Produktion von Geflügelfleisch und Eiern

Die gesamte Nutzviehhaltung erfährt heute eine zunehmende Intensivierung. Besonders die Geflügelproduktion hat sich seit den zwanziger Jahren grundlegend geändert. Der kleinbäuerliche Hühnerhof ist Legehennen- und Brathähnchenfarmen gewichen, die von großen Organisationen kontrolliert werden. Die Brathähnchenfarmen produzieren ihr eigenes Futter, verfügen über große Stallungen sowie Schlachtereien und Kühl- bzw. Gefrieranlagen und vermarkten ihre Endprodukte selbst. Als Folge dieses Wandels spielen Geflügelhalter, die früher bei 1000 Legehennen ein gutes Auskommen hatten, keine Rolle mehr. Auch als Nebenerwerbszweig ist die Geflügelhaltung vom Direktverkauf der Eier abgesehen – ohne Bedeutung. Die marktüblichen fünf bis sechs Monate alten Freiland Hähnchen von einst sind durch Brathähnchen ersetzt worden, die bis zur Schlachtung massenweise in dunklen Ställen gehalten werden. Diese Tiere sind nach acht bis zehn Wochen schlachtreif. Die Puten- und Entenhaltung wird ebenfalls intensiviert, so dass heute nur noch bei Gänsen und Jagdvögeln die ursprüngliche Auslaufhaltung allgemein üblich ist. Geflügelzucht als Erwerbszweig
Dem Geflügel haben die Genetiker schon frühzeitig große Aufmerksamkeit gewidmet, da die Kreuzung ausgewählter reiner Rassen bzw. die Inzuchtlinien mit einer enormen Produktion Steigerung verbunden waren. Spezielle Hybriden konnten sowohl als Legehühner wie auch als Masthühner die alten reinen Rassen, beispielsweise Rhodeländer, braune Leghorn, Sussex sowie deren Kreuzungen, schnell verdrängen. Mit der Züchtung von Hybridhühnern wurde in Westdeutschland in den fünfziger Jahren begonnen, doch sind nur wenige unabhängige Züchter übriggeblieben. Die Geflügelzucht wird heute von Zuchtbetrieben in den USA und Kanada beherrscht. Diese Gesellschaften verkaufen aus ihren sorgfältig kontrollierten Zuchtbeständen Elterntiere an lizenzierte Vermehrungsbetriebe sowie Brütereien in vielen Ländern der Erde. Für Eintagsküken, die an Aufzucht- oder Mastbetriebe gehen, sind Lizenzgebühren zu zahlen. Die Vermarktung der Hybridhühner
Das Aussehen der modernen Hybridhühner ändert sich ständig, so dass man sie nur noch mit Codenamen bezeichnet. Sie werden unter Angabe ihrer bei Leistungsprüfungen ermittelten Werte wie tägliche Eizahl und Eimasse, Zeitpunkt der Legereife, Körpergwichtsentwicklung und Futterverzehr angeboten. Daten zur Resistenz oder Immunität gegenüber Erkrankungen, die in Geflügelhaltungsbetrieben große Verluste verursachen können, werden dem Käufer oft ebenfalls mitgeteilt. Intensive Haltungsmethoden
Die technologischen Veränderungen des 20. Jahrhunderts haben auch zum Wandel der Geflügelhaltung beigetragen. Die Entwicklung der Brutgeräte als Ersatz der Mutterhenne war der erste Schritt zur fabrikähnlichen Geflügelproduktion. Die künstliche Besamung hat eine weitere, erhebliche Rolle gespielt. Im Vergleich zu anderen Nutztieren ist der Lebenszyklus des Geflügels zwar relativ kurz, die Zahl der Eier und damit der möglichen Nachkommen jedoch recht hoch. Eine Henne, die mit fünf Monaten die Legereife erreicht, kann derzeit über 200 Eier pro Jahr legen. Befruchtete Hennen-, Enten- bzw. Puteneier können zu zentralen Brütereien geschickt und sorgfältig verpackte Eintagsküken an Kunden in der ganzen Welt verkauft werden. Mit Ausnahme von Wassergeflügel eignet sich Geflügel gut für moderne Haltungsmethoden. Die Eierproduktion wurde als erstes intensiviert. Die meisten Legehennen werden heute in Käfigen gehalten, deren neueste Typen bereits mit automatisierten Fütterungsanlagen, Tränksystemen und Bändern zum Eiersammeln versehen sind. Der Kot wird bei Käfigbatterien von einem Kotband mechanisch wegtransportiert oder unter Einzelkäfigen in Kotgruben aufgefangen und später beseitigt. Einige Züchter bevorzugen zwar nach wie vor die Auslaufhaltung, doch setzt sich die intensive Stallhaltung immer mehr durch, zumal sie den Arbeitsaufwand reduziert. Es hat sich gezeigt, dass Geflügel – ähnlich wie Pflanzen – auf Veränderungen der Lichtlänge und -intensität deutlich reagiert. Deshalb wird die künstliche Beleuchtung in fensterlosen Ställen mit Beginn der Legeperiode schrittweise verlängert, um einen andauernden Frühling vorzutäuschen: In dieser Jahreszeit legt das Geflügel die meisten Eier. Gut isolierte und klimatisierte Ställe garantieren eine gleichmäßige Temperatur. Zusätzlich werden in Mast- und Aufzuchtställen Heizgeräte eingesetzt. Für Hähnchen wird meist noch die Bodenhaltung bevorzugt (wobei die Tiefstreu große Bedeutung hat), doch ist in letzter Zeit auch hier die Käfighaltung vermehrt in Gebrauch gekommen. Der Hauptnachteil der Käfige bei der Mast war das Drahtgeflecht des Käfigbodens, das oft zur Bildung sogenannter Brustblasen führte. Diese sehen vor allem bei tiefgefrorenen Hähnchen sehr unschön aus. Umstrittene Tierhaltung
Die intensiven Haltungsmethoden, die eine Kostenminderung und Steigerung der Eier bzw. Geflügelfleischproduktion ermöglichen, werden von den Verfechtern der Auslaufhaltung als unnatürlich und grausam abgelehnt. Dem wird entgegengehalten, dass die Intensivhaltung allen Erfordernissen hinsichtlich der Unterbringung und Ernährung der Tiere voll gerecht werde, da andernfalls z.B. die Legeleistung der betreffenden Hühner hinter der von Auslaufhühnern zurückbleiben müsse, was bei optimaler Gestaltung der Käfighaltung nicht der Fall sei.