien. Zwei der Heerführer des Chans schlugen nacheinander die Georgier und Kumanen in den Steppen zwischen Wolga und Don – sie bildeten später die Reserve für die Goldene Horde – und die russischen Heere am Dnjepr. Dann zogen sich die mongolischen Armeen nach Zentralasien zurück. Dschingis-Chans Nachfolger
Ögädäi (gest. 1241), Sohn von Dschingis-Chan, wurde nach dem Tod seines Vaters 1227 Groß-Chan. Persien, Georgien und Armenien wurden unter seiner Herrschaft überrannt. Zur selben Zeit führte der Feldzug im Osten 1234 zur Niederlage der Kin, der Druck gegen die Sung-Dynastie in Südchina nahm zu. Chan Batu (gest. 1256), Enkel von Dschingis-Chan, drang nördlich des Kaspischen Meeres und des Kaukasus bis nach Europa vor. Er schlug die Bulgaren an der Wolga und nahm zahlreiche Städte ein, einschließlich Kiew, bevor er sein Heer in zwei Teile teilte und den Angriff auf Polen und Ungarn einleitete. Krakau und Breslau wurden erobert und 1241 ein deutsch-polnisches Ritterheer bei Liegnitz geschlagen. Batu selbst vernichtete die ungarische Armee, nahm die Städte Pest und Gran ein und zog dann weiter an die Adria. Die Mongolen unternahmen keinen Versuch, Polen oder Ungarn besetzt zu halten, sie errichteten einen Stützpunkt in Sarai an der unteren Wolga zur Überwachung der Russen und Kumanen. Ein anderer Enkel, Hulagu (gest. 1265), Gründer der persischen Dynastie der Ilchane, drang in südwestlicher Richtung vor. 1250 verloren die Assassinen ihre große Bergfestung Alamut in Masenderan, Bagdad fiel 1258, als der Abbasiden-Kalif ermordet wurde. Dann folgte die Eroberung von Aleppo und Damaskus. 1260 erlitten die Mongolen ihre erste Niederlage: sie wurden bei Ain Dschalut von den Mameluken unter Baibars (1233-77) geschlagen, dessen Heer im Kampf gegen die Kreuzfahrer Erfahrungen gesammelt hatte. Das Mongolenheer stand in dieser Schlacht unter dem Befehl des Christen Kitbogha (gest. 1303), ein Beispiel für die Toleranz der Mongolen gegenüber anderen Religionen. Es gab unter den Mongolen Buddhisten, Muslime und nestorianische Christen, die meisten Mongolen waren jedoch Anhänger des Schamanismus. Diese religiöse Toleranz erklärt auch die Anwesenheit christlicher Priester am Hof des Groß-Chans, sie ermöglichte Marco Polo, quer durch Asien nach China zu reisen. Die Mongolen-Chane scheinen ein echtes Interesse an religiösen Fragen gehabt zu haben, von Augenzeugen werden Debatten zwischen Angehörigen verschiedener Glaubensrichtungen vor dem Chan berichtet. Kubilai erobert China
1260 wurde Kubilai (1215-94), ein Enkel von Dschingis-Chan, Groß-Chan der Mongolen, er verlegte 1264 seine Hauptstadt von Karakorum in das Gebiet des heutigen Peking. Von dort aus führte er einen Feldzug, in dem er schließlich ganz China eroberte und annektierte. Obwohl dieser Feldzug erst 1279 abgeschlossen war, rechnet man die Jüan-Dynastie, die Kubilai gründete, von der Gründung der neuen Hauptstadt bis zu dem Tage im Jahr 1368, als der letzte Jüan-Herrscher vor den Armeen der Ming floh und in der mongolischen Stammheimat Schutz suchte. Aber das Mongolenreich war schon zu einer viel früheren Zeit zerfallen, um 1295 waren die Chane im Westen zum Islam konvertiert und nicht länger bereit, sich der Oberhoheit eines nichtmuslimischen Groß-Chans zu beugen. Auch waren nicht alle Feldzüge Kubilais erfolgreich. Im Norden gelang es ihm nie, seinen Vetter Kaidu, den Enkel von Ögädäi, zu unterwerfen. Im Süden ergab sich Birma, wurde aber nicht besetzt, während sich die Mongolen aus Nordvietnam wegen einer Seuche zurückziehen mussten. Die Invasion Japans misslang. Nach Kubilais Tod gab es bis 1368 noch neun weitere Jüan-Herrscher. Unter dem letzten Jüan-Kaiser, Togan Timur, kam es im Jahr 1348 in China zu Unruhen und schließlich zum offenen Aufstand, der mit dem Sieg der Chinesen endete. Die Flucht des letzten Jüan-Kaisers markiert das Ende der gewaltigen, wenn auch relativ kurzen Machtentfaltung der mongolischen Nomaden.

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Info 23.11.2017 19:21
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