Kunst des Barock 2

Die wichtigsten Auftraggeber für die Künstler des Barock waren Könige, Päpste, Kardinäle, der höhere Adel, Bischöfe und religiöse Orden. Die beiden letzten Gruppen, die nicht unbedingt mehr Geschmack gehabt haben mussten noch wohlhabender als die anderen waren, zeigten sich in ihrer Kunstförderung aktiver, als sie es seit dem 15. Jahrhundert je gewesen waren. Der Barock war seit dem Mittelalter der erste Kunststil, der sowohl in einer volkstümlich derben als auch in einer kultiviert verfeinerten Form auftrat. Religion und Barock
Der volkstümliche Barock blühte gerade in abseits liegenden Gebieten. Jede Region brachte ihre eigenen Stilvariationen hervor. Das örtliche Kloster, die Pfarrkirche mit schlankem Glockenturm, dekorativ betontem Eingang und mit Stuckdekoration im Inneren ist in der gesamten katholischen Welt von Polen bis Brasilien und Peru ein bekannter Anblick. Hier soll mehr der »große«, anspruchsvolle Barock genauer untersucht werden, um seinen sozialen Hintergrund und ideologischen Gehalt zu verstehen. Der Barock entstand unter dem Einfluss der Gegenreformation. Diese Reformbewegung innerhalb der katholischen Kirche wollte sie angesichts der protestantischen Gegnerschaft stärken und verlorene Gebiete wiedergewinnen, sie begann in den Jahren nach 1530, lange vor dem Entstehen der Kunst des Barock in der üblichen Bedeutung des Begriffes. Gleichzeitig mit der Gegenreformation wurden mehrere neue, streitbare Orden gegründet, allen voran die Gesellschaft Jesu (Jesuiten), die von Ignatius von Loyola (1491-1556) im Jahre 1534 gegründet wurde. Gleich anderen bedeutenden katholischen Gestalten dieser Zeit war Ignatius Spanier (er wurde später heiliggesprochen und häufig in der Barockkunst dargestellt). Die spanischen Religionslehrer entwickelten in ihren Schriften Meditationsübungen, um das geistige Auge auf alle Einzelheiten der Passion Christi zu lenken und so die Seele auf ihr höchstes Ziel – die Vereinigung mit Christus – vorzubereiten. Dieses Ziel wurde durch den Tod im Glauben und namentlich für den Glauben (Märtyrertod) erreicht, aber auch im Erlebnis einer Vision Christi, der Gottesmutter oder der Heiligen. Solche Erfahrungen setzten die Ausbildung eines höheren Bewusstseinszustandes voraus. Sowohl die Visionen selbst als auch ein derartiger Bewusstseinszustand ließen sich als Thema in der Barockkunst verwenden. Kunst und Gefühl
Es vergingen jedoch viele Jahre, bis der Barock in der Gegenreformation in Erscheinung trat. In ihren Anfängen war die Gegenreformation eher eine asketisch-puritanische Bewegung, die religiösen Orden waren arm, die Künste waren ihnen gleichgültig. Die offizielle Kirche beschränkte sich darauf, religiöse Bilder und Statuen frei von Anstößigkeiten und Ketzerei zu halten. Aber im späten 17. Jahrhundert begannen einige künstlerisch interessierte Geistliche wie der Kardinal und Erzbischof von Mailand Federico Borromeo (1564 – 1631) Möglichkeiten zu sehen, die Kunst nicht nur zur Darstellung katholischer Lehre zu verwenden, sondern auch zur Ausgestaltung des Gottesdienstes. Nach Meinung dieser Geistlichen sollte eine lebendige und anregende Darstellung der Heilsgeschichte und der Visionen der Heiligen den Christen in seinem Glauben unterstützen und ihn an den Visionen teilhaben lassen. Die Kunst sollte mit anderen Worten benützt werden, den Geist über das Gefühl anzusprechen – eine Art der Propaganda, die auch in modernen Zeiten wieder benutzt wurde – das Wort Propaganda selbst stammt von einer 1622 gegründeten päpstlichen Organisation für die Verbreitung des katholischen Glaubens, der »Congregatio de Propaganda fide«, der »Kardinalskongregation zur Ausbreitung des Glaubens«. Für diese Propaganda erwies sich der Barockstil mit seinem Realismus und seiner Dynamik als ungemein wirkungsvolles Instrument. Ein frommer Mensch, der eine Kirche betritt und die festlichen Bilder am Altar sieht, die prächtigen Statuen vor den Pfeilern und eine Vision des Himmels an der Decke, musste fast zwangsläufig Gottes Gegenwart fühlen. Macht und Glanz der katholischen Kirche
Von 1620 an war die Kunst in zunehmendem Maß aufgerufen, nicht nur den Glauben zu verkünden, sondern auch Macht und Glanz der katholischen Kirche vorzuführen. Unterstützt von kunstliebenden und kunstverständigen Kardinälen und Päpsten, waren die Maler, Bildhauer und Architekten des Barock unermüdlich mit dem Bau und der Verschönerung von Kirchen beschäftigt. Die größte Leistung dieser Art war die äußere und innere Umgestaltung der Peterskirche in Rom – ausgeführt durch den Bildhauer, Maler und Architekten Giovanni Lorenzo Bernini (1598-1680). Ebenso eignete sich der Barock für die Zwecke weltlicher Herrscher von Gottes Gnaden. Mitte des 17. Jahrhunderts gab es eine Reihe von Monarchen, wie Philipp IV. von Spanien (1605-65), Karl I. von England (1600-49), Erzherzog Leopold Wilhelm (1614-1662), Statthalter der Spanischen Niederlande, die alle tatkräftige und kenntnisreiche Förderer der Künste und der Künstler wie Diego Veläzquez (1599-1660) und Anthonis van Pyck (1599-1641) waren. Im späten 17. Jahrhundert folgte als mächtigster aller Monarchen Ludwig XIV. von Frankreich (1638-1715), er gab dem französischen Klassizismus die Wendung zum Barock (»Style Louis XTV«). Als Mäzene im 18. Jahrhundert auf deutschem Gebiet traten Könige, Fürsten und kleiner Adel hervor.

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Info 18.12.2017 00:21
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