Der Mutterboden

Alle Lebensformen auf dem Land hängen direkt oder indirekt vom Boden ab. Böden sind das Produkt der physikalischen und chemischen Verwitterung der obersten Schicht der Erdkruste. Die Mächtigkeit des Bodens kann von einigen Zentimetern bis zu mehreren Metern reichen. Als unterster Abschnitt des Bodens wird oft derjenige Bereich angenommen, in den die Wurzeln der Pflanzen vorstoßen oder der das Pflanzenwachstum wenigstens beeinflusst. Mitunter genügen nur wenige Zentimeter Bodendicke, um die Existenz von Pflanzen zu ermöglichen. Die Bodenkunde oder Pedologie untersucht die Böden hinsichtlich ihrer biologischen, physikalischen und chemischen Eigenschaften. Sie hat auch die Prüfung der Bodeneignung für land- und forstwirtschaftliche Zwecke sowie die Steigerung der Bodenfruchtbarkeit zur Aufgabe. Organische Bestandteile der Böden
Da Böden anfangs das bloße Umbildungsergebnis der Verwitterungsrinde der Erde sind, bauen sie sich zunächst nur aus den anorganischen Zerfallsprodukten der Gesteine auf, um dann allmählich geringe, von Pflanzen herrührende organische Anteile aufzunehmen. Langsam reichern sich die organischen Substanzen in den obersten Bodenschichten an, es bildet sich Humus, der die Grundlage vielfältiger Lebensformen ist. Pflanzen, Pilze, Bakterien, Würmer, Insekten, Mäuse und Maulwürfe beleben die oberen Bodenschichten und schaffen ein komplexes ökologisches System. Die Entstehung des Bodens ist auf das Zusammenwirken von fünf Faktoren zurückzuführen: Ausgangs- oder Muttergestein, Gestalt der Erdoberfläche, Zeit, Klima sowie Fäulnisprozess. Die Verwitterung bewirkt ein Zerfallen des Gesteins in einzelne Steine, in Sand, Schluff und Ton. Wegen der ablaufenden chemischen Reaktionen und unterschiedlicher Erosion muss der Boden nicht unbedingt den gleichen Pauschalchemismus wie das Muttergestein haben, sondern kann durch verschiedene Einwirkungen charakteristisch umgewandelt werden. Die Oberflächengestalt (das Relief) ist ein weiterer Faktor, der die Bodenbildung beeinflusst. An steilen Hängen können sich aufgrund der erodierenden Kraft des Regenwassers nur dünne Bodenschichten entwickeln. In der Ebene hingegen ist der Boden dicker. Böden mit hohem organischem Anteil finden sich in schlecht entwässerten Gebieten, in denen der Abbau organischer Verbindungen gering ist. Sonnenzugewandte Hänge sind trockener als die im Schatten liegenden, weshalb sich auch ihre Böden voneinander unterscheiden. Ferner ist der Zeitfaktor wichtig: Nur alte Böden zeigen eine ausgeprägte Unterteilung in verschiedene Horizonte. Klima und Bodenbeschaffenheit
Das Klima ist gewiss der Hauptfaktor bei der Bodenbildung. Dabei kommt dem Wasser für alle wichtigen Reaktionen chemischer und biologischer Art im Boden größte Bedeutung zu. Beim Einsickern laugt es die obersten Bodenschichten aus und verlagert die gelösten Stoffe in den Unterboden. So sind die oberen Bodenschichten mancher regenreicher Regionen weithin an fruchtbaren Nährstoffen und Spurenelementen verarmt. In sehr heißen, ariden Gebieten verursacht dagegen die extreme Verdunstung der Bodenfeuchte eine Versalzung des Bodens, die ebenfalls kaum Pflanzenwachstum erlaubt. Die Temperatur ist ein weiterer maßgebender Faktor für die chemischen und biologischen Abläufe im Boden. In tropischen Gebieten ist diese Aktivität hoch, die Fäulnisprozesse laufen schnell ab, und die Böden sind humusarm. Demgegenüber ist der Boden in der Tundrenzone mehr als sechs Monate im Jahr gefroren, und im Unterboden herrscht Dauerfrost, so können sich hier mächtige organische Ansammlungen an der Oberfläche bilden. Lateritische Böden entstehen in den Tropen. Sie sind in Regengebieten stark ausgelaugt und enthalten hier besonders Eisen- und Aluminiumanreicherungen (bis zu Bauxiten). Unmittelbar der Sonne ausgesetzt, bilden sich die typischen roten, spröden Lateritböden, die zu Krusten verhärten können und dann keinerlei Pflanzenwuchs zulassen. Die Bedeutung der Fäulnis
Eine Reihe biologischer Vorgänge beeinflussen die Entwicklung der Böden. Pflanzen stabilisieren das Erdreich durch die zusammenhaltende Wirkung ihrer Wurzeln und verringern so die Erosion durch Wind und Wasser. Darüber hinaus erhöhen oder erhalten sie die Fruchtbarkeit des Bodens infolge der Ansammlung organischen Materials und der Rücklieferung mineralischer Stoffe. Auch Bakterien sind von grundlegender Wichtigkeit, da sie Stickstoff aus der Luft aufnehmen und dem Boden zuführen sowie die Fäulnisprozesse beschleunigen. Die im Biotop Boden existierenden Tiere haben dagegen eine mehr mechanische Funktion: Sie lockern und »lüften« den Boden. Regenwürmer bewegen z. B. pro Hektar und Jahr schätzungsweise eine bis zehn Tonnen Erde. Unter normalen Bedingungen regeneriert sich der Boden selbst. Doch intensive, den Boden ausbeutende landwirtschaftliche Methoden können zu Unfruchtbarkeit führen. Ein mahnendes Beispiel dafür bilden die durch den Menschen verursachten wüstenhaften Landstriche. Sind große Anbauflächen zu sehr dem Wind ausgesetzt, so kann der Oberboden weggeweht werden, dies bedingt Trockenheit und eine allmähliche Klimaänderung. Deshalb ist richtige Bodenpflege eine wichtige Aufgabe des Landwirts. Sie verlangt die optimale Bestellung des Bodens, Düngung, Bewässerung wie auch eine günstige Wahl der anzubauenden Pflanzenart.

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Info 21.02.2018 18:30
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