König Sigismund – Biografie und Geschichte

Mit König Sigismund war eine eigenartige, schillernde Persönlichkeit auf den deutschen Thron gelangt. Konsequent verfolgte er seine Ziele, schreckte dabei nicht vor Intrigen zurück, betrog selbst den eigenen Bruder, wenn es ihm opportun erschien. Auch in der aussichtslosesten Lage gab er nicht auf, sondern fand immer Wege, um zu einem Erfolg zu gelangen. Ohne fromm zu sein, träumte er zeitlebens von der Eroberung des Heiligen Grabes, ohne besondere theologische Kenntnisse entwirrte er geschickt Auseinandersetzungen über heikle Probleme in den Konzilsitzungen, indem er mit gesundem Menschenverstand und diplomatischer Beweglichkeit an praktische Lösungen heranging. Sigismund kam mit der Königskrone nach Konstanz, nach Basel mit der Eisernen Krone der Lombarden und der Kaiserkrone und setzte Autorität und Gewicht des Amtes im entscheidenden Augenblick mit allem Nachdruck ein. Man warf ihm manchmal zweideutiges Verhalten vor, ohne ihm einen Wortbruch schlüssig nachweisen zu können. Sigismund war kein Feldherr, hatte aber einen Blick für militärische Organisation. Meist hielt er sich klug zurück, wurde aber brutal, wenn es ihm erfolgreicher schien, ein Exempel zu statuieren. So scheute er sich nicht, zu Beginn der Hussitenkriege in Breslau 23 Bürger wegen Ketzerei und demokratischer Gesinnung hinrichten und einen Hussiten verbrennen zu lassen. Von Jugend auf den Daseinsfreuden offen zugewandt, störte es ihn nicht, dass die Öffentlichkeit ihm die zweite Heirat mit der schönen, leichtfertigen Gräfin Barbara von Cilli verübelte. Er selbst soll das Idealbild eines Ritters verkörpert haben, und man meint, ihn in einem der Heiligen Drei Könige und in dem König David der Wandgemälde zweier Mainzer Kreuzgänge wiederzufinden. Der berühmteste Porträtist seiner Zeit, Pisanello, malte ihn als Kaiser: Ein ernstes Gesicht, umhüllt von einer kostbaren Pelzmütze, schaut am Betrachter vorbei in die Ferne: distanziert, voller Gedanken, wie magisch von einem fernen Ziel angezogen. SigismundKaiser Sigismund verteilt Lehen und lässt sich huldigen. Das schöne Bild aus der Berner Chronik (1485) des Diebold Schilling ist ein anschauliches Beispiel für die detailreiche Dokumentation historischer Vorgänge in den großen Schweizer Chroniken. Da sich deutsche und Schweizer Geschichte in vielen Einzelheiten berühren oder decken, sind diese Chroniken, besonders die der Schillings (Luzerner Chronik, Spiezer Chronik, Berner Chronik), wahre Fundgruben auch für die deutsche Reichsgeschichte. Darüber hinaus aber vermitteln die Illustrationen eine Vielzahl von Einblicken in die Städte der Zeit, Einzelheiten aus Lebensgewohnheiten, Mode, Hausbau, Rechtsprechung usw. Berner Chronik des Diebold Schilling. Bern, Burgerbibliothek. Die Geschichte: Zwischen Erfolg und Misserfolg
Nach dem Tode Ruprechts, der im öffentlichen Bewusstsein ein ›Gegenkönig‹ geblieben war, hätte sich die Möglichkeit geboten, Wenzel von Böhmen, den der Pisaner Papst Alexander V. als König anerkannt und der selbst nie auf die Krone verzichtet hatte, in seine Rechte wiedereinzusetzen, damit wenigstens die Reichseinheit wiederhergestellt würde. Aber natürlich hätten die Kurfürsten bei einer solchen Entscheidung ihr Gesicht verloren. Die Auswahl neuer Kandidaten war gering und das Kurfürstenkollegium untereinander so zerstritten, dass man zu keiner Lösung fand. Vorübergehend zog man sogar eine Kandidatur des energischen englischen Königs Heinrich IV. in Erwägung, schließlich kam man aber trotz alter Vorbehalte am Haus Luxemburg nicht vorbei, dessen Vertreter aufgrund ihres umfangreichen Besitzstandes am ehesten regierungsfähig schienen. Da man sich weder auf Jobst von Mähren noch auf Kurfürst Sigismund von Brandenburg einigen konnte, kam es zu einer Doppelwahl, sodass nun zusammen mit Wenzel drei Luxemburger Anspruch auf die Krone erhoben und dem Abendland neben drei Päpsten als deren Schutzherren auch drei Könige beschert waren. Bald darauf starb jedoch Jobst – es hieß durch Gift. Wenzel verzichtete auf den deutschen Königstitel, nachdem ihm Sigismund zugesichert hatte, dass er ihm die Hälfte der Reichseinnahmen überlassen werde und dass er zu Lebzeiten des Bruders sich nicht um die Kaiserkrönung bemühen wolle. Daraufhin erhielt Sigismund (1410-1437, 1433 Kaiser) die Stimmen aller Kurfürsten. Auf den Spuren väterlicher Großmachtpläne: Polen und Ungarn
Sein Weg auf den deutschen Königsthron war, wie sein ganzes Leben, recht abenteuerlich. Kaiser Karl IV. hatte ursprünglich mit seinem zweiten Sohn andere Pläne verfolgt. So hatte er gehofft, mittels einer klug durchdachten Heiratspolitik die luxemburgische Hausmacht in Osteuropa ausbauen und am Ende Brandenburg, Polen und vielleicht auch Litauen zu einer Ostseemacht zusammenschließen zu können, in die sich auch der Ordensstaat integrieren ließe. Sigismunds Mutter, Elisabeth von Pommern, war die Enkelin des Polenkönigs Kasimirs des Großen, der seinen Neffen Ludwig den Großen auf dem ungarischen Thron aus dem Haus Anjou zum Erben einsetzte. Da dieser keine Söhne hatte, waren seine mit der Mitgift von Ungarn und Polen ausgestatteten Töchter an den europäischen Höfen sehr umworben. Kaiser Karl IV. hatte nicht lange gezögert und seinen vierjährigen Sohn Sigismund mit König Ludwigs zweiter Tochter Maria verlobt, während ihre ältere Schwester einem Sohn Karls V. von Frankreich zugesprochen wurde. Die künftigen Schwiegerväter verständigten sich sodann in der Weise, dass nach Ludwigs Tod der französische Prinz die Thronfolge in Ungarn antreten, Sigismund aber die Anwartschaft auf Polen erhalten solle. Deshalb löste der Kaiser auch die Mark Brandenburg, die er durch die Lausitz mit Böhmen verklammert hatte, aus diesem Verbund und teilte sie Sigismund als Erbteil zu, damit dieser sie mit Polen zu einem gewaltigen luxemburgischen Machtblock im Nordosten des Reiches zusammenschließe. Als Marias ältere Schwester unerwartet starb, war die Herrschaftsnachfolge in Ungarn wieder offen, und die Luxemburger machten sich jetzt Hoffnung, die Kronen von Polen und Ungarn zugleich zu erhalten. Wieder veränderte sich die Situation schlagartig, als nach dem Tod König Ludwigs 1382 dessen Witwe die Zügel in die Hand nahm; sie ließ Maria sofort zum »König« von Ungarn krönen und suchte ungeachtet der Verbindung mit dem luxemburgischen Haus eine Verlobung mit dem Prinzen von Orleans in die Wege zu leiten. Jetzt drohten also Sigismund beide Kronen zu entgehen. Hinzu kam, dass die Polen Maria als Königin ablehnten, weil sie nicht länger von Ungarn aus regiert werden wollten. Sie boten statt dessen ihrer jüngeren Schwester Hedwig (Jadwiga) den polnischen Thron an, wenn diese ihre Verlobung mit einem Habsburger löse und sich bereit erkläre, den litauischen Großfürsten Jagiello zu heiraten. Diesem wiederum wurde von den polnischen Ständen der Übertritt zum Christentum zur Auflage gemacht, wenn er König in Polen werden wolle. Die Heirat der beiden und die Christianisierung Litauens legten den Grundstein zu einem Großpolen, das von der Ostsee bis ans Schwarze Meer reichte und allmählich den Staat des Deutschen Ordens erdrückte. Der Traum Kaiser Karls IV. von einer luxemburgischen Hausmacht, die alle Völker von der Elbe bis zur Memel und darüber hinaus zu einer wirtschaftlichen und kulturellen Einheit verbinden sollte und möglicherweise manche Spannungen entschärft hätte, war ausgeträumt. Ungarn drohte den Luxemburgern um so eher verlorenzugehen, als auch die Anjous aus Neapel die Thronfolge beanspruchten und das Land bereits in schwere Kämpfe verwickelt worden war. Mit Hilfe König Wenzels und seiner mährischen Vettern setzte sich Sigismund schließlich durch und wurde 1387 zum König von Ungarn gekrönt. Er hatte sich so zwar sein Thronrecht gesichert, dem Land aber blieben weitere Wirren nicht erspart. Zankapfel Ungarn – Auswirkungen im Süden und Osten
Mit Ungarn brachte Sigismund auch dessen politische Probleme in die Reichspolitik ein. Die Abwehr der neapolitanischen Anjous, die ihren Kampf um den ungarischen Thron nicht aufgaben und – vom Papst in Rom ermuntert – Kroatien und Dalmatien, ungarisches Reichsland, besetzten, hatte vor allem langfristige Auswirkungen auf die deutsche Italienpolitik. König Ladislaus von Neapel, der auch die Apenninen-Halbinsel mit seinen Großmachtplänen beunruhigte, wurde im dalmatinischen Zara von einem päpstlichen Legaten schließlich sogar zum König von Ungarn gekrönt, was die Spannungen weiter verschärfte. Vor allem aber: Sigismund geriet nun auch mit Venedig, der alten Rivalin Ungarns an der Adria, in Streit, denn König Ladislaus verkaufte der Lagunenstadt die von ihr seit Langem begehrte Stadt Zara und überließ ihr außerdem die Ansprüche auf Dalmatien, was zu Auseinandersetzungen führte, die sich über die ganze Regierungszeit Sigismunds hinzogen. Auch die Beziehungen des Reichs zu Polen wurden durch die alten Gegensätze zwischen Ungarn und Polen zusätzlich verschärft. Kampf gegen die Expansion der Osmanen
Die Personalunion mit Ungarn war bald von großer Bedeutung für ganz Europa: Das Magyarenreich mit seinen vielen vorgelagerten, ihm nur lose verbundenen Außenprovinzen war gleichsam ein Vorposten gegen äußere Feinde im wenig beachteten Südosten; potentielle Angreifer wurden hier zunächst aufgehalten und ermöglichten so die Vorbereitung eines Abwehrkonzepts. Als Sigismund in Ungarn die Regierung antrat, hatten die türkischen Osmanen auf der Balkanhalbinsel Fuß gefasst und bedrohten die Südflanke seines Königreichs. Sie führten ihren Namen auf Sultan Osman I. zurück, der Anfang des 14. Jahrhunderts aus den Resten der früheren Seldschukenstaaten in Kleinasien ein wohlorganisiertes, vom Geist des Islam bestimmtes Reich gründete und unentwegt gegen den Brückenkopf der Byzantiner auf kleinasiatischem Boden anstürmte. Sein Sohn Urchan setzte nach Europa über und besiegte mit überlegenen Waffen und diplomatischen Künsten die miteinander im Streit liegenden christlichen Zwergstaaten im östlichen Balkan. Sultan Murad I. schlug 1389 die verbündeten Slawen bei Kosovo auf dem Amselfeld; Serbien wurde tributpflichtig und Bulgarien türkische Provinz. Angesichts der unmittelbaren Bedrohung rief der 23jährige Ungarnkönig zu einem abendländischen Kreuzzug auf, worauf sich ein stattliches Heer von 100 000 Mann versammelte, das deutsche, französische und burgundische Ritter vereinte. Die militärische Demonstration verband König Sigismund mit reger diplomatischer Tätigkeit an den europäischen Höfen, und er unterstrich sein erfolgreiches Bemühen durch ein Bündnis mit Konstantinopel, das von den Osmanen eingeschlossen war. Sultan Bajezid I. nahm die Herausforderung an, brach die Belagerung ab und warf sich dem Kreuzfahrerheer entgegen, dem er 1396 am bulgarischen Donauufer bei Nikopolis eine furchtbare Niederlage zufügte. Jetzt schien der Fall Konstantinopels gewiss, als ein Angriff auf sein Stammland in Kleinasien Bajezid I. zum Rückzug zwang. Dem neuen Gegner war er nicht gewachsen. Timur Lenk (= der Lahme), auch Tamerlan genannt, Begründer eines neuen mongolischen Riesenreichs, das sich von Mittelasien nach Indien, Persien und Russland ausdehnte, schlug 1402 bei Ankara die Osmanen so vernichtend, dass Sultan Bajezid I. seine Großmachtpläne begraben musste und Europa eine Atempause geschenkt wurde. König Sigismund hatte sich mithilfe treuer Freunde aus der Katastrophe von Nikopolis retten können und gelangte auf der Flucht über Konstantinopel und Rhodos nach Dalmatien, wo er sein Königreich in Aufruhr fand und selbst so gefährdet war, dass er über Jahre hin um seine persönliche und politische Existenz kämpfen musste. Doch er hat wohl als einziger europäischer Fürst inmitten der Wirren die Abwehr der von den Osmanen ausgehenden Gefahr als große gemeinsame Aufgabe klar gesehen. Deutlich erkannte er, dass die türkischen Angriffe gegen die Balkanvölker Teil einer großangelegten Strategie waren, die sich gegen das ganze Abendland richtete. Deshalb galten seine Überlegungen und Pläne der Vorbereitung einer großen Koalition der europäischen Mächte. Ihre Voraussetzung war seiner Meinung nach die Wiederherstellung der Einheit der abendländischen Kirche, darüber hinaus aber eine Union der gesamten christlichen Kirche, die auch den Osten einschloss. Diesem Grundgedanken ordnete er alle übrigen Ziele unter, als er die Regierung des Reichs übernahm. Damit identifizierte sich gegen Ende des Mittelalters noch einmal ein Herrscher mit den Aufgaben, die einem römischen Kaiser gestellt waren, nämlich als Schutzherr der geeinten Christenheit das Reich gegen seine Feinde zu verteidigen und durch Aufnahme der Kreuzzugsidee die europäischen Völker zur Eroberung des Heiligen Landes zu führen. Konsolidierung der Luxemburger-Macht im Südosten des Reichs
So verbanden sich Träumereien eines Fantasten und Tatendrang eines Pragmatikers in dieser wegen ihrer Sprunghaftigkeit nicht leicht zu durchschauenden Persönlichkeit. Mit allen Mitteln suchte er sein nächstes Ziel zu erreichen. Misserfolge wie die Niederlage von Nikopolis entmutigten ihn nicht. Obwohl man ihn nach seiner Rückkehr im eigenen Königreich gefangensetzte und nach anderen Regenten Ausschau hielt, behauptete er sich und festigte im Bund mit dem Adel seine Stellung. Um seine Macht endgültig abzusichern, suchte Sigismund die Vereinigung Ungarns mit Österreich und Böhmen einzuleiten, ein erstes Anzeichen, dass die luxemburgische Hausmacht ihr Schwergewicht nach Süden verschob. Zu diesem Zweck schloss er mit Herzog Albrecht IV., dem »Herrn von Österreich ob und unter der Enns«, 1402 mit Zustimmung der ungarischen Stände einen Vertrag, der den Habsburger zum gegenwärtigen Stellvertreter und künftigen Nachfolger des Luxemburgers in Ungarn machte. Übel spielte Sigismund seinem Bruder Wenzel mit. Obwohl ihn dieser schon zweimal zum Reichsverweser ernannt und ihm 1402 mit Zustimmung des böhmischen Landtags die Regentschaft in Böhmen übertragen hatte, nahm ihn Sigismund gefangen und lieferte ihn an die Habsburger nach Wien aus. Aber diese Intrige Sigismunds wandte sich schließlich doch wieder gegen ihn selbst: Wenzel gelang die Flucht nach Böhmen, wo er schon bald wieder fest im Sattel saß, Albrecht aber starb, wahrscheinlich durch Gift, als er mit Sigismund gegen Wenzel zu Felde zog. Sigismund gab deshalb nicht auf; wenn er wartete, war ihm die Nachfolge in Böhmen sicher; mit den habsburgischen Verwandten Albrechts standen ihm zwar langandauernde Auseinandersetzungen bevor, weil er nach des Vaters plötzlichem Tod dessen unmündigem Sohn Herzog Albrecht V. die ungarische Krone in Aussicht gestellt hatte, doch durfte er auf seine diplomatischen Künste vertrauen. Lohn für die Nürnberger Burggrafen: Die Hohenzollern in Brandenburg
Diplomatisch ging er auch vor, indem er als eine seiner ersten Amtshandlungen in seiner Eigenschaft als deutscher König 1411 die Einsetzung des Burggrafen Friedrich von Nürnberg aus dem Haus Hohenzollern zum Verweser der nach dem Tode Jobsts freigewordenen Mark Brandenburg vornahm, der 1415 die feierliche Belehnung und 1417 die Übertragung der Kurwürde folgte. Er wollte damit geleistete Dienste belohnen und erhoffte sich mit diesem Geschenk einen treuen Gefolgsmann; die Aufgabe des nördlichen Teils der luxemburgischen Hausmacht ließ sich ohnehin verschmerzen, da die Verbindung Brandenburgs mit Ungarn durch die Entfernung gefährdet war und Vetter Jobst allem Vernehmen nach das Land hatte verkommen lassen. Friedrich VI. von Zollern – Kurze Biografie
Nach dem Willen des Nürnberger Burggrafen Friedrich V. von Zollern sollten die fränkischen Besitzungen der Familie bei Erbauseinandersetzungen nie in mehr als zwei Teile geteilt werden. So erhielt sein 1371 geborener Sohn Friedrich VI., als der Vater 1397 abdankte, das sogenannte Unterland, d. h. das Land um Ansbach mit der Cadolzburg, während sein Bruder Johann III. das sogenannte Oberland um Kulmbach mit der Plassenburg empfing. Ein Jahr vor der Teilung hatten die beiden Brüder die katastrophale Niederlage eines christlichen Heeres gegen die Türken bei Nikopolis in Bulgarien mitgemacht und waren nur mühsam entronnen. In der folgenden Zeit stand Friedrich VI. im Dienst des luxemburgischen Königs Wenzel von Böhmen, trat aber dann auf die Seite Ruprechts von der Pfalz über und war an der Absetzung Wenzels (1400) maßgebend beteiligt. Mit König Ruprecht zog er 1401 nach Italien und teilte dessen Niederlage vor Brescia. Nach Ruprechts Tod setzte er sich entschieden für die Wahl Sigismunds zum deutschen König ein (1410) und erhielt zum Dank das Amt des Verwesers der Mark Brandenburg übertragen (1411). Die förmliche Belehnung erfolgte auf dem Konstanzer Konzil 1415; die Kurwürde wurde ihm 1417 verliehen. Damit begann die 500jährige Herrschaft der Zollern in Brandenburg. Burggraf Friedrich VI. war jetzt Markgraf Friedrich I. und Kurfürst von Brandenburg. Erfolgreich setzte er sich gegen die Opposition des Adels und gegen die benachbarten Pommern durch. Auch sind seine Verdienste um den Frieden mit den gemäßigten Hussiten (Prager Kompaktaten 1433/36) hervorzuheben. Im Jahre 1402 hatte Friedrich die Wittelsbacherin Schön Else geheiratet, eine nicht nur schöne, sondern auch sehr kluge Frau. Der Hausvertrag von 1437 teilte das Erbe zwischen den vier Söhnen, unter denen später Markgraf Albrecht Achilles von Brandenburg-Ansbach die bedeutendste Rolle spielen sollte. Stabilisierung in Italien
Seine ganze Aufmerksamkeit musste der neue König Italien zuwenden. Dort präsentierten sich die Stadtstaaten Venedig, Mailand, Florenz sowie Neapel und der Kirchenstaat als die führenden Kräfte. Sie gegeneinander auszuspielen, war die einzige Möglichkeit, den deutschen Einfluss zu wahren. Trotz der militärischen und finanziellen Überlegenheit seiner Gegner gelang es König Sigismund, anders als seinem Vorgänger, sich ihnen gegenüber zu behaupten. Mit Venedig erzielte er einen ›Modus Vivendi‹, eine Form erträglichen Zusammenlebens: Die Republik zog sich aus dem jüngst eroberten voralpenländischen Friaul zurück, gewährte deutschen Aufgeboten das Durchmarschrecht durch venezianisches Gebiet und stellte ihre Ansprüche auf Dalmatien zurück. Mailand blieb feind, da König Sigismund nicht gewillt war, die von seinem Bruder Wenzel den Viscontis zugesprochene Herzogswürde weiter anzuerkennen, zumal er sich bei seiner Wahl den Kurfürsten gegenüber in diesem Sinne festgelegt hatte. Seinen alten Gegner und ungarischen Nebenbuhler, König Ladislaus von Neapel, konnte er zwar nicht hindern, den Kirchenstaat zu annektieren und dem Papst nach der Einnahme Roms sogar bis Bologna nachzusetzen, doch bot diese Invasion unverhofft den Anlass, das drängendste Problem, die Beseitigung des Schismas, anzugehen. Papst Johannes XXIII., der Nachfolger Alexanders V., war keine geistliche Führernatur; seine Interessen beschränkten sich auf die Erhaltung seiner weltlichen Macht, wobei er in der Auswahl der Mittel nicht wählerisch gewesen sein soll. In dieser augenblicklichen Notlage war er ganz und gar auf die Hilfe des deutschen Königs angewiesen, der diese für ihn günstige Gelegenheit wahrnahm, ihm als Gegenleistung die Einberufung eines allgemeinen Konzils abzutrotzen. Listig setzte König Sigismund Konstanz als Versammlungsort durch; er rechnete sich aus, dass er größeren Einfluss auf den Ablauf nehmen könne, wenn das Konzil außerhalb Italiens stattfände, da dann die italienischen Teilnehmer nicht in der Mehrheit wären. Gemeinsam luden geistliche und weltliche Führung in getrennten Schreiben die Vertreter der Christenheit zum 1. November 1414 in die Bodenseestadt; König Sigismund richtete, seinem ursprünglichen Plan getreu, eine eigene Botschaft an den griechischen Kaiser. Von den beiden anderen Päpsten sagte Gregor XII. nach längerem Widerstand seine Teilnahme zu, dagegen blieb Benedikt XIII. unzugänglich. Immerhin hatte Sigismund in verhältnismäßig kurzer Zeit mehr erreicht als seine Vorgänger. Um sein ganzes königliches Ansehen in die Waagschale werfen zukönnen, ließ Sigismund sich im November 1414 in Aachen, in der Pfalzkapelle Karls des Großen, zum König krönen. In der Weihnachtsnacht setzte er von Überlingen nach Konstanz über; am Weihnachtsmorgen betrat er mit seinem Gefolge das Münster, wo das Konzil seit dem 1. November tagte. Das Konstanzer Konzil 1414
Dreieinhalb Jahre war Konstanz der Sitz der glanzvollsten Versammlung des Jahrhunderts; die reizende Stadt am See beherbergte in diesem Zeitraum die geistliche und weltliche Elite Europas und war erfüllt von buntem, farbenfrohem Leben. Zwar war vor dem Eintreffen Sigismunds der Besuch spärlich, doch hob die Anwesenheit des Königs offensichtlich das Ansehen der Versammlung, denn die Teilnehmerzahl wuchs zusehends. Papst Johannes XXIII. war, wenn auch ungern, persönlich erschienen; die beiden andern Päpste hatten Vertreter entsandt. Mit 29 Kardinälen, 300 Bischöfen und Prälaten und einigen Hundert Professoren und Doktoren von allen europäischen Universitäten zählte allein die Geistlichkeit 600 bis 700 Teilnehmer; ihnen standen etwa die gleiche Zahl weltlicher Vertreter gegenüber: Fürsten, Gesandte, Abgeordnete des Adels, der Ritter und Städte. Im Vergleich zu Pisa war diesmal die Autorität des Konzils durch diese ansehnliche Repräsentation der abendländischen Kirche unbestritten. Das alles durfte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Schwierigkeiten, die unübersehbaren Missstände in der Kirche zu beheben, fast unüberwindlich schienen. Schon allein, dass man in dieser Zusammensetzung zueinandergefunden hatte, war ein Erfolg. Nun aber ergab sich als erste Frage, welche Aufgaben das Generalkonzil zu erfüllen habe und in welcher Reihenfolge sie zu ordnen seien, ob man die Wiederherstellung der Einheit (= causa unionis) oder die Erhaltung des reinen Glaubens und zugleich Beseitigung der Ketzerei (= causa fidei) zuerst behandeln solle und ob die Erneuerung der Kirche (= causare-formationis) an Haupt und Gliedern dann nicht zu kurz käme. Welches Verfahren sollte man anwenden, um die ärgerliche Spaltung zu beseitigen? Sollte man Zwang ausüben oder die päpstlichen Rivalen zum freiwilligen Verzicht überreden, oder sollte ein Schiedsgericht als oberste Instanz des Konzils eine Lösung finden? In welchem Verhältnis sollte das Konzil zu dem neu zu wählenden Papst stehen? Auch wenn man seine Superiorität, seine Überordnung anerkannte und sich ihm unterordnete, würde er an Konzilsbeschlüssen gebunden sein oder dürfe er sie aufheben? Eine brennende Frage blieb auch, ob das Konzil nur in dieser augenblicklichen Notlage auf seine Rechtmäßigkeit pochen dürfte, oder ob es in regelmäßigen Abständen zusammentreten müsse, um Hand in Hand mit der Kirchenhierarchie die Lösung anfallender Fragen anzugehen. So drängend diese ganze kirchenrechtliche Problematik war, nicht weniger beunruhigte die Gemüter die scharfe Kritik an der materialistischen Einstellung der gesamten Geistlichkeit, die sich ganz und gar nicht mit der religiösen Not des Kirchenvolks, und da gerade der einfachen Menschen in ihrem Daseinskampf und mit ihrer Daseinsangst, vereinen ließ. Dabei scheute sich die Kirche nicht, für ihren aufgeblähten Behördenapparat entsprechende Steuern einzutreiben und für jede Stellenbesetzung und jede Ausstellung von Urkunden unangemessene Gebühren zu erheben. Sogar päpstliche Ablässe wurden mit dem Geldgeschäft verquickt. Schon Anfang des Jahrhunderts hatte der Heidelberger Professor Matthäus von Krakau in seiner Schrift »De squaloribus Romane curie« (»Über den Schmutz der römischen Kurie«) gegen diese Missstände gewettert. Dagegen versuchte nun Dietrich von Nieheim, ein päpstlicher Beamter, gleichsam in einem Programm für das Konzil gezielte Reformvorschläge zusammenzustellen. Methodisch zum Ziel – Konstanz auf dem Weg zum Kirchenfrieden
Im Januar 1415 ging das Konzil an die Arbeit. Die Teilnehmer gliederten sich wie an den Universitäten in »Nationen«: die italienische, englische, französische und deutsche, zu welch letzterer auch Schotten, Dänen, Skandinavier, Böhmen, Polen und Ungarn gehörten. Später, als König Sigismund auch Aragonien und Kastilien für die Konzilsteilnahme gewonnen hatte, trat noch die spanische »Nation« hinzu. Während man auf früheren Versammlungen nach Kopfzahl abgestimmt hatte, setzten sich die Deutschen und Engländer, später auch von den Franzosen unterstützt, mit ihrem Antrag durch, dass das Plenum seine Entscheidungen nach »Nationen« treffen möge; wenn diese in getrennten Versammlungen mit Stimmenmehrheit zu einem Beschluss gekommen seien, sollten sie ihn in der Endabstimmung mit je einer Stimme vertreten; eine fünfte Stimme erhielt das Kardinalskollegium, das damit gegenüber Pisa an Einfluss verloren hatte. Es zeigte sich bald, dass die Klärung der Verfahrensfragen für Verlauf und Erfolg des Konzils erhebliche Bedeutung bekamen, denn die von den Italienern gestützten kurialen Instanzen verloren ihr Übergewicht gegenüber den Landeskirchen und der weltlichen Macht. Förderlich war auch, dass sich König Sigismund nicht mit dem nominellen Konzilsvorsitz begnügte, sondern die Verhandlungen mit taktischem Geschick zu beeinflussen wusste. Er suchte z. B. von vornherein den freiwilligen Rücktritt aller drei Päpste zu erreichen. Auch wehrte er sich dagegen, die abwesenden Päpste als Schismatiker (= Spalter) und Häretiker (= Ketzer) zu verdammen, um nicht Papst Johannes XXIII., der das Konzil einberufen hatte, weiter aufzuwerten. Dieser drang auch sofort darauf, das Pisaner Konzil als rechtens anzuerkennen, in der Hoffnung, so zugleich seine eigene offizielle Bestätigung zu erlangen, doch die Versammlung wies ihn ab. Als gegen ihn wegen verbrecherischer und lasterhafter Lebensführung Anklage erhoben wurde, entzog er sich der Verantwortung durch Flucht, wobei ihm der mit König Sigismund verfeindete Herzog Friedrich IV. von Österreich-Tirol behilflich war. Der König griff daraufhin hart durch, verkündete gegen den Habsburger die Reichsacht und versprach dessen Besitz seinen Nachbarn. So blieb dem Herzog keine Wahl: Er unterwarf sich der königlichen Gnade und gab den Papst preis. Das Konzil aber stellte in einem besonderen Beschluss seine Hoheitsgewalt über den Papst fest, ließ ihn verhaften und setzte ihn ab. Jetzt trat auch Papst Gregor XII. zurück, und König Sigismund entmachtete mit einem diplomatischen Schachzug auch den letzten der drei: Er reiste eigens nach Narbonne zu Verhandlungen mit den spanischen Königreichen Aragon, Kastilien und Navarra, gewann diese für seine Reformpläne und machte so dem grollenden letzten französischen Gegenpapst Benedikt XIII. den Rest seiner Gefolgschaft abspenstig. 1417 setzte ihn das Konzil offiziell ab. Indem König Sigismund mit Energie und Geschick dieses eine Hauptziel des Konzils erreichte und die Weichen für die Neuwahl eines allgemein anerkannten Oberhaupts der abendländischen Christenheit stellte, demonstrierte er eindrucksvoll das wiedergewonnene Ansehen der weltlichen Macht gegenüber der geistlichen Gewalt. Bei dem Versuch, auch die anderen Probleme der Tagesordnung – Vorgehen gegen Ketzerei und Beseitigung der Missstände innerhalb der Kirche – zu lösen, konnte sich der König allerdings nicht so erfolgreich durchsetzen, ja, der Fall des Prager Professors Johann Hus brachte ihn persönlich in eine schwierige Lage und sollte für das Reich verheerende Folgen haben. Die Bewegung der Reformprediger in England und in Böhmen
Wie überall in Europa war auch in Böhmen seit dem 14. Jahrhundert eine wachsende Erregung innerhalb der Kirche zu verspüren. Gegen Gruppen religiöser Schwärmer griff schon der fromme Kaiser Karl IV. mithilfe der Inquisition hart durch und hinderte ihre Ausbreitung durch strenge Zensur von Schriften, die ihr Gedankengut in der Volkssprache festhielten. Dagegen wurden Proteste, die sich nicht gegen Inhalte des Glaubens, sondern gegen Missstände in der Kirche richteten, von der weltlichen Macht sogar gefördert. Unter großem Zulauf der Massen konnten so die Reformprediger Konrad von Waldhausen in deutscher, Milic von Kremsier in tschechischer Sprache ungehindert, ja selbst gegen den Einspruch der Kurie, auf den Märkten ihre Anklagen erheben. Allerdings bürgte der Kaiser mit seiner allseits anerkannten Autorität dafür, dass es zu keiner organisierten Protestbewegung kam. John Wyclif und Johann Hus
Neuer Zündstoff sammelte sich, als die Lehren des englischen Naturwissenschaftlers, Juristen und Theologen John Wyclif (1330-1384) bekannt wurden. Der ohnehin rege Gedankenaustausch zwischen den Universitäten Oxford und Prag wurde gefördert durch die enge dynastische Verbindung: König Wenzels Schwester Anna war die Gemahlin des englischen Königs Richard II. Wyclifs Angriffe richteten sich zunächst gegen die überhandnehmende Verweltlichung der Kirche, gegen ihre Herrschaft und gegen ihren Besitz. Befand er sich damit in Übereinstimmung mit der öffentlichen Meinung, so spaltete er sie mit einem Schlag, als er lehrte, dass die hierarchische Kirchenorganisation nicht die Kirche im Sinne Jesu Christi sei und folglich der Papst nicht beanspruchen könne, Haupt dieser eigentlichen Kirche zu sein, die im Sinne der Urkirche aus dem Geist der Heiligen Schrift in Brüderlichkeit und Armut leben sollte. In einem weiteren Schritt wandte er sich gegen die dogmatisch verankerte Abendmahlslehre und bestritt, dass erst kraft priesterlicher Gewalt Brot und Wein in Fleisch und Blut Christi verwandelt würden. Wyclif revolutionierte die Massen in England; zwar verurteilte eine Synode in London 1381 seine Lehrsätze, doch blieb er persönlich unbehelligt. Auf der Prager Universität wurden Wyclifs Schriften begeistert gelesen, auch Johann Hus war von ihnen gefesselt. Um 1370 geboren, wuchs er in einfachen Verhältnissen bei Prachatitz in Südböhmen auf, studierte in Prag, wurde mit 26 Jahren Magister (= Universitätslehrer), erhielt bald darauf die Priesterweihe, avancierte zum Dekan und Rektor der Universität. Als Verehrer Wyclifs übernahm er dessen Gedankengut, doch nur insoweit es sich mit Reformvorschlägen begnügte und nicht den Raum der kirchlichen Lehre verließ. Hus entwickelte weder ein neues Programm, noch stimmte er Wyclifs Ablehnung der päpstlichen Gewalt und der Verwerfung der bisherigen Abendmahlslehre zu. Er wollte helfen, Mängel zu beheben, vor allem die Moral der Priester und Gläubigen zu verbessern. Er vertrat auch keine Sozialrevolutionären Ideen, sondern versuchte seiner Hörerschaft klarzumachen, dass eine Veränderung der bestehenden Verhältnisse nur aus dem Geist christlicher Nächstenliebe erfolgen könne. Die nationale Anhängerschaft des Hus
Hus’ Einfluss reichte über den Hörsaal hinaus; bekannt wurde er vor allem durch seine Predigten in der Prager Bethlehemskirche, die er in tschechischer Sprache hielt; so erreichte er gerade die weniger gebildeten, einfachen, armen Leute, stärkte aber gleichzeitig auch das damals erwachende nationale Selbstbewusstsein der Tschechen. Diese Überschneidung von religiöser, sozialer und politischer Problematik konnte, ja musste gefährlich werden, denn die Gegensätze zwischen reich und arm, hoch und niedrig säten Hass zwischen Klerus und Volk, Adel und einfache Schichten, Herrschende und Beherrschte. Hus selbst beabsichtigte keineswegs, die Stimmung aufzuheizen. Er erhoffte vielmehr eine Besserung der Verhältnisse durch das Zusammenwirken aller Verantwortlichen in einem Konzil und begrüßte König Wenzels Eintreten für den Pisaner Papst, der nach Meinung seiner Anhänger endlich die Voraussetzungen für eine grundlegende Kirchenreform schaffen würde. Als aber Papst Alexander V. 1409 an den Erzbischof von Prag ein Schreiben richtete, in dem die Verbrennung aller Schriften Wyclifs gefordert wurde, kam es zum Konflikt: Hus wurde mit dem kirchlichen Bann belegt, weil er seine Manuskripte nicht auslieferte. Er predigte trotzdem weiter, und die Unruhe im Volk wuchs. Einer Vorladung nach Rom leistete er nicht Folge, einen neuerlichen Bannspruch beachtete er nicht, Volk, Adel, Studenten und der königliche Hof standen auf seiner Seite. Das änderte sich, als Hus im Sinne von Wyclif das Recht des Papstes, Sünden zu vergeben und Ablässe zu verleihen, in Abrede stellte; vielen seiner Anhänger war diese Einstellung zu radikal. Konflikt – Kirchenbann – Verurteilung: Der Tod Johann Hus’
Als die Inquisition grausam gegen Ablassgegner vorzugehen begann, wirkte der große Kirchenbann, der im Juli 1412 in allen Kirchen über Hus verhängt wurde, erschreckend auf den größten Teil der Bevölkerung; denn solange sich der Gebannte in Prag aufhielt, durften in der Stadt keine Gottesdienste, Taufen, Hochzeiten oder Begräbnisse stattfinden. Hus verließ enttäuscht den Ort, wo man ihn begeistert gefeiert hatte; niemand hielt ihn jetzt zurück. Doch er gab nicht auf, zog durch Böhmen, predigte »in Flecken und Burgen, auf den Gassen der Städtlein und Dörfer, in Feld und Wald, zwischen Hecken und unter Linden« -nach seinen eigenen Worten – und scharte eine fanatische Anhängerschaft um sich. König Wenzel ließ ihn gewähren oder war zu schwach einzugreifen. Da Hus aber in seiner 1413 veröffentlichten Schrift »Die Kirche« die Autorität der augenblicklichen Kirchenordnung, die Hierarchie, nur dann respektieren wollte, wenn Papst, Kardinäle und Priester sich im Sinne der Heiligen Schrift als »wahrhaft Fromme und Erwählte« bewährten, war das Konzil in Konstanz zu einer Entscheidung gefordert. König Wenzel erklärte sich damit einverstanden, dass sich sein Landeskind vor einem auswärtigen geistlichen Gericht verantworten solle, zumal sein Bruder Sigismund sein königliches Wort gab und Hus freies Geleit versprach, sicherlich in der Hoffnung, dass sich die Sache in Güte regeln lasse und er sein künftiges Erbe Böhmen in Ruhe und Frieden übernehmen könne. Der Fall Hus verlief aber anders: Anfang Oktober trat Hus die Reise an, um pünktlich zur Eröffnung des Konzils zur Stelle zu sein. Nach eigenem Bericht wurde er überall, in Böhmen, Baiern, Schwaben, freundlich aufgenommen: »Ich gestehe, dass nirgend die Feindschaft gegen mich größer ist als bei meinen böhmischen Landsleuten.« Er hatte recht. Sofort nach seinem Eintreffen in Konstanz wurde er unter Missachtung des königlichen Geleitversprechens verhaftet und eingekerkert. Seine Hauptankläger waren seine Landsleute Pfarrer Michael de Causis und Stephan Paletsch. Erst nach über einem halben Jahr führte man ihn den Konzilsvätern in Anwesenheit des Königs vor. Hus verteidigte seinen Standpunkt und betonte, dass er mit seinen Aussagen den Boden der Rechtgläubigkeit nie verlassen habe und nur widerrufen könne, wenn seine beanstandeten Lehrsätze aus der Bibel widerlegt würden. Indem er so die Heilige Schrift als oberste Autorität über das Konzil stellte, sprach er sich selbst das Urteil. Am 6. Juli 1415 wurde er als Ketzer verurteilt und am selben Tag vor den Toren der Stadt verbrannt. Johann HusFolgenreicher Wortbruch. Gegen das Wort des Kaisers wird Johann Hus 1415 in Konstanz als Ketzer verbrannt. Hinrichtung und Bestattung in der Chronik des Ulrich von Richental. Konstanz, Rosgarten-Museum. Der weitere Verlauf des Konstanzer Konzils
Nach ›Erledigung‹ der beiden ersten Programmpunkte wandte sich das Konzil als oberste Kircheninstanz dem letzten, der Kirchenreform, einer »Erneuerung an Haupt und Gliedern« zu, womit die Wahl eines neuen, allseitig anerkannten Papstes eingeschlossen war. Hier gab es aber innerhalb der Versammlung die ersten größeren Differenzen. Womit sollte man beginnen? Wer sollte wählen? Das Kardinalskollegium fürchtete nicht zu Unrecht, seine elitäre Stellung einzubüßen, wenn das Konzil bei längerer Dauer immer mehr an Einfluss gewänne. Eine Schwächung der päpstlichen Vormachtstellung zugunsten eines demokratisch aufgefächerten Kirchenparlaments musste unweigerlich auch die gesamte Führungsspitze treffen. Hinzu kam, dass König Sigismund im Konzil an Autorität verlor, als er sich vom Konzil entfernte, um vergeblich im Krieg zwischen Frankreich und England, der während des Konzils wieder ausgebrochen war, zu vermitteln suchte. Nach anderthalb Jahren Abwesenheit fand Sigismund das Konzil neu gruppiert vor. Frankreich hatte sich inzwischen aus Verärgerung über des Königs als feindselig empfundene Haltung, die in einem Bündnis mit England zum Ausdruck kam, den Forderungen der Kardinäle und romanischen Völker angeschlossen, die Papstwahl der Reformarbeit vorzuziehen. König Sigismund, der Vorsitzende der Kirchenversammlung, äußerte große Bedenken, ob nach einer Konsolidierung der päpstlichen Gewalt überhaupt noch ernstlich an Reformen gedacht würde. Und eine erneuerte Kirche war die Voraussetzung für seinen großen Plan, die Christenheit zu einem neuen Kreuzzug aufrufen zu können! Woher sollte sonst die Begeisterung für eine Sache kommen, von der man ja schließlich aus innerstem Herzen heraus überzeugt sein musste, wenn man für sie sein Leben einsetzte? Die Konzilsväter einigten sich nach langem Hin und Her auf einen Kompromiss: Wenn der neue Papst sich zu Reformen verpflichtete, solle die Wahl sofort vorgenommen werden. Am 11. November 1417 wählte ein Kollegium, das sich aus den Kardinälen und je sechs Vertretern der fünf Nationen zusammensetzte, den Kardinal Colonna zum Papst, der sich den Namen Martin V. gab. König Sigismunds Befürchtungen wurden durch den weiteren Verlauf des Konzils bestätigt. Wohl wurde der gröbste Wildwuchs beschnitten, als Papst Martin V. (1417-1431) in den Fragen der Stellenbesetzung und Besteuerung, worin die Kurie bisher anmaßend und willkürlich verfahren war, nachgab und mit den einzelnen Ländern Konkordate abschloss, was besonders in Deutschland, das besonders kräftig zur Kasse gebeten worden war, mit Erleichterung aufgenommen wurde; aber alle anderen, d. h. die eigentlichen kirchlichen Probleme blieben ungelöst oder wurden gar nicht erst angegangen, wie z. B. die verwilderte Moral einer Priesterschaft, die zu einem neuen Selbstverständnis finden musste, wenn die Kluft zu den Gläubigen nicht noch größer werden sollte. Gut, dass die Kirchenversammlung schon vor der Wahl einen Beschluss über eine regelmäßige künftige Einberufung – ihre Periodizität – gefasst hatte, denn mit dem Regierungsantritt Martins V. begann die Entmachtung der päpstlicherseits unerwünschten Institution. Alle neuen Vereinbarungen wurden als päpstliche Verordnungen veröffentlicht; seine Vorrangstellung betonte der Papst mit dem Verbot, in irgendeiner Sache bei einem künftigen Konzil offizielle Berufung einzulegen. So war die Einheit der Kirche äußerlich wiederhergestellt, doch im Innern der kirchlichen Gemeinschaft gärte es weiter. Auf dem Weg in die Hussitenkriege
Die Verurteilung und Hinrichtung des »Ketzers« Hus entfesselten in Böhmen einen Sturm der Entrüstung. Unruhe war schon aufgekommen, als die Tschechen von der Gefangennahme und harten Behandlung ihres Landsmannes nach seiner Ankunft in Konstanz erfuhren, was sie als eklatanten Bruch des königlichen Wortes werteten. Ein von 250 Mitgliedern des tschechischen Adels unterzeichneter Protest ließ das Konzil unbeeindruckt. Auch die nach der Verbrennung von Hus dem Konzil übersandte, mit 452 Siegeln versehene Urkunde der tschechischen Großen, die drohend erklärten, dass das Vorgehen gegen Hus »zur dauernden Schmach und zum Brandmal für Böhmen und Mähren« geschehen sei, wurde nicht in ihrer ganzen Bedeutung für den weiteren Verlauf der Dinge erkannt. Ihre Spitze richtete sich gegen König Sigismund, den Erben und nun Erbfeind des Landes, dem die volle Verantwortung für den tragischen Ausgang des Falles Hus zugeschrieben wurde. Hussiten, Utraquisten, Kalixtiner
Während das Konzil weiter tagte, sammelten sich in Böhmen und Mähren die Anhänger des abgeurteilten Ketzers. Sie nannten sich provozierend Hussiten, Utraquisten oder Kalixtiner. Die beiden letzten Bezeichnungen leiteten sie ab aus dem neuverstandenen Ritual des Abendmahls, das sie – nicht nach der Forderung von Hus, sondern eines seiner Schüler, Jakob von Mies – unter beiden Gestalten von Brot und Wein (= sub utraque specie) einnahmen, wobei nun auch die Laien aus dem Kelch (= calix) tranken. Bald kam es zu Zusammenstößen mit den Kirchentreuen im Lande. Die Amtskirche ging inquisitorisch gegen alle Abtrünnigen vor; als Hussiten im deutschen Olmütz für die neue Bewegung missionierten, wurden sie zum Scheiterhaufen verurteilt, und Johann von Leito-mischl, ein Vorkämpfer der ›Rechtgläubigkeit‹, erhielt das Bischofsamt dieser Stadt. König Wenzel wurde von den beiden führenden Persönlichkeiten der Christenheit, dem Papst und seinem Bruder, König Sigismund, ernstlich gemahnt, gegen die Ketzerei vorzugehen. Wenzel suchte der Sache Herr zu werden, indem er die Verwaltung von verdächtigen Elementen säuberte und die Stellen mit kirchentreuen Katholiken besetzte. Text der Zeit: Die Hussiten in Schlesien 1425
Als man schrieb nach Christi Geburt 1425, da kamen die Hussen vor die Stadt Wünschelburg [in Niederschlesien] und gewannen den Zugang am Sonntag nach der Vesperzeit mit Übermacht und brachen durch die Mauern. Da floh das Volk auf des Vogtes Haus, das war ein hohes Steinhaus, [... dann] zündeten sie selbst die Stadt an und meinten sie damit zu retten. Die Böhmen aber warteten, bis sich das Feuer gesetzt und gelegt hatte, dann drangen sie mit Macht an das Steinhaus und wollten zu ihnen stürmen und das Haus untergraben. Und es kam dazu, dass man miteinander verhandelte, und der Vogt ließ sich zu den Hussen hinab mit ihrem Willen, er sollte mit ihnen verhandeln, ob die Bürger los und frei von ihnen werden und herabkommen könnten. Er war überlange da unten in der Stadt, sodass es den Leuten bange ward, besonders dem Pfarrer – es war des Vogts Gevatter – der ließ hinabschreien, wenn der Vogt noch da unten wäre, sollte er sich melden und wieder zu ihnen heraufkommen. Nach einer Weile kam der Vogt wieder an das Steinhaus und ließ sich hinaufziehen. Als er heraufkam, da fragte ihn der Pfarrer, wie es ihm gegangen wäre, ob er auch ihn und seinen Kaplan los und frei gehandelt hätte. Da sprach der Vogt: »Nein, Gevatter, sie wollen keinen Pfaffen zu Gnaden annehmen!« [Ein paar Frauen schlagen nun vor, dass der Pfarrer und sein Kaplan sich als Weiber verkleiden und fliehen sollen, doch dieser lehnt ab.] Inzwischen einigte sich der Vogt mit den Bürgern, wie sie sich ergeben wollten, und sie ergaben sich. Sie gingen hinab, einer nach dem andern. Da standen die Böhmen und Hussen gar stark unten vor dem Steinhaus und nahmen sie alle gefangen. Nur die Frauen und Kinder ließen sie los und frei hinweggehen. Aber ein großer Teil der Frauen, Jungfrauen und Kinder war aus Furcht in die Keller geflüchtet. Als nun das Feuer über sie kam, da erstickten sie und vergingen alle. Als sich nun alle von dem Steinhaus ergeben hatten, da blieb zuletzt der Pfarrer darauf und sonst noch ledige Gesellschaft als Knappen und andere Handwerksgesellen, die nichts hatten, sich loszukaufen und die besorgten, gefangen zu werden und zu verderben; die vermahnte der Pfarrer und sprach: »Wehret euch heute eurer Hälse und steht fest; denn werdet ihr euch gefangengeben, so werden sie euch quälen, martern und peinigen.« Da sprachen sie wieder, sie wollten es tun. Aber als sie sahen, dass sich die Bürger alle ergeben hatten, da begann ihnen zu graulen und sie ergaben sich auch. Zuletzt blieb der Pfarrer da oben mit einem alten Dorfpfarrer. Da führten die Hussen sie in das Heer und in den Pöbel. Da war zur Hand gegenwärtig Meister Ambrosius, ein Ketzer aus Königgrätz, der sprach zu dem Herrn lateinisch: »Pfarrer, willst du widerrufen und Widerreden, was du gepredigt hast, so magst du das Leben behalten, wirst du das aber nicht tun, so musst du in das Feuer gehen.« Da antwortete ihm Herr Megerlein, der Pfarrer, und sprach: »Das wolle Gott nicht, dass ich die Wahrheit unseres heiligen Christenglaubens widerrufen sollte um dieser kurzen Pein willen. Ich habe gelehrt und die Wahrheit gepredigt zu Prag, zu Görlitz, zu Königgrätz, um derselben Wahrheit willen will ich lieber sterben.« Da lief einer und brachte eine Schütte Stroh, die banden sie ihm ringum um den Leib und gürteten ihm die alle um den Leib, dass man ihn nicht sehen konnte. Dann zündeten sie das Stroh an und ließen ihn so laufen und tanzten in dem Heer mit dem Feuer so lange, bis er erstickte. Dann nahmen sie ihn also tot und warfen ihn in eine Braupfanne voll siedendem Wasser, und warfen auch den alten Dorfpfarrer hinein und ließen sie darin sieden. Die andern zwei Kapläne kamen mit den Frauen heraus, verschleiert in Weibskleidern. Das Kind, das der eine Priester auf dem Arm trug, begann nach seiner Mutter zu schreien, und der Priester wollte dem Kinde zusprechen, es zu beruhigen. So erkannten die Hussen an der Stimme, dass es ein Mannsbild war, und einer zog ihm den Schleier ab. Da ließ er das Kind fallen und gab die Flucht und lief mit Macht; sie folgten ihm nach und schlugen ihn zu Tode. Der andere kam mit den Frauen und dem Kind davon.
Aus dem Bericht eines unbekannten Kaufmanns namens Martin von Bolkenhain. In: Scriptores rerum Lusaticarum I. 1839. Der erste »Prager Fenstersturz« – Krieg von 1419-1436
Als der katholische Rat der Prager Neustadt am 30. Juli 1419 gegen eine hussitische Prozession vorging, stürmten die Angegriffenen das Rathaus und warfen sieben Stadträte aus den Fenstern in die unten wartende Menge, die sie mit ihren Lanzen aufspießte. Dieser erste »Prager Fenstersturz« war das Zeichen zum allgemeinen Aufruhr. König Wenzel traf vor Aufregung der Schlag, das Land war ohne Regierung. König Sigismund hätte auf die Kaiserkrone verzichten müssen, wenn er mit den Ketzern verhandelt hätte; es stand ihm aber auch nicht der Sinn nach Verhandlungen, denn man berichtet, er habe nichts sehnlicher gewünscht, als die Wiklifiten und Hussiten »ersäufen« zu können. Papst Martin V. rief zum Kreuzzug gegen die Hussiten auf, doch der Erfolg war kläglich. Zwar wurde Sigismund am 28. Juli 1420 im Veitsdom auf dem Prager Hradschin (= Burg) zum König von Böhmen gekrönt, doch die Stadt selbst blieb in Feindeshand. Das sich zerstreuende königliche Aufgebot erlitt Niederlage auf Niederlage – am Prager Wyschehrad, bei Kuttenberg und Deutschbrod -, ganz Böhmen ging dem Kaiser verloren, und ein Landtag in Tschaslau setzte Sigismund als König ab. Doch dieser gab nicht auf; geschickt wusste er Polen und Litauen, die Angebote aus dem böhmischen Adel erhalten hatten, vom böhmischen Thron fernzuhalten und behauptete die Außenbastion Böhmens: Schlesien und die Lausitz. Sigismund erkannte auch, dass eine Neuorganisation der »Wehrpflicht« nötig sei, um den Reichsfrieden zu sichern; er wollte es nicht mehr dem Ermessen der Stände überlassen, die Stärke der jeweiligen Aufgebote zu bestimmen, sondern legte selbst das Kontingent fest. Als er sich bereit erklärte, ersatzweise auch finanzielle Leistungen für die Erstellung von Truppen anzunehmen, sah er sich nur zu bald wieder ohne ausreichende Unterstützung; doch er wusste einen Weg auch aus dieser Lage: 1427 erließ er ein »Reichskriegssteuergesetz«. Mit dem darin verordneten »gemeinen Pfennig« wurde ein Söldnerheer aufgebaut, das ihn militärisch unabhängiger machen sollte. Aber wegen der Zahlungsunwilligkeit weiter Kreise erwies sich die Schlagkraft auch dieses Heeres als zu gering, um der Hussiten Herr zu werden. Die Taboriten – Die Kämpfe werden härter
Die Hussiten hatten sich inzwischen in zwei Parteien gespalten: Von den mehr aus Adel und Bürgertum zusammengesetzten »Utraquisten«, denen es zunächst um die Herrschaft und erst dann um Glaubenssätze ging, spaltete sich ein radikaler Flügel ab, der sich aus den einfachen Volksschichten rekrutierte. Der schwärmerisch-mystische Zug dieser neuen Richtung war schon in der Namengebung erkennbar: Sie nannten sich »Taboriten« nach ihrer gemeinsamen Kultstätte und späteren Festung auf einem Hügel in Südböhmen, dem sie nach der Bibel den Namen Tabor gegeben hatten. Erbittert kämpften sie um die Durchsetzung der reinen christlichen Lehre, die im Sinne ihres Meisters Hus allein in der Bibel begründet sei. Kirchliche Hierarchie, Mönchswesen, Heiligenverehrung und Handhabung des Ablasses wurden als Entartung des ursprünglichen Glaubensgutes verworfen. Am schärfsten prangerten sie den Reichtum der Kirche an. In Erwartung der unmittelbar bevorstehenden Wiederkunft Christi wollten sie mithelfen, ein neues tausendjähriges Reich zu gründen. Ihr General war der 1370 geborene Jan Zizka (Ziska) von Trocnow (= Tratzenau), der früher am Hofe gedient und in den Kämpfen für seinen König ein Auge verloren hatte und nun als der »Einäugige« gleichsam zu einer Symbolfigur für den Einsatz bis zum letzten wurde. Gegen die entsandten Reichsheere – eines lief schon vor Beginn der Schlacht davon – führte er seine disziplinierten Truppen von Sieg zu Sieg. Dabei nutzte er neue taktische und waffentechnische Erkenntnisse: Die Taboriten verschanzten sich hinter Wagenburgen, gruben sich in Feldbefestigungen ein und lernten die modernen Feuerwaffen zweckmäßig einzusetzen. Als Zizka 1424 an der Pest starb, kam es nun auch unter den Taboriten zu einer Spaltung. Die Führung der zahlenmäßig stärkeren Gruppe übernahm Prokop der Große oder Kahle, der aus einer nach Böhmen eingewanderten Aachener Familie stammte. Ihn, der ursprünglich ein weitgereister und weltgewandter Kaufmann gewesen war, begeisterte die hussitische Bewegung so, dass er Theologie studierte und Priester wurde; in den Feldzügen zeigte er ein so auffallendes militärisches Führungstalent, dass man ihm das Erbe Zizkas übertrug. Ein Jahrzehnt erbarmungslosen Kampfes machte Böhmen zu einer Wüste. Auch die Hussiten bekamen die Folgen zu spüren, denn die in ihren Reihen kämpfenden Bauern fanden keine Zeit, den Boden neu zu bestellen, und von außen kamen keine Lebensmittel heran. Ihre Heere überschwemmten nun die angrenzenden Reichsgebiete und erhielten Zulauf von allerlei Gesindel, das sich nach Herzenslust an der allgemeinen Plünderung beteiligte. Prokop war unfähig, die zügellosen Haufen zu ordnen, die ungehemmt Schrecken und Entsetzen im benachbarten Österreich, Ungarn, Baiern, Franken, Sachsen und Schlesien verbreiteten, Brandenburg heimsuchten und sogar bis an die Ostsee ins pommersche Gebiet vorstießen. Erfolgloses Reich – Frieden mit den Hussiten
König Sigismund sah ein, dass der Gegner nicht mit Waffengewalt zu unterwerfen war. Schon 1429 hatte er in Preßburg Verbindung mit Prokop aufgenommen. Nun aber waren ernsthafte Verhandlungen unvermeidlich, wollte man nicht riskieren, dass die Ordnung im Reich zerbrach. Der geeignete Verhandlungspartner schien das 1431 nach Basel einberufene Generalkonzil, das sich vor allem der Kirchenreform widmen sollte (Andauer bis 1449). Doch Papst Martin V. war zunächst nicht zum Einlenken zu bewegen; er wollte die Ketzerei mit Stumpf und Stiel ausrotten und rief im selben Jahr noch einmal zu einem großen Kreuzzug auf, den sein persönlicher Abgesandter, Kardinal Cesarini – den er auch zum Präsidenten des Konzils ausersehen hatte – anführen sollte; doch das bunt zusammengewürfelte Reichsheer lief wieder einmal vor den Hussiten davon. Seit 1432 bahnten sich Verhandlungen an, im Januar 1433 erschien in Basel eine Gesandtschaft der Hussiten unter Führung Prokops, die auf bindende Zusagen hinsichtlich ihrer persönlichen Sicherheit und auf Zugeständnisse in den Fragen der Glaubensfreiheit der gesamten Bewegung drang. König Sigismund war inzwischen nach Italien aufgebrochen, um durch den Erwerb der Kaiserkrone mit höchster Autorität vor dem Konzil auftreten und die Verhandlungen mit den Hussiten zu einem guten Ende führen zu können. Nachdem er schon aus der Ferne diplomatisch seinen Einfluss geltend machen konnte, trug er nach seiner Rückkehr, seine neue kaiserliche Würde voll einsetzend, wesentlich dazu bei, dass es zu einer Verständigung kam. Am 30. November 1433 wurden auf einem böhmisch-mährischen Landtag die »Prager Kompaktaten« (Verträge) vereinbart. Von den vier »Prager Artikeln«, die 1420 von den Utraquisten als hussitisches Programm veröffentlicht worden waren – Gottes Wort soll in Böhmen frei und ungehindert gepredigt werden, das heilige Abendmahl soll allen Christen unter beiderlei Gestalt gereicht werden, der Klerus soll auf weltliche Herrschaft und irdischen Besitz verzichten, Sünden sollen von zuständigen Obrigkeiten bestraft werden -, wurde eine Forderung voll und ganz zugestanden, nämlich die des Abendmahls, an allen andern wurden Abstriche gemacht. Als die Taboriten sich dem Abkommen widersetzten, wurden sie von den vereinigten Utraquisten und Katholiken 1434 bei Lipan, östlich von Prag, vernichtend geschlagen. Endgültig war erst Friede, als in Anwesenheit des Kaisers und Königs sowie einer Konzilsgesandtschaft die Kompaktaten auf dem Landtag in Iglau von beiden Seiten bestätigt wurden. Gleichzeitig wurde Sigismund von den böhmischen Ständen als ihr König anerkannt: 1436, ein Jahr vor seinem Tode. Ein Sieg der tschechischen Nation
Zum erstenmal war die mittelalterliche Kirche einer oppositionellen Bewegung nicht mit Verbot und Gewalt Herr geworden. Das Königtum in Böhmen war trotz des persönlichen Erfolgs Sigismunds geschwächt, gewonnen hatte der böhmische Adel. Die Deutschen, bisher führende Schicht in den Städten im Inneren des Landes, hatte man vertrieben, die Tschechen waren sich ihres nationalen Eigenwerts mehr als zuvor bewusst, ihr Selbstbewusstsein war durch ihre militärischen Erfolge gestiegen, die Bindung an das Reich war problematisch geworden. Tschechisch wurde jetzt Amtssprache, und gleich Luther im deutschen Raum belebte Hus mit seinen der Volkssprache angenäherten Schriften in der neuen, vereinfachten Orthografie die tschechische Literatur. Sigismunds Innenpolitik – Städte, Adel, Kurfürsten
Wie sehr sich König Sigismund dem mittelalterlichen Reichsgedanken verpflichtet fühlte, geht aus seinen Bemühungen hervor, die einzelnen Stände an ihre Aufgaben als reichstragende Kräfte zu erinnern, sie miteinander zu versöhnen und wieder an die Krone zu binden. Er bewies dabei die gleiche Wendigkeit und Zähigkeit wie bei der Lösung kir-chen- und außenpolitischer Fragen und ließ sich nicht durch die passive oder oppositionelle Haltung seiner Gesprächspartner entmutigen. Sein großes Ziel, das innere Gefüge des Reichs dadurch zu festigen, dass er die Städte als Stützen der königlichen Macht zu größerer politischer Aktivität ermunterte und in die Reichspolitik zu integrieren suchte, musste er verfehlen. Sie waren unfähig, aufgrund ihrer sozialen Struktur und der sich daraus ergebenden partikularen, eigenen Zielen folgenden Interessen, aber auch wegen ihres grundsätzlich antifeudalen Charakters einen Zugang zu den politischen Vorstellungen des Königs zu finden. Dem Entwurf Sigismunds, einen Städtebund unter Führung des Königs zu gründen, standen sie fremd gegenüber, einem Bündnis mit den Rittern als Gegengewicht gegen die Landesherren misstrauten sie. Dagegen zeigte sich der Adel bereitwilliger, dem König bei der Sicherung einer umfassenden Friedensordnung zu helfen. Sigismund wusste dieses Entgegenkommen zu schätzen, indem er auf dem Reichstag zu Nürnberg 1431 ein Gesetz zum Schutze des Reichsadels erließ, das dessen Besitz und Einfluss vor weiteren Einbußen schützen sollte. Unbeirrt ließen den König die Intrigen der Kurfürsten, die sich in den ersten Regierungsjahren zurückgehalten hatten. Zu Spannungen kam es auf dem Nürnberger Reichstag 1422, wo Sigismund, der sich im Kampf um Böhmen im Stich gelassen sah, demonstrativ dem Ritterstand ein Bündnisrecht unter Einschluss der Städte zuerkannte, das insbesondere die Kurfürsten traf, die seit der »Goldenen Bulle« auf ihr Mitspracherecht in Sachen Reichsregierung pochten. Sie reagierten entsprechend gereizt mit einem Zusammenschluss im »Binger Kurverein« und richteten von dort einen geharnischten Appell an den König. Dieser wusste aber die Situation zu entschärfen, indem er den Wettiner Friedrich von Meißen und den Hohenzollern Friedrich von Brandenburg aus der geschlossenen Phalanx herausmanövrierte und auf seine Seite zog. Der Versuch einer Reichsreform
Die Bemühungen des Kaisers und Königs um eine Wiederherstellung geordneter Verhältnisse wurden von theoretischen Erörterungen über eine grundsätzliche Reichsreform begleitet. Schon eine Denkschrift des Konstanzer Konzils hatte die gleiche Organisation für die geistliche und weltliche Führungsspitze gefordert: Wie dem Papst das Kardinalskollegium, so müsse dem Kaiser ein Reichsrat zur Seite stehen, mit der Aufgabe, ihn in Verwaltung und Gerichtswesen zu unterstützen, zugleich aber auch eine gewisse Kontrollfunktion auszuüben. Dieses »Reichsregiment« solle, damit die Kontinuität seiner Arbeit gewährleistet sei, an einem festen Ort residieren. So verlockend der Entwurf auch schien, die Gefahr, dass die Stände die neue Institution ihrer eigentlichen Funktion entkleideten und nur als ihre Interessenvertretung ansehen könnten, war nicht auszuschließen. Gedanken zu einer Reichsreform entwickelte auch der große Mann des Basler Konzils, Kardinal Nicolaus Cusanus (Nikolaus von Kues, 1401-1464). Sein Grundsatz: »Was alle berührt, muss von allen gebilligt werden« betraf wiederum zugleich eine Neuorganisation der geistlichen wie der weltlichen Gewalt. Wie die regelmäßig einzuberufenden Kirchenversammlungen sollten alljährlich in der Kaiserstadt Frankfurt stattfindende Reichsversammlungen die monarchische Führung in der Regierung ergänzen. In ihnen sollte ganz im Sinne König Sigismunds das Bürgertum angemessen vertreten sein. Auch die Gerichte, die nach der Neueinteilung des Reiches den einzelnen Kreisen angeschlossen würden, sollten sich paritätisch aus Vertretern des Adels, der Geistlichkeit und des Bürgertums zusammensetzen. Schließlich glaubte Cusanus, dass die Position des Königs durch ein neues Wahlgesetz gefestigt werden müsse, das ihn vor dem Zwang von allzuviel Zugeständnissen an seine Wähler schütze. Ganz anders als dieser klar durchdachte, wenn auch realitätsferne Entwurf brachte eine Flugschrift, die unter dem Titel »Reformatio Kaiser Sigismunds« erschien, das allerorts grassierende Unbehagen an den Verhältnissen zum Ausdruck. Die darin enthaltenen Verbesserungsvorschläge eines anonymen Verfassers decken sich nur entfernt mit einigen wenigen Stellen einer früheren, vom König tolerierten Denkschrift, sind also keineswegs königliches Gedankengut. Der Text nennt als Ursache der allgemeinen Unordnung die Abkehr von der gottgewollten Gesellschaftsordnung und bleibt damit zunächst traditionellen Anschauungen verhaftet. In den weiteren Ausführungen ist aber nicht von Reformen, sondern von radikalen Veränderungen die Rede, die z. T. hussitischen Programmpunkten ähneln und die Sehnsucht des »kleinen Mannes« nach einem schöneren und besseren Leben auf dieser Erde verraten. Wiederum ist der Reichtum der Kirche ein Hauptangriffspunkt; scharf wird die Ausbeutung und Unterdrückung des »gemeinen Mannes« durch die Mächtigen angeprangert; ein neuer Adel, der aus den niederen Schichten heranwachsen werde, solle den alten, untauglichen ablösen. Die »Kleinen« würde ein »Geweihter« aus ihren Reihen, ein Endkaiser, erlösen. Das Basler Konzil bis zu Sigismunds Tod
Das seit 1431 tagende Generalkonzil (das 1433 den Frieden mit den Hussiten einleitete) überwarf sich bald nach seiner Eröffnung mit Papst Eugen IV. (1431-1447), dessen von unsicherem und unehrlichem Verhalten bestimmtes Pontifikat auf die autoritäre Regierung Papst Martins V. folgte. Eugen löste das Konzil, ehe es überhaupt an die Arbeit gehen konnte, kurzerhand auf mit der Begründung, es werde von radikalen Kräften beherrscht, und berief eine neue Synode nach Bologna ein, wo er, auf italienischem Boden, lenkend eingreifen wollte, insbesondere bei den Verhandlungen mit der griechischen Kirche hinsichtlich einer Wiedervereinigung. Damit provozierte er aber nur das gewachsene Selbstbewusstsein der Konzilsväter, die sich der Weisung nicht fügten, sondern unter Hinweis auf die Superiorität, die Höherrangigkeit des Konzils, ihrerseits den Papst vorluden. König Sigismund, der, um die Kaiserkrone zu erlangen, auf den Papst angewiesen war, sich aber im Herzen dem Konzil verpflichtet wusste, erwies sich auch in diesem Fall als geschickter Vermittler, sodass Eugen IV., auch in Hinblick auf das Ansehen der von allen europäischen Nationen besuchten Versammlung, seine Entscheidung zurücknahm. Als aber der Kaiser nach Lösung der hussitischen Frage 1434 das Konzil verlassen hatte, war niemand in der Lage, die Gegensätze zwischen Rom und Basel zu überbrücken. Im Januar 1438 setzte das Konzil den Papst ab; die Christenheit war wieder gespalten: England und Italien zogen sich zurück, Frankreich nutzte die Lage, um vom Konzil Zugeständnisse zu erpressen, Deutschland erklärte sich neutral. Text der Zeit: Kaiser Sigismund auf dem Konzil zu Basel 1434
Als der Kaiser zu Basel war, kam ein Mann namens Georg Frauenberg aus Baiern und viele andere Edelleute, Pfaffen und Bürger zu ihm und führten Klagen über Herzog Ludwig von Ingolstadt, welcher durch alle geistlichen Rechtskräfte aller seiner Ehren und Würden beraubt und außerdem in den Bann getan war. Das Konzil und das geistliche Gericht hatten den Kaiser um das weltliche Schwert angerufen, und so kam er auch in des Kaisers Acht und wurde öffentlich aller fürstlichen Ehren beraubt und dazu vom heimlichen Gericht verfehmt und verurteilt, sodass auch alle die Urteile über ihn ergingen und gefällt wurden, von denen nichts geschrieben steht.
Damals wollte der Kaiser das Konzil und Basel verlassen, wie er es auch tat. Er versammelte daher das Konzil am Sonnabend acht Tage vor Pfingsten 1434 sieben Uhr vormittags bei den Predigern und hielt eine so treffliche Ansprache über die heilige Kirche, das Konzil und die ganze Christenheit, dass ich glaube, es habe kaum jemals einer eine solche Rede gehört. Er hob an von den Zehn Geboten und verflocht das Konzilium darein, das er mit Gott verglich, und die Nationen des Konzils von Basel, die er den Zehn Geboten an die Seite stellte. Mit seiner schönen Rede bewirkte er, dass jedermann schwieg und niemand ihm zu antworten vermochte. Nur zuletzt wurde ihm erwidert wegen der Krone Böhmens, wegen der Hussiten, wegen des Herzogs von Burgund und auch wegen des Herzogs Ludwig von Ingolstadt. Darauf entgegnete er löblich, dass man nichts mehr sagen konnte. Zuletzt verabschiedete er sich von dem Konzil und sagte, er wolle nicht länger bleiben, nur sollten sie gut handeln; denn handelten sie gut, so würde es ihnen auch wohlergehen. Als der Kaiser darauf heim in seine Herberge ritt, folgten ihm der Kardinal Branda und viele andere Kardinäle und Bischöfe, die den Kaiser baten, länger in dem Konzil zu bleiben. Daher blieb er ihnen zuliebe bis Mittwoch nach dem heiligen Pfingstfeste. Dann zog er von Basel nach Baden, [...] hierauf wandte er sich nach Ulm, wo er mit anderen Fürsten zehn Wochen blieb und mit Herzog Ludwig verhandelte, sodass dieser wieder zu Gnaden und aus dem Bann und des Kaisers Acht kam. [...] Hierauf verließ der Kaiser Ulm und reiste über Augsburg und München nach Regensburg. Hier verweilte er wohl fünf Wochen und die Prager Böhmen kamen und verhandelten mit ihm.

Aus: Leben König Sigismunds von Eberhard Windecke. (Der um 1380 in Mainz geborene Chronist war Kaufmann und stand lange Jahre im Dienst Sigismunds; er starb um 1440.) Trotz aller Anstrengungen hatte Sigismund seine großen politischen Ziele nicht erreicht: Der Kirche drohte wieder die Spaltung, geistliche und weltliche Reformen kamen über das Entwurfsstadium nicht hinaus, der große Kreuzzug gegen die Osmanen blieb ein unerfüllter Traum. Sorgen um die Nachfolge und damit verbundene Intrigen begleiteten seine letzten Tage. Er starb im Dezember 1437 im mährischen Znaim und wurde im ungarischen Großwardein begraben. Der Habsburger Albrecht II. auf dem Thron
Sigismund war ohne männliche Erben gestorben. Seine einzige Tochter Elisabeth hatte der Vater mit Herzog Albrecht von Österreich verheiratet; sie brachte dem Habsburger eine stattliche Mitgift ins Haus: Die Erbländer Ungarn und Böhmen sowie die Anwartschaft auf die deutsche Krone; denn das kurfürstliche Wahlgremium konnte nicht übersehen, dass Albrecht, mit einem Herzogshut und zwei Königskronen ausgestattet, der mächtigste Fürst im Reich war. Andererseits meinten die Kurfürsten, ihn unbedenklich wählen zu können, da Albrecht sie kaum in ihren eigenen Interessen stören werde, solange der Osten mit seinen Problemen ihn beschäftigte. Der Habsburger, der diese Überlegungen durchschaute und außerdem die Stephanskrone nur unter der Bedingung erhalten hatte, dass er in Ungarn residierte, nahm die einstimmige Wahl erst nach einer Bedenkzeit an; für die Krönung in Aachen erbat er sich eine Frist von zwei Jahren. Da der König während seiner nur anderthalbjährigen Regierung seine Erbländer nie verließ, waren von vornherein nicht die besten Bedingungen für ein tatkräftiges Eingreifen in die Reichsregierung gegeben. In Abwesenheit des Königs berieten zwei Reichstage in Nürnberg im Juli und Oktober 1438 ergebnislos über die Reichsreform. Die Kurfürsten nahmen die Gelegenheit wahr, ihrerseits Initiativen zu ergreifen, um die Städte zu isolieren. Diese blockierten in ihrem alten Starrsinn jede Beschlussfassung über den Entwurf einer neuen Reichsfriedensordnung, die ein strenges Fehdeverbot eingeschlossen und die oft willkürliche Handhabung der heimlichen Femegerichte verhindert hätte. König Albrecht konnte sich inzwischen nur mit Mühe in Böhmen behaupten; als Katholik und Deutscher war er schon bald mit den tschechischen Hussiten in Konflikt geraten, die Polen die böhmische Krone anboten, um durch Verbindung beider Reiche das slawische Element weiter zu stärken. Dennoch erreichte Albrecht die Krönung im Prager Veitsdom; er schlug die polnischen Invasoren am Berg Tabor und sicherte auch Schlesien gegen ihre Einfälle. Kaum war die Lage bereinigt, zwang ihn ein Einfall der türkischen Osmanen in Siebenbürgen, sich der neuen Gefahr zu stellen. Mitten im Feldzug starb er an der Ruhr. Seinem Haus Habsburg aber übergab er die Königs- und Kaiserkrone für Jahrhunderte.