Philosophie und Religion

Philosophie und Religion sind nicht dasselbe. Sie sind aber auch nicht einfach Konkurrenten auf demselben Problemfeld, wenn auch philosophische Aussagen zuweilen religiöse Glaubenssätze stützen oder widerlegen und philosophische Fragen aus religiösen erwachsen können. Glaube und Denken bei Thomas von Aquin
Der vielleicht bedeutendste mittelalterliche Philosoph und Theologe war Thomas von Aquin (um 1225-74). Er hielt die Existenz Gottes für beweisbar. Damit führte Thomas das Denken des griechischen Philosophen Aristoteles fort, dessen Grundfrage lautete: Gibt es etwas hinter unserer Welt und ihren Gesetzen? Thomas setzte bei der allgemeinen und unbestrittenen Voraussetzung an, dass es im Universum Ursache, Bewegung und Ordnung gibt. Diese Tatsachen, so glaubte er, setzten notwendig voraus, dass es eine »erste Ursache«, einen »ersten Beweger« und »allmächtigen Ordner« geben müsse, den »alle Menschen Gott nennen«. Unter »erste Ursache« verstand er nicht nur ein Wesen, das die Dinge geschaffen hat, vielmehr meinte er damit das, was allen Dingen zugrunde liegt und wirkt, solange sie bestehen. Thomas war der Auffassung, man könne philosophisch nicht streng beweisen, dass die Welt einen Anfang hatte (diese Auffassung trug ihm den Vorwurf der Irrlehre ein). Dass Gott am Anfang die Welt erschaffen hatte, war für ihn ein Glaubenssatz, den die Kirche lehrte. Im Übrigen war er davon überzeugt, dass die menschliche Vernunft, weil sie von Gott geschaffen ist, nicht in einen echten Widerspruch zum Glauben geraten könne. Glaube und Vernunft waren für ihn zwei verschiedene Wissensquellen, der Glaube allerdings die sicherere. Der Gottesbeweis aus allgemein bekannten Tatsachen wie Ursache, Bewegung und Ordnung ließ noch Aspekte außer acht, auf die im 18. Jahrhundert David Hume aufmerksam machte. Hume griff den Gedanken der natürlichen Theologie (im Gegensatz zur Offenbarung) grundsätzlich an: Für ihn war ein philosophisch begründetes Wissen über Gott oder die Seele schlechthin unmöglich. Die Vorstellung, dass erfahrungsgemäß Ordnung ohne einen Plan nicht möglich sei, verwarf Hume. Er argumentierte: Selbst wenn dies für bestimmte Bereiche, etwa die Biologie, zutrifft, lässt sich daraus nicht auf das Universum als Ganzes schließen, das samt seinem Ursprung der menschlichen Erfahrung unzugänglich ist. Nach Hume ließe sich ebenso behaupten, dass die Ordnung der Welt ihr unabhängig von irgendeiner wirklichen Macht selbst innewohne. (Im Gegensatz zu Thomas war Hume philosophisch Agnostiker, d. h., er hielt die Existenz Gottes für unbeweisbar.) Die Cartesianische Philosophie
Während bei Thomas die Existenz Gottes sich aus verschiedenen Eigenschaften der äußeren Welt ergab, argumentierte Rene Descartes genau umgekehrt. Er glaubte, dass wir ohne von Gott eingegebenes Wissen die äußere Welt überhaupt nicht erkennen könnten. Um eine unerschütterliche Grundlage des Wissens zu finden, begann Descartes sein Denken mit einem methodischen, radikalen und universellen Zweifel. Dabei blieb ihm zunächst nichts unbezweifelbar als die Tatsache dieses Zweifels selbst: »Ich denke, also bin ich« (»Cogito, ergo sum«). Ausgehend von dem Gedanken Gottes als einer so vollkommenen Vorstellung, dass nur ein vollkommener Gott sie in uns hineingelegt haben konnte, schloss er, dass auch die (gottgegebene) Sinneserfahrung ihn nicht täuschen könne, sofern sie klar und deutlich ist. Für Descartes ist also die Wahrheit unserer Erkenntnis über die äußere Welt nur durch Gott garantiert. Die Existenz Gottes wird aus dem Begriff Gott abgeleitet: Dieser Begriff ist der Inbegriff aller Vollkommenheit. Da aber die Existenz zur Vollkommenheit hinzugehört, muss Gott existieren. Wenn dieser sogenannte ontologische Gottesbeweis stimmte, würde er eine sichere Grundlage für die Vernunft und ihr Denken bilden können. Die drei philosophischen Hauptvertreter des Rationalismus – Descartes, Leibniz und Spinoza – bauten diesen Gedanken aus. Sie versuchten, auf deduktivem Weg ein System zu entwickeln, das ähnlich wie die Geometrie ausschließlich logisch notwendige Aussagen umfasst, aber anders als die Geometrie Aussagen über die Welt und über uns selbst. Im Gegensatz zum Rationalismus steht der Empirismus. Nach empiristischer Auffassung ist die Vorstellung, die Welt könne aus einem Prinzip abgeleitet werden, ein Irrweg. Für den Empiristen gibt es überhaupt kein Wissen außerhalb der sinnlichen Erfahrung. Die Religionsphilosophie
Die »natürliche Gotteslehre« beschäftigt sich vor allem mit der Frage einer widerspruchsfreien und tragfähigen Gottesvorstellung. Leibniz versuchte in seiner Theodizee (1710) nachzuweisen, dass die Existenz des Bösen der Vollkommenheit Gottes nicht widerspreche. Dabei leitete ihn die Vorstellung, dass das Böse geradezu Voraussetzung gewisser Tugenden sei. Und weil es – unter Voraussetzung der Gültigkeit des ontologischen Gottesbeweises – einen vollkommenen Gott gibt, findet das Böse letztlich als Voraussetzung des absoluten Guten seine Rechtfertigung. Daraus folgt übrigens für Leibniz, dass unsere Welt die beste aller möglichen Welten ist. Einige religiöse Denker sind mit Platon und Descartes der Auffassung, dass der Mensch aus zwei Komponenten bestehe, Leib und Seele. Die Seele als der wichtigere Teil, so glauben sie, sei unsterblich. Andere Denker halten die Vorstellungen von Unsterblichkeit und einem Leben nach dem Tode für sinnlos.

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Info 14.12.2017 16:03
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