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Literatur in den Vereinigten Staaten

Die amerikanische Literatur der vergangenen zwei Jahrhunderte spiegelt die historische Entwicklung der USA wider. Zum Zeitpunkt der Unabhängigkeitserklärung (1783) stand sie völlig unter dem Einfluss der europäischen Mutterländer, im Laufe der Zeit trat dann der Konflikt zwischen dem erstarkenden Nationalbewusstsein und dem europäischen Erbe in den Vordergrund. Die ersten drei unter den großen Schriftstellern Amerikas sind James Fenimore Cooper , Washington Irving (1783-1859) und Edgar Allan Poe (1809-49). Irving gilt mit als Begründer der amerikanischen Kurzgeschichte und erwarb sich Ansehen als Essayist und Biograf (»Life of Washington«). 17 Jahre lang lebte er in Europa. Aus dieser Zeit stammen teils romantische, teils realistische Reisebilder. Ebenso wie Irving wurde Poe vor allem durch seine Kurzgeschichten bekannt. Ralph Waldo Emerson (1803-82) begründete die Ära des »Transzendentalismus«. Im Mittelpunkt seines ideenreichen Denkens steht der Begriff des Geistes als des einzig Wirklichen. Emerson trug ebenso wie Henry David Thoreau (1817-62) zur Vermittlung des europäischen Denkens an Amerika wie zur Ausbildung des amerikanischen Nationalbewusstseins bei: Nur im »Land der unbegrenzten Möglichkeiten« könnten Individualität und Gruppenharmonie existieren. Nathaniel Hawthorne (1804-64) sah die Probleme schärfer und illusionsloser, die den USA auf ihrem Weg in die Eigenständigkeit bevorstanden: In seinen Kurzgeschichten und Romanen, übrigens den frühesten psychologischen Romanen Amerikas überhaupt, schilderte er u. a. die puritanische Siedlerwelt Neuenglands. Sünde, Schuld und Vergeltung wurden für ihn und seinen Freund Herman Melville (1819-91) zur Hauptthematik. Als wirklich amerikanische Dichtung gilt im Allgemeinen erst »Grashalme« von Walt Whitman (1819-92), womit eine Zeitspanne anbrach, die oft als »amerikanische Renaissance« bezeichnet wird. Die der Dominanz Neuenglands Tribut zollenden Schriftsteller nannte man »Brahmanen«: Die Dichter Henry Wadsworth Longfellow (1807-82) und James Russell Lowell (1819-91) zählen dazu. Zwei der hervorstechendsten Merkmale der amerikanischen Literatur - Humor und Direktheit – vereinen sich in den Geschichten und Romanen von Mark Twain (eigtl. Samuel Langhorne Clemens, 1835-1910), der die Brücke zwischen Romantik und Realismus bildet. Realismus und Gesellschaftskritik
Apostel des Realismus war der Romancier William Dean Howells (1837-1920), hervorragendster Vertreter aber sein Freund Henry James (1843-1916). Die lange Reihe der Naturalisten beginnt mit Theodore Dreiser (1871-1945) und seinem gefeierten Roman »Eine amerikanische Tragödie«. Betont sozialkritisch ist das Werk von Sinclair Lewis (1885-1951), Thomas Clayton Wolfe (1900-38), John Ernst Steinbeck (1902-68), Nathanael West (1903-40) und bei dem einflussreichen Experimentierer John Dos Passos (1896-1970). Von Paris aus beeinflusste Gertrude Stein (1874-1946) als Guru der »Lost Generation« viele Neuerungsversuche, angefangen bei der lyrischen Prosa Sherwood Andersons (1876-1941), über den geschliffenen Realismus Ernest Hemingways (1899-1961) bis hin zu Francis Scott Fitzgerald (1896-1940) und dem Jazz-Zeitalter. William Faulkner (1897-1962) wandte sich vor allem den Rassenproblemen der Südstaaten zu und schilderte, wie eine Gesellschaftsordnung ihrem Ende zuging. Gesellschaftskritik klang auch im amerikanischen Drama an, das seine Blüte in den zwanziger Jahren erreichte: Die psychoanalytischen Dramen von Eugene Gladstone O’Neill (1888 bis 1953), Tennessee Williams (1911-83) und Edward Albee (geb. 1928) haben Weltgeltung. Poesie und neue Entwicklungen
Anfang des 20. Jahrhunderts leiten Edwin Arlington Robinson (1869-1935) und Robert Lee Frost (1874-1963) eine Wiederbelebung der Poesie ein. Von ihnen überkommene Formen führten Dichter wie John Crowe Ransom (1888-1974) und Allen Tate (1899-1979) fort, der Symbolist Wallace Stevens (1879-1955) und Harold Hart Crane (1899-1932) gingen dagegen eigene Wege. Weg von Traditionen und hin zu freierem Stil strebte eine später entstandene Gruppe, die so bekannte Mitglieder umfasst wie Robert Lowell (1917-77), Theodore Roethke (1908-63), Anne Sexton (1928-74), Sylvia Plath (1932-63) und John Berryman (1914-72). Ezra Loomis Pound (1885-1972) und Thomas Stearns Eliot (1888-1965) sind die Urheber der eigentlichen Moderne. Eliot schilderte die geistige Not der modernen Welt und die Möglichkeiten ihrer Überwindung aus dem christlichen Humanismus. Er gilt auch als Erneuerer der angelsächsischen Lyrik. Als Erbe von Walt Whitman und Henry Miller (1891-1980) wird Allen Ginsberg (1926-97) angesehen. Ginsberg, der Schriftsteller Jack Kerouac (1922-69) und William Burroughs (1914-97) führten die Beat-Generation an, die sich in den fünfziger Jahren bildete. Noch bekannter ist Jerome David Salingers (geb. 1919) »Der Fänger im Roggen«, die jugendliche Ablehnung der Erwachsenenwelt. Als besonders wichtig für die Entwicklung der US-Literatur muss man die ersten Werke farbiger bzw. jüdischer Autoren ansehen. Repräsentativ für die »schwarze Literatur« sind die Werke von James Baldwin (1924-87), Richard Wright (1908-60) und Ralph Ellison (1914-94), die Protagonisten der neuen jüdischen Literatur sind Saul Bellow (1915-2005), Bernard Malamud (1914-86), Philip Roth (geb. 1933) und Norman Mailer (1923-2007).
1956 heiratete der Dramatiker Arthur Miller Marilyn Monroe. Die Verbindung zwischen dem Sexsymbol der Nation und dem liberalen Intellektuellen ging in die Brüche – und wurde Thema von Millers Stück »Nach dem Sündenfall« (1963).

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