Französische Kunst im 17. Jahrhundert

Die französische Kunst des 17. Jahrhunderts war wie die meisten Bereiche des französischen Lebens und Denkens von einer besonderen Eigenart beherrscht: einem festen Glauben an Ordnung und Vernunft, an Maß und Proportion. Man sprach viel von »Regeln«, um Normen zu schaffen, wurden Akademien ins Leben gerufen (die Königliche Akademie für Malerei und Plastik wurde 1648 gegründet, begann aber erst nach 1660 wirksam zu arbeiten). Klassische Quellen
Antike, griechische und römische Formen in der Baukunst und Plastik galten als unübertreffliche, beispielgebende Vorbilder harmonischen Aufbaus, als Schöpfungen eines rationalen Geistes, die sich mit mathematischer Logik zum Ganzen zusammenfügten. Harmonie der Teile untereinander und zum Ganzen ist das Wesen des Klassizismus. In Frankreich wurde dieser Gedanke mit Konsequenz angewendet, für die Franzosen waren die Regeln des römischen Architekturschriftstellers und Baumeisters Vitruv (1. Jh. v. Chr.) über die Proportionen in der Architektur nicht nur vorbildlich, sondern auch verbindlich. Wenn französische Künstler Formen der antiken Kunst verwendeten, dann sahen sie in diesen Formen mehr Klarheit und Ordnung, als die antike Kunst in Wirklichkeit besaß. Den Werken französischer Künstler fehlt daher die Grazie der zeitgenössischen italienischen Kunst. Die Entwicklung der Baukunst
Der erste bedeutende Künstler der Periode war ein Architekt, Salomon de Brosse (um 1571 bis 1626). Nur die Architektur in und um Paris ist während dieses ganzen Jahrhunderts lückenlos fassbar. Die meisten französischen Baumeister haben Italien nicht einmal besucht, da sie alles Nötige aus Büchern und aus den Werken ihrer Vorgänger im 16. Jahrhundert entnehmen konnten, die zum Teil in Italien gelernt hatten. De Brosse führte die symmetrische Gestaltung aller vier Gebäudeseiten ein, anders als sein Vorläufer Jean Bullant (1520/25-78) fasste er die Baukunst als Gestaltung von plastischen Körpern auf, nicht nur als Fassadendekoration. Dieses Erbe übernahm sein größter Nachfolger, Francois Mansart (1598 – 1666), den Höhepunkt von dessen Schaffen bildet das Schloss Maisons Laffitte. In Stein ausgeführt, ohne jede Vergoldung oder Farbe, zeigt der ganze Bau eine angenehme Strenge und kultivierte Zurückhaltung. Die ausgewogene Anordnung der Baublöcke bewirkt den Eindruck nüchterner Monumentalität. Bis in die Jahre um 1650 waren die wichtigsten Gebäude für das reiche Großbürgertum errichtet worden, das unter der Regierung Kardinal Richelieus (1585-1642) zu Wohlstand gekommen war. Pariser Stadthäuser (Hotels) sind für die Geschichte der Baukunst dieser Zeit ebenso wichtig wie Landschlösser. Die Auftraggeber des französischen Landschaftsmalers Nicolas Poussin gehörten ebenfalls zum Großbürgertum. Nach 1661 jedoch, als Ludwig XIV. volljährig geworden war und die Regierung übernahm, zog die Krone alle nennenswerten künstlerischen Talente an sich. Als erstes größeres Projekt wurde die Ostfront des Louvre errichtet (1667-70). Es war geradezu von symbolischer Bedeutung, dass der berühmteste Künstler Europas, Giovanni Lorenzo Bernini (1598 – 1680), nach Paris berufen wurde, um den Entwurf dazu zu liefern. Berninis Vorschlage wurden jedoch schließlich zugunsten der Pläne französischer Architekten, Louis Le Vau (1612-70) und des Vitruv Übersetzers Claude Perrault (1613-88), abgelehnt. Nationalstolz und Vorliebe für die Klassik siegten über den Wunsch nach barocker Pracht. »Heroisch« und »ideal«
Inzwischen zeigte die französische Malerei in zwei weit von Paris entfernten Zentren (Lothringen und Rom) Höchstleistungen. In Lothringen malte Georges de La Tour (1593 -1652) von Kerzen erleuchtete religiöse Szenen in der Hell-Dunkel-Manier des Michelangelo da Caravaggio (1573 – 1610), dessen Werke er vielleicht nie im Original gesehen hat, er behandelte diese Szene mit starken Farb- und Kontrastwirkungen in einer Präzision und Verhaltenheit, die typisch französisch waren. In Rom entwickelten Nicolas Poussin (1593-1665) und Claude Lorrain (1600-82), die dort den größten Teil ihres Lebens verbrachten, in engem Kontakt mit dem alten Rom und der italienischen Renaissance einen antikisierenden Stil. Poussin arbeitete hauptsächlich für französische Auftraggeber, er hat die französische Malerei entscheidend beeinflusst. Seine ausgewogenen Bilder zeigen antike Klarheit, eine gewisse starre Monumentalität und arkadische Festlichkeit in »heroischen Landschaften«. Claude Lorrain war ein Künstler von größerer Heiterkeit. Seine »ideale Landschaft« bietet ein Bild der Natur, das schöner und harmonischer ist als die Natur selbst. Er tauchte dieses sorgfältig komponierte Abbild der Natur in ein bezauberndes poetisches Licht. Die Landschaftsmalerei des 18./19. Jahrhunderts wurde von ihm beeinflusst. Das letzte Viertel des Jahrhunderts ist ganz vom Bau des Schlosses von Versailles durch Ludwig XIV. geprägt. Unter Aufsicht des Leiters der Akademie, Charles Le Brun (1619 bis 90), wurde es von Louis Le Vau entworfen und von einer Reihe von Malern, Dekorateuren, Kunsttischlern und Bildhauern (deren Zusammenarbeit erstmals wichtig wurde) ausgestattet. Zwar sind Grundlinien und Ornamentik der ganzen Anlage klassisch, doch erwies sich am Ende das Bedürfnis nach Pomp und Prunk als stärker und gab der französischen Kunst vorübergehend eine barocke Wendung.

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Info 26.09.2017 - 22:04
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