Baumschule

Botaniker haben von ihren Forschungsreisen Tausende von Pflanzenarten für unsere Gärten, Parks und Grünanlagen mitgebracht, die zuvor nur in fernen Gegenden der Erde wuchsen. Exotische Pflanzen aus der ganzen Welt stehen heute in) den Botanischen Gärten vieler großer Städte. In ähnlicher, mühevoller Arbeit haben Forstwirte und Baumschulenbesitzer zur Züchtung und Vermehrung zahlreicher Baumarten beigetragen. Der Forscher bringt eine völlig neue Spezies oder eine neue Spielart (Varietät) einer bekannten Spezies mit nach Hause. Der Züchter in den Baumschulen verbessert diese oder andere Spezies durch Kreuzung, d. h. er zieht eine Hybridpflanze mit besseren Eigenschaften als die Elternpflanzen heran. Hybridenzüchtung
In der Baumschule werden die Aussaaten und jede interessante Besonderheit der einzelnen Pflanze genau beobachtet. Viele der heute meistgepflanzten Bäume wurden aus Mutationen ausgewählt, die nur vom Menschen gezüchtet werden konnten. Denn einige Hybriden vermehren sich zwar durch ihre Samen, viele kann man aber nur durch Wurzeltrennung, Ablegerbildung und Veredelung fortpflanzen. Züchtungen von Hybriden untereinander sind gewöhnlich unfruchtbar, so dass hier die ungeschlechtliche Fortpflanzung sogar als einzige Möglichkeit übrigbleibt. Die Namen berühmter Pflanzenzüchter der Vergangenheit leben in den von ihnen gezüchteten und nach ihnen benannten Pflanzen weiter: Lucombe in Exeter, Späth in Berlin, Vilmorin in Paris (Sorbus vilmorinii) oder Veitch in Chelsea (Ampelopsis veitchii). Der größte Teil der Arbeit einer gewerblichen Baumschule besteht in der Aufzucht verschiedener Baum- und Straucharten und deren Verkauf. Die Entwicklung geht dahin, die Produktion auf diejenigen Spezies auszurichten, nach denen die größte Nachfrage besteht und die den höchsten Marktwert besitzen. Die abgebildete Baumschule ist das Modell eines international bekannten Saat- und Pflanzenzuchtunternehmens (Hillier), das sich aus Tradition noch keinen derartigen Beschränkungen unterworfen hat: Der Katalog von Hillier verzeichnet annähernd 8000 lieferbare Spezies von Bäumen, Büschen und Sträuchern. Das Verpflanzen bereits angewurzelter Bäume
Bäume aus Baumschulen lassen sich ohne weiteres verpflanzen, da man bei der Zucht gerad« auf diese Eigenschaft besonderen Wert gelegt hat. Bei entsprechender Sorgfalt ist es möglich auch festverwurzelte Bäume an einen geeigneten anderen Standort zu versetzen. Bei großer Bäumen ergeben sich natürlich Transport Schwierigkeiten, das Umpflanzen erfordert hie hohen menschlichen Kraftaufwand oder di< Hilfe von Maschinen. Selbst dann ist der Erfolg nur sicher, wenn lange vorher sorgfältige Vorbereitungen getroffen worden sind. Zunächst wird auf der einen Seite des Baumes Gräbergezogen, ein Jahr danach auch auf der anderen Seite. Diese Gräben füllt man mit Blatthumus Der Baum bildet darin allmählich Faserwurzel aus, die sich mit der Zeit zu einem kompakte! Wurzelsystem entwickeln, so dass man ihn ohne zu große Verluste und Verletzungen der Winzer verpflanzen kann. In Baumschulen mit lockeren Sandböden lassen sich die Bäume jedes Jahr versetzen Hier entstehen nämlich keine tiefen Wurzeln sondern bloß Wurzelballen, die das Verpflanzen erleichtern. Am einfachsten zu versetzen sind die typischen Gartenkoniferen, Zypressen und Thuja Arten, die kleine, dichte Wurzelsysteme nahe der Erdoberfläche haben. In kurzer Zeit ist ein Pflanzloch ausgehoben und ein Baum bis zu 6 m Höhe umgesetzt, ohne dass er dabei am Wurzelwerk nennenswert beschädigt wird. Stützt man den Baum mit einem starken Pfahl oder Seilen und wässert ihn mindestens ein Jahr lang, wird er anwachsen. Das Pflanzen selbst bereitet keine Schwierigkeit, wie man auf jeder Schonung mit Tausenden von jungen Bäumen sehen kann. Man gräbt ein Loch, steckt den Setzling hinein und bedeckt die Würzelchen fest mit Erde. Auf trockenem Boden setzt man die jungen Pflanzen in Erdmulden, um die Feuchtigkeitszufuhr zu erhöhen. Auf sehr feuchtem Boden empfiehlt es sich, leicht erhöhte Erdhügel anzulegen und die Setzlinge dort anzupflanzen. Die günstigsten Pflanzzeiten In Gegenden mit strengen Wintern sollte man mit dem Pflanzen im Frühjahr erst dann beginnen, wenn der Boden getaut und nicht mehr zu sehr aufgeweicht ist. In wärmeren Gebieten pflanzt man laubabwerfende Bäume am besten im Herbst. Ihre Wurzeln können im milden Winter gut gedeihen und haben eine bessere Chance, sich einzugewöhnen, als wenn sie erst im Frühjahr gepflanzt würden. Auch vermögen die kalten Frühjahrs winde die Bäume weniger leicht auszutrocknen, wenn diese bereits überwintert und Wurzeln geschlagen haben. In den gleichen Klimagebieten wird man immergrüne Bäume entweder im Frühherbst oder im Frühjahr anpflanzen, im Frühjahr jedoch erst dann, wenn die Bodentemperatur über 5°C beträgt und keine kalten, austrocknenden Winde mehr zu erwarten sind. Bei breitblättrigen immergrünen Bäumen sollte ein Teil des Ast- und Blattwerkes weggeschnitten werden, um den Feuchtigkeitsverlust durch Transpiration zu verringern. Bäume aus Töpfen oder Kübeln lassen sich theoretisch jederzeit anpflanzen, doch ist die beste Pflanzzeit dieselbe wie bei anderen Bäumen. Wenn man sie im Hochsommer umsetzt, muss man gut und oft gießen. Nicht selten entwickeln Bäume in zu kleinen Behältern ein dichtes, verfilztes Wurzelgewirr, das beim Umpflanzen aufgelockert werden muss.