Die Mode im 13. und 14. Jahrhundert

Wandfresken in romanischen und gotischen Kirchen, Miniaturen in zahlreichen mittelalterlichen Handschriften, Plastiken wie etwa die Stifterfiguren des Naumburger Domes, Holzschnitzereien gotischer Altäre, Tafelbilder und Grablegen – sie alle bilden ein geradezu unerschöpfliches Bilderbuch, sind Informationsquelle und Anschauungsmaterial aus erster Hand bei der Suche nach Zeugnissen mittelalterlicher Mode. Zu ihnen gesellen sich manche Aussagen in ritterlichen Dichtungen oder Notizen in Chroniken, oft nur kleine, dafür aber um so reizvollere Hinweise zu einem ebenso uralten wie wichtigen Thema. An Bildern und Texten lässt sich gleichermaßen der Wandel der Mode ablesen, der sich im frühen und hohen Mittelalter nur langsam, fast behutsam vollzog, im späten dann schon etwas rascher, wenn auch nicht vergleichbar mit dem hektischen Tanz der Eitelkeiten in unseren Tagen. Immerhin darf man die Grundregel aufstellen, dass sich für die Bauern, also für rund neunzig Prozent der Gesamtbevölkerung, das ganze Mittelalter hindurch in der Kleidung nur wenig änderte. Dafür sorgten aber Edelleute wie Bürger gleichermaßen für Abwechslung und Modetorheiten. Leibrock und Kappe, Rock und Hemd – Bäuerliche Kleidung
Zu der Grundausstattung der mittelalterlichen Männerkleidung gehörte der enge leinene Leibrock, der durch einen Gürtel zusammengehalten wurde und meistens bis an die Knie reichte. Manchmal trugen die Männer Hosen ebenfalls aus Leinen darunter, oft genug sparte man diese aber als besonderen Luxus für den Sonntag auf. Ein Stück grobes Tuch ersetzte Wams und Mantel, im Winter schützte ein Pelz vor der Kälte. Als Kopfbedeckung diente ein Strohhut, gelegentlich auf Reisen eine Kappe. Ebenso einfach und bescheiden war auch die Frauenkleidung, die gewöhnlich aus einem Oberkleid, aus Rock und Hemd bestand. Das war die Grundform, wie sie auch schon die Franken kannten und wie sie in bäuerlichen Kreisen in den folgenden Jahrhunderten üblich blieb. Seit dem 12. Jahrhundert kam dann bisweilen ein Schultermantel mit Kapuze dazu, wobei die Kapuze schon der adeligen Kleidung abgeschaut war. Noch zur Zeit Karls des Großen bestand im Zuschnitt zwischen bäuerlicher und adeliger Kleidung kaum ein Unterschied, wohl aber in der Qualität der verwendeten Stoffe. Unter den vielen Geschichten über Karl den Großen gibt es auch eine, die davon erzählt, wie der Kaiser bei einer Jagd seine in byzantinische Seiden gekleideten Höflinge durch Regen und Schmutz hetzte, bis ihre Gewänder in Fetzen herabhingen. Zu den ältesten, schon seit der ottonischen Zeit bekannten modischen Besonderheiten bei Männern zählt das »mi-parti«, die verschieden eingefärbten, in der Mitte geteilten Kleidungsstücke. Ursprünglich hatte dabei nur jedes Hosenbein eine andere Farbe, seit dem 11. Jahrhundert wurden dann auch die Rockhälften senkrecht geteilt. Diese Mode hielt sich immerhin bis gegen Ende des 16. Jahrhunderts, und es wird noch einmal von ihr die Rede sein. Allmählich änderte sich die Länge des Rockes, dessen Saum von den Knien bis zu den Knöcheln hinunterrutschte. Nun wurden die Damen herausgefordert, die ihrerseits gleich zwei Neuerungen vornahmen, indem sie einmal den Oberrock so kürzten, dass er zwischen Knie und Knöchel aufhörte, andererseits aber das Unterkleid entsprechend verlängerten, bis es auf dem Boden auflag. Damit aber waren schon die Ansätze zu der für die mittelalterliche Mode kennzeichnenden Schleppe gegeben. Modische Trendsetter: Adelige und Ritter
Über die Kleidung der höfischen Gesellschaft des 13. Jahrhunderts sind wir gut informiert, bieten doch vor allem die Miniaturen der Manessischen Liederhandschrift einen unerschöpflichen Modealmanach. Verhältnismäßig unkompliziert und gegenüber der früheren Zeit wenig gewandelt bleibt die Herrenmode, während bei den Damen schon einige neue Glanzlichter gesetzt werden. Das Hemd bestand bei beiden Geschlechtern aus feinem Leinen oder gesponnenem Flachs, seine Ärmel waren abnehmbar und konnten bei Verschmutzung bequem ausgewechselt werden. Und wer nicht genug Hemden besaß, heftete sie einfach an das Unterkleid. Mode 13. JahrhundertMit Gürteln, Bändern, Schmuck und modischen Zierat warb man um die Gunst vornehmer Damen. (Dietmar von Aist in der »Manessischen Handschrift« – Heidelberg Universitätsbibliothek.) Die Hose der Herren bestand aus zwei Teilen: Einmal dem »bruoch«, ein Kleidungsstück in der Art einer Badehose, daran angebunden wurde die »hose«, eigentlich Strümpfe, die man mit Schnüren oder Riemen am bruoch befestigte. Daher hat sich auch bis heute der uns kaum mehr verständliche Ausdruck »ein Paar Hosen« erhalten. Solche Hosen bestanden aus Wollstoff oder gewebtem Seidenzeug. Sie mussten möglichst eng anliegen und das Bein schön zur Geltung bringen. Es fällt auf, dass nur einige der auf den Miniaturen abgebildeten Herren Schuhe tragen und vielmehr in Strümpfen oder, genauer gesagt, »in Hosen« zu laufen scheinen. Aber wahrscheinlich waren an diesen Ledersohlen befestigt. Doch gab es auch Schnürschuhe aus Leder oder pelzgefütterte Stiefel für den Winter. Das Untergewand zeichnet sich kaum durch modische Eleganz aus. Bei Männern und Frauen wies es den gleichen Schnitt auf und hing wie ein sich nach unten etwas weitender Sack am Körper. Nur manchmal versuchten die Damen es ›heimlich‹ zu tragen, d. h. durch einen engeren Schnitt die Figur an Brust und Hüften zu betonen. Bei geschicktem Tragen ließ sich aber trotz aller Einförmigkeit mit dem Faltenwurf schon eine gewisse Eleganz erzielen. Accessoires bildeten Broschen und gelegentlich Gürtel, vor allem aber die Ärmel, die, wie wir schon hörten, entweder an das Hemd oder direkt an das Untergewand angeheftet wurden und mit denen gerade die Damen erheblichen Luxus trieben. Sie reichten fast bis zum Boden hinab, waren manchmal aus Seide oder kostbarem Brokatgewebe gefertigt. Die Damen benutzten sie als Schweißtuch oder schlugen sie auch schalartig um den Hals. Diese Mode der langen Ärmel war schon im 11. Jahrhundert aufgekommen und hielt sich bis gegen Ende des 13. Jahrhunderts, dann wurde das Gewand ganz ärmellos. Dafür hatte aber das Oberkleid weite, oft schön mit Borten oder Pelzwerk verzierte Ärmelöffnungen, die von den Männern spöttisch »Höllenfenster« genannt wurden. Dieses Obergewand hieß Surcot oder Sucenie. Der Name ist wahrscheinlich altslawischen Ursprungs; denn sucno bedeutete im Slawischen soviel wie Gewand oder Oberkleid. Es war ein ärmelloser Rock von gleicher Länge aber anderer Farbe als das Untergewand und oft auf Taille zugeschnitten. War es mit Pelzwerk gefüttert, so hieß es Kursk. Zu feierlichen Anlässen oder auch zum Tanz trugen die Frauen über den Kleidern noch den »swanz«, eine lange Schleppe. Diese wurde bald zum Ärgernis für prüde Männer oder Modemuffel. So heißt es in einer zeitgenössischen Moralpredigt: »Die Damen ziehen ihre Schleppen mehr als eine Elle hinter sich her und sündigen damit ganz wunderbar, weil sie mit schwerem Geld sie erkaufen, Christus in den Armen berauben, Flöhe sammeln, in der Kirche die Andächtigen im Gebet stören, den Staub aufwirbeln, die Kirche dadurch verdüstern, die Altäre gleichsam beräuchern, die heiligen Stellen mit Staub beschmutzen und entweihen, und auf eben diesen Schleppen den Teufel tragen und fahren.« Die Krönung des vornehmen Gewandes bildete der lange, ärmellose Mantel, der als eine Art Überwurf auf der Schulter lag und an der rechten Schulter mit einer Spange zusammengehalten wurde. Sein reicher Faltenwurf reizte vor allem Bildhauer, wenn sie eine majestätische Gestalt darstellen wollten, und die Figuren in den Domen zu Bamberg und vor allem Naumburg bieten schönes Anschauungsmaterial. Kleiderfarben, Teil der mittelalterlichen Symbolsprache
Alle diese Kleidungsstücke leuchteten in kräftigen Farben, die zugleich symbolische Bedeutung hatten und mit denen die Träger Hoffnungen, Wünsche und Gefühle ausdrücken wollten. Weiß bedeutete Hoffnung auf Erhörung, Grün das erste Aufleben der Liebe, Rot heftige Liebesglut oder auch Kampfeslust, Blau war die Farbe der Treue, Gelb die der beglückenden Liebe und schließlich Schwarz wie auch heute noch die Farbe des Todes und der Trauer. Auch hinsichtlich Material und Güte der getragenen Stoffe gab es ein breites Angebot. Leinenstoffe waren seit dem 12. Jahrhundert sehr gefragt, sie wurden von Hauswebern aber auch schon in Manufakturen hergestellt, d. h. in Häusern, wo man gleich an mehreren Webstühlen rationeller mehrere Weber einsetzte und größere Mengen produzieren konnte. Aus dem Orient kamen die ersten Baumwollwaren sowie Seide und »Sammet«, letzterer hatte nichts mit unserem heutigen Samt zu tun, sondern war ein besonders festes Seidengewebe. Auch »Purpur« war eine Seidenart aus dem Orient, die es in den verschiedensten Farben, aber auch golddurchwirkt oder gestreift gab. Die besten Schafwollstoffe lieferten die Tuchweber aus England, ebenso den Scharlach, das am höchsten geschätzte Wollzeug. Auch bei ihm war im Gegensatz zu heute die Farbe nicht ausschlaggebend, so kannte man neben dem roten auch blauen, braunen oder grauen Scharlach. Guten Samt bezog man aus Lucca in Italien, unechten aus Venedig. Dass mit solcher Aufzählung von Importwaren den Modewünschen noch keine Grenzen gesetzt waren, beweist ein Blick in das »Nibelungenlied«, wo berichtet wird, wie Kriemhild und die Frauen die Kleider für die abreisenden Könige schneiderten. Diese Textstelle bleibt freilich in doppelter Hinsicht eine Ausnahme; denn erstens zählt der Dichter allen nur erdenklichen modischen Pomp auf, wie er in diesem Umfang aber kaum allgemein gebräuchlich gewesen sein mag, zum andern lässt er die Prinzessin und ihre Damen selbst schneidern. Das war in vornehmen Kreisen nur etwa bis zum Beginn des 12. Jahrhunderts üblich. Allerdings mussten sich zu dieser Zeit auch schon viele Töchter aus verarmten Adelshäusern als Manufakturarbeiterinnen webend und stickend ihren Unterhalt verdienen. Daneben kamen sehr rasch die Schneider auf. Der erste Gildebrief an Gewandschneider wurde 1152 von Heinrich dem Löwen in Harburg erteilt, und schon innerhalb weniger Jahrzehnte unterschied man dann streng nach Gewand-, Mantel- und Flickschneidern. Die Männer gingen meistens barhäuptig, doch sehen wir sie auf den Miniaturen gelegentlich auch mit modischen Hüten, mit Pfauenfedern und ähnlichem geschmückt. Jungfrauen trugen den Kopf unbedeckt, manchmal putzten sie sich ähnlich wie die jungen Männer mit einem Kranz frischer Blumen heraus oder mit einem Stirnreif, dem sogenannten Schappel. Verheiratete Frauen banden das Haar auf, trugen Schleier oder Haube, manchmal legten sie auch ein »Gebende« an, eine Art flaches Barett, das mit einem breiten Band um das Kinn herum festgehalten wurde. Das mag ziemlich unbequem gewesen sein; denn wollte die Frau sich zwanglos unterhalten, musste sie dieses Kinnband abstreifen. Noch unbequemer aber war die Riese, ursprünglich nur ein bis an die Schultern herabhängender Kopfschleier, an dem aber später noch ein zweiter Schleier gehängt wurde, der Wangen, Kinn und Hals bedeckte. Das Ganze wurde dann zu einer unförmigen Leinenhaube weiterentwickelt, die in fast orientalisch anmutender Manier nur noch Augen, Nase und Oberlippe freiließ. Auf Reisen trug man gern die Gugelhaube. Sie war aus dem Kapuzenmantel hervorgegangen, den die Mode so weit zusammenschrumpfen ließ, bis nur noch ein Kragen mit einer Kapuze daran übrigblieb, deren Spitze allerdings, unergründlichen modischen Gesetzen folgend, sich zu einem Band verlängerte, das weit den Rücken hinunterhing. »Mehr Körper zeigen!«
Seit der Mitte des 14. Jahrhunderts begann sich die Mode unter vorwiegend französischem Einfluss deutlich zu verändern. Der soziale Wandel im Zusammenhang mit dem Aufstieg des Bürgertums, möglicherweise auch der Wandel in der militärischen Ausrüstung, bei dem das alte Kettenhemd durch den Plattenpanzer zurückgedrängt wurde, mögen einen Anteil an diesen Veränderungen gehabt haben. Die langen Röcke der Männer begannen jetzt zu schrumpfen, der untere Saum erreichte um 1350 die Knie und rutschte dann noch weiter bis zu den Hüften hinauf. Damit aber wurden die Hosen und Körperformen der Herren zur Freude der Damen und zum Ärger mancher strenger Sittenrichter deutlich sichtbar. »In jenen Tagen ging die Torheit so weit, dass junge Männer so kurze Röcke trugen, dass sie weder die Schamteile noch den Hintern bedeckten. Musste sich jemand bücken, so sah man ihm in den Hintern. O, welche Schande!« heißt es in einer Mainzer Chronik des Jahres 1367, und ein böhmischer Chronist ergänzt diese wahrhaft schockierende Feststellung mit dem Hinweis: »Etliche trugen auf der Brust mit Baumwolle gefütterte Brustlätze, auf dass es ein Ansehen haben musste, gleich als wann der Mann so wohl gebrüstet wäre als eine Weibsperson [...].« Mode im MittelalterFällig oder hauteng? Nach 1390 lieben vor allem die Männer weite Umhänge und Mäntel. Eine Seite aus dem Böhmischen Musterbuch zeigt beide Trends. Braunschweig, Anton Ulrich-Museum. Beide Klagen zusammen vermitteln einen guten Eindruck von der spätmittelalterlichen Herrenmode, wie wir sie von zahlreichen Miniaturen her sehr gut kennen. Auffallend waren die engen ›Strumpfhosen‹ und das knapp sitzende, stark wattierte Wams. Modebewusste Stutzer trugen ihr Gewand dann nicht nur im einfachen zweifarbigen mi-parti, sondern buntscheckig gemischt, gewürfelt oder gestreift. Ärmel und Schoß der Jacke wurden lappig ausgezattelt (gezackt), oft wurden dabei mehrere Lappen übereinandergesetzt. Auch die Kopfbedeckung und der Mantel wurden mit solchen Zatteln (Zacken) versehen. Die Mäntel selbst wurden entweder ähnlich verkürzt wie die Jacken oder gelegentlich so verlängert, dass sie Schleppen bildeten. Diese hießen in den Niederlanden Houpelande, in Deutschland Tappert. An die Stelle der früher unter die Strumpfhosen gebundenen Ledersohle traten Schnabelschuhe, deren Spitzen gelegentlich so unförmig lang waren, dass sie ausgestopft und an die Knie hochgebunden werden mussten. Gewand, Barett und Schuhe waren darüber hinaus bei vornehmen Herren noch mit Goldstickerei besetzt oder mit Edelsteinen und Perlen benäht, an den Säumen hingen Schellen und Glöckchen. An die Stelle der Mützen trat seit dem 14. Jahrhundert der mit Pelzwerk oder Goldborten verzierte Filzhut, dessen oft unförmige Gestalt roh durch die »Sendelbinde« verstärkt wurde, eine lange Stoffbinde, die von der Krempe herabfiel, um die Schulter gelegt wurde und manchmal bis zum Boden reichte. Selbstverständlich konnten und wollten die Damen ihren Kavalieren in der gewandelten Mode nicht nachstehen. Sie trugen weit ausgeschnittene Hemden, »also dass man ihnen die Brust beinahe halb sah«. Die Oberkleider wurden immer enger und konnten daher nicht mehr über den Kopf gezogen, sondern mussten geknöpft werden. Wir hören von ellenlangen Schleppen, die bis zu fünf Meter über den Boden nachschleiften. Auf den Miniaturen fallen besonders die neuen Kopfbedeckungen auf, vor allem die berühmte »Hennin«, ein tüten- bzw. kegelförmiger Hut von bis zu einem Meter Höhe. Er war mit kostbarem Stoff bezogen und an seiner Spitze hing ein Schleier, der bis zum Boden reichte. Auf populären Darstellungen sehen wir ihn manchmal als den Hut der Minnesängerzeit, tatsächlich aber kam er erst zu Beginn des 15. Jahrhunderts von Burgund her in Mode. Ähnlich merkwürdig waren die Hörnerhauben, in denen die Damen nach zeitgenössischen Aussagen »gehörnten Hirschen« glichen. Gelegentlich erreichten sie eine solche Breite, dass ihre Trägerinnen nur noch seitlich zur Tür hereinkommen konnten. Der Staat greift ein: Kleiderordnungen zur Unterscheidung der sozialen Klassen
Da sich die Modenarren gegenseitig zu übertrumpfen suchten, und die Bürgerinnen anfingen, die Tracht der adeligen Damen zu kopieren, weil sie nicht hinter diesen zurückstehen wollten, ist es kaum verwunderlich, dass die Behörden versuchen mussten, durch Kleiderordnungen diese ›Auswüchse‹ einigermaßen einzudämmen und die Ansätze einer derartigen gesellschaftlichen »Gleichmacherei« im Keim zu ersticken. Allerdings kamen derartige Maßnahmen erst seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts auf, als städtische Magistrate mächtig genug waren, sich in die inneren Angelegenheiten der Bürger einzumischen. Das Vorbild gaben die italienischen Stadtrepubliken, denen dann sehr rasch verschiedene deutsche Städte folgten. Man kann nur staunen, um was sich die Behörden dabei alles kümmerten. Schon 1453 verbot man in Frankfurt am Main den Dienstboten und Handwerksgesellen »gefärbte Schuhe oder Spitzen oder Schnäbel daran« zu tragen. Der Rat von Bern schied fein säuberlich zwischen adeligen und bürgerlichen Frauen und verbot letzteren, besondere und wertvolle Pelze zu tragen. Straßburg, Ulm, Zürich und München führten eigene Kleiderordnungen ein. Regensburg unterschied 1485 ebenfalls zwischen den einzelnen Ständen und trennte in den Modevorschriften zwischen den Ratsherren und ihren Familien, den ehrbaren Geschlechtern und der übrigen Gemeinde. Grundsätzlich waren dort bei den Männern Perlen an den Kleidern verboten, Samtkleider blieben den Ratsherren vorbehalten. Frauen und Töchter der Ratsherren waren drei Gürtel, jeder vier Gulden im Wert erlaubt, die Frauen der Geschlechter durften nur einen Gürtel besitzen, die einfachen Frauen gar keinen. Diese Vorschriften setzten sich fort bis zum Futter der Röcke und der Länge der Schuhspitzen. Wenn den Frauen der Geschlechter acht Röcke erlaubt waren, kamen sie dabei erstaunlich gut weg; denn der Kurfürst von Sachsen schrieb 1482 beispielsweise den adeligen Damen in seinem Herzogtum vor, dass sie nicht mehr als einen seidenen und zwei gestickte Röcke besitzen sollten. Auch der fränkischen Ritterschaft wurde der Luxus allmählich zuviel. Deshalb erließ sie vor dem großen Turnier in Würzburg 1479 eine Reihe strenger Bestimmungen. Eine ähnliche Ordnung wurde schon 1485 für ein Turnier in Heilbronn erlassen. Die Verbote und Verordnungen erreichten schließlich einen Höhepunkt, als mit dem Reichstagsabschied (d. h. -beschluss) von Lindau 1497 eine alle Stände betreffende Kleiderordnung erlassen und ein Jahr später in Freiburg noch einmal ausdrücklich bestätigt und ergänzt wurde. Einer Beschränkung der luxuriösen und aufwendigen Moden stand nun von Gesetzesseite nichts mehr im Wege, und es lag bei den Modefans, die Vorschriften einzuhalten oder geschickt zu umgehen.

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Info 18.01.2018 04:56
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