China zwischen 1368 und 1800

Die Ming Dynastie behauptete sich in China von 1368 bis 1644. Ihr Begründer Tai Tsu, ein ehemaliger Bettelmönch, hatte sich an die Spitze rebellierender Bauern gesetzt und die Mongolenherrschaft gestürzt. Er machte Nanking zur Hauptstadt und regierte unter dem Namen Hung Wu von 1368 bis 1399. Unter dem neuen Kaiser wurde der Konfuzianismus für China wieder verbindlich. Steuersenkungen und eine Neuverteilung des Bodens trugen zum wirtschaftlichen Aufschwung des Reiches bei, Randstaaten, darunter Annam und Siam, konnten in Lehnsabhängigkeit gebracht werden. Zur kaiserlichen Flotte gehörten ungewöhnlich große Schiffe, die sich auch für Expeditionen eigneten. Zwischen 1405 und 1433 steuerte sie Ceylon, den Persischen Golf und die Küste Ostafrikas an, der fähige Admiral Tscheng Ho (um 1371-1433) stellte Beziehungen zu 30 ausländischen Häfen her. Der Schutz der Grenzen Chinas
Die Regierungen der Ming Zeit waren entschlossen, der ständigen Bedrohung durch Völker aus dem Norden ein Ende zu setzen. Die Chinesische Mauer aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. erhielt ihre heutige Gestalt. Städte wurden befestigt, auch Nanking bekam eine 32 km lange und 18 m hohe Schutzmauer. Diese Politik der »geschlossenen Türen« hatte ihr Vorbild im Verhalten der frühen Sung Herrscher (960-1280), deren Reich erst nach Ausschaltung fremder Einflüsse eine Epoche hoher wirtschaftlicher und kultureller Blüte erreichte. Trotz dieser Haltung der Ming Kaiser gelang es europäischen Kaufleuten, langsam in China Fuß zu fassen. Portugiesen gründeten 1557 den ersten Stützpunkt europäischen Handels auf chinesischem Boden, Macau. Spanier, Engländer, Holländer und missionierende Jesuiten folgten ihnen. Unter der Ming Dynastie wurden großartige Paläste und Grabstätten gebaut, darunter der Kaiserpalast in der neuen Hauptstadt Peking und die Kaisergräber nördlich der Stadt. Die Ruhestätten des Kaisers Sehen Tsung und zwei seiner Ehefrauen wurden von Archäologen 1958 geöffnet. Das Ende der Ming Dynastie
Trotz aller Maßnahmen, die die Ming Kaiser zur Sicherung ihrer Grenzen geschaffen hatten, mussten sie 1644 die Herrschaft an die aus dem Nordosten stammenden Mandschu abtreten. Die Ming Herrschaft war um diese Zeit durch Misswirtschaft und Cliquenkämpfe schon sehr geschwächt. Als ein Aufstand in Peking ausbrach, rief der Ming Befehlshaber Mandschu Streitkräfte zu Hilfe. Aus Scham darüber erhängte sich der letzte Ming Kaiser. Die Mandschu besiegten die Rebellen, ernannten aber ihren eigenen Führer zum Kaiser. Er nannte sich fortan Schi Tsu (Regierungszeit 1644-62) und begründete die Tjing (oder »reine«) Dynastie, die sich als letztes chinesisches Kaiserhaus bis 1912 auf dem Thron halten konnte. Für die nächsten Jahrhunderte erwies sich die mandschurisch chinesische Doppelherrschaft der Tjing Dynastie als erfolgreich. Die Kaiser verstanden sich als Eroberer und gliederten Taiwan, die Mongolei, Tibet und Sinkiang ihrem Reich ein. Gegen eventuelle Rebellionen im eigenen Land schützten sie sich durch ein ausgeklügeltes Verwaltungssystem, das die Untertanen sorgfältig registrierte, besteuerte und für den Militärdienst erfasste. Die ersten Mandschu Machthaber waren Analphabeten. Sie akzeptierten daher das komplizierte Prüfungssystem, durch das sich die Chinesen weiterhin für die gehobenen Beamtenpositionen im Staat qualifizierten, nur durften die chinesischen Beamten nicht in ihren Heimatprovinzen tätig sein. Im übrigen Reich führten sie schließlich das System der Doppelbesetzung gehobener Positionen ein: Je ein Mandschu- und ein chinesischer Beamter kontrollierten sich gegenseitig. Insgesamt standen die Mandschu auf einer höheren Zivilisationsstufe als die mongolischen Fremdherrscher im 13. und 14. Jahrhundert. Sie galten nicht als »Barbaren« und bewunderten die chinesische Kultur. Zu ihren ersten kulturellen Taten gehörte der Auftrag zur Abfassung einer Geschichte der Ming Dynastie. Ebenso bedeutsam war eine Enzyklopädie in 36 000 Bänden (1772-81). Der Einflussbereich der Mandschu
Zum Einflussbereich der Mandschu gehörten außer dem chinesischen Kernland die Mandschurei, die Mongolei, Tibet und Turkestan. Unter Kaiser Kao Tsung (Kien-Lung, Regierungszeit 1736-96) drangen ihre Armeen nach Birma, Nepal und Annam vor. Der wachsende Reichtum Chinas lockte ausländische Kaufleute an, doch der Vorstoß in das Innere des Reiches gelang zunächst (um 1750) nur einigen katholischen Orden, nachdem die Ming bereits den Jesuiten Zutritt gewährt hatten. So gab es Niederlassungen von Franziskanern, Dominikanern, Augustinern. Weit zögernder wurde schließlich auch Kaufleuten aus England, Frankreich, Holland und Portugal Aufenthaltserlaubnis erteilt, und 1784 durfte das erste amerikanische Handelsschiff in einen chinesischen Hafen einlaufen. Der Tee-, Baumwoll- und Porzellanhandel musste aber über »Hong Kaufleute«, d. h. Chinesen, abgewickelt werden. Schwierigkeiten erwuchsen auch aus der Bestimmung, dass kein Chinese einen Ausländer in der Landessprache unterweisen durfte, dass andererseits aber die Fremden der chinesischen Gerichtsbarkeit unterlagen. Da diese mit dem Begriff der Gruppenverantwortung operierte, wurden oft ganze Ausländerkolonien für das Vergehen von einzelnen bestraft. Um solche Missstände zu beseitigen, drängten die Europäer auf die Eröffnung von Gesandtschaften, die schließlich die selbstgewählte Isolation Chinas aufweichten.

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Info 18.12.2017 00:17
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