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Japan zwischen 1185 und 1868

Noch zu Lebzeiten des Taira no Kiomori aus dem Geschlecht der Taira setzten Machtkämpfe mit dem rivalisierenden Geschlecht der Minamoto ein. Sie endeten nach fünfjährigem Krieg 1185, als Joritomo aus dem Hause Minamoto die Taira vernichtend schlug. Das Haus Fudschiwara, das über 200 Jahre neben dem nur nominell wichtigen Kaiser die Geschicke Japans geleitet hatte, trat damit ab. Joritomo regierte künftig von Kamakura aus, während der Kaiser weiterhin in Kyoto residierte. Die neuen Herrscher Japans
1192 fand sich der Kaiser mit den neuen politischen Machtverhältnissen ab: Er verlieh Joritomo die erbliche Würde des Schogun, des Kronfeldherrn, der gleichzeitig die höchste zivile Gewalt besaß und den fränkischen Hausmeiern vergleichbar war. Mit den Minamoto löste der Kriegeradel (buke) den Hofadel (kuge) als herrschende Schicht ab. Joritomo belohnte seine Vasallen mit Land aus dem Besitz der unterlegenen Partei und mit Posten in der Verwaltung. Er entwickelte eine leistungsfähige Administration, die den Kaiser zunehmend seiner Funktionen beraubte. Mit der neuen Macht hielt auch ein neuer Geist in Japan Einzug. Die Samurai (Krieger) forderten eine Reform der buddhistischen Lehre. Die neue Zen-Sekte (gegründet 1191) mit ihren Idealen der Versenkung, Konzentration und inneren Erleuchtung wurde richtungweisend für die Lebensauffassung der Japaner. Zen-Tempel in Kamakura sowie Übersetzungen buddhistischer Schriften aus dem Chinesischen ins Japanische machten die Lehre populär. 1219, nach der Ermordung des Minamoto Sanetomo, setzte sich die ihm verwandte Familie der Hodscho an die Spitze des Staates. Sie konnte eine große Gefahr für Japan abwehren: die Mongoleneinfälle von 1274 und 1281 unter dem Herrscher Kubilai (1215-94). Dank einer guten Verteidigung, aber auch dank des »Götterwindes« (Kamikaze), der die Mongolenflotte abtrieb, blieb Japan die Besetzung erspart. Doch neue Intrigen unter den Feudalherren führten auch zur Entmachtung der Hodscho. Die Ashikaga-Sippe, ebenfalls Nachkommen der Minamoto, vertrieben 1338 den Kaiser aus Kyoto und rissen die Schogun-Würde an sich. »Zeit der kämpfenden Provinzen« (1490-1600)
1467 hatten sich die wirtschaftlich und militärisch starken Feudalherren endgültig der Kontrolle- durch die Schogune entzogen, der Bürgerkrieg brach aus. In dieser unruhigen Periode gelangten erstmals Europäer nach Japan und versuchten, sich in dessen innere Angelegenheiten einzumischen. 1542/43 kamen die Portugiesen, bald setzte auch die missionarische Tätigkeit portugiesischer Jesuiten ein. In der Zeit zwischen 1573 und 1603, in der es keine Schogune gab, versuchten andere mächtige Heerführer, Japan wieder zu einigen. Oda Nobunaga (1534-82), ein reicher Lehensfürst, setzte die Aschikaga ab und zerstörte die Tempel rebellischer Kriegermönche. Nach seiner Ermordung setzte der Feldherr Tojotomi Hidejoschi (1536-98) die Zentralisierungsbestrebungen Oda Nobunagas fort. Als Großminister des Kaisers versuchte er vergeblich, Korea zu unterwerfen. 1603 erhielt Tokugawa Iejasu (1542-1616), wieder ein Minamoto-Nachkomme, die Schogun-Würde und versuchte, Japan den Frieden wiederzugeben. Wie viele seiner Amtsvorgänger ließ auch Tokugawa Iejasu das Land neu verteilen und das Steuerwesen reformieren. Er verbannte seine Gegner in die Randprovinzen und konzentrierte seine Anhänger im Zentrum Japans. Der Feudaladel residierte fortan in der neuen Hauptstadt Edo (heute Tokio). Das Volk blieb buddhistisch, aber der Konfuzianismus wurde zur offiziellen Ideologie erhoben. Den Moralkodex der Samurai, den »Ritterweg« (Buschido), modifizierte man zu einem allgemeinverbindlichen Lebensideal der Standhaftigkeit, des Mutes und der Barmherzigkeit. An die Spitze der sozialen Skala trat der Krieger, gefolgt von Bauern, Handwerkern und Händlern. Tokugawa Iejasus Nachfolger setzten diese Politik fort. Sie alle unterdrückten das Christentum und schränkten den Außenhandel im Interesse der politischen Stabilität ein, nur wenige holländische und chinesische Kaufleute durften sich in Nagasaki niederlassen. Kein Japaner konnte das Land verlassen. Das 19. Jahrhundert
Aus der Tokugawa-Politik resultierten ein wirtschaftlicher Aufschwung, gleichzeitig aber auch sinkendes Prestige der Kriegerkaste. Zu den inneren Spannungen kamen außenpolitische Schwierigkeiten: Lange Zeit hatte Japan fremde Schiffe vor seinen Küsten fernhalten können, doch 1853 erschien Commodore Matthew Calbraight Perry (1794-1858) mit einem amerikanischen Geschwader vor Japan und erreichte 1854 den Abschluss eines Handelsvertrages und die Öffnung der Häfen von Simoda und Hakodate (heute Yokohama). Verträge mit Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden, Russland und Preußen folgten bald darauf. Die politischen Kontakte vermehrten sich. Doch mit der Öffnung Japans für die Welt wuchs auch die Furcht vor einer möglichen Kolonialisierung. Ausdruck solcher Ängste waren Morde an Fremden, diese Vorfälle wurden wiederum mit einer Kanonade von englischen Schiffen geahndet. Ganz Japan meinte, einer nationalen Krise entgegenzugehen. Auch der Bau von Kanonen beruhigte die Bevölkerung nicht. Plötzlich glaubte man, nur noch vom Hof in Kyoto eine Lösung der Probleme erwarten zu können. Der Kaiser, dessen Vorgänger seit Jahrhunderten nur ein Schattendasein geführt hatten, wurde von einigen Lehensfürsten 1868 mit der vollen Regierungsgewalt betraut, die Tokugawa mussten abtreten.

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