Meeresströmungen

Kein Bereich der Ozeane ist völlig frei von Strömungen, wenngleich sich in großen Tiefen die Wasserbewegungen nur sehr langsam vollziehen. Die Erforschung der tieferen Meeresteile offenbart, dass auch hier Leben existiert, Voraussetzung dafür ist jedoch das Vorhandensein von Sauerstoff, der von den Lebewesen bald aufgebraucht wäre, wenn nicht neues Wasser herangeführt würde. Die Erkenntnis, dass die gesamte Wassermenge des Weltmeeres in Bewegung ist, erscheint sehr bedeutungsvoll. So wurde vor noch nicht langer Zeit erwogen, radioaktive Abfälle in versiegelten Behältern in die Tiefsee zu versenken – die Korrosion dieser Behälter hätte zur allmählichen Vergiftung großer Meeresteile geführt. Die Ursachen der Meeresströmungen
Oberflächenströmungen der Meere waren bereits im Altertum bekannt und wurden schon immer von den Seefahrern ausgenutzt. 1947 segelte Thor Heyerdahl auf seinem Floß Kon-Tiki von Peru über den Pazifik bis zu den Tuamotuinseln östlich von Tahiti. Diese Fahrt über 7000 km dauerte 101 Tage und wurde nur teilweise durch den Wind, in erster Linie aber durch den Humboldtstrom und den Südäquatorialstrom ermöglicht. Regelmäßig wehende Winde treiben das Oberflächenwasser vor sich her, es entstehen Driftströmungen. Wegen des durch die Erdrotation bedingten Coriolis-Effekts stimmen die Richtungen der Driftströmungen nicht immer völlig mit den bevorzugten Windrichtungen überein. Die Coriolis-Kraft nimmt mit der Entfernung vom Äquator zu und bewirkt auf der nördlichen Erdhalbkugel eine Drehung der Winde nach rechts, auf der südlichen eine Ablenkung nach links. Das ist der Grund dafür, dass die Bewegungsrichtung der Wasserzirkulation in der Nordhemisphäre im Uhrzeigersinn, in der Südhemisphäre entgegengesetzt verläuft. Weitere Faktoren, die die Strömungen beeinflussen, sind das Relief der Ozeanböden und die Form der Landmassen. So fließt im Atlantik der Nordäquatorialstrom westwärts in Richtung der Westindischen Inseln, im Golf von Mexiko wird ein großer Teil dieser Strömung nach Nordosten gedreht und tritt zwischen Florida und Kuba erneut in den Atlantik, jetzt Golfstrom genannt. (Die Bezeichnung »Strom« wird für diejenigen Meeresströmungen verwendet, die eindeutige Grenzen aufweisen.) Diese Hauptströmung des Nordatlantiks fließt mit einer Geschwindigkeit von 4 bis 5 Knoten in Richtung Europa. Dennoch reicht die bedeutende Strömung nicht weit in die Tiefe (bei 350 m ist sie kaum mehr bemerkbar), unter dem Golfstrom existiert eine Gegenströmung. Dichteunterschiede des Meerwassers
Neben den Winden als hauptsächliche Ursache von Strömungen bewirken auch Dichteunterschiede verschiedener Wassermassen deren Bewegung. Die Dichte hängt von der Temperatur des Wassers und seinem Salzgehalt (Salinität) ab. So ist das warme, äquatoriale Wasser weniger dicht als das kalte der polaren Meeresgebiete. Die Salinität wird durch Süßwasserzufuhr aus großen Flüssen, schmelzendes Eis, starke Regenfälle und – entgegengesetzt – durch Verdunstung beeinflusst. Der Salzgehalt des Mittelmeeres z. B. ist wegen der hohen Verdunstungsrate hoch, und darum ist auch die Dichte des Wassers höher als in den angrenzenden Meeren. Demzufolge strömt weniger dichtes Wasser aus dem Atlantik und dem Schwarzen Meer in das Mittelmeer, zum Ausgleich fließen Tiefenströmungen mit Wasser höherer Dichte aus dem Mittelmeer in umgekehrter Richtung. Eine einfache Methode, die Richtung und Geschwindigkeit von Strömungen zu ermitteln, besteht in der Beobachtung der Position treibender Gegenstände (Eisberge, Wrackteile). Daneben gibt es eine ganze Reihe von Strömungsmessgeräten. Die Wirkung von Meeresströmungen
Die wohl wichtigste Auswirkung der Meeresströmungen liegt darin, dass großräumig Wasser in Bewegung ist und sich mit anderen Wassermassen austauschen und vermischen kann. Wasser tieferer Schichten gelangt an die Meeresoberfläche, wenn starke seewärts gerichtete Winde das Oberflächenwasser wegtreiben und so eine »Durchlüftung« des Tiefenwassers ermöglichen. Solche Auftriebsströmungen kommen an den Küsten Perus, Kaliforniens und Mauretaniens vor. Das an die Oberfläche geförderte Tiefenwasser ist mit Stoffen angereichert, die das Wachstum des Planktons (im Meer treibende Kleinlebewesen) begünstigen. Plankton wiederum bildet die Nahrungsquelle für große Fischschwärme, wie z. B. für die peruanischen Sardellen. Der Sardellenfischfang wird hier von einer weiteren Strömung beeinflusst. Lässt nämlich der Landwind nach, setzt sich – besonders im Monat Dezember – eine warme Meeresströmung durch, El Nino genannt, die die Vernichtung des Planktons und damit die Vertreibung der Fischschwärme zur Folge hat. Wasser kann wesentlich mehr (2,5fach) Wärme aufnehmen als das Land. Die dank der Sonnenstrahlung in den äquatorialen Gewässern gespeicherte Wärme wird nord- bzw. südwärts geführt. Teile des Golfstroms stoßen bis zur norwegischen Küste vor und verhelfen Nordwesteuropa zu einem milden Winterklima, dessen Durchschnittstemperatur 11 °C über der in diesen Breiten sonst üblichen Wintertemperatur liegt. Dagegen haben der nordwärts fließende Humboldt- und Benguelastrom eine entgegengesetzte Wirkung: Sie bringen kühleres Wetter an die Westküsten Südamerikas und Südafrikas. Somit sind Meeresströmungen von besonderer Bedeutung für das Klima der Küstenländer.

Forum (Kommentare)

Referator_1330 16.09.2017 um 11:30:35 Uhr.
Vielen herzlichen Dank für die ausführliche Beschreibung, usw. Über die meeresströmungen. Ich mache ein freiwilliges Referat darüber und muss im Internet nach Informationen sammeln, und sie dann richtig in meinen textwissen umwandeln. Mir hat diese Seite viel weitergeholfen! Danke☺