Die Großen Reiche Südostasiens

Die Länder, die am Seeweg zwischen dem indischen Subkontinent und China liegen, sind von beiden Regionen stark beeinflusst worden. Außer in Vietnam setzte sich zunächst überall der kulturelle Einfluss Indiens durch, während der christlichen Zeitrechnung haben die Reiche Südostasiens jedoch mehr die Oberhoheit des Kaisers von China anerkannt. Die ersten Jahrhunderte nach Christus
Das Engagement Indiens und Chinas in diesem in vieler Hinsicht vielschichtigen Gebiet ergab sich aus der Notwendigkeit, einen Seeweg zwischen den beiden Ländern zu suchen, da Topographie und unsichere politische Verhältnisse in Zentralasien die Landverbindung sehr erschwerten. Als die verschiedenen Teile Südostasiens in den ersten Jahrhunderten nach Christus unter den Einfluss ihrer beiden großen Nachbarn gerieten, hatten sie schon einen hohen Entwicklungsstand auf technischem, wirtschaftlichem und politischem Gebiet erreicht. Lini mit der Hauptstadt Widschaja nahe dem heutigen Hue und das Reich Funan im Mekongdelta sind die bekanntesten Staaten, die damals südlich von China existierten. Aus Lini wurde das Königreich Tscham, das Zentralvietnam und Teile des Südens bis ins 14. Jahrhundert beherrschte. Funan dehnte seinen Einfluss auf das Küstengebiet am Golf von Siam einschließlich des Hinterlandes aus, bis sich etwa in der Mitte des 6. Jahrhunderts das Machtzentrum auf den bisherigen Vasallen Staat Tschenla, wahrscheinlich in der Nähe des Tonle Sap, verlagerte. Aus diesem Königreich entwickelte sich vom 9. Jahrhundert an das Reich der Khmer (in Kambodscha). Weiter westlich, in der Nähe des heutigen Bangkok, lag im 7. Jahrhundert Dwarawati und noch weiter westlich, in Birma, das Königreich der Pyu mit der Hauptstadt Prome. In der indonesischen Inselwelt und auf Malakka gab es eine Anzahl kleiner Königreiche, die ebenfalls vom Handel zwischen China und dem Westen profitierten. Mit diesem Handel kamen auch buddhistische Pilger und hinduistische Lehrer. Diese aus Indien stammenden Religionen wurden in den Königreichen von Südostasien zur Staatsreligion. Diese Rolle hat sich der Buddhismus bewahrt, der Hinduismus hingegen ist heute, außer auf Bali, fast ganz verschwunden. Buddhistischer und hinduistischer Einfluss
Im 7. Jahrhundert riet der chinesische MönchItsing (634-713) seinen Anhängern, einige Zeit auf Sumatra mit dem Studium von Sanskrit und Buddhismus zu verbringen, bevor sie nach Indien weiterziehen würden. Er selbst lebte etwa ein Jahrzehnt auf Sumatra und übersetzte buddhistische Texte ins Chinesische. Dieses Zentrum in Westindonesien wurde die Kernzelle eines indonesischen Großreiches mit der Hauptstadt Schriwidschaja (heute Palembang), das vom 7. bis 10. Jahrhundert im westlichen Südostasien den Handel kontrollierte. Dann verlagerte sich der Schwerpunkt der Macht von der Küste ins Hinterland. Zur selben Zeit machten sich auch in Westjava und auf Borneo indische Einflüsse bemerkbar, die Schailendras (Herren der Berge), eine javanische Dynastie, gelangten in Mitteljava zur Macht. Hier erlebte im 8. und 9. Jahrhundert der Buddhismus eine Blütezeit mit Höhepunkt in der Kultstätte von Borobudur. Mit seinen unendlich vielen Reliefs, die den wahren Glauben verkünden, ist Borobudur eines der größten religiösen Heiligtümer der Welt. Die Anlage, eine Stufenpyramide, überlagert einen Hügel. Der Hinduismus geriet jedoch nicht in Vergessenheit, Dschajawarman II. (um 770-850), »aus Java zurückkehrend«, wie eine Inschrift sagt, festigte nach einer Periode der Zerrüttung das Königreich der Khmer wieder, das vom 9. bis ins 14. Jahrhundert das hinter indisches Festland beherrschte. Der Hinduismus war Staatsreligion. Sein Mittelpunkt mit dem Lingam-Kult lag in einem Tempel im Zentrum der Hauptstadt Angkor Thom. Die Tempel nahmen immer mehr an Umfang und barocker Ausgestaltung zu, ihren Höhepunkt erreichten sie in der herrlichen Tempelanlage von Angkor Wat (erbaut unter König Surjawarman II., 1113-um 1150) und in dem den mythischen Welt berg Meru darstellenden Bajon (zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts). Die wirtschaftliche Belastung, die dieses aufwendige Bauprogramm mit sich brachte, hat wahrscheinlich dazu beigetragen, dass das Reich der Khmer unter den Angriffen der Thai, die im Westen ein neues Machtzentrum gegründet hatten, und der Vietnamesen, die vom Osten kamen, zusammenbrach. In Ostjava entstand das Königreich Madschapahit (1222-1525) – ein Staat, der mit seiner Seemacht in der Lage war, 1293 eine chinesische Flotte zurückzuschlagen. Sein Einfluss reichte im Westen bis nach Zentralsumatra, die in dem Staat gepflegte Verbindung von Hinduismus und Buddhismus war der Abschluss eines Trends, der bereits 782 in Mitteljava nachzuweisen ist. Das Ende dieses Königreiches dürfte mit dem Islam zusammenhängen, der in Nordsumatra bereits 1291, als Marco Polo dort hinkam, Fuß gefasst hatte. Die Küste von Java war etwa ein Jahrhundert später schon vollkommen islamisiert. Der Untergang von Madschapahit wird jedoch erst auf das Jahr 1525 datiert. Entwicklungen auf dem Festland
Auf dem Festland waren die Mongolen, .nach erfolglosen Angriffen auf Java, in Vietnam eingefallen. In Birma zeugen Tausende von Tempeln bei Pagan am Irawadi von der Macht des Buddhismus. Dieses Reich fiel 1287 den Mongolen zum Opfer. Etwa zur selben Zeit konsolidierte Rama Kamheng die Macht der Thai im westlichen Teil des bisherigen Khmer-Reiches und legte damit den Grundstein für das heutige Thailand.

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Info 18.12.2017 00:27
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