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Indische Kunst der Mogul-Zeit

Die islamischen Eroberungen in Indien im 12. Jahrhundert brachten einen grundlegenden Wandel auch in der Kunst des Subkontinents mit sich. Dem Land wurde ein fremder Stil aufgezwungen – der persische. Die neue Monarchie förderte vor allem die weltliche Kunst. Die Unterschiede zum Islam
Es gibt wohl kaum größere Gegensätze als die religiösen Monumente der Hindus, Buddhisten und Dschainas mit ihren wuchtigen Formen und üppigen Statuen und die schwerelosen, anmutigen Moscheen mit Arkaden, Kuppeln und schlanken Türmen. Diese Moscheen waren teils in der Fläche, teils im Halbrelief mit streng stilisierten pflanzlichen und geometrischen Mustern in hellen Farben dekoriert, es gab jedoch keine Skulpturen. Im Inneren wurden sie oft mit Teppichen ausgelegt (dies verhalf gleichzeitig der indischen Teppichindustrie zu neuem Aufschwung, wie bei anderen Handwerkszweigen zeigte sich auch hier ein persischer Einfluss, den die Inder aber schließlich zu einem eigenen, nationalen Stil entwickelten). Die bei Moscheen verwendeten Architekturelemente tauchen auch bei weiteren Gebäuden auf. Eine für die Oberflächendekoration wichtige Technik, die aus Mustern von eingelegtem farbigem Stein besteht (ähnlich der italienischen Pietra dura), könnte vom Westen übernommen worden sein. Die Unabhängigkeit einiger Kulturen innerhalb des islamischen Einflussgebietes demonstriert die Dschaina Malerei, die vor allem in der Buchillumination Höchstleistungen hervorbrachte. Diese Malweise unterscheidet sich grundlegend von der älteren, mehr naturalistischen Wandmalerei in Adschanta. Die Dschainas entwickelten eine stark stilisierte, der Fläche verhaftete dekorative Illumination in strahlenden Farben (Rot, Blau und Gold). Ein weiteres charakteristisches Merkmal sind die steifen, eckigen Gestalten mit Köpfen in Dreiviertelfrontansicht, wobei das jeweils abgewandte Auge über den Gesichtsumriss hinausragt. Werkstätten
Mit der Gründung der Moguldynastie in Nordindien wurden die Bedingungen geschaffen, unter denen die Kunst der Moslems zur Blüte gelangte. Kaiser Akbar (1542-1605) war ein aufgeklärter Fürst. Er erweiterte das Programm der von seinem Vater aufgebauten Werkstatt, in der indische Künstler unter der Anleitung von zwei persischen Malern arbeiteten. Mit dieser Maßnahme wurde der persische Einfluss auf die Malerei am Hof des Moguls dominierend. Unter Akbars Förderung entstand aus der Verbindung einheimischer mit persischen Elementen bald ein unverwechselbar indischer Stil, den ein kultivierter Naturalismus, satte Farben, lebhafte Bewegung und eine ausgeprägte Fabulierlust kennzeichnen. Im frühen 17. Jahrhundert wurden neben heroischen und mythologischen Themen auch Bildnisse und Darstellungen aus der Natur gleichberechtigt. Dramatisch wilde Darstellungen wurden von einer heiteren Betrachtungsweise abgelöst, die einfache, feine Empfindung, eine raffinierte Komposition mit tiefem psychologischem Einblick verband. Diese Schule blühte auch unter der Regierung von Schahdschahan (1628-58). Allerdings verdrängte eine gewisse Steifheit die frühere geschmeidige Ungezwungenheit, die meisterhafte Technik ging jedoch nicht verloren. Unter Aurangzeb (1618-1707) verfiel die Malerei der Moguln. In Radschasthan im Nordwesten entstanden durch Förderung kleinerer Fürstenhöfe eine Größe Zahl von Schulen, unter denen die von Mewar, Bundi, Kotah, Bikaner und Dschaipur wohl die bekanntesten sind. Unter ähnlicher Förderung entstanden am Fuß des Himalajas in den Vorgebirgsstaaten des Pandschabs, in Kanmm und Guler verschiedene Richtungen der Malerei, die deutlich einen eigenen Stil entwickelten. Diese als »Pahari« (»von den Hügeln«) bekannte Malerei bevorzugte romantische Themen aus der Hindi- und Sanskritpoesie, z. B. das »Gitagowinda« von Dschajadewa. Dieses Epos aus dem 12. Jahrhundert erzählt von den amourösen Abenteuern des Gottes Krischna mit seiner Geliebten Radscha. Die Abenteuer sind in den Pahari Miniaturen zauberhaft illustriert und übersetzen das mitunter recht drastische Geschehen in eine sensible und zarte Erotik von ausdrucksvoller Linienführung und feiner Farbwirkung. Kunstgewerbe
Die verschwenderische prunkvolle Repräsentation am Hof der Mogulherrscher wie auch an den kleineren Fürstenhöfen kam der Entwicklung aller dekorativen Künste zugute. Feine Gold- und Silberarbeiten mit Diamanten sowie mit Perlen, Rubinen und anderen Edelsteinen besetzter Schmuck (für Männer und Frauen) sind Zeugnis für das luxuriöse Raffinement dieser Höfe. Aus Bergkristall und Jade wurden Gefäße, Ringe oder Dolchgriffe geschnitzt und bisweilen mit Gold und Edelsteinen inkrustiert. Neben Spitzen erzeugte das Textilhandwerk kostbare Gewebe: Samt, Brokate und Seiden. Im Allgemeinen behauptete sich in Südindien, trotz des Einflusses der Moslems aus dem Norden, in den darstellenden Künsten die Hindutradition, jedoch blieben sie nicht ganz von den Zentren im Norden unbeeinflusst. Das Ergebnis war ein dekorativer, flächenfüllender Stil, der besonders in vorzüglichen Elfenbeinschnitzereien überliefert ist. Man nimmt an, dass sich die Elfenbeinschnitzerei besonders im Süden entwickelte. Meisterhaft stilisierte Motive aus der Natur werden mit Figuren, bisweilen in erotischen Szenen, kombiniert. Das Kunsthandwerk ist von unerschöpflicher Vielfalt. Eigenständige Verfahren wurden in der Kunst der Metallbearbeitung entwickelt.

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