USA: Die Erschließung des Westens

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelten sich die Vereinigten Staaten aus einer kleinen, an der Atlantikküste zusammengedrängten Gruppe von 13 Staaten zu einer der größten Nationen der Welt, deren Territorium sich von den Küsten des Atlantiks bis zu den Küsten des Pazifiks und von Kanada im Norden bis Mexiko und den gleichnamigen Golf im Süden erstreckte. Grenzbewohner und Siedler
Die Erschließung des Westens begann, als einzelne Jäger und Forscher in die Gebiete eindrangen, die an die Küstensiedlungen angrenzten. Schon vor der Revolution bahnten Männer wie Daniel Boone (1734-1820) Pfade durch unbekanntes Land, sie hatten die Appalachen überquert und Kentucky erkundet. Sie und ihre Nachfolger wanderten in das Shenandoah-Tal, in die Allegheny Mountains und die bewaldete Wildnis Vermonts. Die Grenzbewohner drangen immer tiefer in das Innere des Landes ein und erreichten schließlich den Mississippi, die westliche Grenze des in der Revolution der englischen Krone abgerungenen Territoriums. Siedler machten sich in Richtung Westen auf den Weg – auf der Suche nach Ernährungsmöglichkeiten und Lebensraum. Ihre Zahl vergrößerte sich durch Einwanderer aus Europa. Das Leben dieser Siedler war oft durch Indianer bedroht, in deren Lebensraum sie eingebrochen waren, denen sie Land weggenommen und die sie vertrieben hatten. In den eroberten Gebieten bauten die Neuankömmlinge Hütten und Forts auf. Nach und nach entstanden Gemeinden und kleine Städte. Um eine Jagd nach Grund und Boden unter den Staaten zu verhüten, verkündete der Kongress seine Nord-West-Verordnung von 1787. Diese sollte eine geordnete Selbstverwaltung in den neu besiedelten Regionen fördern. Jedes Territorium wurde ermächtigt, eine gesetzgebende Körperschaft zu wählen, sobald seihe freie männliche Bevölkerung 5000 ausmachte, staatliche Souveränität konnte beansprucht werden, sofern die Bevölkerungszahl auf 60 000 angewachsen war. Von Ozean zu Ozean
Im Jahr 1803 – die Vereinigten Staaten waren kaum zwei Jahrzehnte alt – hatte sich ihr Territorium verdoppelt. Napoleon verkaufte den französischen Besitz in Nordamerika, das riesige Louisiana, an die amerikanische Regierung für 15 Millionen Dollar: Das Gebiet erstreckte sich vom Mississippi bis zu den Rocky Mountains und von Kanada bis zum Golf von Mexiko. Präsident Thomas Jefferson (1743-1826) gab daraufhin Meriwether Lewis {1774-1809) und William Clark (1770-1838) den Auftrag, dieses Land zu erforschen. Die Vorstellung einer sich from sea to shining sea erstreckenden Nation begann sich zu verwirklichen. Immer mehr Pioniere drangen über den Mississippi hinaus nach Westen vor. Unter ihnen waren viele Jäger, die die Wildnis zu ihrer Heimat machten. Oft wirkten sie als Mittler zwischen Indianern und Siedlern. Sie dienten den Wagenkolonnen der Siedler auch als Kundschafter bei der Durchquerung der indianischen Territorien. Im Süden siedelten Tausende von Amerikanern in der mexikanischen Provinz Texas. Sie weigerten sich, die mexikanische Autorität anzuerkennen, rebellierten und bildeten 1835 eine vorläufige Regierung. Das bereitete ein Jahrzehnt später den Weg für die Annexion von Texas durch die USA und führte zum Krieg gegen Mexiko (1846-48). Die Folge war der Erwerb riesiger Gebiete u. a. von New Mexico, Arizona und Kalifornien. Nur wenige Ereignisse forcierten die Erschließung des Westens derart wie die Entdeckung von Gold 1848 im Tal des Sacramento. Tausende drängten nach Kalifornien, um ihr Glück zu suchen. Aus verschiedenen Gründen waren 148 Mormonen gezwungen abzuwandern. Sie fanden 1847 südlich vom Oregon-Trail, in der unwirtlichen Gegend um den Großen Salzsee, eine Zuflucht. Sie und Tausende, die sich ihnen bald anschlossen, verwandelten durch moderne Bewässerungsanlagen das öde Utah-Territorium in blühende Regionen. Enteignete Indianer
Zwischen den einzelnen Siedlungen blieben große Bereiche, die nur spärlich bevölkert waren. Um Siedler für die Great Plains zu gewinnen, hatte der Kongress das Heimstättengesetz (Homestead Act) von 1862 über die kostenlose Vergabe von regierungseigenem Land an Farmer erlassen, sofern sich diese für fünf Jahre verpflichteten, das Land zu kultivieren. Diese Entwicklung kam für die Indianer einer Katastrophe gleich: Die Indian Removal Bill von 1830 (eine Ermächtigung, Indianer aus dem Osten in Gebiete westlich des Mississippi zu verlegen) bestätigte dass Recht der Siedler, Indianer zu enteignen, wo immer sie gefunden wurden – auch in den westlich des Mississippi gelegenen Gebieten. Einige Stämme, besonders die Creeks, Komantschen, Apachen und Sioux, widerstanden der Invasion, terrorisierten einsame Siedlungen, überfielen Wagenkolonnen und bekämpften die amerikanische Kavallerie. Nach Zahl und Ausrüstung würden sie nach und nach aus dem Weg geräumt, niedergemetzelt oder vertrieben und in Reservationen verbannt. Mit dem Aufkommen der Eisenbahnen beschleunigte sich die westwärts gerichtete Besiedlung. 1869 war die erste transkontinentale Eisenbahnverbindung hergestellt, dadurch waren die freien Räume des Westens wesentlich leichter zugänglich. Die Siedlungsgrenze war in die Geschichte eingegangen und zur Legende geworden.
Die Abtretung von Ländereien der Indianer war ein Teil der westwärts gerichteten Expansion: Landspekulanten überschritten bald die Proklamationslinie von 1763, die die Jagdgebiete der Indianer zwischen den Allegheny Mountains und dem Mississippi schützen sollte. Nach der Unabhängigkeit wurden die Indianer durch Verträge weiter und weiter nach Westen gedrängt. Bis 1890 war den Indianern kein Recht auf Land mehr verblieben, sie mussten sich nun mit ärmlichen Reservationen begnügen. Zahlreiche Aufstände wurden blutig unterdrückt. Einem Sioux-Aufstand, angeführt von dem Häuptling Sitting Bull, der eine amerikanische Kavallerietruppe angegriffen hatte, folgte ein größerer Kampf, bei dem General George A. Custer 1876 fiel.

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Info 18.11.2017 13:08
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