Forstwirtschaft

Die Forstwirtschaft hat die Aufgabe, das Wachstum der Bäume zu betreuen, die Waldböden zu pflegen und die Pflanzen- und Tierwelt des Waldes zu hegen, um den größtmöglichen wirtschaftlichen Nutzen aus den Forsten zu ziehen. Die wichtigsten forstwirtschaftlichen Produkte sind Nutzhölzer, Brennholz und Holz zur Papierherstellung. Besondere Bedeutung kommt den Wäldern darüber hinaus bei der Erhaltung des Bodens, dem Schutz der Wasserversorgung und als Erholungsgebiete für die Menschen zu. Jeder moderne Forstwirt betreibt Mehrzweckwirtschaft, um diese Faktoren in ein ausgeglichenes Verhältnis zu bringen, wobei die Nutzholzproduktion das Hauptziel ist. In den meisten Ländern gehören forstwirtschaftliche Gebiete teilweise oder in der Gesamtheit dem Staat. Sind Wälder in Privatbesitz, unterstehen sie einer staatlichen Kontrolle, da die Zielsetzungen des Forstwesens zu wichtig sind, als dass man ihre Durchführung den einzelnen Waldbesitzern überlassen könnte. Natürliche Wälder
Einst bedeckten Naturwälder fast zwei Drittel der Erdoberfläche, bevor durch Kahlschlag (zu landwirtschaftlichen Zwecken) dieser Anteil auf ein Drittel reduziert wurde. Wälder wachsen meist in entlegenen Bergregionen und auf hügeligen, landwirtschaftlich ungeeigneten Böden. Das gesamte Waldareal der Welt (etwa mehr als 4 Mio. ha) liefert jährlich ungefähr JZ Mio. Tonnen Nutzholz, das ist eine halbe Tonne pro Kopf der Erdbevölkerung. Diese Zahl macht nur 1 % der Menge an wachsendem Holz aus. Die Forstwirte achten auf gleichmäßige Erträge, indem sie dafür sorgen, dass stets ausreichende Mengen lebender Bäume zur Verfügung stehen. Naturwälder herrschen noch immer in weiten Teilen des Nordens, so in Kanada, Skandinavien und der UdSSR, sowie in vielen Bergregionen der übrigen Erde vor. In den nördlichen gemäßigten Zonen wachsen meist Koniferen (Lärche, Fichte, Kiefer, Tanne), die den Bedarf an Weichholz namentlich zur Papierherstellung decken. Weiter südlich, z. B. in unseren Wäldern, überwiegen die Laubbäume (Eiche, Buche, Ahorn, Ulme, Linde, Esche, Birke). Sie liefern Hartholz, von dem jede Art für einen speziellen Zweck gebraucht wird, Hinter anderem zur Möbelherstellung. In vielen tropischen Gebieten wachsen Laubbäume in ausgedehnten Regenwäldern oder – wo weniger Regen fällt – in offenen Savannen. Ein Großteil der hier vorkommenden Harthölzer wird an Ort und Stelle verbraucht, nur die besten Sorten wie Teak, Mahagoni und Rosenholz werden exportiert. Selektive Forstwirtschaft
Selektiv betriebene Forstwirtschaft. erstrebt die Gewinnung von Nutzholz mit einfachsten Mitteln zu möglichst niedrigen Kosten, ohne die Umwelt in größerem Ausmaß zu beeinträchtigen. Nach eingehender Prüfung der in einem Waldareal stehenden Bäume, ihrer Wachstumsgeschwindigkeit und natürlichen Vermehrung stellt ein Forstfachmann einen Arbeitsplan auf, nach dem jeweils ein Zehntel des Waldes in jährlichem Wechsel bewirtschaftet wird, nach 10 Jahren wiederholt sich also der ganze Ablauf. Arbeiter fällen die besonders ausgewählten, älteren Bäume. Die entstehenden Lücken werden nach und nach von Sämlingen und ausgedünnten kleineren, noch unreifen Bäumen gefüllt. Diese Methode der Waldnutzung wird vor allem in Nationalparks und an lawinengefährdeten Berghängen angewandt, wo nach einem größeren Kahlschlag der Boden schnell erodieren würde. Demgegenüber sind geschlossene Wälder mit gleichaltrigen Bäumen derselben Sorte (Monokulturen) immer dann die gegebene forstwirtschaftliche Nutzungsform, wenn ganze Gebiete erstmals bepflanzt werden sollen (um die Holzproduktion eines Landes zu steigern), wenn unergiebiger Niederwald durch nutzbare Baumbestände ersetzt oder vorausgegangene Kahlschläge bzw. Waldbrandgebiete wieder aufgeforstet werden. Auf diese Weise entstehen plantagenartig angelegte Wälder, oft im Hinblick auf die Anforderungen eines zukünftigen Marktes. Bei der Auswahl der am besten geeigneten Baumsorten entscheidet man sich u. U. für ausländische Arten. So wächst die Monterey Kiefer (Pinus radiata), die in Kalifornien heimisch ist, heute auch in Südamerika, Süd- und Ostafrika, Australien und Neuseeland, der australische Eukalyptusbaum (Eucalyptus globulus) wird in Indien angepflanzt. Saatgut, das jahrelang kühl gelagert werden kann, wird gewöhnlich im Frühjahr auf Baumschulen in gepflegten, fruchtbaren Boden ausgesät. Die zwei bis drei Jahre alten Sämlinge werden in Beete umgesetzt, damit sie mehr Platz zur Bildung kräftiger, faseriger Wurzeln haben bzw. um das »Ausschießen« der Pflanzen einzudämmen. Nach ein oder zwei weiteren Jahren werden die jungen Bäume von Hand, auf leichtem Boden auch maschinell, an ihrem Bestimmungsort gepflanzt. Während des Wachstums müssen sie vor Krankheiten und der Vernichtung durch Insekten, Unkraut, weidende Tiere oder Feuer geschützt werden. Ausdünnen und Abholzen
Nach 15-25 Jahren wird zum ersten Mal »geerntet«. Oft wird dabei schon ein Viertel der Bäume geschlagen. Es entstehen Lichtungen, die den anderen Bäumen mehr Raum zum Wachsen verschaffen. Dieser Ausdünnungsprozess wiederholt sich alle paar Jahre, bis die übriggebliebenen Bäume alt genug, d. h. »reif« sind. Im Alter von 40 Jahren (bei Rottanne- und Kieferbestand)r bis zu 200 Jahren (bei Eichenbestand) wird der ganze Wald durch ein letztes großes Fällen, die »Haupternte«, abgeholzt. Danach muss das Gebiet wiederaufgeforstet werden.

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Info 22.11.2017 14:02
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