Nutztiere

Pferd als Nutztier

Vor der Domestikation, die nach den bisherigen Kenntnissen etwa um 3000 v. Chr. an verschiedenen Stellen Europas und Asiens erfolgte, war das Pferd zun├Ąchst nur Jagd- und Opfertier. Danach wurde es vorwiegend als Zugtier vor dem Pflug oder Streitwagen, ab etwa 1500 v. Chr. auch als Reittier genutzt. Nach neueren Erkenntnissen ist das Prschewalskij Pferd Stammvater aller Hauspferde. Die erheblichen Unterschiede bei den heutigen Rassen sind auf eine starke, vor allem milieubedingte Auslese zur├╝ckzuf├╝hren. Die oft als Wildpferde bezeichneten Mustangs in den Pampas, die D├╝lmener Pferde oder die Pferde der Camargue sind keine echten Wildpferde, sondern verwilderte oder v├Âllig im Freien lebende Hauspferde.

Die Entwicklung der Pferdezucht
Die Pferdezucht und -haltung wurde lange Zeit entscheidend von der Eignung des Pferdes f├╝r kriegerische Zwecke bestimmt. Die mongolischen Reiterheere verf├╝gten ├╝ber schnelle, leichte Pferde, in Europa wurde im Mittelalter von den Rittern hingegen ein schweres Pferd bevorzugt, w├Ąhrend sp├Ąter die Erfindung des Schie├čpulvers edle, g├Ąngige Pferde erforderte. Diese lie├čen sich durch Veredelung der Landschl├Ąge mit Vollbl├╝tern z├╝chten. Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts gewann das Pferd f├╝r die Wirtschaft und namentlich f├╝r die Landwirtschaft stark an Bedeutung. Hierf├╝r waren wiederum schwerere Pferde erforderlich.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erwuchs dem Pferd dann im landwirtschaftlichen wie auch im gewerblichen Betrieb eine verst├Ąrkte Konkurrenz durch den Motor, so dass der Pferdebestand stetig zur├╝ckging. Der Tiefststand wurde in der Bundesrepublik 1970 mit insgesamt 252 000 Pferden erreicht. Die seither feststellbare Zunahme des Pferdebestandes erkl├Ąrt sich aus der steigenden Beliebtheit der Pferde f├╝r Sport- und Freizeitzwecke.

Pferderassen und ihre Bedeutung
Die Einteilung der etwa 100 Pferderassen der Welt - davon ca. 60 in Europa - kann nach verschiedenen Gesichtspunkten erfolgen. In Deutschland werden die einzelnen Rassen in folgenden Klassen zusammengefasst: Spezialpferde, Warmblutpferde, Kaltblutpferde und Kleinpferde.

Zu den Spezialpferden geh├Âren Araber, Englisches Vollblut, Traber und Trakehner. Der Araber ist zweifellos die ├Ąlteste durch systematische Reinzucht entstandene Pferderasse und hat die Entwicklung fast aller Pferderassen einschlie├člich des Englischen Vollbluts wesentlich beeinflusst. Dem mehr naturgewachsenen Araber gegen├╝ber ist das Englische Vollblut eine vornehmlich durch den Einfluss des Menschen geformte Rasse, die ganz nach dem Leistungsprinzip entstand. Diese Auslese, bei der vor allem Wert auf Schnelligkeit und Ausdauer im Rennen gelegt wurde, formte den Vollbl├╝ter zu einem hervorragenden Rennpferd. Auch die Traber wurden allein aufgrund der Rennbahnleistungen von Einzeltieren weitergez├╝chtet.

Aus der Kreuzung der Vollbl├╝ter mit ruhigeren und schwereren Landschl├Ągen sind die Warmblutpferde hervorgegangen. Bei den fr├╝her stark differenzierten Schl├Ągen, die entsprechend ihrer regionalen Herkunft bezeichnet werden, kam es in den letzten Jahren durch die fast ausschlie├čliche Verwendung als Reit- und Sportpferde zu einer Vereinheitlichung im Typ. Der Trakehner wird zwar aufgrund seiner besonderen Entwicklungsgeschichte in Deutschland bei den Spezialpferden aufgef├╝hrt, ist jedoch ebenso wie der Hannoveraner, der Westfale, Oldenburger, Ostfriese, W├╝rttemberger oder Rottaler ein Warmblutpferd. Die meisten hochwertigen deutschen Spitzenpferde f├╝r den gro├čen Turniersport stammen aus Hannover, Holstein und Westfalen.

Die Kaltblutpferde - Rheinisch deutsches Kaltblut, Schleswiger Kaltblut, S├╝ddeutsches Kaltblut (Noriker), Schwarzw├Ąlder Kaltblut u. a. - sind gr├Â├čer und schwerer (650-900 kg) als die bisher genannten Rassen und dienen zumeist als ruhige Zugpferde. Zu den vielseitig verwendbaren Kleinpferden geh├Ârt unter anderen Haflinger, Fjordpferde und Ponys verschiedener Herkunft.

Bekannte europ├Ąische Pferderassen sind der Hackney aus Gro├čbritannien und der Anglo Norm├Ąnner aus Frankreich (beides elegante Wagenpferde), der Andalusier aus Spanien (Zirkuspferd), der Berber aus Nordafrika (Polopferd) sowie der Lipizzaner aus ├ľsterreich, welcher zum Idealpferd f├╝r die Reitkunst der Hohen Schule wurde (Spanische Hof Reitschule in Wien).

Pferde├Ąhnliche Haustiere
Eine gro├če Bedeutung hat f├╝r den Menschen auch der Esel erlangt, der vermutlich schon fr├╝her als das Pferd in Afrika domestiziert wurde. Er ist bis heute ein wegen seiner Gen├╝gsamkeit und Ausdauer sowie wegen der Trittsicherheit auf Gebirgspfaden sehr gesch├Ątztes Last- und Reittier. Durch Kreuzung von Esel und Pferd gelang es, die Nutzungsm├Âglichkeit noch zu steigern. Die Leistungsf├Ąhigkeit der Maulesel (Kreuzungsprodukt von Pferdehengst und Eselstute) ist allerdings im Gegensatz zu jener der Maultiere (Produkt von Eselhengst und Pferdestute) recht gering, so dass sie auch kaum verbreitet sind.

Zu den Equiden geh├Âren ferner die in Afrika vorkommenden, z├Ąhmbaren Zebras oder Tigerpferde. Da Zebras unempfindlich gegen├╝ber den Stichen der Tsetsefliege sind, hat man versucht, durch Kreuzung von Zebras und Pferden ein f├╝r die Tropen geeignetes Haustier zu z├╝chten. Diese als Zebroide bezeichneten Kreuzungsprodukte haben jedoch aufgrund des vom Zebra stammenden st├Ârrischen Temperaments die in sie gesetzten Erwartungen nicht erf├╝llen k├Ânnen.