Les Fauves und die Expressionisten

»Tupfentechnik« oder »Pointillismus« bezeichnet eine Malweise, bei der viele Tupfen aus reinen Farben nebeneinander gesetzt werden. Sie verbinden sich im Auge des Betrachters zu Mischtönen und farbigen Flächen. Die Pointillisten greifen auf die wissenschaftlichen Farb- und Lichttheorien von Eugene Chevreul (1786-1889) und Hermann L. F. Helmholtz (1821-94) zurück. Aus dem Impressionismus entwickelt, rechtfertigen es die Werke von Georges Seurat (1859-91) und Paul Signac (1863-1935), den Pointillismus als eigene Kunstrichtung zu bezeichnen. Die Befreiung der Farbe
Einen anderen Weg zu größerer Freiheit der Farbe ging die Schule von Pont-Aven, deren wichtigste Vertreter Paul Gauguin (1848 bis 1903) und Emile Bernard (1868-1941) waren. Sie entwickelten den sogenannten »Cloisonnismus«, bei dieser Malweise werden die Farbflächen des Bildes von dunklen Linien umrahmt. Es war nicht mehr nötig, die Form durch Differenzierung der Farbe zu gewinnen. Dem Maler war es jetzt möglich, in großen farbigen Flächen zu arbeiten. Die Wirkung entsprach der der Glasmalerei, die Leuchtkraft der Farben wurde nicht durch die Ansprüche der plastischen Form vermindert. Die vollständige Befreiung der Farbe von allen Zwängen der Form und von der Analogie zur Wirklichkeit war das Ziel einer Gruppe französischer Maler, die (nach dem Schimpfwort eines Kritikers) als »Fauves« (Wilde) bezeichnet werden. Sie stellten 1905 im Herbstsalon in Paris als geschlossene Gruppe aus. Die Tupfentechnik wurde vorübergehend vom begabtesten der Fauves, Henri Matisse (1869-1954), in seinem »Luxe, Calme et Volupte« angewandt. Signac bewunderte das Bild und kaufte es. Im Grunde waren jedoch für Matisse die dekorativen Möglichkeiten des neuen Stiles wichtiger als alle Farbtheorien. Matisse gab deshalb auch den Pointillismus ziemlich schnell wieder auf. Am Ende der Dekade schuf er Kompositionen, deren Flächen von klaren, ungebrochenen Farben gleicher Intensität beherrscht waren. Unter Verzicht auf Raumtiefe und Plastizität betont die rhythmische Linienführung die dekorativen Muster, die Formen sind merklich vereinfacht. Zu den Haupt Vertretern der Gruppe der Fauves gehörten Andre Derain (1880-1954) und Maurice de Vlaminck (1876-1958). Sie verzichteten auf jeden Symbolgehalt, wie ihn um 1900 die »Nabis« pflegten. Farbe und Gefühl
Hingegen verbindet der Wunsch, Gefühl zu vermitteln, Derain und Vlaminck mit dem Expressionismus. Dieser Begriff ist jedoch historisch nicht so genau wie Fauvismus. Er umfasst allgemein einen Kunstbereich, der sich mehr um Ausdruck bemüht als um Schönheit. Um den geistig-seelischen Gehalt des Objekts bloßzulegen, sind die Expressionisten bereit, das äußere Erscheinungsbild zu deformieren, das tun sie auch, um ihre eigene, subjektive Auffassung eines Objekts auszudrücken. Mit psychologischer Durchdringung und symbolischer Darstellung der Spannungen des Alltags übte der Norweger Edvard Munch (1863-1944) mit seiner ornamentallinearen Kunst wohl den bedeutendsten Einfluss auf den deutschen Expressionismus aus. Eine wichtige Gruppe im Expressionismus ist die Künstlervereinigung »Die Brücke«, gegründet 1905 in Dresden, zu ihr gehörten Ernst Ludwig Kirchner (1880-1938), Karl Schmidt-Rottluff (1884-1977), Erich Heckel (1883-1970) und andere. Sie übernahmen einerseits die reinen, lauten Farben der Fauves, waren jedoch konsequent darauf bedacht, den Ausdruck, das visuelle und geistige Erlebnis zu steigern. Im ganzen ist der Expressionismus eine Bewegung, die trotz alles Grellen, oft Gewaltsamen immer noch im Rahmen des Vorbildes der Natur operiert. Abstraktion und Gesellschaftskritik
Wassily Kandinsky (1866-1944) und Franz Marc (1880-1916), die in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg in München zusammenarbeiteten, trieben die Auflösung der Formen bis zur völligen Abstraktion. In dem von ihnen und ihren Freunden veröffentlichten Almanach »Der Blaue Reiter« (mit Beiträgen von Komponisten, Kritikern und Malern) forderten sie eine Erneuerung der Kunst aus dem Geistigen. Alle Gruppenmitglieder sollte das Bestreben verbinden, »die bisherigen Grenzen des künstlerischen Ausdrucksvermögens zu erweitern«. Kandinsky gelangte zu einer völligen Auflösung der gegenständlichen Form, indem er sich vom Dinglichen löste und die Autonomie der Farbe betonte. Nach dem Ersten Weltkrieg setzte sich in der deutschen Malerei eine von den Zeitgenossen »Neue Sachlichkeit« benannte Richtung durch. In einem Protest gegen das Emotionale, gegen die Gefährdung der Form und die dominierende Farbgebung der Expressionisten demonstrierte diese Richtung eine kühle, beherrschte Formverhärtung, die bei Georg Schrimpf (1889-1938) naiv-romantische, bei Alexander Kanoldt (1881-1939) manieristische Züge annimmt. Andere Maler wie Otto Dix (1891 bis 1969) und George Grosz (1893-1959) nutzten die penetrante Formstrenge zum Protest gegen die Ungerechtigkeit der Gesellschaft. Max Beckmann (1884-1950) wird meist als Expressionist klassifiziert: Seine Expression ist aber unpathetisch, entlarvend, expressiv, er verbannt nicht die Wirklichkeit aus seinen Bildern, sondern überhöht sie zur kunstvollkünstlichen Moritat. Paul Klee (1879-1940) gehörte zum Kreis des Blauen Reiters, seine irreale Welt verzichtet nicht auf die Außenwirklichkeit, auch nicht auf einen versöhnenden Zug, der das Hintergründige mildert.
Max Beckmanns »Nacht« (1918/19) verneint den Realismus. Form und Inhalt sind für ihn nur Ansitze für eine neue Wirklichkeit.

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Info 22.11.2017 17:30
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