Kunst in England und Nordamerika (1530 – 1790)

Die britische Kunst vom 16. bis zum 18. Jahrhundert folgte zwar den gleichen Stilentwicklungen wie die Kunst auf dem Kontinent, doch zeigt sie auch eigene, spezifische Züge, die besonders in der weitgehend von den Auftraggebern bestimmten Themenwahl zutage treten. Gegen Ende des Zeitabschnitts wird die Kunst in Nordamerika, ein Spross der britischen, selbständig.

Die Porträtmalerei
Eine Folge der Reformation in England in den Jahren nach 1530 war nicht nur das Ende kirchlicher Aufträge an die Künstler, sondern ein Rückgang des Interesses an der bildenden Kunst überhaupt. Populäre Monarchen wie Elisabeth I. gaben wenig Geld für Kunst aus. Als Karl I. die besten Maler der Zeit förderte und eine der schönsten Gemäldesammlungen Europas anlegte, verärgerte er das Parlament und die Stadt London, die die Galerie nur als Verschwendung ansahen, die Galerie trug somit zu den Ursachen des Bürgerkriegs bei. Vom 16. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts fehlte es außerdem an einheimischen Talenten, fast alle führenden Maler und Bildhauer vor William Hogarth (1697-1764) kamen aus dem Ausland, eine Ausnahme machten die Architekten.

Zwei Hauptaufgaben gab es für Maler und Architekten in England: Porträts zu malen und Landhäuser zu bauen. Hogarth nannte den Grund für ersteres: »Wir sind ein Handelsland und reich genug, um unsere Kuriositäten (d. h. italienische und französische Bilder und Plastiken) fertig zu kaufen, und das tun wir ... Wie in Holland herrscht hier mehr Selbstsucht als Eitelkeit. Die Porträtmalerei war daher immer erfolgreicher als in jedem anderen Land und wird es auch bleiben, und wo ist sie höher entwickelt? Die Nachfrage wird so beständig sein, wie neue Gesichter erscheinen...« Die Porträts der britischen Oberschicht, die heute noch reihenweise in den Landhäusern hängen, geben Hogarth recht. Doch Porträtmalerei konnte als Kunst auch mehr sein als bloße Chronik der Gesellschaft - was durchaus geschätzt wurde: Große Meister des Genres kamen in England zu Ruhm und Reichtum. Dazu gehören Hans Holbein der Jüngere (1497/98-1543) und Anthonis van Dyck (1599-1641), in dessen Bildern die britische Aristokratie eine Eleganz gewinnt, die ihren Ruf fast 300 Jahre lang prägte. Im 16. und 17. Jahrhundert waren die Porträtminiaturen von Nicholas Hilliard (um 1547-1619) und Samuel Cooper (1609-72) in Europa einzigartig. Schließlich wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die heimische Tradition des lebensgroßen Bildnisses wieder beliebt, führend waren Joshua Reynolds (1723-92) und Thomas Gainsborough (1727-88),

Inzwischen schuf Hogarth Mitte des 18. Jahrhunderts eine neue »moralische Malerei«, mit der er die Gesellschaft zu bessern hoffte: Er stellte das Verhalten der Menschen als »moralische Komödie« bloß. Durch diese Malerei und durch eigenständige Fortschritte in der Landschaftsdarstellung wurde England zu einem Zentrum künstlerischer Neuerung.

Architektur: Christopher Wren
Die elisabethanischen und jakobinischen Landsitze waren oft riesige, abweisende Gebäude, denen ohne Rücksicht auf die Proportionen Renaissancefassaden vorgeblendet waren. Die Landsitze des 17. Jahrhunderts nach der Thronbesteigung Karls I. (1625) sind nur schwer zu charakterisieren, es wurden weniger große Häuser gebaut, der Wandel zu einem klassischen Stil - später um barocke Anklänge erweitert - war mehr dem Einfluss als der direkten Mitwirkung führender Architekten zu verdanken.

Die größten Architekten der Zeit, Inigo Jones (1573 - 1652) und Christopher Wren (1632-1723), arbeiteten weniger auf dem Land, sondern mehr in den Städten, vor allem in London. Jones, der in Italien studiert hatte, entwarf den ersten, völlig im italienischen Renaissancestil gehaltenen Bau Englands, das Banqueting House, ursprünglich Teil des königlichen Palastes von White hall. Wren, der intelligentere, vielseitigere und wohl auch größere Architekt, baute nach dem Großfeuer von 1666 die St. Pauls Cathedral und 51 Stadtkirchen wieder auf.

Die Kunst in Nordamerika
Das 18. Jahrhundert war die große Zeit des Landhauses. Wohlstand, Kenntnis der klassischen Überlieferung und ein Kult mit der gestalteten Natur wirkten bei dem vielleicht wichtigsten britischen Beitrag zur bildenden Kunst zusammen: dem Haus in einem kunstvoll angelegten Park.

Nirgends wurde die Idee des englischen Landsitzes so begeistert aufgenommen wie in Nordamerika, als die englischen Kolonisten sich dort erst einmal eingerichtet hatten. Auch nach dem Bruch mit England im späten 18. Jahrhundert, trotz des Einflusses der französischen Aufklärung, blieben die führenden Familien (die fast alle britischer Abstammung waren) der neuen Vereinigten Staaten dem protestantischen Erbe ihrer früheren Kolonialherren und ihrer großen Vorliebe für Landbesitz treu. Ihre Landhäuser waren zwar weniger aufwendig, doch oft eleganter als die britischen. Verkleinerte Nachbauten der Londoner Kirche St, Martinin The Fields (von James Gibbs) entstanden überall in Neuengland. Während zwei der besten Maler Amerikas, John Singleton Copley (1738-1815) und Benjamin West (1738-1820), nach England auswanderten und Mitglieder der britischen Schule wurden, kehrte ein dritter, John Trumbull, nach seiner Ausbildung in London und Paris nach Amerika zurück. Er malte die lebendigsten Schlachtenbilder der damaligen Zeit.

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Artikel Nr.: 355 - Kunst in England und Nordamerika (1530 – 1790) (Referat)
Kategorie: Kunst und Wissenschaft
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