Assyrien und Babylonien bis Assurnassirpal II.

Aus der Zeit nach dem Tode Assurnassirpals I. (1033 v. Chr.) und dem Ende der zweiten Dynastie von Isin in Babylonien (1028 v. Chr.) kennen wir zwar alle Königsnamen, zumeist auch mit ihren Regierungsdaten, wissen aber sonst fast nichts über sie. Nach der Königsliste regierten in Babylonien 1028 bis 980 v. Chr. sieben Könige, die aus dem Meerland und dem Osttigrisland stammen sollen; nur von Simmaschschichu (1028-1010 v. Chr.) haben wir eine Grenzsteinurkunde. Stabile Verhältnisse herrschten also gewiss nicht. Erst unter Nabumukinapli (980 bis 944 v. Chr.), von dem eine umfangreiche Grenzsteinurkunde vorliegt, hat wohl wenigstens in Teilen des Landes Ruhe geherrscht. In Assyrien haben Assurrabi II. (1014-973 v. Chr.) und Tiglatpilesar II. (968-935 v. Chr.) recht lange regiert, woraus man auf eine gewisse Stabilität im Inneren des Landes schließen mag; wir besitzen von ihnen nur nichtssagende Stelenaufschriften. In der Zeit Assurrabis fand ein großer Vorstoß der Aramäer statt, durch den Westmesopotamien ganz von Assyrien gelöst wurde. Diese Nachricht bestätigt die auch aus anderen jüngeren Quellen zu gewinnende Einsicht, dass in den Jahrzehnten vor und nach 1000 v. Chr. die Aramäer, sicher durch neue Einbrüche aus Arabien verstärkt, außerordentlich aktiv waren und Mesopotamien und Syrien zum größten Teil besetzten. Angriffe auf Babylonien und Assyrien selbst haben sie sicherlich auch unternommen, doch blieben ihnen hier wohl dauerhafte Erfolge versagt. Über ihre politische Organisation wissen wir nichts, nach späteren Berichten der Assyrer müssen sie vor allem Kleinstaaten begründet haben. Von einem ersten energischen Widerstand berichtet Assurdân II. (935-912 v. Chr.). Er befand sich zunächst noch in der Verteidigung und musste sich der Angriffe von Aramäern und Stämmen aus dem Zagrosgebiet erwehren. Die Kämpfe wurden offenbar auf beiden Seiten hart und grausam geführt. Die zunehmende Vorliebe der Assyrer für Massenexekutionen mit den barbarischen Methoden der Pfählung, des Schindens und Verbrennens auch von Kindern nahm gerade in den Aramäerkriegen mit ihren vielen Rückschlägen und Vergeltungsaktionen überhand. Später griff Assurdân an und gelangte wieder nach Ostkleinasien in die Gegend von Malatia und nach Nordosten in das Gebiet nahe dem Urmiasee. Zu dauerhaften Eroberungen hat aber kaum einer dieser Kriege geführt. Im Inneren bemühte er sich um die Hebung der daniederliegenden Landwirtschaft und um die Anlage von Getreidevorräten. Seine Bautätigkeit beschränkte sich auf die Wiederherstellung des Palastes, des Assurtempels und der Festungsanlagen von Assur. Assurdân und seine Nachfolger schrieben anders als früher einen meist überaus trockenen Annalenstil. Ihre Sprache ist ein ungepflegtes Assyrisch mit zahlreichen babylonischen Elementen, wobei zwischen der dritten und ersten Person mehrfach ohne erkennbaren Grund gewechselt wird, Assurdân erzählt uns, dass in der Zeit vor ihm viele Assyrer infolge von Hungersnöten ausgewandert seien, die er dann zurückgeholt habe. Es verwundert nicht, dass in einer solchen Zeit manche Schultraditionen abrissen und ein empfindlicher Rückgang der Kultur festzustellen ist. Weit ausführlicher berichtet Adadnerari II. (912-891 v. Chr.) über seine vielen Feldzüge, die nun die Assyrer wieder meistens im Angriff sahen. Zuerst zieht er wieder in die Gegend von Malatia und plündert das Land gründlich. Dann kamen die Bergländer östlich von Assyrien an die Reihe, wobei Adadnerari weiter südlich auf den Babylonierkönig Schamaschmudammiq (etwa 930-904 v. Chr.) stieß, dessen Heer schlug und ihn zu großen Gebietsabtretungen zwang. Die Niederlage des Babyloniers führte zu einem Aufstand in seiner Hauptstadt und zur Übernahme der Herrschaft durch Nabuschumischkun (904-888 v. Chr.), der nun seinerseits versuchte, die Assyrer aus den bis dahin babylonischen Gebieten nördlich von Bagdad zu vertreiben. Er erlitt aber auch eine Niederlage und fand sich schließlich zu einem Friedensvertrag bereit, der für längere Zeit gute Beziehungen zwischen beiden Ländern herstellte. Eine Chronik spricht von der »Vermischung« beider Völker, also einem intensiven Austausch von Gütern aller Art. Adadnerari bekam dadurch freie Hand an den anderen Fronten, von denen zunächst die mesopotamische die gefährlichste wurde. Hier war der Aramäer Nuradad aus Teman, wohl der arabischen Landschaft dieses Namens, eingebrochen und über Nissibin hinaus bis in die Grenzgebiete Assyriens vorgedrungen. Von 901 bis 896 v. Chr. mussten die Assyrer sechs Feldzüge führen, bis die Eindringlinge endlich vernichtet waren und das Gebiet zur Provinz Nissibin gemacht wurde. Nach diesem Sieg war ein Feldzug von Guzana den Chabur abwärts und an den Euphrat nur noch Demonstration der großen Macht Assurs. Alle Stadtstaaten, die Adadnerari mit seinem Besuch beehrte, beeilten sich, ihren Tribut zu leisten. Auch in die Nairi-Länder Südarmeniens unternahm der König einige Beutezüge. Dabei benutzte er jede Gelegenheit, um auf die Jagd zu gehen und Tiere lebend zu fangen. Seine Bautätigkeit war umfangreich und erstreckte sich auch auf einige Provinzhauptstädte; ebenso sorgte er für die Landwirtschaft und legte weitere Kornspeicher an. Seinem Sohn Tukultininurta II. (891-884 v. Chr.) war nur eine kurze Lebenszeit beschieden, während der er wohl jedes Jahr zu Felde zog. Die Winter verbrachte er teilweise fern von der Hauptstadt Assur in Ninive, das sich offenbar seiner besonderen Gunst erfreute. Im Gegensatz zu seinen anscheinend recht nüchternen Vorgängern brachte er auch der Bildkunst größeres Interesse entgegen. Er ließ sich zu Wagen unter der geflügelten Sonnenscheibe Assurs in Schmelzfarbengemälden darstellen, in denen Blau und Gelb dominierten; in Mesopotamien errichtete er Stelen im späthethitischen Stil. Seine Feldzüge führten ihn wieder in die Nairi-Länder und weiter ostwärts in die Hochgebirgsgebiete des Zagros; dort musste er Wagen und Pferd verlassen, um Felsnester anzugreifen, die – selbst für Vögel kaum zugänglich – kein früherer König erreicht habe. Weitaus bequemer war der große Marsch (885 v. Chr.), der ihn durch die Wüstensteppen beiderseits des Tartarflusses nach Sippar in Babylonien führte, das ihm anscheinend freien Durchzug gewährte; von dort zog er euphratabwärts bis zur Chaburmündung und weiter chaburaufwärts. Kämpfe gab es in diesem schon früher befriedeten Gebiet nicht, dafür aber reiche Tribute und manches Jagdvergnügen mit straußähnlichen Wüstenvögeln. Der Rückmarsch brachte in den armenischen Gebirgen Gelegenheit zu Metzeleien und Brandschatzungen; für die Kampfwagentruppe erbeutete er angeblich zweitausendsiebenhundertzwanzig Pferde. Sein Sohn und Nachfolger Assurnassirpal II. (884-859 v. Chr.) setzte äußerst zäh und planmäßig die Eroberungspolitik der Vorgänger fort und übertraf dabei an Brutalität alles bisher Dagewesene. Er wurde gleichsam zur Symbolgestalt für die rohe Grausamkeit assyrischer Heere, was umso leichter war, als er sich besonders oft abbilden ließ. Gleichwohl war er, dem Mongolen Timur Leng nicht unähnlich, ein äußerst vielseitiger Mann, dessen Wirken in der Geschichte nicht nur negativ gesehen werden kann. Assurnassirpal II.
Assurnassirpal II.
Relief vom Palast des Königs in Kalach, um 870 v. Chr. Sein erster großer Feldzug führte ihn nach Südarmenien. Als jedoch ein Aramäerstaat im Chaburgebiet den Assur ergebenen Fürsten ermordete, kam er schnellstens herbei und vollzog das Strafgericht selbst. Daraufhin ließen es die anderen Aramäerstaaten in Mesopotamien nicht mehr auf eine Kraftprobe ankommen und unterwarfen sich sofort. Trotzdem waren in den kommenden Jahren noch mehrere Feldzüge gegen Aramäerstaaten notwendig, wobei Assurnassirpal 877 v. Chr. den Euphrat bei Karkemisch überschritt und bis zur Küste vordrang. Als er dort keinen Widerstand fand, begnügte er sich mit Tributen und ließ Syrien künftighin in Frieden. Dafür kämpfte er noch öfter in Südarmenien und östlich von Assyrien im Zagrosgebiet, hatte aber anscheinend nirgends den Ehrgeiz, besonders weit vorzustoßen. Ihm lag vor allem daran, die eroberten Gebiete fest mit Assyrien zu verbinden. Zähen Widerstand vergalt er mit Massenabschlachtungen, die ganze Landstriche entvölkerten, oder er verpflanzte, besonders in den späteren Jahren, viele Tausende in andere Reichsteile, nicht zuletzt auch nach Assyrien selbst; denn die vielen Kriege forderten immer wieder hohen Blutzoll und machten Maßnahmen zur Auffüllung der Bevölkerung notwendig. Diese Politik erschwerte den nicht an die Städte gebundenen Stämmen ihre oft geübte Taktik, den assyrischen Heeren auszuweichen oder durch einmalige Zahlung deren Abzug zu erkaufen, um sich dann wieder allen Verpflichtungen zu entziehen. In den von Blutgericht und Deportation betroffenen Gebieten entstand so immer mehr eine Mischbevölkerung ohne ausgeprägten nationalen Charakter, die an dauernden Aufständen gegen die Assyrer kein großes Interesse mehr hatte und die verbesserten Verdienstmöglichkeiten in einem Großstaat wohl zu schätzen wusste. Als Einheitssprache setzte sich in Mesopotamien nach und nach das Aramäische durch. Nur in einigen Städten mit starken assyrischen Besatzungen, Verwaltungsbehörden und Nachschubbasen sprach und schrieb man auch assyrisch. Da man aramäisch meist auf vergänglichem Material schrieb, sind fast keine aramäischen Urkunden erhalten. Assurnassirpal verdankte seine Siege nicht nur seiner unbeugsamen Energie und der Kampfesfreude seiner Soldaten, sondern auch der verbesserten Ausrüstung seines Heeres. Als erster setzte er Reiterverbände neben Infanterie, Pionieren und der Wagentruppe ein, die im Kampf um die Festungen von schweren fahrbaren Sturmböcken und Mauerbrechern unterstützt wurden; so konnten die Feldzüge schon in den Sommermonaten erfolgreich beendet werden. Verpflegung und Nachschub für die gewaltigen Heeresmassen erforderten eine sorgfältig durchdachte Verwaltung, deren Aufbau er zum großen Teil seinem tüchtigen Minister Gabbi-ilāni-eresch verdankte. Während der Feldzüge musste der Minister ja auch die Regierungsgeschäfte fuhren und mit den gegensätzlichen Kräften von Landadel und Bürgertum, Priesterschaft und Handwerk im Lande allein zurechtkommen. Assyrischer Truppen
Angriff assyrischer Truppen unter Assurnassirpal II. auf eine Festung Als überlegener Politiker erwies sich Assurnassirpal auch in seiner Einsicht, dass militärische Siege und eine zentralistisch geführte Verwaltung allein den Bestand eines Reiches nicht zu sichern vermögen. Gewiss hat er dabei manches von Babylonien gelernt, das er, von der Wegnahme einiger Grenzfestungen abgesehen, unbehelligt ließ; so konnte sich in Babylonien Nabuapaliddin (etwa 882-852 v. Chr.), von außen nur wenig gestört, nach Abwehr eines Einfalls der Sutû-Beduinen ganz dem Wiederaufbau der Tempel widmen. Da Assurnassirpal Assur als Hauptstadt und geistiges Zentrum eines großen Reiches für wenig geeignet hielt, kehrte er in das von Salmanassar I. gegründete und seither verfallene Kalach zurück und baute es großzügig aus; auch in der Fürsorge für den Tempel der Ischtar in Ninive folgte er dem von ihm hochgeachteten Vorgänger. In Kalach erneuerte er die Festungsanlagen und baute für sich einen gewaltigen Palast, daneben einen Tempel für den von ihm neben Assur und Ischtar bevorzugten Gott Ninurta. Auf einem Stufenturm im Tempelbezirk befand sich außer dem Heiligtum auch ein Observatorium, das von nun an eine der wichtigsten Pflegestätten der beobachtenden Astronomie werden sollte. Der Kriegs- und Jagdgott Ninurta galt ja auch als Gott des Sirius. Dem Grundriss nach stand der erst unvollkommen ausgegrabene Tempel ganz in der assyrischen Tradition. Der ebenfalls nur teilweise freigelegte Palast auf einer künstlichen Terrasse dürfte eine Fläche von mehreren Hektar bedeckt haben. An seiner Errichtung waren die aus dem Westen verschleppten Aramäer wesentlich beteiligt, die zu der Zeit einen großen Teil der Bewohner von Kalach ausmachten. Unter ihnen befanden sich Hunderte von Handwerkern und Künstlern, die in der reichen Kunsttradition der früher hethitischen Kleinstaaten Syriens und Mesopotamiens standen und nun gemeinsam mit den assyrischen Künstlern an dem großen Werk arbeiten, mussten. Ihre bewunderungswürdige Leistung können sie aber nicht widerwillig, unter der Knute brutaler Aufseher, sondern nur mit Freude an ihrer Arbeit vollbracht haben. Derselbe König, der sich in Wort und Bild eiskalt seiner Massenmorde rühmt, hatte offenbar auch die Fähigkeit, Künstler für ihre Arbeit zu begeistern und sie angemessen zu behandeln. Eine Stele Assurnassirpals, vor zehn Jahren in Kalach geborgen, zeigt ihn in der üblichen Herrscherpose unter den Symbolen von fünf Göttern. Der Text beginnt wie immer mit der anspruchsvollen Titulatur und mit der Aufzählung der wichtigsten Eroberungen, schildert dann aber den Wiederaufbau der Stadt und des Palastes und nennt die Länder, aus denen er Bewohner herbeigeholt, und die Bäume, die er in seinen Parks angepflanzt hat. Nach einem Bericht über seine Jagden schildert er ein großes Fest, das er zur Einweihung der Stadt und der Tempel für fast siebzigtausend Menschen aus allen Teilen des Reiches bis hin nach Tyros und Sidon gab; nur ein Viertel der Gäste waren Einwohner von Kalach. Es folgen genaue Angaben über ungeheure Massen von Lebensmitteln aller Art, die für das Fest herangeschafft und dabei verzehrt wurden: Tausende von Rindern, Schafen, Vögeln, Fischen, Stück Wildbret und Eiern, dazu Brote, Kuchen und Korn sowie Gemüse und Obst. Leider können wir manche Ausdrücke nicht deuten und daher auch den Küchenzettel nicht ganz rekonstruieren. »Zehn Tage lang speiste ich die Geladenen aus allen Ländern und Kalach, tränkte sie, badete sie, salbte sie, tat ihnen Ehre an und entließ sie gesund und freudig in ihre Länder.« Wir haben von keinem König einen ähnlichen Bericht. Assurnassirpal hat an vielen Orten Stelen von sich im Rundbild oder im Relief aufstellen und mit Inschriften versehen lassen. Alle zeigen ihn in starrer, unnahbarer Haltung, die im Relief noch abweisender wirkt. Die Wände seines Palastes ließ er, nach unserer Kenntnis als erster, mit Hunderten von großen Kalksteinplatten in flachem Relief schmücken, von denen viele noch vorhanden sind. Nach Farbresten zu schließen, waren sie bemalt und müssen dadurch noch lebendiger gewirkt haben. Wegen der mangelhaften Aufzeichnungen bei den ersten Ausgrabungen wissen wir wenig über die ursprüngliche Anordnung der Platten; sie waren wohl vielfach zu großen Bildkompositionen verbunden. Diese Art von Wandschmuck haben die Assyrer letztlich von den Hethitern der syrischen Städte wie etwa Karkemisch übernommen. Bei ihnen waren die einzelnen Platten jedoch viel höher und breiter als in Syrien und weitaus sorgfältiger bearbeitet. Die Abhängigkeit ist auch bei verschiedenen Bildmotiven erkennbar, die aber nie sklavisch nachgeahmt wurden. Die Mehrzahl der Platten enthält religiöse Darstellungen. Auf den übrigen sehen wir entweder den König allein oder Kriegs- und Jagdszenen. Zwischen den Reliefs und oft über sie hinweg laufen lange Inschriften, zumeist Wiederholungen ein und derselben Standardinschrift. Auf den religiösen Bildern begegnen viele dämonische Mischwesen, ähnlich den Siegelbildern der Zeit. Stehend oder kniend, mit Menschen- oder Vogelkopf, meist zwei gleiche Gestalten einander gegenübergestellt, führen sie symbolische Handlungen aus; häufig ist es die Befruchtung der stilisiert dargestellten Dattelpalme, bei der sich der König nicht selten selbst abbilden ließ, wohl um seine Fürsorge für die Menschen zu zeigen. Ähnliche mythologisierende Darstellungen waren auch in die Festgewänder des Königs eingestickt, wie wir sie aus den peinlich genauen Wiedergaben der Reliefs kennen. Die zum Fanatismus neigende Religiosität des Königs wird auch in diesen Bildfolgen sichtbar. Die Eingänge zum Palast und zu einigen Haupträumen waren von über drei Meter hohen geflügelten Stieren mit Götterkopf oder etwas kleineren Löwen im syrischen Stil flankiert, die alles Böse abwehren sollten. Sie haben fünf Beine, damit von vorn zwei und von der Seite vier sichtbar sind. Bei allen Figuren ist die Muskulatur stark herausgearbeitet, und Barttracht, Flügelzeichnung und Gewandung sind bis in die Kleinigkeiten hinein höchst sorgfältig gestaltet. Im Gegensatz zu der Vorliebe für Symbole auf religiösen Bildern steht der massive Realismus der Schlachten- und Jagdbilder, die wie in Syrien die Zahl der Figuren sehr beschränken und die Landschaft nur sparsam andeuten. Um so schonungsloser werden die Brutalität des Kampfes und die barbarischen Exekutionen zur Abschreckung der Betrachter dargestellt; aber auch Technisches, wie der Einsatz der Mauerbrecher oder ein Angriff über den Fluss mit Soldaten, die auf aufgeblasenen Hammelhäuten schwimmen, ist genau wiedergegeben. Da und dort erscheinen Szenen aus dem Lagerleben, die die Liebe der Künstler zum schlicht Menschlichen verspüren lassen. Auffällig ist immer wieder die Ausdruckslosigkeit der Gesichter, weder die Kämpfer noch die Sterbenden, weder die Henker noch die grausam Gequälten verziehen eine Miene, gleich als ob sie ganz unbeteiligt wären. Im krassen Gegensatz dazu ist die Wut anstürmender Löwen ganz naturgetreu wiedergegeben. Die verkrampfte Selbstbeherrschung der religiös-politisch Fanatisierten findet auch im Kunststil ihren wenig erhebenden Ausdruck.