Hochbegabung und hochbegabte Kinder

Hochbegabung bezeichnet in der Psychologie ein deutlich über dem Durchschnitt liegendes Maß an intellektueller Begabung. Als hochbegabt gelten (im wissenschaftlichen Sinne) alle Menschen, die in einem Intelligenztest einen IQ erreichen, der nur von 2-3% der Gesamtbevölkerung erreicht wird. Intelligenztests sind meist so geeicht, dass dies entweder einem Wert von 130, 132 oder 145 entspricht. (Allgemein ab Prozentrang 97 der Normalverteilung der Bevölkerung –> typischer Grenzwert ab IQ 130, Höchstbegabung ab Prozentrang 99) Definition in der Psychologie: Sehr hohe Ausprägung der allgemeinen Intelligenz (des g-Faktors), wobei die jeweils spezifischen Intelligenzfaktoren (z. B. räumlch-abstrakte, verbale, mathematische …) in unterschiedlichem Ausmaß vorfindlich sein können. Die individuelle Disposition gestattet einem derart Begabten geistige Hochleistungen zu erbringen. Von dieser Definition zu unterscheiden ist eine umgangssprachliche Verwendung des Begriffs bei der auch Personen, die in einem bestimmten Bereich hohe Leistungen erzielen, als hochbegabt bezeichnet werden, z. B. Musiker, Schachspieler usw. Das schließt aber nicht aus, dass sie auch intellektuell hochbegabt seien können. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit eher niedrig, da für derartige Leistungen langjährige Übung und Erfahrung erforderlich ist. Damit verbunden ist die Frage, welche Facetten von Intelligenz in das Maß der intellektuellen Begabung einfließen (Intelligenztests sind zum Beispiel in der Regel schriftlich). Hochbegabung als Begriff ist, wie auch die Intelligenz, ein hypothetischer Konstruktbegriff, deswegen hängen die Definitionen von der jeweiligen theoretischen Bezugsbasis ab. In einem relativ weiten Begriffsverständnis lässt sich Begabung als das Gesamte personaler (kognitiver, motivationaler) und soziokultureller Lern- und Leistungsvoraussetzungen definieren, wobei die Begabungsentwicklung als Interaktion (person-)interner Anlagefaktoren und externer Sozialisationsfaktoren zu verstehen ist. Die Definition des Phänomens Hochbegabung ist stark werte-, norm- und konventionsgebunden; sie wird daher nicht nur von der Gesellschaft geprägt, sondern von dieser auch instrumentalisiert (vgl. die Diskussion über Eliteuniversitäten in Deutschland seit 2004). Hochbegabte Kinder
Hochbegabung bei Kindern zeige sich schon im Kleinkindalter durch die Ausprägung bestimmter Fähigkeiten, die auf überdurchschnittliche Intelligenz hindeuten. Häufig wären dies eine oder mehrere der folgenden Eigenschaften:
1. Das Kind hat ein geringes Schlafbedürfnis.
2. Es erreicht Entwicklungsstadien früher und überspringt sie fallweise sogar. (Dies betrifft aber nicht alle EW-Bereiche, denn es gibt beispielsweise auch hochbegabte Jungen die große Probleme mit der Feinmotorik haben, was sich in der Schule beim Schreiben bemerkbar macht -  Intraindividuelle Asynchronie) Hochbegabte entwickeln sich innerhalb der Bereiche der Persönlichkeit unterschiedlich.
3. Es lernt früh lesen. (Aber es gibt auch Kinder, die sehr früh lesen und nur einen IQ von 82 haben!!! Also dieser Sachverhalt kann aber muss nicht auf Hochbegabung hindeuten!)
4. Es zeichnet sich durch genaue Beobachtung, logisches Denken und gutes Gedächtnis aus.
5. Auffällig ist auch eine ausgeprägte Wissbegierde.
6. In punkto Sprachvermögen, Fantasie und Konzentration ist das Kind seinen Altersgenossen überlegen. Indikatoren, die auf die kognitive Leistungsfähigkeit abzielen, mögen noch sinnvoll sein. Das frühe Lesen mag früher für Hochbegabung kennzeichnend gewesen sein, kann heute jedoch nicht mehr als indikative Eigenschaft herangezogen werden, da auch viele nicht-hochbegabte Vorschulkinder (bedingt durch die vielfältige Konfrontation mit geschriebener Sprache in unserer Kultur) auch schon früh lesen können. Für das immer wieder behauptete „geringe Schlafbedürfnis“ (diese Aussage findet sich auch häufig in den sog. Checklisten zur Identifikation hochbegabter Kinder wieder, wie sie in vielen Ratgebern abgedruckt sind) liegt allerdings kein ernst zu nehmender empirischer Beleg vor. Indikative Interessen hochbegabter Kinder
Jungen:
1. Monomanisch intensive Sammelleidenschaften und Kategorisierung von Gegenständen (Ofenrohre, Tiergeweihe, Kirchtürme …)
2. Sachbücher
3. spielen lieber allein und weniger gerne mit Jüngeren.
4. Nachschlagewerke, Nachrichten, mögen keine Spielzeugautos.
5. kämpfen weniger gerne als nicht hochbegabte Jungen, mögen Wettbewerb nicht so gerne!
6. Sportarten (sie sind nicht so unsportlich wie es manchmal scheint) oft Torwart (seltener Stürmer, da sie physischen Auseinandersetzungen nicht mögen), Schwimmen, Fechten, Skifahren, da diese Sportarten komplexe Regeln und Strategien beinhalten!).
7. Gesellschaftsspiele, Erwachsenengeräte (Küchengeräte, Telefone …).
8. Wunschberufe: Pilot, Formel 1 Fahrer, Polizist, Lehrer, Physiker, Chemiker, Biologe, Weltraumforscher. Mädchen:
1. Sozial, ästhetisch, künstlerische Hobbys.
2. Weniger stark forschende Interessen als hochbegabte Jungen.
3. Spielen seltener mit Puppen und Spielzeugtieren (sie besitzen sie, aber spielen meist nicht damit).
4. Eher männliche Interessen (Planeten, Politik, Naturwissenschaften).
5. Starkes Interesse an Lesen und Schreiben, Musik, Tiere, oft farblose oder unauffällige Interessen, lesen oft Mädchen und Jugendromane.
6. Weniger Interesse an Computern als die hochbegabten Jungs, aber mehr als normale Mädchen!
7. Rätseln, Nachrichten, Bauklötze, Lego, Eisenbahn
8. Wunschberufe: Bäuerin, Tierärztin, Zoologin, Ärztin, Lehrerin, Kinderbuchautorin. Allgemein: weniger Interesse an Konsummedien und vergnügungsorientierter Freizeitgestaltung als nicht hochbegabte Kinder. Hochbegabte Kinder können auf Schwierigkeiten im Schulkontext treffen, wenn sie im normalen Unterricht chronisch kognitiv unterfordert werden. Für die Lehrer ist zur adäquaten Behandlung von Hochbegabten im Klassenverband eine spezielle Ausbildung sinnvoll. Unterrichtsmethoden, die einer allzu deutlichen Unterforderung von Hochbegabten vorbeugen, sind beispielsweise die Methode „Lernen durch Lehren“; die Realität schaut oft jedoch so aus, dass Lehrer mit den unterforderten Schülern vollkommen überfordert sind. Insgesamt bleibt dennoch festzuhalten, dass Hochbegabte meist weniger Probleme haben als weniger intelligente gleichaltrige Mitschüler (vgl. dazu die unten zitierte umfangreiche Marburger Längsschnittstudie von Rost). Dem Bedürfnis der hochbegabten Kinder (und ihrer Eltern) nach Förderung wird hauptsächlich von Privatschulen entsprochen, wie zum Beispiel dem CJD Braunschweig, dem CJD Rostock und dem CJD Königswinter. Inzwischen gibt es allerdings auch staatliche Schulen, die sich der Begabtenförderung widmen, u. a. seit 2001 das Sächsische Landesgymnasium Sankt Afra zu Meißen, das LGH in Schwäbisch Gmünd oder die Internatsschule Schloss Hansenberg. Eine systematische Förderung hochbegabter Kinder findet mittlerweile auch in Rheinland-Pfalz statt. So gibt es bereits seit 2003 in Kaiserslautern eine Hochbegabtenschule und seit 2004 am Gymnasium Gonsenheim die »Schule für Hochbegabtenförderung / Internationale Schule«, deren erster Jahrgang (insgesamt 18 Kinder) am 28. Januar 2005 ihre ersten Zeugnisse bekommen hat. In Hessen gibt es die Otto-Hahn-Schule, die eine integrative Hochbegabtenklasse besitzt. Deren Mitglieder sind im Moment 12, ab dem Beginn des Schuljahres 05/06 aber nur noch 11, da ein Schüler umzieht. In Hamburg gibt es seit Schuljahrsbeginn 05/06 eine »staatlich genehmigte Grundschule mit Maßnahmen zur Förderung besonders begabter Kinder«, die Private Grundschule Brecht. In Österreich gibt es die Sir-Karl-Popper-Schule am Wiedner Gymnasium in Wien, sie wurde 1996 gegründet und hat sich zum Ziel gesetzt, Hochbegabte zu fördern und die Ergebnisse ins Regelschulwesen zu übertragen. Underachievement= Phänomen der Minderleistung: ist die große Diskrepanz bei manchen Hochbegabten, zwischen geistigen Fähigkeiten und intellektuell akademischen Leistungen. Es gibt tatsächlich einige hochbegabte Menschen, die sich auf der Realschule, Hauptschule oder sogar der Sonderschule befinden oder gar keinen Schulabschluss haben, obwohl sie geistig den meisten Menschen überlegen sind!!! Wer einen IQ von über 130 hat und bei der Schulleistung unter Prozentrang 50 liegt ist ein underachiever Kind! Die Minderleistung muss aber über 1-2 Jahre mindestens vorhanden sein, denn sonst kann man einen negativen Lehrereinfluss nicht ausschließen. Die Gruppe der Underachiever ist nicht homogen, es gibt Rebellen, Aussteiger, Faule … und welche die Leistung einfach nicht als erstrebenswert ansehen! Oft gehen sie sogar von der Schule ab, da es ihnen zu langweilig ist, da sich alles ständig wiederholt. Underachiver wollen nur in den sie interessierenden Bereichen Leistung erbringen. Gründe für dieses Verhalten sind ein komplexes Gefüge aus Persönlichkeits- und Umweltgegebenheiten. Niedrige Motivation kann z. B. durch eine niedrige Leistungserwartung der Eltern entstehen oder durch zu niedrige Anforderungen der Lehrer. Ihre Persönlichkeit zeichnet sich durch ein niedriges Selbstbewusstsein aus, starke Minderwertigkeitsgefühle, geringeres Durchhaltevermögen, da sie wissen, dass sie es besser können. Sie suchen nach Gründen für ihr Leistungsversagen.

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Info 18.12.2017 00:22
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