Was ist Philosophie?

Der Begriff Philosophie ist vieldeutig. In gewissem Sinn ist jeder Mensch ein Philosoph, sofern er eine Lebensauffassung entwickelt oder sich eine Weltdeutung zu Eigen gemacht hat. »Philosoph« wird auch genannt, wer die Welt ruhig und distanziert beobachtet, wen nichts erschüttern kann. Im eigentlichen Sinn ein Philosoph ist aber nur, wer grundsätzliche Fragen stellt, die nicht auf Einzelwissen zielen, sondern auf das Allgemeine, auf das Wesen aller Dinge, auf den Sinn des Menschseins. Das Wort Philosophie kommt aus dem Griechischen und bedeutet »Liebe zur Weisheit«. Die Philosophie befasst sich mit allem, was ist, einschließlich des menschlichen Denkens und Wissens selbst. Vor allem: Sie tut dies allein aus der Kraft der menschlichen Vernunft. Ein rätselhafter Drang bringt den Menschen dazu, immer wieder nach »letzten Gründen«, nach Wesen und Sinn der Welt und des Menschen zu fragen. Die Disziplinen der Philosophie
Man unterscheidet innerhalb der Philosophie eine Reihe von Disziplinen: die Logik, die die Gesetze richtigen Denkens entwickelt, die Erkenntnistheorie, die sich mit Ursprung, Wesen und Grenzen der Erkenntnis befasst, die Metaphysik, die nach dem allen Dingen Gemeinsamen und Wesentlichen sowie nach dem eigentlichen Sein hinter der sinnlich wahrnehmbaren Welt fragt, die Ethik, die Grundsätze des richtigen Handelns des Menschen untersucht. In gewisser Weise steht die Philosophie zwischen den Wissenschaften und der Religion. Wie die Wissenschaft stützt sie sich auf die Vernunft, nicht auf Tradition oder angeblich höhere Autoritäten. Andererseits befasst sie sich nicht mit der Sammlung von Tatsachenwissen, sondern ähnlich der Theologie mit »letzten« Problemen, nur dass sie endgültige Antworten, jedenfalls bisher, nicht gefunden hat. Die philosophische Methode
Philosophie im eigentlichen Sinn ist Denken, dieses Denken befasst sich auch mit scheinbar langweiligen und haarspalterischen Fragen, die keinen praktischen Sinn haben. So diskutiert sie z. B. die Frage, ob die Welt und unsere Vorstellungen von ihr etwas Verschiedenes sind und, wenn es so ist, wie sie sich unterscheiden. Sie fragt danach, ob das Universum durch Zufall oder durch höhere Planung entstanden ist. Sie will wissen, was »gut« ist und ob es »ewige« Werte gibt. Fragen dieser Art beschäftigten die Philosophen, die die europäische Denkgeschichte bestimmt haben, von Anfang an, etwa Platon (427-347 v. Chr.), Aristoteles (384-322 v. Chr.), Thomas von Aquin (um 1225-74), Rene Descartes (1596-1650), Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716), David Hume (1711-76), Immanuel Kant (1724-1804), Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831), Bertrand Russell (1872-1970) und Ludwig Wittgenstein (1889-1951). Auch außerhalb Europas gab es Denker mit ähnlichem Ansatz, so Avicenna (980-1037) in Persien und Averroes (1126-98) im maurischen Spanien als Vertreter der arabischen Philosophie, aber auch der indische Denker Schankara (8./9. Jh.). Sokrates (469-399 v. Chr.) in Griechenland und Konfuzius (um 551 – um 479 v. Chr.) in China lehrten beide ein wahres philosophisches Leben. Sokrates ging es um Fragen wie »Was ist Tugend?« oder »Was ist Recht?«. Er vertrat zuerst den Gedanken, dass es allgemeine Begriffe geben müsse, auf die die Vernunft im Ausgang vom Konkreten schließlich stoßen werde. Dieses Verfahren wird induktives Denken genannt. Oft kam Sokrates in seinen Dialogen nicht zu eindeutigen Ergebnissen – »Ich weiß, dass ich nichts weiß« -, aber sein Ziel ‘War stets, denkend Antworten über das Wesen der Sachverhalte zu finden. Erscheinung und Wirklichkeit
Unabweisbar ist die Frage, ob wir etwas mit absoluter Sicherheit wissen können. Gibt es überhaupt »wahre« Erkenntnis in einer Welt, deren Grundmerkmale Veränderung und Übergang zu sein scheinen? Platon, der die gesamte abendländische Philosophie maßgeblich beeinflusste, sah den ständigen Wechsel nur im Bereich der Erscheinungen, d. h. dessen, was wir mit unseren Sinnen erkennen. Die wahre Welt ist nach ihm unsichtbar, immateriell und ewig, sie besteht aus den reinen Formen der Dinge. Platon glaubte, dass ein Begriff – z. B. »Baum« – etwas Einheitliches ausdrücke und dass dies die Form oder »Idee« aller Bäume (gewissermaßen die »Baumheit«) sei. Die Ideen bildeten das Reich des Unvergänglichen, die einzelnen, sinnlich wahrnehmbaren Dinge seien nur ihre vergänglichen Abbilder. Platon erläuterte seine Gedanken durch bildliche Vergleiche. Es gibt, sagt er, vier Seins weisen, die stufenförmig geordnet sind. Ganz oben stehen die Ideen (an erster Stelle die Idee des Guten), unmittelbar darunter befindet sich der Bereich der reinen mathematischen Sachverhalte. Diese unvergängliche Welt der reinen Wesenheiten ist für Platon die eigentliche Wirklichkeit. Weit unterhalb liegt die Welt des Sichtbaren, der materiellen Dinge, und, noch darunter, die Welt der Bilder und Spiegelungen. Der Mensch hält sich in seinem Erkennen gewöhnlich an das Sichtbare. Die Philosophie ist für Platon der Weg der Befreiung aus dem Dunkel der Höhle zu dem Licht der Sonne. Selbstverständlich ist Platons »Idealismus« nicht unbestritten geblieben. Zum Wesen des Philosophierens gehört immer auch die Auseinandersetzung. Dass die Dinge oft nicht so sind, wie wir sie zu erkennen vermeinen, offenbart sich schon im täglichen Leben: Irrt unser Denken vielleicht ebenso leicht, auch wenn wir ganz sicher zu sein glauben?