Meditation und Bewusstseinserweiterung

Meditationsübungen gab es in Indien schon um 1000 v.Chr. Es handelt sich bei der Meditation um eine geistige Versenkung (Kontemplation), bestimmte Körperhaltungen, Klänge oder Bilder werden als Konzentrationshilfe verwendet. Ziel der Meditation ist nicht eine Erhöhung des Denkvermögens, sondern die durch Innenschau (Intuition) gewonnene geistige Einsicht, wobei der Meditierende jede Ablenkung durch sinnliche Wahrnehmung und rationale Denkvorgänge vermeidet. Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts finden Meditationstechniken auch in Europa und Nordamerika als Methoden zur geistigen und körperlichen Entspannung zunehmend Anwendung. Veränderte Bewusstseinszustände
Die Mystiker aller Religionen sind überzeugt, dass der Mensch sich Gott mehr durch innere Erfahrung als durch die Logik des Verstandes oder äußere Formen der Verehrung nähert. Jahrhundertelang wurde sowohl in den westlichen wie in den östlichen Religionen die meditative Versenkung als Weg zu göttlicher Erleuchtung angesehen. Während sie im Christentum und im Islam nur zu mäßiger Verbreitung gelangte, ist sie für Hinduismus und Buddhismus von zentraler Bedeutung. Im Hinduismus hat die Meditation vor allem das Ziel, den Menschen zu reinigen und zur Entdeckung seiner Innerlichkeit zu führen. Die bekannteste hinduistische Versenkungstechnik ist die des Yoga. Sie beruht auf der Annahme, dass durch bestimmte körperliche und geistige Übungen seelische Kraftquellen verfügbar gemacht werden können. Der Buddhismus dagegen hat eher das Ziel, das Selbst zu überwinden, er lehrt, dass der Mensch durch strenge Übung und ständige Bemühung einen Zustand des reinen Bewusstseins erreichen kann, in dem Körper wie individuelle Seele überwunden sind und der Mensch sich der letzten Wahrheit, dem Nirwana (Nichts), nähert. Im Tantrismus, einer späteren religiösen Bewegung mit großem Einfluss auf den Buddhismus, wurden Methoden entwickelt, mit denen man den Zustand vollkommenen Wissens und geistiger Freiheit leichter erreicht, und zwar durch bestimmte Rituale und Körperhaltungen (Mudra) wie durch magische Formeln (Mantra) und Zeichen (Mandala). Andere buddhistische Sekten verwenden eine Vielzahl von Methoden zur Steigerung der Konzentration. Sie reichen von der Versenkung in Tugend oder Elend des Menschen bis zur Betrachtung von Bildern oder Lichtern. Rauschdrogen, Pflanzenextrakte und Alkohol werden seit Langem als Hilfsmittel auf dem Weg zur inneren Einsicht verwendet, zum Teil in Verbindung mit Meditation. Nach 1960 versuchten viele junge Menschen in den westlichen Industrieländern, die vom Materialismus ihrer Umwelt abgestoßen waren, mit Hilfe von Rauschdrogen oder östlichen Versenkungstechniken eine Bewusstseinserweiterung und ein Gefühl geistiger Harmonie zu erreichen. Psychedelische Substanzen wie etwa LSD haben oft eine entgegengesetzte Wirkung, die meditative Versenkung jedoch scheint sich physisch und psychisch günstig auszuwirken. Physische Veränderungen
Untersuchungen an Mönchen des Zen-Buddhismus ergaben, dass im Zustand der Meditation besondere Hirnstromkurven auftreten. Wer im Meditieren geübt ist, bei dem stellt sich im Elektroenzephalogramm (EEG) rasch ein »Alpha-Rhythmus« ein, er signalisiert einen Zustand der Gelassenheit und der friedvollen Bereitschaft, der später in den »Theta-Rhythmus« der Trance übergehen kann. Die untersuchten Mönche konnten sich stundenlang im Zustand völliger Ruhe und Wachheit halten, ohne dass ihr Gehirn einen »Delta-Rhythmus« und damit Schlaf anzeigte. Weitere Experimente erwiesen, dass durch Meditation auch andere physiologische Veränderungen hervorgerufen werden, etwa eine Abnahme der Herzfrequenz, der Sauerstoffaufnahme sowie der Kohlendioxidausscheidung (um ca. 20 Prozent), was allgemein auf einen reduzierten Stoffwechsel deutet. Allerdings lassen sich solche Effekte auch schon bei kurzfristiger Entspannung ohne jahrelange Übung erzielen. Der Nutzen der Meditation
Die messbaren körperlichen Veränderungen, die sich bei der Meditation einstellen, weckten das Interesse der Wissenschaft. Zwar hat geistige Versenkung nicht den Zweck, bestimmte Hirnstromkurven zu erzeugen, und anderseits sagen physiologische Veränderungen so gut wie nichts über den psychischen Zustand des Meditierenden aus. Die Bedeutung der Befunde liegt vielmehr darin, dass die Meditation offenbar positive Auswirkungen auf das Individuum hat, vor allem auf Stresszustände, die das Leben in modernen Gesellschaften kennzeichnen. Seit Maharishi Mahesh Yogi sie 1957 dem Westen vermittelte, wurde die Transzendentale Meditation vor allem in den USA zu einer beliebten Methode der Entspannung, man erkannte ihre günstigen sozialen wie individuellen Auswirkungen. Die TM umfasst zwei Sitzungen von 15 bis 20 Minuten Dauer täglich, während der Übungen sitzt man in bequemer Haltung mit geschlossenen Augen und wiederholt immer wieder irgendeine stimmliche Äußerung, um das Abschweifen der Gedanken zu verhindern. Es bedarf dazu keiner intensiven Konzentration oder besonderer Übungen, und es wird auch nicht irgendeine Religion oder Philosophie vorausgesetzt. Viele Menschen aus dem Westen fühlen sich auch von dem weit schwierigeren Yoga fasziniert und versuchen seine Technik zu erlernen, einige reisen sogar nach Asien, um Gurus (Lehrer) und Ashrams (Stätten der Versenkung) zu finden. Ob es wirklich einen Bereich des Psychischen gibt, der sich nur durch Methoden der Versenkung erschließt, ist nicht sicher.

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Info 22.11.2017 17:40
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