Kriechtiere

Kriechtiere oder Reptilien blicken auf eine weit längere Entwicklungsgeschichte zurück als Säuger. Frühe Kriechtiere waren die Vorfahren der Saugetiere und Vögel. Auch die heute lebenden Kriechtiere und Vögel zeigen gemeinsame Züge: So entwickeln sich die Embryonen beider Klassen in beschalten Eiern. Kriechtiere sind Nachfahren der Lurche. Ihr Zeitalter hat vor etwa 300 Millionen Jahren begonnen. Im Lauf der Evolution entwickelten sich einige Arten, wie Dinosaurier, zu Riesen. Doch zählen die meisten Kriechtierarten der letzten 70 Millionen Jahre zu den Kleintieren. Eine Ausnahme bilden nur die Krokodile und die Riesenschlangen. Einteilung der Kriechtiere
Es gibt heute vier große Ordnungen: etwa 6000 Arten. Die Schildkröten (Chelonia) mit Wasser- und Landschildkröten sind wohl die primitivste Ordnung, ihr Schädel ähnelt demjenigen urtümlicher Reptilien. Krokodile und Alligatoren gehören zur Ordnung der Krokodile (Crocodilia), Schlangen und Eidechsen zur jüngsten und artenreichsten Ordnung, den Schuppenkriechtieren (Squamata). Die Brückenechse, die einzige heute noch lebende Vertreterin der Ordnung Schnabel köpfe (Rhynchocephalia), kommt in Neuseeland vor. Sie kann als lebendes Fossil bezeichnet werden. Im Erdmittelalter waren die Schnabelköpfe weit über die Erde verbreitet. Schildkröten und Krokodile
Schildkröten tragen einen Hornpanzer über ihrer Knochenhülle. Diese wird aus Rückenwirbeln, Rippen und Knochenplatten gebildet. Der Panzer bietet zwar einen sicheren Schutz, ist aber schwer. Landschildkröten bewegen sich langsam, ihre Säulenbeine sind dem Gewicht entsprechend gebaut. Häufig vertreten findet man amphibisch lebende Süßwasserarten mit flachem Panzer. Seeschildkröten leben im Meer und jagen Fische, während Landschildkröten größtenteils pflanzliche Nahrung aufnehmen. Schildkröten haben keine Zähne, sie beißen mit Hornleisten an den Kiefern. Die Vorderbeine helfen beim Zerreißen der Nahrung. Krokodile leben in tropischen Seen und Flüssen. Sie rudern mit ihrem muskulösen, seitlich zusammengedrückten Schwanz und steuern mit den Schwimmfüßen. Eine Art, das Leistenkrokodil (Crocodilus porosus), schwimmt auch ins Meer. Mit ihren scharfen, konischen Zähnen, die in besonderen Zahnfächern liegen, ergreifen Krokodile ihre Beute und halten sie fest. Zum Zertrennen sind die Zähne jedoch nicht geeignet. Die furcht erregenden Kinnladen der Krokodile bleiben bis ins hohe Alter dieser Tiere gefährlich, da ständig neue Zähne nachwachsen. Alligatoren unterscheiden sich von Krokodilen durch ihre Zahnstellung: Der große vierte Zahn im Unterkiefer der Krokodile bleibt auch bei geschlossenem Maul sichtbar, während er bei Alligatoren in einer Vertiefung der Oberkieferinnenseite verschwindet. Schlangen und Eidechsen
Schlangen und Eidechsen zeigen viele Gemeinsamkeiten, aber auch deutliche Unterschiede: Eidechsen haben meist fünfzehige Gliedmaßen, besitzen gewöhnlich Augenlider, sichtbare Trommelfelle und tragen sowohl an der Unterseite als auch am Rücken kleine Schuppen. Den Schlangen fehlen Gliedmaßen, bewegliche Lider und Trommelfelle. Entlang ihrer Unterseite zieht sich eine einzige Reihe großer Schuppen. Die meisten Eidechsen ernähren sich von Insekten und anderen Kleintieren, einige größere Arten, wie Warane, jagen Wirbeltiere. Die meisten Arten sind Lauerjäger, andere, beispielsweise das Chamäleon, fangen ihre Beute mit einem schnellen Zungenschuss. Leguane und viele Skinks gehören zu den wenigen pflanzenfressenden Kriechtieren. Echsen schützen sich vor allem durch ihre Tarnfärbung und durch bewegungsloses Verharren, Warane wehren sich dagegen mit Krallen, Zähnen und Schwanzschlägen. Manche Arten werfen bei Bedrohung das Ende ihres Schwanzes an einer vorgebildeten Bruchstelle ab (Autotomie). Dieser verlorene Teil wird nur unvollkommen regeneriert. Die meisten Eidechsen bewegen sich schlängelnd. Viele Arten klettern, der Gecko kann sich mit Hilfe seiner Rillen an der Unterseite seiner Zehen, die mikroskopisch kleine »Härchen« tragen, sogar an Glaswänden oder glatten Zimmerdecken halten. Der Flugdrache Südostasiens gleitet auf Hautlappen wie von einem Fallschirm getragen durch die Luft. Schlangen bewegen sich in der Regel in seitlichen Windungen. Ihre Körperseiten stemmen sich dabei gegen den Boden. Manche Arten haben sich durch andere Fortbewegungstechniken an veränderte Bodenverhältnisse angepasst. Alle Schlangen sind Fleischfresser, sie verschlingen ihre Beute unzerkaut. Dank ihrer mit dem Schädel und untereinander nur lose verbundenen Kiefer, können Schlangen ihr Maul außerordentlich weit öffnen und Beute verschlucken, die weit größer ist als ihr Kopf. Riesenschlangen umschlingen und ersticken ihre Beute. Viele kleinere Schlangen töten durch Giftbiss. Die gefährlichsten Arten gehören zu den Kobras, deren Gift überwiegend auf das Nervensystem wirkt, und zu den Vipern und Klapperschlangen, deren Gift hauptsächlich Blut und Gewebe zersetzt. Giftschlangen und andere Schlangen fliehen bei Beunruhigung. Einige Arten versuchen jedoch, ihren Feind abzuschrecken: Die Kobra spreizt ihre Halsrippen, die Klapperschlange rasselt. Die Korallenschlangen zeigen ihre grellen Warnfarben. Manche ungiftigen Schlangen gleichen den Korallenschlangen in ihrer Zeichnung und schützen sich so, da sie nunmehr auch für Giftschlangen gehalten werden.

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Info 26.09.2017 - 21:57
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