Amerikanische Bürgerkrieg

Der Amerikanische Bürgerkrieg von 1861-65 war der blutigste und bitterste Konflikt in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Er war, wie Präsident Abraham Lincoln sagte, eine Prüfung, ob Amerika durchhalten könne. Zwar ging die Nation intakt aus dem »Bruderkrieg« hervor, doch sein Erbe war Schmerz und Hass. Regionale Interessen
Der Bürgerkrieg entzündete sich an einem Interessenkonflikt zwischen den nordöstlichen und den südöstlichen Landesteilen zu einer Zeit, als die Besiedlung des Westens größtenteils noch im Gange war. Der Norden war Industrie- und Handelsgebiet, der Süden lebte dagegen überwiegend von der Landwirtschaft und verdankte seinen Wohlstand »König Baumwolle«. Der Norden war für eine starke Zentralregierung, um das Wirtschaftswachstum zu fördern, der Süden bestand auf den »Rechten der Einzelstaaten« zum Schutz seiner regionalen Interessen. Lohntarife, die der Norden für seine Industrie forderte, bekämpfte der Süden, weil sie die Produkte verteuerten. Die wachsende Industrie des Nordens konnte immer mehr Arbeiter beschäftigen, allerdings waren die Unterschiede zwischen Arm und Reich extrem. Die Plantagenwirtschaft des Südens arbeitete mit einem Heer schwarzer Sklaven, die Sklavenfrage verschärfte die Nord-Süd-Differenzen. Um 1850 war die Sklaverei zur Hauptstreitfrage in der amerikanischen Politik geworden. Der Süden hielt das System für gut und notwendig, während es im Norden viele verabscheuten und für die vergleichsweise rückständige Wirtschaft des Südens verantwortlich machten. Im Kongress schlichtete man den Streit durch Kompromisse und zögerte den offenen Bruch hinaus, doch der Süden bestand darauf, die Sklaverei auch in den westlichen Gebieten einzuführen. Im Norden agitierten die Abolitionisten (Gegner der Sklaverei), vor allem der redegewaltige William Lloyd Garrison (1805-79), gegen die »eigentümliche Institution« der Leibeigenschaft. Harriet Elizabeth Beecher-Stowe (1811-96) wandte sich in ihrem Roman »Onkel Toms Hütte« gegen die Sklaverei und gewann Anhänger für die Befreiungsbewegung. Aufpeitschende Reden auf beiden Seiten trugen dazu bei, dass die Differenzen einer gewaltsamen Lösung entgegentrieben. Die beiden wichtigsten, landesweiten politischen Organisationen, die Demokratische und die Whig-Partei, waren in der Sklavenfrage gespalten, die Whig-Partei ging daran zugrunde. Aus ihren Trümmern entstand 1854 die Republikanische Partei, die sechs Jahre später einen früheren Kongressabgeordneten aus Illinois, Abraham Lincoln, als Präsidentschaftskandidaten aufstellte. Lincoln setzte sich von 1856 an für die Abschaffung der Negersklaverei ein. Einen Monat nach Lincolns Wahl zum Präsidenten fiel South Carolina aus Furcht vor einem Angriff auf das Gesellschaftssystem des Südens von der Union ab, gefolgt von Mississippi, Florida, Alabama, Georgia, Louisiana und Texas. Anfang 1861 proklamierten diese »Sezessionsstaaten« ein neues Staatengebilde, die »Konföderierten Staaten von Amerika«. Der Krieg beginnt
Lincoln weigerte sich, die Teilung der Vereinigten Staaten anzuerkennen, und appellierte an die Konföderierten, ihren Schritt zu überdenken. Als Antwort eröffneten am 12. April die Kanonen des Südens das Feuer auf Fort Sumter, einen Außenposten der Union in Charleston, South Carolina. Die Staaten Virginia, Arkansas, North Carolina und Tennessee schlossen sich bald der Konföderation an. Beide Seiten machten mobil. Der Bürgerkrieg hatte begonnen. Der Norden war wegen seiner größeren Industriekapazität im Vorteil. Die freie Bevölkerung des Südens machte nur ein Viertel der Bevölkerung des Nordens aus. Dieser war im Besitz der Marine und verhängte eine immer wirksamere Blockade gegen die Konföderation. Der einzige (zweifelhafte) Vorteil des Südens bestand in der Tapferkeit seiner Männer und darin, dass er Heimatboden verteidigte, dagegen trug der Norden den Angriff vor. Die erste größere Schlacht zeigte bald, dass es keinen leichten Sieg für den Norden geben würde. Truppen der Union versuchten, die Linien der Konföderierten bei Bull Run, Virginia, zu durchbrechen, wurden aber nach Washington zurückgetrieben. Doch bald wirkte sich die Überlegenheit (sowohl zahlenmäßig wie vom Rüstungspotenzial her) des Nordens aus. Nach dem Sieg beim Antietam erklärte Lincoln in seiner Befreiungsproklamation mit Wirkung vom 1. Januar 1863 alle Sklaven in den Konföderierten Staaten für frei. Erneute Versuche des Südens, das System der Sklaverei und die Konföderation zu erhalten, trafen auf immer entschiedenere Angriffe des Nordens. Von ihrer verheerenden Niederlage bei Gettysburg (Juli 1863) konnten sich die Konföderierten nicht erholen. Im folgenden Jahr untergrub General William Tecumseh Sherman (1820-91) durch seinen »Marsch zur See« in Georgia die restliche Kampfkraft des Südens. Sieg und Nachwirkungen
Als ein Großteil seiner Truppen abgeschnitten war, ergab sich der Kommandeur der Konföderierten, General Robert E. Lee (1807-70), am 9. April 1865 dem Kommandeur der Union, General Ulysses Simpson Grant (1822-85), in Appomattox, Virginia. Für die Union waren 360 000, für die Konföderation 260 000 Mann gefallen, dazu kamen noch Tausende von Opfern aus der Zivilbevölkerung. Der Süden lag in Trümmern. Trotz Lincolns Appell »Groll gegen keinen« war dieser Krieg samt seinen Folgen die Wurzel vieler späterer Auseinandersetzungen.
Truppen der Union (mit einer Batterie von 32-Pfündern) in der Nähe der Stadt Fredericksburg fotografierte Matthew Brady (um 1823-96), einer der ersten Kriegsfotografen der Geschichte. Der Bürgerkrieg war auch der erste Konflikt, in dem weitgehend Gebrauch von der Telegrafie und der Eisenbahn gemacht wurde und in dem eisengepanzerte Kriegsschiffe in die Schlacht fuhren: Im März 1862 bekämpften sich die »Monitor« der Union und die »Merrimac« der Konföderierten bei Hampton Roads, Virginia. Einen U-Boot-Angriff unternahm die »Hunley«, die 1864 vor Charleston ihren Torpedo in die »Housatonic« der Union rammte. Durch die dabei ausgelöste Explosion gingen beide Schiffe verloren.