Salmanassar III. von Assyrien und seine Nachfolger

Auf Assurnassirpal folgte sein ähnlich gearteter und sehr befähigter Sohn Salmanassar III. (859-824 v. Chr.), der überall das Werk seines Vaters weiterführte, aber, anders als dieser, die Grenzen seiner Macht nicht immer klar erkannte und daher nach großen Erfolgen oft Rückschläge hinnehmen musste. Auch von ihm besitzen wir mannigfache Schilderungen seiner Taten in Wort und Bild, sicher nur einen Bruchteil dessen, was er hat schreiben und darstellen lassen. Der Mangel an Wahrhaftigkeit tritt bei ihm in den unterschiedlichen Berichten über dasselbe Ereignis besonders deutlich hervor. Die meisten Feldzüge Salmanassars führten nach Syrien. 856 v. Chr. nahm er dort das Fürstentum Bit-Adini mit der Hauptstadt Tilbarsip am Euphrat (heute Tell Achmar) in Besitz, die nun als »Salmanassarsburg« Provinzhauptstadt wurde. Die anderen Fürsten zahlten Tribut. 853 v. Chr. setzte er sich die Eroberung von Damaskos zum Ziel, um damit den stärksten Aramäerstaat auszuschalten. Barhadad II. von Damaskos hatte sich jedoch auf den Besuch der Assyrer gut vorbereitet und eine Koalition von zwölf Fürsten zusammengebracht, unter denen Achabbu aus Sir’al, also Ahab von Israel, das hier erstmalig in einer assyrischen Inschrift erscheint, Irchulēni von Hama und der Araber Gindibu von Salmanassar genannt werden. Scheich Gindibu ist nach unserer Kenntnis der erste Araber, der einen Vorstoß in das Gebiet des Fruchtbaren Halbmonds unternommen hat. Damit greifen Araber; nachdem die Aramäer Arabien verlassen hatten, schon fast 1500 Jahre vor Mohammed in die Geschichte ein; mehr als vorübergehende örtliche Erfolge konnten sie allerdings noch jahrhundertelang nicht erringen. Ob Gindibu zu den späteren Nordarabern gehörte oder aus dem südarabischen Königreich von Saba stammte, dessen Geschichte sich bis etwa 1000 v. Chr. zurückverfolgen lässt, wissen wir nicht. Salmanassar behauptet, diese Koalition bei Qarqar nördlich von Hama vernichtend geschlagen zu haben. Die Zahl der getöteten Feinde gibt er zuerst mit vierzehntausend, zuletzt aber mit neunundzwanzigtausend an. Da er die »Besiegten« aber nicht verfolgte, sondern nach Assyrien zurückkehrte und erst 848 v. Chr. wiederkam, dürfte er dort mindestens eine Schlappe erlitten haben. Eine kurze altaramäische Weihinschrift Barhadads sagt nichts von diesen Kämpfen. Mit Nabuapaliddin von Babylon hatte Salmanassar in Frieden gelebt. Nach dessen Tod 852 v. Chr. stritten sich aber die beiden Brüder Mardukzakirschumi (852-826 v. Chr.) und Mardukbelusati um die Herrschaft. Salmanassar griff zugunsten des ersten ein und tötete nach zweijährigen Kämpfen den »Usurpator«. Er opferte in Babylon und ließ sich feiern; dann unternahm er noch einen Zug nach Südbabylonien, das jetzt Kaldu (Chaidäa) genannt wurde und vermutlich schon teilweise von Aramäern besetzt war. In den kommenden Jahren zog er wieder meistens nach Syrien gegen Karkemisch und andere Fürstentümer, wobei er große Massen von Bauholz und Steinen erbeutete. Mit den zwölf Verbündeten Barhadads kämpfte er 848 und 845 v. Chr. erneut. Der »Sieg« seiner einhundertzwanzigtausend Mann über die »zahllosen« Truppen der Syrer 845 v. Chr. blieb aber wieder ohne Wirkung. Bald danach trat aber, wie das Alte Testament berichtet, in Damaskos Haza’el an die Stelle des Barhadad, und in Israel machte sich Jehu zum König. Dadurch zerfiel die Koalition, und Salmanassar kam 841 v. Chr., ohne auf großen Widerstand zu stoßen, bis an den Hermon, schlug dort ein Heer Haza’els und belagerte diesen in Damaskos, freilich vergeblich. Er rächte sich dafür durch planmäßige Verwüstung der Obstplantagen in der Umgebung der Stadt. Auch 838 v. Chr. konnte er in Syrien nur Tribute einsammeln und musste Damaskos und Phönikien die Selbständigkeit lassen. In den nächsten Jahren zog er einige Male nach Kilikien und in die Taurusländer, wo er auch die Silbergruben von Bulgar-Maden aufsuchte. Andere Feldzüge führten Salmanassar und, als er selbst zu alt für die persönliche Leitung geworden war, seinen General Dajjanassur nach Armenien, wo aber gegen das aufstrebende Urartu, von dem noch die Rede sein wird, keine größeren Erfolge zu erzielen waren. Auch in das Zagrosgebiet im Osten zog der König mehrfach. Hier begegnen jetzt nur noch wenige frühere Namen wie der des alten Fürstentums von Namri (früher Nawar), dessen Fürst 843 v. Chr. der Babylonier Mardukmudammiq war, dafür aber verschiedene neue, die zeigen, dass von Osten zugewanderte Volksgruppen weithin veränderte Verhältnisse geschaffen hatten. 843 v. Chr. taucht erstmals das Land Parsua auf, das Perserland, das damals allerdings noch weit nordwestlich der späteren Persis lag. Das Land hatte seinen Namen von den zur iranischen Völkergruppe gehörenden Persern, die also um 900 v. Chr. nach Westiran gelangt sein müssen. Der große Feldzug des Jahres 835 v. Chr. führte wieder nach Parsua, aber auch nach Madai, also gegen die Meder, die weiter östlich ihre Wohnsitze hatten und in diesem Jahre erstmalig genannt sind. Die Iranier waren damals in viele, einander befehlende Fürstentümer aufgesplittert und daher noch lange nicht zu größeren Angriffen gegen Assyrien imstande. 829 v. Chr. wird auch das westiranische Königreich Man erstmalig erwähnt. Salmanassar III.
Assyrische Truppen unter Salmanassar III. auf ihrem Marsch durch Armenien und Zug der Assyrer zu den Tigrisquellen Im Bereich von Man und den benachbarten iranischen Gebieten wurden übrigens, leider nicht bei wissenschaftlichen Ausgrabungen, die vielen Hunderte von »Luristanbronzen« gefunden, deren Datierung (zwischen 1200 und 700 v. Chr.) noch sehr umstritten ist. Technisch und künstlerisch oft sehr fein gearbeitet, sind sie Zeugnisse für eine reiche religiöse Symbolik; die Deutung der Tierbilder und der primitiven Götterbilder ist allerdings nur selten möglich. Die Kupferschmiede gehörten einem kriegerischen Reitervolk an, wie aus der großen Zahl von Schwertern und vor allem von mannigfachen Teilen des Pferdegeschirrs, besonders Knebeltrensen, hervorgeht. Das Land Zamua nahe Man lieferte noch in späterer Zeit viele Pferde. Trotz der vielen Kriege entfaltete auch Salmanassar in den Städten Assyriens eine intensive Bautätigkeit. Er baute in Assur den Doppeltempel des Anu und des Adad etwas kleiner wieder auf und verstärkte die Festungswerke. In Kalach setzte er die Bauarbeiten an der unvollendet gebliebenen Stadtmauer fort, errichtete aber auch einen neuen befestigten Palast mit umfangreichen Magazinen, die bis zur Zerstörung der Stadt in Benutzung blieben. Wandreliefs ans seiner Zeit sind noch nicht gefunden worden, dafür aber etliche Stand- und Sitzbilder, denen seines Vaters sehr ähnlich, einige davon in den Provinzhauptstädten. Berühmt geworden ist der etwa zwei Meter hohe schwarze Marmorobelisk aus dem Jahre 828 v. Chr. Außer einer umfangreichen Inschrift enthält er Bilder von Tributleistungen, die vierteilig um den ganzen Obelisken herumlaufen. Die Reliefzeichnung ist in manchem einfacher als bei Assurnassirpal, aber auch weniger schwerfällig. Dargestellt sind Tributbringer aus dem Urmiasee-Gebiet mit Trampeltieren, ein angeblich von ihm selbst überbrachter Tribut Jehus von Israel, dazu exotische Tiere aus Ägypten, die der Künstler offenbar nach Beschreibungen nur mangelhaft wiedergeben konnte, Elfenbeinplastiken aus Mesopotamien und syrische Tributbringer. Künstlerisch viel wertvoller sind die Bronzebeschläge eines Tores in der assyrischen Sommerresidenz Imgur-Ellil (heute Balawat), die kleinere Bronzereliefs Assurnassirpals beträchtlich übertreffen. Auf dreizehn Schienen mit je zwei Bildreihen untereinander sind Feldzüge des Königs ausführlich dargestellt. Menschen und Tiere erscheinen jetzt schlanker und doch kraftvoll; die Gesichter bleiben weiter ziemlich ausdruckslos. In bunter Folge sind die Kämpfe und lange Reihen von Gefangenen und Tributträgem dargestellt. Die Landschaft ist vereinfacht und schematisch wiedergegeben, aber mit gutem Gefühl für das Typische. Auch Bauwerke und Stelen werden sauber gezeichnet, so dass die im ganzen recht gut erhaltenen Bronzereliefs in mannigfacher Hinsicht lehrreich sind. Ihre Vorbilder hat die assyrische Kunst hier weit hinter sich gelassen. Die letzten Jahre des wohl sehr alt gewordenen Salmanassar verdüsterte der Aufstand seines ältesten Sohnes Assurdanninapla, der sechs Jahre lang einen großen Teil des Reiches beherrschen konnte. Da außer Kalach ganz Assyrien sich dem Empörer anschloss, werden wohl nicht nur persönliche Differenzen zwischen Vater und Sohn, sondern auch innenpolitische Spannungen zu dem Konflikt geführt haben, doch wissen wir darüber nichts. Salmanassar konnte sich in Kalach noch vier Jahre lang halten und starb dann eines natürlichen Todes. Der von ihm nach oder kurz vor dem Aufstand zum Thronfolger bestimmte Schamschiadad V. (824-810 v. Chr.) hatte nach dem wohlwollend neutralen Babylonien fliehen müssen und noch als Kronprinz dort einen Vertrag mit Mardukzakirschumi abgeschlossen, der ihm wohl unter bestimmten Bedingungen die babylonische Unterstützung sichern sollte. Leider ist nur ganz wenig davon erhalten. Erst in seinem zweiten Jahr konnte er seinen Bruder schlagen und sich in ganz Assyrien durchsetzen. Nordsyrien und Mesopotamien waren so wirksam befriedet worden, dass sie den Bürgerkrieg nicht zu ihrer Befreiung ausnutzten. Schamschiadad zog dann in die südarmenischen Nairiländer, um sie vom Anschluss an Urartu abzuhalten, was aber nur vorübergehend gelang. Ein erfolgreicher Plünderungszug führte ihn nach Aserbeidschan. Seine schwersten Kämpfe hatte der König mit Babylonien, dessen König Mardukbalassuiqbi (826-813 v. Chr.) aus seiner anfänglichen Unterstützung Schamschiadads vermutlich mehr Rechte ableiten wollte, als die assyrische Auslegung des Vertrages anerkannte. Vier Jahre nacheinander (814-811 v. Chr.) zogen die Assyrer nach Süden, konnten aber Babylonien zunächst nicht frontal, sondern nur über das Osttigrisland angreifen, wo sie Dēr (bei Bedre) eroberten. Erst 812 v. Chr. erlitt Baba’achiddin (813-810 v. Chr.) eine so schwere Niederlage, dass er den Einzug Schamschiadads in Babylon und anderen Städten dulden musste. Die Assyrer drangen dann bis nach Chaldäa vor und erzwangen eine neue Grenzregelung, ließen aber Babylonien seine Selbständigkeit. Schamschiadad starb so jung, dass sein Sohn Adadnerari III. (806-782 v. Chr.) noch minderjährig war. Die Regentschaft für ihn führte vier Jahre lang höchst erfolgreich seine Mutter Sammuramat, eine babylonische Prinzessin, die Beutezüge gegen Meder und Mannäer veranlasste und das aufständische Guzana (Teil Halaf) unterwarf. Dass sie eine Frau von ganz ungewöhnlicher Bedeutung war, lässt sich aus ihrem Weiterleben in der Sage erschließen. Die Griechen kannten sie unter dem Namen Semiramis und erzählten sich von Eroberungszügen bis nach Indien und Abessinien, wohin nie ein Assyrer gekommen ist; sie schrieben ihr auch die Anlage »hängender Gärten« in Babylon zu, obwohl die Terrassengärten dort erst von Nebukadnezar II. geschaffen wurden. 806 v. Chr. nahm Adadnerari selbst die Regierung in die Hand und führte, vor allem gegen die Meder, zahlreiche Feldzüge, über die Einzelheiten kaum bekannt sind, weil er uns, anders als sein Vorgänger, nur wenige und nicht sehr inhaltsreiche Inschriften hinterlassen hat. In Syrien war er auch einige Male und gelangte 804 v. Chr. bis nach Gaza in Südpalästina. Die bei dieser Gelegenheit versuchte Eroberung von Damaskos misslang auch ihm; andere größere Städte hat er wohl umgangen, wenn er auch größere Tributzahlungen erzwingen konnte. Einer Auseinandersetzung mit Urartu wich er aus. In Babylonien waren nach mehreren Jahren schwerer Wirren mit häufigem Thronwechsel erst unter Eribamarduk (etwa 795-764 v. Chr.) wieder geordnetere Verhältnisse eingetreten; Adadnerari schloss mit ihm einen Freundschaftsvertrag und half ihm wohl gegen die Ituräer, einen der zahlreichen Aramäerstämme, die jetzt in Babylonien das flache Land fast ganz beherrschten und die Städte je nach der Stärke der Zentralgewalt mehr oder minder tyrannisierten. Von Adadneraris Nachfolgern haben wir keine Inschriften; es ist möglich, dass sie später zerstört wurden. Salmanassar IV. (782-772 v. Chr.) kämpfte nach der Eponymenliste sechsmal, sicher ohne dauerhaften Erfolg, mit Urartu und zog 773 v. Chr. gegen Damaskos. Sein Statthalter Schamschilu von Tilbarsip schreibt sich einen Sieg über Urartu zu, ohne den König zu nennen. Assurdân III. (772-754 v. Chr.), durch Pestepidemien 765 und 759 v. Chr. und durch Aufstände in Assyrien (762-759 v. Chr.) an einer aktiven Politik behindert, zog nur noch selten nach Syrien, wo die Aramäerfürsten mit mehr oder weniger Geschick und Erfolg zwischen Assyrien und Urartu zu lavieren versuchten. Assurnerari V. (754-746 v. Chr.) griff 754 v. Chr. das nordsyrische Arpad an und zwang ihm einen Vasallenvertrag auf, der in assyrischer Sprache teilweise erhalten ist. Interessant sind darin vor allem die schweren Strafen der Götter, die für den Fall eines Vertragsbruches dem Mati’ilu von Arpad angedroht werden: die Arpader sollen vor Hunger ihre Kinder schlachten müssen, Erde essen, Eselsurin trinken und, nur mit Papyrusfetzen bekleidet, in Höhlen wohnen. Die Lähmung der assyrischen Angriffskraft erreichte unter Assurnerari, der nur selten zu Felde zog, ihren Höhepunkt, mochte auch, anders als in Babylonien, die innere Ordnung zumeist gewahrt geblieben sein.

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Info 22.09.2017 - 15:18
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