Rind als Lieferant von Fleisch und Milch

Rinder sind vom Menschen bereits in der Jungsteinzeit domestiziert worden. Sie können aufgrund züchterischer Maßnahmen einer Vielzahl von Anforderungen gerecht werden und lassen sich den verschiedensten Umweltbedingungen anpassen. Früher dienten die Rinder als Zugvieh zur Ausführung von Acker- und Transportarbeiten sowie als Milchtiere und schließlich auch als Fleischproduzenten. In den entwickelten Agrarländern ist mittlerweile jedoch ein erheblicher Wandel eingetreten. Das Ziel moderner Züchter ist eine hohe Milch- und gute Fleischleistung der Rinder. Die Züchtung von Rinderrassen
Die züchterische Verbesserung der Rinderbestände hat eine lange Geschichte, insbesondere in Gebieten, in denen reichlich Futter zur Verfügung stand. Ab dem 16. Jahrhundert nahmen die großen Niederungsschläge einen bedeutenden Einfluss auf die Rinderzucht in weiten Teilen Europas. Dennoch gab es bis zum Ende des 18. Jahrhunderts keine detaillierten Aufzeichnungen über die Abstammung der einzelnen Tiere. Hierzu veranlasste die Züchter erst die steigende Nachfrage der Stadtbevölkerung nach Fleisch, z. B. in Großbritannien den Longhorn Züchter Robert Blakewell (1726-96) sowie Robert (1749-1820) und Charles (1750-1836) Colling, die die ersten Shorthorns züchteten. Sie ebneten den Weg für die Schaffung von Züchtverbänden und Herdbüchern für alle bedeutenden Rassen. So wurde es möglich, Tiere mit hervorragenden Zuchteigenschaften leichter zu identifizieren und den Einfluss dieser Tiere aufgrund des verstärkten Einsatzes ihrer Nachkommen – besonders in der männlichen Linie – auszudehnen. Dieser Prozess ist in den letzten 50 Jahren durch die Anwendung der künstlichen Besamung (KB) erheblich verstärkt worden. Aufgrund der Verwendung tiefgefrorenen Samens ist eine Besamung vieler tausend Tiere an jedem Ort der Welt möglich, selbst nach dem Tod des Bullen. Sein genetischer Einfluss auf Milchleistung und Milchfettgehalt der Tochtertiere kann exakt ermittelt werden, indem deren Leistungen mit den Milchleistungen der Töchter anderer Bullen in der gleichen Herde verglichen werden. Eine tierzüchterische Beurteilung der Nachkommen zeigt auch den Einfluss des Bullen auf den Körperbau an. Die Ermittlung des genetischen Einflusses des Bullen bei Fleischrindern ist weit schwieriger, doch lassen Wachstumsrate und Futterverwertung der Nachkommenschaft auch hier Schlüsse zu. Ein gutes Fleischrind muss nicht nur schnell wachsen, sondern auch den Hauptanteil an magerem Muskelfleisch an denjenigen Körperpartien auf weisen, die vom Verbraucher bevorzugt werden – Keule, Rücken und Schulter. Schwere Knochen bedeuten einen Verlust für den Schlachter, und Fett ist im Allgemeinen nicht erwünscht, obwohl es für den Geschmack und die Zartheit des Fleisches von Bedeutung ist. Drei sehr bekannte Fleisch- bzw. Mastrassen sind: das mittelgroße, früher als Arbeitsrind gehaltene Hereford Rind, das Aberdeen Angus Rind, das zwar kleiner ist, von vielen jedoch als das beste Fleischrind angesehen wird, und das Charolais Rind, das groß ist, schnell wächst und stark bemuskelte Hinterviertel besitzt. Milchrassen und Zweinutzungsrassen
Bei der reinen Milchkuh muss ein möglichst großer Anteil des Futters nicht zu Fleisch, sondern zu Milch veredelt werden. Sie benötigt einen großen Verdauungstrakt und ein wohlgestaltetes, großes Euter. Zwei reine Milchrassen sind das Ayrshire Rind aus Schottland und das Jersey Rind von der Kanalinsel. Jersey Rinder sind die kleinsten der bekannten Milchrassen und geben eine besonders fetthaltige Milch. Der größte Teil des Fleisches und der Milch stammt von sogenannten Zweinutzungsrassen. Hierzu zählen in der Bundesrepublik namentlich die Schwarzbunten, von denen es verschiedene Schläge gibt, Fleckvieh, Rotbunte sowie Braunvieh. Bei Fleischrassen sind die Kälber – ohne Rücksicht auf ihr Geschlecht – die Einnahmequelle, während bei Milchrassen die Bullkälber von geringem Wert sind. Daher werden bei Milchrassen zumeist nur die leistungsstarken Kühe von einem Bullen einer Milchrasse gedeckt, um wieder gute Milchtiere zu bekommen, während die anderen Kühe von einem Fleischrassebullen gedeckt werden. Um derartige Kreuzungen leichter identifizieren zu können, benutzen Züchter häufig Bullen mit auffallenden Merkmalen, beispielsweise weißköpfige Hereford Bullen. Spezielle Rassen
Es besteht noch immer große Nachfrage nach Rinderrassen, die an besondere Umweltbedingungen angepasst sind, wie die langsam wachsenden, aber sehr widerstandsfähigen Höhenrassen in den verschiedenen europäischen Ländern. In Afrika müssen die Rinder längere Trockenperioden überstehen können und widerstandsfähig gegenüber den örtlichen Gegebenheiten sein – Voraussetzungen, die von den europäischen Rassen nicht erfüllt werden können. In tropischen und subtropischen Gebieten sind häufig die auch als Buckelrinder bezeichneten Zebu Rinder zu finden. Züchterisch und wirtschaftlich bedeutungsvoll ist deren große Hitze- Unempfindlichkeit und Immunität gegenüber einer Reihe von Krankheiten und Seuchen. Aus diesem Grunde ist das Zeburind auch in Züchtungsprogrammen in den heißeren Regionen Australiens und Amerikas eingesetzt worden, vor allem bei der Züchtung des Santa-Gertrudis-Rindes in Texas. Versuche, den wilden amerikanischen Bison oder Büffel mit Rindern zu kreuzen, haben zu einem Produkt mit der kuriosen Bezeichnung »Beefallo« geführt.

Forum (Kommentare)

Info 21.02.2018 18:28
Noch keine Kommentare zu diesem Artikel vorhanden.