Klassische Theorien der Evolution

Unter Evolution versteht man eine allmählich fortschreitende und sich entfaltende Entwicklung. Wenn dieser Begriff fällt, denkt man vor allem an die Entwicklungsgeschichte der Tiere und Pflanzen. Die Wissenschaftler sind heute der Ansicht, dass sich die Lebewesen im Laufe von Jahrmillionen aus einfachen zu immer komplizierter organisierten Formen entwickelt und dabei den herrschenden Umweltbedingungen immer besser angepasst haben. Nach allgemeiner Überzeugung ist für das Überleben neuer Arten ein Vorgang ausschlaggebend, den man als »natürliche Auslese« bezeichnet. Diese Theorie ist mit dem Namen des englischen Naturforschers Darwin verknüpft. Vorstellungen über die Entstehung der Arten
Darwin veröffentlichte seine Theorie der Evolution 1859 in einem Buch, dessen allgemein abgekürzter Titel lautet: »On the Origin of Species« (»Über die Entstehung der Arten«). Darwin nahm an, dass die Entstehung der Arten ein fortlaufender Vorgang sei. Mit eingeschlossen in die Entwicklung ist auch der Mensch, der von affenähnlichen Vorfahren abstammen soll. Diese Anschauung galt zur damaligen Zeit für viele als ketzerisch. Die erste Auflage des Buches (etwa 1200 Exemplare) war bereits am Erscheinungstag vergriffen, ein Zeichen für das große Interesse, -das Darwins Arbeit entgegengebracht wurde. Nach langer kritischer Überprüfung durch Naturwissenschaftler und heftigem öffentlichem Hohn über die angebliche Abstammung des Menschen von affenähnlichen Vorfahren wurde die Theorie der natürlichen Auslese allgemein anerkannt. Inzwischen bildet sie eine der Hauptstützen unserer Vorstellungen über die Evolution. Der heutige Begriff der Art wurde erstmals von John Ray (1627-1705) verwendet und danach durch Carl Linne (1707-78) zur vollen Geltung gebracht. Linnes System zur Einteilung der Arten stellte mit Nachdruck die Verwandtschaft ähnlicher Arten heraus, deren Veränderlichkeit Darwin so beschäftigte. Lange Zeit wurde die Anschauung über die Entstehung der Arten vom christlichen Schöpfungsgedanken bestimmt. Danach waren die Arten unveränderlich erschaffen worden, vielleicht aber nacheinander. Doch die erwähnte Verwandtschaft der Arten, wie sie aus den Studien Linnös hervorging, ließ den Ursprung Der französische Zoologe Georges Buffon (1707-88) hatte als erster erwogen, dass die Umwelt einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der Arten haben könne. Diese Vorstellung wurde von seinem Landsmann Jean-Baptiste Lamarck (1744-1829) weiterentwickelt. Danach sollten die im Lauf des Lebens erworbenen Anpassungen an die Umwelt vererbbar sein.
der Arten eher in einer Folge von kleinen, schrittweisen Veränderungen vermuten. Die Grundgedanken von Lamarck
Die auf Lamarck zurückgehende Theorie (Larmarckismus) ist leicht zu verstehen. Sie nimmt an, dass Änderungen der Umwelt bei den Arten neue Bedürfnisse schaffen. Diese Bedürfnisse führen zu neuen Verhaltensmustern, diese wiederum dazu, dass vorhandene Organe von nun an in anderer Weise verwendet werden und sich dabei in ihrem Bau verändern. Die so erworbenen Veränderungen sollen weiter vererbt werden können. Die langen Hälse der Giraffen erklärt der Lamarekismus beispielsweise damit, dass diese Tiere ständig versuchten, Nahrung von hohen Bäumen zu pflücken. Der Lamarekismus fand in weiten Kreisen Zustimmung – sogar noch nachdem Darwin seine Theorie über die natürliche Auslese veröffentlicht hatte -, was nicht sonderlich überraschend ist. Die Vererbungsgesetze schließen allerdings eine Vererbung nach den Vorstellungen Lamarcks völlig aus. Nach dem heutigen Stand der Vererbungslehre (Genetik) werden die Merkmale von den Eltern in den Erbanlagen der Keimzellen an die Nachkommen weitergegeben. Veränderungen im Aufbau bestimmter Körperteile verändern aber nicht die Erbanlagen in den Keimzellen. Vor dem Hintergrund der Gedanken Lamarcks entwickelte Darwin seine Theorie der natürlichen Auslese (Selektion). Den Ausschlag dazu gab seine Teilnahme an einer fünf jährigen Expeditionsreise um die Welt. Die wichtigste Station dieser Reise waren die Galapagosinseln. Die Ergebnisse der Reise Darwins
Bei seinen Forschungen während dieser fünf Jahre (1831-36) war Darwin von den subtilen Unterschieden zwischen den Arten beeindruckt, vor allein zwischen den Finken auf den einzelnen Galapagosinseln. Er erkannte auch, dass fast alle Lebewesen eine erhebliche Überproduktion an Nachkommen aufweisen, von denen nur wenige überleben, das Leben ist daher ein Kampf ums Überleben. Der nächste wichtige Gedankenschritt Darwins bestand in der Erkenntnis, dass innerhalb der Individuen einer Tierpopulation große Veränderlichkeit (Variation) herrscht. Aus der Verknüpfung dieser zwei Tatbestände ergibt sich ein dritter: Nur diejenigen Varianten bestehen den Kampf ums Dasein und pflanzen sich fort, die am besten an ihre Umwelt angepasst sind. Darwin erklärte daher die Evolution als ein Ergebnis von vererblichen Veränderungen und natürlicher Auslese. Darwin hatte seine Theorie bereits im Jahr 1838 entwickelt, wollte sie jedoch nicht veröffentlichen, vielleicht weil sie der Glaubensüberzeugung seines Vaters widersprach. Möglicherweise wurde er zur Veröffentlichung veranlasst, als Alfred Rüssel Wallace (1823-1913) ihm einen kurzen Bericht über seine eigenen Vorstellungen der Evolution übersandte, die denen Darwins genau entsprachen. Beide reichten 1858 bei der Linneschen Gesellschaft eine gemeinsame Veröffentlichung ein.

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Info 21.02.2018 18:17
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