Die Astrologie

Astrologie beruht auf der Annahme, dass Sonne, Mond und Planeten eine wichtige Rolle im menschlichen Leben spielen. Jahrhundertelang war sie mit der Wissenschaft vom Kosmos, der Astronomie, untrennbar verknüpft. In technisch hochstehenden Ländern ging der Einfluss der Astrologie jedoch zurück, namentlich von Seiten der Astronomen wurde die Astrologie als wertlos, ja als trügerisch bezeichnet. In einigen östlichen Ländern wird sie jedoch noch hoch bewertet. Im Rahmen der Kulturgeschichte stellt die Astrologie ein hochinteressantes Phänomen dar. Manche Psychologen, wie CG. Jung, messen ihr auch eine gewisse Bedeutung als menschliche Typenlehre bei. Das Ziel der Astrologie
Presseberichte begünstigen nicht selten den Eindruck, die Astrologie versuche die Zukunft vorauszusagen. Aber »wahre« Astrologie hat wenig mit dem, »was in den Sternen steht«, zu tun. Vorsichtige Astrologen meinen, man könne höchstens Richtlinien dafür angeben, was durch entsprechendes Verhalten abzuwenden oder zu unterstützen sei. Die Astrologen gründen ihre Aussagen auf die unmittelbar sichtbaren Stellungen der Himmelskörper unseres Sonnensystems und benützen die Sterne dabei nur als Bezugspunkte. Auf Zeichnungen astrologischer Pläne oder Horoskope wird die Erde als Mittelpunkt angenommen durchaus verständlich, da die Astrologen ihre Beobachtungen ja nur von der Erde aus machen können. Kein moderner Astrologe glaubt natürlich, dass die Erde tatsächlich der Mittelpunkt der Welt sei. Da die Planeten (und der Mond) sich ungefähr auf derselben Bahn bewegen, scheinen sie einen bestimmten Bezirk in Gestalt eines Gürtels unter den Sternen einzuhalten. Er ist allgemein als Tierkreis bekannt. Dieser Tierkreis wird in 12 gleiche Abschnitte oder »Zeichen« unterteilt, wovon jedes nach einem Sternbild benannt ist. Sie heißen: Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage, Skorpion, Schütze, Steinbock, Wassermann und Fische. Die Namen als solche haben keine Bedeutung, auch die diesbezüglichen Anordnungen der Sterne nicht, es sei denn als Bezugspunkte. Darüber hinaus liegt der Frühlingspunkt – derjenige Punkt, in dem sich die scheinbare Sonnenbahn (Ekliptik) mit dem Himmelsäquator schneidet – nicht mehr im Sternbild des ‘Widders wie im 10. Jahrhundert v. Chr., sondern er ist inzwischen in das angrenzende Sternbild der Fische gewandert. Aber diese sogenannte Präzession wird in den astrologischen Bezeichnungen erstaunlicherweise nicht berücksichtigt. Um ein Horoskop zu erstellen, rechnen die Astrologen die Stellungen von Sonne, Mond und Planeten im Zeitpunkt der Geburt aus, dazu muss man den Geburtsort kennen. Sie glauben, dass die nun auftauchenden himmlischen Zusammenhänge die persönliche Charakteristik des unter ihrem Einfluss Geborenen auf ungefähre Weise bestimmen, etwa so, wie der Mond die Gezeiten bewirkt. Historischer Hintergrund
Die Astrologie des Westens dürfte in Mesopotamien aufgekommen sein. Die ersten Planetentafeln, die wir kennen, stammen aus der Mitte des 7. Jahrhunderts v. Chr. Die frühe babylonische Astrologie bezog sich jedoch nicht direkt auf Personen. Sie war mit besonders wichtigen Ereignissen für den Staat verknüpft, z. B. dem Ausbruch eines Krieges. Die mesopotamische Überlieferung dürfte nach Ägypten bzw. Indien und von da nach China und ins übrige Asien gelangt sein. Ungefähr im 4. Jahrhundert v. Chr. begannen die Griechen, sich das astrologische Wissen anzueignen. Sie waren es, die das Verfahren allgemein einführten, wie aus dem Zeitpunkt der Geburt das individuelle Schicksal zu bestimmen sei. Von Ptolemaios (um 100 bis um 170 n. Chr.) stammt das erste astrologische Lehrbuch des Westens, die »Tetrabiblos« (Vierbücher). Die Planeten, die »Häuser« und Tierkreiszeichen wurden entsprechend gedeutet und in einer Weise festgelegt, die man bis heute kaum verändert hat. Mit dem Zerfall des Römischen Reiches würden die Araber die führenden Vertreter der Astronomie und auch der Astrologie. Um Karten oder Horoskope zu berechnen, benötigten sie die möglichst exakte Kenntnis der Sternörter und der Planetenbewegungen. Dies veranlasste sie, Tafeln für die Planetenbahnen aufzuzeichnen und dazu Sternkataloge anzulegen, die genauer waren als alles, was die Griechen hervorgebracht hatten. Nach der Wiederentdeckung der hellenistischen Überlieferungen in Europa während des 15. und 16. Jahrhunderts wurde die Astrologie an allen europäischen Universitäten gelehrt. Von Copernicus zum Zeitalter der Raumschifffahrt
Ein gewisser Tiefstand des Interesses für Astrologie trat mit den großen astronomischen Entdeckungen des Nicolaus Copernicus (1473 bis 1543) ein. Er hatte nachgewiesen, dass die Sonne und nicht die Erde im Mittelpunkt des Planetensystems steht. Es folgte die Erfindung des Teleskops. Das Werk Isaac Newtons (1643-1727) »Philosophiae naturalis principia mathematica« legte den Grundstein der modernen Astronomie. Aber obwohl die Erde nicht mehr als das Zentrum des Alls gelten konnte, blieben die Grundprinzipien der Astrologie unverändert. Für ein Zeitalter, das aufgrund der exakten Berechnungen von Astronomie und anderer Wissenschaften Menschen in den Weltraum schickt, ist es merkwürdig – oder bezeichnend? – dass sich das Interesse für die Astrologie eher wieder neu belebt, als dass es schwindet.

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Info 18.11.2017 13:00
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