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Handelsfischerei

Die Meere sind das Jagdgebiet des Menschen nach einem seiner Hauptnahrungsmittel: Fisch. Allerdings werden fĂŒr den Handel bestimmte Fische nur in verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig kleinen Meeresgebieten gefangen, und zwar dort, wo das Wachstum von Phytoplankton, der wichtigsten Fischnahrung, begĂŒnstigt wird. Reich an Phytoplankton sind alle Gebiete, in denen kaltes Auftriebswasser sich mit dem wĂ€rmeren OberflĂ€chenwasser vermischt. Diese Zonen umfassen lediglich 1% der gesamten MeeresoberflĂ€che, und hier wird allein die HĂ€lfte der jĂ€hrlichen Fangmengen eingebracht. Etwa 90% davon entfallen auf Speisefisch. In der restlichen Fangmenge sind Meerestiere von bedeutendem Marktwert wie Weich- und Krustentiere enthalten. Die HĂ€lfte des weltweiten Gesamtfangs wird zu tierischen Futtermitteln verarbeitet. Die Gefahr des Überfischens
Seit den AnfĂ€ngen der Seefahrt hat der Mensch geglaubt, das Meer werde unbegrenzte Mengen an Fisch bereithalten. In unserer Zeit wurden aber die FĂ€nge durch die Handelsfischerei der fĂŒhrenden LĂ€nder derartig intensiviert, dass das natĂŒrliche Gleichgewicht zwischen JĂ€ger und Beute gestört ist. Der Umfang der Ausbeute hat die Vermehrung der BestĂ€nde vor allem bei den bekanntesten Fischarten ĂŒberholt. Die Statistik verzeichnet ein rasches Ansteigen des Weltfangvolumens seit etwa 1950. Auf dem Höhepunkt (1970) wurden in der ganzen Welt rund 70 Mio. t Fisch angelandet. Seither sind die ErtrĂ€ge ĂŒberall zurĂŒckgegangen und haben sich derzeit bei etwa 65 Mio. t jĂ€hrlich eingependelt. Schwindende VorrĂ€te und Fangkontrollen
Die FischvorrĂ€te sind in den letzten Jahren durch verschiedene naturbedingte Ereignisse und durch Überfischen erschöpft worden. Der Sardellenfang Perus – als desjenigen Landes, das die grĂ¶ĂŸten Mengen dieser Heringsart (Anchovetas) lieferte – wurde z. B. durch das Umbiegen des warmen und salzarmen El-Nino-Stromes nach SĂŒden hin empfindlich gestört, weil dessen Wasser das kalte, nĂ€hrstoffreiche Tierwasser des Perustromes verdrĂ€ngte. Die Folge war ein riesiges Fischsterben. Die ausbleibenden Sardellenlieferungen konnten auf dem Weltmarkt inzwischen durch Alaska-Schellfisch teilweise ersetzt werden. Da die FischvorrĂ€te zurĂŒckgegangen sind, mussten die Produktionsprognosen revidiert werden. ZunĂ€chst war man davon ausgegangen, dass jĂ€hrlich 200 Mio. t Fisch gefangen werden könnten, ohne die VorrĂ€te ernstlich zu gefĂ€hrden. Nunmehr liegen die SchĂ€tzungen des Gesamtertrags an menschlicher Nahrung aus dem Meer bei 118 Mio. t pro Jahr. Diese Zahl geht von zwei Voraussetzungen aus, nĂ€mlich der Erschließung neuer FischgrĂŒnde und wirksamen internationalen Kontrollen des Weltfischfangs. Die Versorgung der Weltbevölkerung mit dem wertvollen Eiweiß der Fische lĂ€sst sich nur durch Überwachung der Regeneration des biologischen Meereslebens sichern. Die nahezu völlige Ausrottung des Walfischs steht als Mahnung dafĂŒr, wohin rĂŒcksichtsloser, unkontrollierter Fischfang fĂŒhren kann. Um das Überfischen zu beenden, wird man auf internationaler Ebene zusammenarbeiten mĂŒssen, allerdings ist die Beratung entsprechender Abkommen sehr stockend und bisher noch zu keinem befriedigenden Ergebnis gediehen. Außer in der Festlegung von Fangquoten pro Land und von NetzgrĂ¶ĂŸennormen liegt die Hoffnung, die FischvorrĂ€te zu erhalten, in der Errichtung ausgedehnter nationaler Fischereischutzzonen vor den KĂŒsten der einzelnen LĂ€nder. Die Versuche, die Fischereizonen auszudehnen, um die AktivitĂ€t der großen FanglĂ€nder vor allem der Russland, Japans, der USA und einiger westeuropĂ€ischer LĂ€nder einzuschrĂ€nken, haben stellenweise bereits zu sogenannten Fischereikriegen gefĂŒhrt, wie z. B. zwischen Island und England. Zwar wurden die »Großen« hierdurch gezwungen, ihre FĂ€nge zu verringern und sich mehr auf die eigenen GewĂ€sser zurĂŒckzuziehen, aber das Problem einer eher schonenden Ausbeutung der FischbestĂ€nde, sei es in internationalen oder nationalen FanggrĂŒnden, ist vorlĂ€ufig noch nicht gelöst. Neue Wege bei der Versorgung mit Fisch
Neben Maßnahmen zur Erhaltung der FischbestĂ€nde wird in Zukunft die Gewinnung weiterer Fischarten fĂŒr die Nahrungsversorgung und die Entwicklung mariner Fischfarmen eine wachsende Rolle spielen. Es dĂŒrfte jedoch noch viele Jahre dauern, bis die ErtrĂ€ge aus Fischfarmen die bereitgestellte Gesamtmenge an Fisch spĂŒrbar zu erhöhen vermögen. Einige LĂ€nder haben mit der MarkteinfĂŒhrung bisher kaum geschĂ€tzter Speisefische begonnen. In den GewĂ€ssern der Antarktis findet andrerseits der Fang von Krill (Euphausia superba) – kleinen Krebstieren, die die Nahrung der Bartenwale bilden – immer mehr Interesse. Krill kommt in riesigen Mengen vor. Seine Nutzung steht noch am Anfang: Probeweise dient er bereits als Nahrungsmittel sowie als Futter fĂŒr Fischfarmen und Haustiere. Neue Fischarten werden heute aus der Tiefsee heraufgeholt. In Anbetracht ihres ungewohnten Aussehens stellen sie ein Verkaufs-Problem dar, so dass diese Fische erst in verarbeiteter Form angeboten werden können. Wegen der fortgeschrittenen Fischereitechnologie und einer möglicherweise schnell weiterwachsenden Nachfrage (abhĂ€ngig von der Erschöpfung herkömmlicher Fischarten) besteht jedoch auch hier die Gefahr des Überfischens. Eine gewisse ZufĂ€lligkeit und ExtensitĂ€t bei der Ausbeutung der Meereslebewesen wird dem herkömmlichen Fischfang wohl immer anhaften. Umso notwendiger ist die gezielte Gewinnung von Fischen in Aquakulturen, wie sie bisher in Japan entwickelt worden sind.

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