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Islam Hinduismus und Buddhismus

Der Islam, die jüngste Weltreligion, verkündet die Botschaft von der Einheit Gottes: » Es gibt keinen Gott außer Gott. « Die Anerkennung dieser Wahrheit drückt sich in dem Akt der Unterwerfung unter Gottes Willen aus, durch den man zum Muslim wird: » einer, der sich unterwirft «. Sofern der Mensch um seine Abhängigkeit weiß, erkennt er an: » Ich bin nicht das Absolute. « Doch wer dem Pfad der islamischen Mystik folgt, der gewahrt zugleich: » Ich bin vom Absoluten nicht getrennt, noch bin ich etwas von ihm Unterschiedenes. « Die Einheit spiegelt sich überall wider. Sie entfaltet sich wie eine schöne Arabeske, deren viele Formen dem Auge ein Rätsel aufgeben. Die Grundlage der Lehre Mohammeds
Aus islamischer Sicht bedarf der Mensch der göttlichen Offenbarung. Er muss an die Eine Wirklichkeit erinnert werden, die nie direkt in der Welt in Erscheinung tritt. Dass Judentum und Christentum auf echten Offenbarungen gründen, wird anerkannt. Der Islam versteht sich als die dritte, endgültige Offenbarung. Der Stifter des Islam, Mohammed, wurde um 570 n. Chr. in Mekka geboren. Sein prophetisches Amt begann, als er die unter den arabischen Stämmen vorherrschende Vielgötterei verdammte. In der Auseinandersetzung mit einer mächtigen Gegnerschaft wuchsen Mohammed und seine Anhänger zu einer sozialen, politischen und geistigen Kraft heran. Ursprünglich kennt der Islam keine Unterteilung in heilige und profane Lebensbereiche. Es gibt keine Priester und keinen besonderen, dem Gottesdienst vorbehaltenen Tag. Vielmehr enthält das islamische Gesetz Richtlinien, die das gesamte Leben betreffen und den menschlichen Bedürfnissen entsprechen. Der Mensch sündigt in islamischer Sicht nicht, weil er Gott willentlich zurückweist, sondern weil er unachtsam ist. Die Beachtung ritueller Vorschriften erinnert an die enge Beziehung zwischen dem irdischen Leben und dem Absoluten. Lehre und Praxis des Hinduismus
Der Hinduismus kann auf einen westlichen Betrachter zunächst verwirrend wirken. Statt von der Vorstellung eines persönlichen Gottes und Emer Schöpfung hört er davon, dass das Brahman (die göttliche Wirklichkeit) unpersönlich und die sichtbare Welt letztlich unwirklich ist. Selbst der Gedanke einer historischen Entwicklung wird überschattet von der Auffassung eines zyklischen Weltdramas, in dem sich Schöpfung, Erhaltung und Zerstörung periodisch wiederholen. Im Hinduismus zeigen sich eine Vielfalt von Methoden und Glaubenssystemen. Der einfachste – und auch schwierigste – Ausdruck hinduistischen Geistes lautet: » Du bist Das. « Er kann als Antwort auf die tiefste Frage, die Menschen bewegt, verstanden werden. Betrachtet der Mensch die Welt um sich herum, so sieht er überall Zeichen von Mächten jenseits seiner Kontrolle, und er fragt: Was steht hinter all diesem? Eine andere Art der Frage betrifft das Geheimnis im Innern des Menschen: Wer bin ich? Die Antwort auf beide Fragen wird im Hinduismus als momentane Erleuchtung erfahren: Das wahre Selbst (Atman) ist identisch mit dem letzten Grund der Wirklichkeit (Brahman): » Du bist Das «. Die hinduistische Offenbarung besagt, dass die Wahrheit in jeder Person darauf wartet, verwirklicht zu werden. Dies ist eine Verheißung. Zugleich ergeht die Warnung: » Neti, neti « (nicht dies, nicht jenes): Das Selbst oder das Absolute darf nicht mit einem speziellen Gegenstand identifiziert werden. Denn der Glaube an ein getrenntes Selbst oder Ich ähnelt einer angenommenen Rolle, die uns daran hindert, unser wahres Selbst zu verwirklichen. Im letzten Stadium der Wahrheitsfindung wird die Frage nach der Identität abgestreift, und das Selbst taucht in die Tiefe Erfahrung des universalen Brahman ein (Samadhi). Grundwahrheiten des Buddhismus
Der Buddhismus sieht das gewöhnliche Dasein als einen Alptraum an, der nicht deshalb weniger schmerzlich ist, weil er unwirklich ist. Im 6. Jahrhundert v. Chr. erwachte Siddharta Gautama, der Sohn eines indischen Königs, aus diesem Alptraum. Als der Buddha (» der Erwachte «, » der Erleuchtete «) war er für immer vom Leiden befreit, voll Mitleid für jene, die noch in der Finsternis waren. Der Buddhist glaubt, dass das Leiden ein allgemeines Merkmal der Existenz ist, da die Menschen die wahre Natur ihrer selbst und der Welt nicht erkannt haben. Die Welt ist ein Prozess, in dem unbeständige Faktoren wechselseitig einwirken, ohne dass etwas von Dauer wäre. Was auch immer der Mensch als sein Selbst ansehen mag – Körper, Geist, Gefühl, Bewusstsein -, alles erweist sich als ein Hindernis auf dem Weg zum Heil. Indem der Mensch sich einredet: » Dies ist mein, dies bin ich, dies ist mein Ich «, macht er sich zu einer Figur in einem illusionären Spiel von Freude und Schmerz, von Gutem und Bösem. Was am Buddhismus als negativ erscheint, ist nicht die Wahrheit, sondern die Weise, wie diese Wahrheit beschrieben wird. Ziel ist die Befreiung vom Leiden, von der Unwissenheit und der Selbstsucht: das Nirwana. Was immer durch das Gesetz von Ursache und Wirkung geformt worden ist, kann durch dasselbe Gesetz wieder umgeformt werden. Sittliche Vorschriften haben grundsätzlich den Charakter einer vorbereitenden Übung. Sie sollen den Menschen reinigen, so dass er die wichtigsten Aufgaben – nämlich die letzten Stufen des » Achtfachen Pfades «: rechtes Denken und Sich versenken – erfüllen kann. Was nach buddhistischer Auffassung alle Illusionen über das Ich und sein Leiden endgültig aufhebt, ist die Einsicht in das Wirken des Kausalitätsgesetzes im eigenen Selbst.

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